Adygeja

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Adygeja
Flagge von Adygeja
Wappen von Adygeja
Flagge Wappen
Lage in Russland
Staat: Russland
Föderationskreis: Südrussland
Fläche: 7.800 km²
Einwohner: 442.735 (1. Januar 2006)
Hauptstadt: Maikop
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: 01

Die im Nordkaukasus gelegene Republik Adygeja (von adygeisch Adyge: Tscherkessen; russisch Республика Адыгея/ Respublika Adygeja, adygeisch Адыгэ Республик) ist seit 1991 eine kleinere autonome Republik im südlichen Teil des europäischen Russland. Ihre Hauptstadt ist Maikop (Myjeqwape).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Die Republik Adygeja liegt im Süden der russischen Föderation und südöstlich der Millionen-Metropole Krasnodar. Das Territorium erstreckt sich somit von der südrussischen Steppe mit dem Fluss Kuban nach Süden bis zum westlichen Kamm des Kaukasus. Als wenig kompakter Landstreifen zwischen den Flüssen Laba und Kuban und beiderseits der Belaja ist Adygeja vollständig von der russischen Region Krasnodar umgeben. Am Kamm des Hochkaukasus stellt die Republik den größten Teil des Biosphärenreservates Nordkaukasus, eines beeindruckenden Schutzgebiets für die Bergwelt des Kaukasus. Im Nordwesten grenzt die Republik an den „Krasnodarer Stausee“. Die Schwarzmeerküste bei Sotschi wird vom Gebiet Adygejas nicht erreicht.

[Bearbeiten] Bevölkerung

Die namensgebenden Adygejer (Tscherkessen) nehmen nach der Volkszählung 2002, bei der die Republik 447.109 Einwohner hatte, nur 36,4% der Bevölkerung ein. Die Mehrheitsbevölkerung bilden mit 52% die Russen. Weitere bedeutende Volksgruppen sind mit 15.268 Personen (= 3,41 %) die Armenier und 9.091 (= 2,03 %) Ukrainer. Amtssprachen sind Adygeisch und Russisch. Die Tscherkessen sind mehrheitlich Muslime. Außerdem leben noch heute Tausende Flüchtlinge aus den Unruheprovinzen im Nordkaukasus in Adygeja.

[Bearbeiten] Verwaltungsgliederung

Verwaltungsgliederung der Republik Adygeja
Stadtkreis Einwohner
1. Januar 2006
Stadtbevölkerung Dorfbevölkerung
Adygeisk 14.521 12.196 2.325
Maikop 175.578 156.768 18.810
Rajon Einwohner
1. Januar 2006
Fläche in km² Verwaltungssitz
Giaginskaja 32.988 790 Giaginskaja
Koschechabl 30.983 530 Koschechabl
Krasnogwardeiskoje 30.907 700 Krasnogwardeiskoje
Maikop 56.351 3.730 Tulski
Schowgenowo 15.963 530 Chakurinochabl
Tachtamukai 65.764 440 Tachtamukai
Teutschek 19.680 710 Poneschukai

[Bearbeiten] Städte

Die größten Ortschaften in der Republik sind neben der Hauptstadt Maikop die Orte Jablonowski, Enem und Giaginskaja. Die traditionellen Dörfer der Adygejer heißen Aul.


Städte und städtische Siedlungen
In Adygeja gibt es 2 Städte und 5 Siedlungen städtischen Typs.

Stadt*/Städt. Siedlung Russischer Name Rajon Einwohner
(1. Januar 2006)
Adygeisk* Адыгейск Adygeisk (Stadtkreis) 12.196
Enem Энем Tachtamukai 17.733
Jablonowski Яблоновский Tachtamukai 25.345
Kamennomostski Каменномостский Maikop 7.482
Maikop* Майкоп Maikop (Stadtkreis) 156.768
Tljustenchabl Тлюстенхабль Teutschek 4.872
Tulski Тульский Maikop 8.432

[Bearbeiten] Geschichte

Die Gegend nördlich des Schwarzen Meers (Skythen) wurde an den Küsten bereits im 6. Jahrhundert von Byzanz aus christianisiert. Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte trat dann auch der Rest der Tscherkessen nominell zum Christentum über. Dies geschah trotz der Herrschaft der Chasaren, deren Führung Juden waren. Die Genuesen bauten mehrere Handelsplätze und Festungen in der Region der Tscherkessen. Nach dem Fall von Konstantinopel suchten die Tscherkessen Hilfe bei den Russen, um sich gegen das Khanat der Krimtataren wehren zu können. Da russische Hilfe ausblieb, trat die große Mehrheit der Adygejer ab dem 16. Jahrhundert zum Islam über, um nicht länger als Sklaven im Orient verkauft zu werden.

Im 19. Jahrhundert gelang es den russischen Truppen, nach einem langen und unbarmherzig geführten Krieg, am 21. Mai 1864 die Tscherkessen als letztes der nordkaukasischen Völker zu bezwingen. Viele wurden in der Folge in das Osmanische Reich vertrieben, woraufhin zahlreiche Tscherkessen ums Leben kamen. Diese Vertreibung mündete im Genozid der Tscherkessen. Der Jahrestag des 21. Mai 1864 wurde als offizieller Trauertag deklariert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Republiken war Adygeja zu Zeiten der Sowjetunion keine Autonome Sowjetrepublik (ASSR), sondern eine Autonome Region. Mit Auflösung der UdSSR 1991 wurde sie zur Republik erhoben. Staatschef ist seit dem 8. Februar 2002 Chasret Medschidowitsch Sowmen, Regierungschef seit dem 6. März 2002 Nikolai Demschuk.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Die natürlichen Gegebenheiten des Landes begünstigen die landwirtschaftliche Produktion. Auf den fruchtbaren Schwarzerdeböden werden vor allem Weizen, Sonnenblumen, Zuckerrüben und Mais, daneben auch Gemüse und Kartoffeln angebaut. In den Dörfern findet man Obstgärten, Walnuss- und Kastanienbäume sowie Erdbeerplantagen. In kleineren Mengen werden Erdgas und Erdöl, Gold und weitere Edelmetalle gefördert und es wird Forstwirtschaft betrieben. Im Industriebezirk Maikop sind Holzverarbeitung, Maschinenbau, Chemie, Zementindustrie sowie Betriebe für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte wie Konservenfabriken, Weinkellereien, Milchverarbeitungswerke, Tabakfabriken usw. angesiedelt.

[Bearbeiten] Verkehr

Die russischen Verwaltungsbezirke (Gebiete) sind alphabetisch geordnet. Deswegen bekam die autonome Republik Adygeja die Nr. 01, die man auch auf den Kfz-Kennzeichen findet.

Die Eisenbahnlinie von Armawir nach Sotschi durchquert das Gebiet der Republik Adygeja nördlich der Hauptstadt Maikop. Eine Zweigstrecke vom russischen Beloretschensk führt über Maikop nach Kamennomostskij. Im äußersten Nordwesten führt die Bahnstrecke Krasnodar–Krymsk durch das Gebiet von Adygeja.

[Bearbeiten] Kunst und Kultur

In der Republik Adygeja gibt es berühmte Waffenschmiede, die auch heute noch edle Handarbeiten (z.B. schmuckbesetzte und goldverzierte Säbel und traditionelle kaukasische große Messer) für die Ölprinzen des vorderen Orients anfertigen. Intarsienarbeiten aus Marmor und Edelmetall sind die Domäne anderer Künstler dieser Region.

In Deutschland gibt es mehrere adygeische Kulturvereine. Unter anderem in Münster, Bremen (Oyten), Hannover, Hamburg, Zwingenberg, Berlin, Wuppertal, Köln und München.

[Bearbeiten] Tourismus

Lagonaki ist ein beliebtes Wintersportgebiet. Die Tourbasa Romantika unweit des Städtchens Kamennomostski bietet Reitpferde und Unterkunft. Wintersport und Wandertouren sind von dort aus möglich. Im Gebiet gibt es Schutzhütten, die allerdings ohne ortskundige Führung schwer zu finden sind. Die Ausschilderung ist bei weitem nicht so weit fortgeschritten wie beispielsweise in den Alpen. An Erste-Hilfe-Stützpunkten wird man bei Bedarf mit heißem Tee bewirtet.

[Bearbeiten] Literatur

Unter dem Titel Adygea - nachhaltige Entwicklung einer Bergregion ist in Zusammenarbeit von NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.), der Verwaltung des Biosphärenreservates Nordkaukasus und anderer meist wissenschaftlicher Einrichtungen ein kleines Fachbuch in bisher nur deutscher und russischer Sprache erschienen. Betrachtet werden darin sowohl die Geographie, die Landesgeschichte, die heutige wirtschaftliche Situation, die Bergwelt als auch der Naturschutz, welcher alle diese Faktoren mit berücksichtigen muss.

[Bearbeiten] Weblinks


Persönliche Werkzeuge