Alberto Giacometti
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Alberto Giacometti (* 10. Oktober 1901 in Borgonovo (heute ein Ortsteil von Stampa) in Graubünden; † 11. Januar 1966 in Chur) war ein Schweizer Maler und Plastiker.
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[Bearbeiten] Leben
Seine Kindheit erlebte Alberto Giacometti fernab allen technischen Fortschritts. Er wurde von seinem Vater, dem impressionistischen Maler Giovanni Giacometti, geprägt, der stets sein künstlerisches Talent förderte. Bereits früh begann er selbst zu malen und wurde dabei stets von seiner Familie, der berühmten Künstlerdynastie Giacometti, unterstützt. Er erkannte seine Leidenschaft für Plastiken, und nach seiner Schullaufbahn studierte er 1919 an der Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule in Genf. Er belegte bis 1925 Kurse bei Émile-Antoine Bourdelle an der Académie de la Grande Chaumière im Montparnasse-Quartier in Paris. Neben seiner Muttersprache Italienisch sprach er ausserdem Deutsch, Französisch und Englisch. 1922 zog es ihn in die Kunsthauptstadt Paris und er schloss sich einer Surrealismusgruppe an. Schnell entdeckte er jedoch seinen ganz eigenen Stil und zog sich in ein kleines Atelier zurück, in dem er den ganzen Tag an seinen Kunstwerken arbeitete.
Ein Ereignis im Jahr 1938 veränderte sein Leben und sein späteres Werk nachhaltig. Als er nachts durch Paris spazierte, verlor eine Autofahrerin die Kontrolle über ihr Fahrzeug und erfasste Giacometti auf der Place des Pyramides, direkt unter der Reiterstatue der Jeanne d’Arc. Er wurde am Fuss verletzt - sein rechter Mittelfuß war an zwei Stellen gebrochen - und hatte seitdem einen Gehfehler.[1]
1942 lernte er Annette Arn kennen und heiratete sie später in Genf. Als sich langsam auch ein finanzieller Erfolg zeigte, kaufte seine Frau ein grosszügiges Appartement, in dem sich Giacometti allerdings nur selten aufhielt, da er sich von seiner Frau distanziert hatte. Bald entwickelte er ein besonderes Verhältnis zu den Prostituierten von Paris. Eine von ihnen schätzte er so sehr, dass er ihr das Angebot machte, einen Teil von ihr käuflich zu erwerben. Sie willigte ein, und er erwarb für 1000 $ einen Teil ihres Beines.
Aufgrund seines starken Kaffeekonsums und seiner ungesunden Ernährung entwickelte sich ein Magentumor, der allerdings operativ entfernt werden konnte. Nachdem er wieder zurück in die Schweiz reiste, starb er 1966 in Chur an einem Herzinfarkt. Als Ursache gilt der starke Husten, der aufgrund seines Zigarettenkonsums auftrat.
[Bearbeiten] Leistung
Alberto Giacometti war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Plastiken weltberühmt wurde. Am ehesten lassen diese sich in seiner Frühphase als als «surrealistisch» bezeichnen. Er steckte er viel Ehrgeiz in seine Werke. Oft beschäftigte er sich wochenlang mit den kleinsten Details und verwarf dann letztendlich alles, um wieder neu zu beginnen. In diesem Prozess sah er eine ständige Verbesserung und Annäherung an seine Vorstellungen.
Immer wieder berichtete er seinen Freunden, dass er nun bald an seinem Ziel angelangt war. Seine Figuren waren stets sehr dünn und lang und hatten übertriebene Körperproportionen. Sein wohl bekanntestes Werk, das auch auf der 100-Franken-Banknote betrachtet werden kann, ist ein schreitender Mann. Seit seinem Unfall gestaltete er seine Figuren mit einem Klumpfuss; ein Zeichen, dass er dieses traumatische Ereignis nie richtig verarbeiten konnte. Andererseits ist der Kontrast bei dem Schreitenden durch den fast stehenden Fuß besonders groß als Vorwärtsbewegung. Es ist eine verfremdete Darstellung der Bewegung.
Seine besondere Leistung im 20. Jahrhundert liegt an seiner Raumauffasung. Sein Thema war die Einbeziehung der Leere des Raumes und die sich darin befindenden Figuren, so geben die Stehenden und Schreitenden in diesem Raum gemeinsam mit dem betrachtenden Kopf die assoziativ die Grundsätze der menschlichen Existenz wieder. Dieser Raum mit den Figuren gibt wie bei keinem anderen die Einsamkeit des modernen Menschen wieder.
Neben seinen Plastiken war er auch als Maler tätig, er schuf Portraits oder Stillleben. Alberto Giacometti war Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel. Die umfangreichste und bedeutendste Sammlung seiner Werke ist heute im Kunsthaus Zürich ausgestellt.
[Bearbeiten] Werke
- Mann und Frau - Liegendes Paar (Bern, E.W.K.), 1927/1960, Bronze, 39 x 47,5 x 5 cm
- Stehender Akt (Wien, Albertina, Sammlung Batliner, Inv. Nr. SK8DL), 1947/48, Bronze, 29 x 9 cm
- Vier Frauen auf Sockel (Wien, Albertina, Sammlung Batliner, Inv. Nr. SK9DL), 1950, Bronze, 76 x 41,5 x 17 cm
- Der Mann im Atelier (Wien, Albertina, Inv. Nr. 32473), 1951, Bleistift, 50 x 33,3 cm
- Büste (Wien, Albertina, Inv. Nr. DG1955/21), 1954, Lithographie, 50,1 x 65,6cm
- Schmale Büste auf Sockel - Amenophis (Wien, Albertina, Sammlung Batliner, Inv. Nr. SK10DL), 1954/55, Bronze, 38,5 x 32 cm
- Sitzende Figur im Atelier (Winterthur, Kunstmuseum), 1955
- Porträt von Annette (Wien, Albertina, Sammlung Batliner, Inv. Nr. GE44DL), 1958, Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm
- Zwei stehende Frauen und Männerkopf (Wien, Albertina, Sammlung Batliner, Inv. Nr. DL308), 1960, Bleistift, 21,5 x 16,5 cm
- Die Piazza 1949, Bronze, 20 cm hoch
[Bearbeiten] Literatur
- Jacques Dupin, Alberto Giacometti, Maeght, Paris 1962.
- Reinhold Hohl, Alberto Giacometti, Gerd Hatje, Stuttgart 1971.
- Louis Aragon mit anderen, "Wege zu Giacometti", Matthes und Seitz 1987, München ISBN 3-88221-234-9
- Peter Beye und Dieter Honisch, "Alberto Giacometti", Prestel- Verlag 1987 und Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, ISBN 3791308467
- Ernst Scheidegger, Alberto Giacometti - Spuren einer Freundschaft, Zürich 1990
- Christian Klemm, Die Sammlung der Alberto Giacometti-Stiftung, Zürcher Kunstgesellschaft, Zürich 1990.
- James Lord, Alberto Giacometti, Scheidegger und Spiess 2004, ISBN 3858811572
- Yves Bonnefoy, Alberto Giacometti. Biographie d'une oeuvre, Flammarion, Paris 1991.
- Suzanne Pagé, Alberto Giacometti. Sculptures - peintures - dessins, Musée d'art moderne de la Ville de Paris, Paris 1991-1992.
- Toni Stooss, Patrick Elliott, Christoph Doswald, Alberto Giacometti 1901-1966, Kunsthalle Wien, 1996.
- Jean Soldini, Alberto Giacometti. La somiglianza introvabile, Jaca Book, Milano 1998.
- Agnès de la Beaumelle, Alberto Giacometti. Le dessin à l'oeuvre, Centre Georges Pompidou, Musée national d'art moderne, Paris, 2001.
- Christian Klemm, Carolyn Lanchner, Tobia Bezzola, Anne Umland, Alberto Giacometti, Kunsthaus Zürich, 2001 und The Museum of Modern Art, New York, 2001-2002.
[Bearbeiten] Neue Medien
- Alberto Giacometti (ARTE EDITION/absolut MEDIEN), zwei Dokumentarfilme von Jean-Marie Drot und Michel van Zele, Frankreich 1963/2001, DVD (Farbe und s/w)
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ James Lord, Alberto Giacometti, Scheidegger & Spiess Zürich, 2001, Seite 166-170
[Bearbeiten] Weblinks
- Artikel Giacometti in Sikart (Lexikon und Datenbank zur Kunst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein)
- Artikel Giacometti, Alberto im Historischen Lexikon der Schweiz
- Literatur von und über Alberto Giacometti im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Die Kraft des Malers und Bildhauers Giacometti (wsws.org)
- A Man Among Men: Alberto Giacometti (Jean-Marie Drot, 1963) (ubu.com)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Giacometti, Alberto |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Künstler und Plastiker |
| GEBURTSDATUM | 10. Oktober 1901 |
| GEBURTSORT | Borgonovo (heute ein Ortsteil von Stampa) |
| STERBEDATUM | 11. Januar 1966 |
| STERBEORT | Chur |

