Alice Schwarzer

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Alice Schwarzer, 2007

Alice Schwarzer (* 3. Dezember 1942 in Wuppertal-Elberfeld) ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der neuen deutschen Frauenbewegung. Sie ist Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Alice Schwarzer wurde als uneheliches Kind geboren und wuchs bei ihren Großeltern auf. Aufgrund der damaligen Familiengesetze war Schwarzers Mutter gezwungen, die Vormundschaft auf einen Mann zu übertragen. Infolgedessen übernahm Schwarzers Großvater, Ernst Schwarzer, die offiziellen Rechte und Pflichten als Erziehungsberechtigter des Kindes. Beide Großeltern betrieben selbstständig ein kleines Tabakwarengeschäft, in dem auch Schwarzers Mutter immer wieder aushalf. In einem Interview bezeichnete Schwarzer später ihren Großvater als „sehr mütterlichen Großvater“.[1] Nach ihrer Lehre als Sekretärin zog Schwarzer 1963 nach Paris, wo sie ein Sprachenstudium begann. Später kehrte sie nach Deutschland zurück und war zwischen 1963 und 1969 als freie Journalistin aktiv, bevor sie nach Paris zurückkehrte. Schwarzer entstammt einer atheistischen Familie. Aus eigenem Antrieb ließ sie sich mit zwölf Jahren evangelisch taufen und später auch konfirmieren. Sie bezeichnet sich als „nicht im engeren Sinne gläubig“.

Von 1970 bis 1974 arbeitete sie als freie Korrespondentin für verschiedene Medien in Paris und studierte gleichzeitig Psychologie und Soziologie unter anderem bei Michel Foucault. Sie gehörte mit Monique Wittig zu den Initiatorinnen der Pariser Frauenbewegung (Mouvement de Libération des femmes, MLF) und trug deren Ideen auch nach Deutschland.

1971 erregte Schwarzer erstmals Aufsehen mit ihrer Aktion Frauen gegen den § 218, insbesondere dem öffentlichen Bekenntnis von 374 Frauen Wir haben abgetrieben!, mit dem der Stern am 6. Juni 1971 aufmachte; im Herbst desselben Jahres folgte mit Frauen gegen den § 218 ihr erstes Buch. Sie vertritt den sogenannten Gleichheitsfeminismus, der unter anderem auch von Simone de Beauvoir vertreten wurde. In ihrem Buch Der kleine Unterschied und seine großen Folgen[2] dient ihr der Psychologe John Money als Musterbeispiel für den aufklärenden Auftrag der Forschung, wobei eine operative Umwandlung des Jungen Bruce Reimer in ein Mädchen die Gender-Thesen belegen sollte. Das Buch erschien 1975 und machte Schwarzer über Westdeutschland hinaus bekannt. Es wurde in elf Sprachen übersetzt. Seitdem gilt sie als die bekannteste und auch umstrittenste Persönlichkeit der neuen deutschen Frauenbewegung.

Zu Alice Schwarzers Bekanntheit trug auch ein Fernsehduell mit Esther Vilar bei, das der WDR 1975 zwar nur im Nachmittagsprogramm ausstrahlte, jedoch in den maßgebenden Printmedien ausführlich dargestellt wurde. Vilar hatte in ihrem Buch Der dressierte Mann mit der These provoziert, dass nicht die Frau durch den Mann unterdrückt werde, sondern umgekehrt der Mann durch die Frau. In dem unmoderierten Streitgespräch kam es zwischen den herausragenden Vertreterinnen des Feminismus und des Anti-Feminismus zu teils bizarren Wortwechseln und zwischen ihren Anhängern zu einer öffentlichen Geschlechter-Debatte. Schwarzer erklärte darin unter anderem, Vilar sei zynisch, gemein, eine Verräterin am eigenen Geschlecht und „nicht nur Sexistin, sondern Faschistin“. Die Fernsehzeitschrift Gong fasste die Frontlinien so zusammen: „Die Männer stimmten für Esther, die Frauen für Alice.“[3]

Im Januar 1977 erschien die erste Ausgabe der von ihr gegründeten Zeitschrift Emma. 1978 klagte Alice Schwarzer gegen den Stern wegen aus ihrer Sicht sexistischer Frauendarstellungen; die sogenannte „Sexismus-Klage“ wurde abgewiesen. 1987 initiierte Alice Schwarzer die PorNO-Kampagne.[4] 1990 rief sie den Emma-Journalistinnen-Preis zur Förderung von Journalistinnen ins Leben, die sich mit feministischen Themen befassen.

1992 bis 1993 moderierte Schwarzer die Talkshow Zeil um Zehn des Hessischen Rundfunks.

Seit 1993 schreibt Schwarzer wieder vermehrt Bücher, darunter Biografien von Petra Kelly und Gert Bastian oder das Leben von Marion Dönhoff. Bis heute veröffentlichte sie insgesamt 21 Bücher als Autorin und 16 als Herausgeberin.

Anfang Dezember 2007 gab Schwarzer bekannt, die Chefredaktion von Emma spätestens im Frühjahr 2008 an die Fernsehjournalistin und Kolumnistin Lisa Ortgies zu übergeben.[5] Nach dem überraschendem Ausscheiden von Ortgies im Juni 2008 nahm Schwarzer die Position vorübergehend wieder selbst ein.[6]

Alice Schwarzer, 2009

Gemäß dem „Frauen-Ranking 2008“ des Magazins Cicero ist Alice Schwarzer hinter der Literaturkritikerin Elke Heidenreich und vor der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek die „einflussreichste deutsche Intellektuelle“. Grundlage der Rangliste bildet die Präsenz der Frauen in 160 führenden Zeitungen und Zeitschriften seit 1998 sowie über Verweise im Munzinger-Personenarchiv und im Internet.

Im Sommersemester 2009 übernimmt sie eine Gastprofessur an der Wiener Universität für angewandte Kunst. Hier wird sie im April und Mai Vorträge zu den Themen Pornografie und sexuelle Gewalt, Religiöser Fundamentalismus und Frauen und Männer halten. [7]

Schwarzers Positionen

Recht auf Schwangerschaftsabbruch

Das Recht auf straffreien Abbruch ungewollter Schwangerschaften war gegen Ende der 1960er Jahre Schwarzers Hauptziel. Sie veranstaltete viele Aktionen gegen den § 218 StGB in seiner damaligen Form. In der 1971 von Schwarzer initiierten Aktion der Zeitschrift Stern solidarisierten sich prominente Frauen (unter anderem Romy Schneider, Sabine Sinjen und Liz Verhoeven), die sich dazu bekannten, abgetrieben zu haben. [8] Im Jahr 2005 räumte Schwarzer allerdings ein, dass sie und einige andere Teilnehmerinnen der Aktion gar nicht abgetrieben hatten.[9]

Schwarzer hatte maßgeblichen Anteil an der breiten öffentlichen Debatte zum Thema „Recht auf Schwangerschaftsabbruch“. Das Motto der dieses Recht einfordernden Frauen lautete: „Mein Bauch gehört mir“. Insbesondere thematisierten Schwarzer und andere das psychische Leiden von und die körperlichen Gefahren für Frauen, die verbotene Schwangerschaftsabbrüche vornehmen ließen.

Die sozialliberale Regierungskoalition unter Willy Brandt favorisierte 1974 die Fristenregelung. Mit einer Verfassungsklage erzwang die CDU/CSU die Indikationsregelung. Erst 1995 kam es zu einer Neufassung des § 218 StGB. Dieser war erstmals auch für das Beitrittsgebiet gültig, nachdem der Einigungsvertrag die abweichende Rechtslage des untergegangenen deutschen Staates in eine vorübergehende Sonderregelung für dessen ehemaliges Staatsgebiet überführt hatte.

In einem Interview mit der Zeitschrift Brigitte sagte die Schauspielerin Senta Berger 1996 über Alice Schwarzer: „Dass wir jetzt, fünfundzwanzig Jahre später, im Großen und Ganzen da sind, wo wir immer hinwollten, einem straffreien Schwangerschaftsabbruch, verdanken wir in weiten Teilen ihrem Mut und ihrer nie nachlassenden Kampfbereitschaft.“ [10]

Finanzielle Unabhängigkeit der Frauen

Ein weiteres Ziel des Kampfes Schwarzers und anderer Feministinnen und deren Unterstützer wurde 1976 durch das Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts verwirklicht. Dieses Gesetz beinhaltete unter anderem, dass verheiratete Frauen ihren Ehemann nicht mehr um Genehmigung bitten mussten, wenn sie eine Erwerbstätigkeit aufnehmen wollten, und dass das Schuldprinzip im Fall einer Scheidung vom Zerrüttungsprinzip abgelöst wurde, so dass geschiedene Frauen nun unabhängig von ihrem Verhalten während der Ehe Unterhaltsansprüche gegen ihre Ex-Ehemänner besaßen.

Schwarzer sagt über diese Gesetzesreform in einem Interview: „Wir hatten unser Ziel, Frauen finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen, politisch durchgesetzt. Frauen waren nun nicht länger nur für den Haushalt zuständig. Männer waren nicht mehr die alleinigen Verdiener in der Familie. Endlich war der Skandal beseitigt, daß Frauen nur dann berufstätig sein durften, wenn sie ihre Familienpflichten nicht vernachlässigten oder wenn sie berufstätig sein mußten, weil die Einkünfte des Mannes nicht ausreichten. Jetzt waren endlich beide berechtigt, berufstätig zu sein. Das Recht auf Berufstätigkeit eröffnete den Frauen die Möglichkeit, finanziell unabhängig zu werden. Dieses Recht war die Grundvoraussetzung völliger ökonomischer Unabhängigkeit.“ [11]

Schwarzer kritisierte an dieser Familienrechtsreform, damit sei zwar das Leitbild der 'Hausfrauenehe' aufgegeben worden, [12] aber gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen verhinderten weiterhin eine wirkliche Chancengleichheit von Männern und Frauen. Die Aufhebung der traditionellen Rollenverteilung war „schwerer durchzusetzen“, so Schwarzer.[13]

Heute kritisiert Schwarzer den geringen Anteil an Frauen in Führungspositionen. Der Druck der Medien, der Werbung und der Mode auf die Frauen, lebenslang jung und attraktiv zu wirken, zeige sich u. a. durch Essstörungen. Ferner beklagt sie die Tendenz zur Entblößung des weiblichen Körpers in der Frauenmode.

Kritik am politischen Islamismus

Schwarzer ist Gegnerin des islamischen Kopftuches im öffentlichen Leben, z. B. im Schulunterricht. Sie bezeichnet es als die „Flagge der islamistischen Kreuzzügler“ [14], der „Faschisten des 21. Jahrhunderts“.[15] Im Vergleich mit anderen religiösen Symbolen, beispielsweise dem christlichen Kreuz, unterscheidet sie, dass das islamische Kopftuch jeweils nur von Frauen getragen wird, teils unter Zwang. [16] Schwarzer wendet sich gegen die von ihr befürchtete schleichende Islamisierung Europas und des damit einhergehenden Verlustes von bürgerlichen Freiheiten, Menschen- und insbesondere Frauenrechten. Die Entscheidung einer Frankfurter Richterin, eheliche Gewalt unter Berufung auf den Koran zu verharmlosen, ist nach Überzeugung von Alice Schwarzer „bei weitem kein Einzelfall“. Sie fürchtet eine Aufweichung des bundesdeutschen Rechtssystems und hat den Eindruck, dass gerade im Bereich der Justiz eine falsche Toleranz grassiere. [17]

Anlässlich des 80. Geburtstages von Papst Benedikt XVI. gratulierte sie diesem. Sie sagte, sie habe mit großem Interesse festgestellt, dass er nicht gezögert habe, sich kritisch zum politisierten Islam zu äußern. Natürlich sei sie mit der römisch-katholischen Kirche und ihrem Verhältnis zur Stellung der Frau nicht zufrieden. Aber sie habe die Hoffnung, dass dieser Papst sich etwas mehr als seine Vorgänger den Problemen der Frauen stelle.[18]

Verbot von Pornografie

Schwarzer fordert ein Verbot von Pornografie, worunter sie verharmlosende oder verherrlichende, deutlich erniedrigende sexuelle Darstellung von Frauen oder Mädchen versteht, insbesondere im Rahmen der 1987 gestarteten PorNO-Kampagne.

Gewalt gegen Männer

Schwarzer begrüßte die Tat der US-Amerikanerin Lorena Bobbitt, die ihrem schlafenden Mann John den Penis abgetrennt hatte, nachdem dieser sie angeblich betrogen, zu einer Abtreibung „gezwungen“ und vergewaltigt hatte.[19] Obwohl Lorena Bobbitt einer Verurteilung nur wegen der Annahme geistiger Unzurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt durch die Geschworenen entging, und obwohl wegen der angeblich vorausgegangenen Vergewaltigung nicht einmal Anklage erhoben wurde, äußerte Schwarzer:

Sie hat ihren Mann entwaffnet. (…) Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken. (…) Es bleibt den Opfern gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich!

Alice Schwarzer: Emma 1994[20]

Kritik an Schwarzer

Kritik aus dem Feminismus

Von feministischer Seite wird manchmal der Vorwurf laut, Schwarzer und Emma monopolisierten den feministischen Diskurs im deutschsprachigen Raum für ihre eigenen Standpunkte.

Auch löste ihre Annahme des Bundesverdienstkreuzes bei radikalen und autonomen Feministen Unverständnis aus, da diese darin eine Anbiederung an die von ihnen so bezeichnete „Männergesellschaft“ und deren Rituale sahen, was ihnen als Verrat feministischer Ideale und Ziele galt. Dies spiegelte sich auch in einigen Leserinnenzuschriften in der Emma und in Abonnementskündigungen wider.

Einige Lesbenaktivistinnen kritisieren, dass Schwarzer Lesben und Schwule zum Coming-out ermuntere, an sich selbst aber andere Maßstäbe anlege. Schwarzer selbst hat sich bis heute nicht öffentlich über ihre sexuelle Identität geäußert. Sie missbilligt unfreiwilliges Outing, wie zum Beispiel 1991 durch Rosa von Praunheim. Als sie in Bascha Mikas Kritischer Biografie (s. u. bei Literatur) als lesbisch beschrieben wurde, reagierte sie verärgert und lehnte einen Kommentar mit dem Hinweis auf ihre Privat- und Intimsphäre ab.

Einstellung zu Sadomasochismus

Ein Jahr nach der Gründung von „Emma“ 1977 reichte „Emma“ Klage gegen den „Stern“ wegen eines Titelfotos von Helmut Newton ein, das die US-Musikerin Grace Jones nackt und angekettet in einem Käfig zeigte. „Emma“ verlor den Prozess.

Schwarzers Einstellungen zu BDSM decken sich zum Teil mit den Anfang der 1970er Jahre vertretenen Thesen der amerikanischen National Organization for Women. Diese gab 1999 ihre Ablehnung von BDSM auf und tritt seitdem für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ein, das Schwarzer im Zusammenhang mit BDSM ablehnt.

Alice Schwarzer postuliert eine Verbindung zwischen Sadomasochismus und Faschismus. Diese Kritik betrifft unter anderem den jüdischen Fotografen Helmut Newton, dessen Familie zum Teil in Konzentrationslagern ermordet wurde. Unter anderem assoziierte Schwarzer ein Bild von Newton mit Birken in Wien mit dem Lager Auschwitz-Birkenau. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie Newton als „Zeremonienmeister des Sadomasochismus“. Die Künstlerin Bettina Rheims, ebenfalls Jüdin, wurde mit der KZ-Aufseherin Blutige Brigitte (Hildegard Lächert) verglichen. Rheims erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung.

Im Februar 1988 äußerte Schwarzer in einem Interview des ARD-Fernsehens ihre Auffassung, dass es keine Frauen mit sadomasochistischen Neigungen gebe.[21]

Zahlreiche Sadomasochistinnen, darunter auch solche, die sich selbst als Feministinnen verstehen, fühlten sich durch Schwarzers Thesen angegriffen und reagierten mit deutlicher Kritik. In den Werken von Sina-Aline Geißler, Kathrin Passig und Ira Strübel wird dargelegt, dass SM eine Form der Selbstbestimmung darstellt, wie sie der Feminismus eigentlich fordern sollte.

Auch auf die von Schwarzer nicht thematisierten bzw. ausdrücklich in Frage gestellten Realitäten wie BDSM im homosexuellen Kontext, beispielsweise feministische sadomasochistische Lesbengruppen wie Samois sowie freiwillige und lustvolle weibliche Submissivität und Femdom, wird immer wieder hingewiesen. Während Schwarzer die entsprechende amerikanische Diskussion im Zusammenhang mit lesbischen Sadomasochistinnen selektiv (beispielsweise durch Vorworte zu deutschen Ausgaben der Werke Andrea Dworkins) unterstützte, werden Gegenpositionen, wie beispielsweise die Gayle Rubins und Pat Califias, von ihr nicht dargestellt.

Schwarzers Äußerungen im Rahmen ihrer Kampagnen wurden seitens weiblicher und männlicher BDSMer als diskriminierend empfunden und von mehreren Autoren kritisiert.[22] Einige ihrer bekanntesten Zitate in diesem Zusammenhang sind:

  • „Nicht zufällig kam die Sado-Maso-Mode nach Aufbruch der Frauenbewegung gegen Ende der 70er auf. Sie drang dank Fernsehen und Videos auch bis ins letzte Eigenheim von Hintertupfingen. Jetzt dürfen, ja sollen, alle Männer Sadisten sein und alle Frauen Masochistinnen.“ Aus Der große Unterschied (2000)
  • „Aufschlussreich ist auch die Tatsache, dass die Fetische des sexuellen Sadomasochismus oft den Folterkellern der Diktaturen entliehen sind und gerade in Deutschland die Reminiszenz an die Naziästhetik bei Lack, Leder und Ketten unübersehbar ist.“ (s. oben)

Kritik seitens der Medien

Einige Journalisten wie beispielsweise Henryk M. Broder und Kay Sokolowsky werfen Schwarzer „linken Antisemitismus“ und Sympathie zu rechten Symbolfiguren wie z. B. Leni Riefenstahl vor.[24]

Die Journalistin Bettina Röhl kritisierte Schwarzers Haltung zum Fall des Jungen Bruce Reimer, der durch chirurgische Eingriffe und Hormonbehandlung körperlich in ein Mädchen umgewandelt und entsprechend erzogen wurde, nachdem durch ärztlichen Kunstfehler seine primären Geschlechtsorgane schwer beschädigt worden waren, und der aus Verzweiflung darüber 2004 als Erwachsener Selbstmord beging.[25] Schwarzer habe diesen „tragischen und skrupellos verübten Fall gewaltsamer Geschlechtsumwandlung“ als Beleg für ihre These, „die Geschlechtsidentität sei keine biologische, sondern nur eine psycho-soziale Größe“ geradezu „hymnisch gefeiert“ und bis heute eine Distanzierung davon versäumt, um ihre Thesen zum Gender Mainstreaming nicht in Frage stellen zu müssen.

Mitte 2007 stellte sich Schwarzer für eine Werbekampagne der Bild-Zeitung als Werbeträgerin zur Verfügung, nachdem sie eben dieses Medium in den vorigen Jahrzehnten immer wieder wegen Frauenfeindlichkeit attackiert hatte. Dieser Schwenk hat zunächst den Verdacht aufkommen lassen, Bild verwende Schwarzers Namen unautorisiert. Ihre Klarstellung, dass die Werbekampagne mit ihrer Zustimmung erfolge, hat in Teilen der Öffentlichkeit für Irritationen gesorgt. [26][27]

Auszeichnungen

Werke

Als Autorin

  • 1971: Frauen gegen den § 218. Suhrkamp Verlag, Frankfurt
  • 1973: Frauenarbeit – Frauenbefreiung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt
  • 1975: Der kleine Unterschied und seine großen Folgen. Frauen über sich. Beginn einer Befreiung. Fischer Taschenbuch, 2002, ISBN 978-3-596-21805-9
  • 1981: So fing es an – 10 Jahre neue Frauenbewegung. Chronik, EMMA Verlag, 1983, Taschenbuch bei dtv
  • 1982: Mit Leidenschaft. Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1982: Simone de Beauvoir heute – Gespräche aus 10 Jahren. Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1989: Warum gerade sie? Weibliche Rebellen. Luchterhand Verlag, Frankfurt 1991, Taschenbuch im Fischer Verlag
  • 1992: Von Liebe + Haß. Fischer Verlag, Frankfurt
  • 1993: Eine tödliche Liebe – Petra Kelly + Gert Bastian. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994, Taschenbuch im Heyne Verlag, München
  • 1996: Marion Dönhoff – Ein widerständiges Leben. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997, Taschenbuch im Knaur Verlag, München
  • 1997: So sehe ich das. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 1998: Romy Schneider – Mythos und Leben. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2000, Taschenbuch im Knaur Verlag, München
  • 2000: Der große Unterschied. Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen.. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 978-3-462-02934-5; Taschenbuch im Fischer Verlag, ISBN 978-3-596-15237-7
  • 2002: Alice im Männerland. Eine Zwischenbilanz.. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 978-3-462-03143-0
  • 2005: Liebe Alice, liebe Barbara. Kiepenheuer & Witsch, Köln (Briefwechsel mit Barbara Maia)
  • 2007: Die Antwort, ISBN 978-3-462-03773-9

Als Herausgeberin

  • 1980: Wahlboykott. EMMA Verlag, Köln
  • 1981: Das EMMA-Buch. dtv, München
  • 1982: Sexualität. EMMA Verlag, Köln, TB 1984 im Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1984: Durch dick und dünn. EMMA Verlag, Köln. TB 1986 im Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1986: Weg mit dem § 218!, EMMA Verlag, Köln, aktualisierte Neuauflage: 1990 Fristenlösung jetzt!. EMMA Verlag, Köln
  • 1986: Das neue EMMA-Buch. dtv, München
  • 1988: PorNO. EMMA Verlag, Köln
  • 1988: Hrsg. mit Gerhard/Schwarzer/Slupik: Auf Kosten der Frauen. Frauenrechte im Sozialstaat. Beltz, Weinheim
  • 1991: KRIEG. Was Männerwahn anrichtet – und wie Frauen Widerstand leisten, gegen Krieg und islamischen Fundamentalismus. EMMA Verlag, Köln. TB 1992 Fischer Verlag, Frankfurt
  • 1991: Das neueste EMMA-Buch. dtv, München
  • 1991: Schwesternlust + Schwesternfrust. 20 Jahre Neue Frauenbewegung – eine Chronik. EMMA Verlag, Köln
  • 1994: PorNO. Kiepenheuer & Witsch, Köln (aktualisierte Neuauflage vom gleichnamigen EMMA-Buch)
  • 1994: Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMediaTurm. DuMont Buchverlag, Köln
  • 2000: Man wird nicht als Frau geboren. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 2002: Die Gotteskrieger – und die falsche Toleranz. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 2007: Emma. Die ersten 30 Jahre. Kollektion Rolf Heyne, München

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerwin trifft Schwarzer, online unter gerwin.de.
  2. So schrieb Schwarzer 1975, dass „die Gebärfähigkeit auch der einzige Unterschied ist, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist künstlich aufgesetzt.“ Das Experiment Money würdigt sie als eine der „wenigen Ausnahmen, die nicht manipulieren, sondern dem aufklärenden Auftrag der Forschung gerecht werden“. („Der kleine Unterschied“, S. 192f.)
  3. Fernsehduell zwischen Alice Schwarzer und Esther Vilar, 1975 Ausschnitt auf YouTube
    Klaudia Brunst: Frau gegen Frau. In: Die Zeit 16. Juni 2005. Online: [1]
  4. Velten Schäfer: Die Gottseibeiuns a.D. – 30 Jahre »Emma«: Hat Alice Schwarzer die »Sex Wars« verloren?, Neues Deutschland, 27. Januar 2007, online unter nd-online.de.
  5. Spiegel Online: Moderatorin Lisa Ortgies übernimmt, 7. Dezember 2007;
    FAZ.NET:Die neue Alice Schwarzer heißt Lisa Ortgies, 7. Dezember 2007
  6. TAZ: Kein Platz für Postfeminismus.
  7. OÖN vom 31. Jänner 2009 Kunstprofessur: A. Schwarzer
  8. Stern, 6. Juni 1971, Nr. 24
  9. Steffen Kraft: „Ich habe nicht abgetrieben“, Süddeutsche Zeitung, 31. März 2005
  10. Brigitte, 17. Januar 1996, Nr. 3
  11. Stuttgarter Zeitung, 25. Februar 1995
  12. Schwarzer, zitiert von Senta Berger, Brigitte, 17. Januar 1996, Nr. 3
  13. Stuttgarter Zeitung, 25. Februar 1995
  14. EMMA: Editorial von Alice Schwarzer, Juli/August 2003
  15. „Die falsche Toleranz“, Homepage Alice Schwarzer
  16. Alice Schwarzer in „Die Antwort“
  17. Der Spiegel: Unser Rechtssystem wird von islamistischen Kräften unterwandert, 22. März 2007
  18. Radio Vatikan: Alice Schwarzer gratuliert dem Papst, 14. April 2007
  19. Der Fall „John und Lorena Bobbitt“ in der englischsprachigen Wikipedia: Lorena Bobbitt
  20. Emma-Beitrag „Beyond Bitch“ (1994/2, S. 34f)
  21. vgl. Sina-Aline Geißler: Lust an der Unterwerfung. Frauen bekennen sich zum Masochismus., Heyne 1992, ISBN 3-453-05233-1
  22. vgl. Arne Hoffmann: Das Lexikon des Sadomasochismus. Der Inside-Führer zur dunklen Erotik: Praktiken und Instrumente, Personen und Institutionen, Literatur und Film, Politik und Philosophie., S. 342ff. Schwarzkopf & Schwarzkopf 2000, ISBN 3-896-022-903, sowie Kay Solokowsky: Who the fuck ist Alice? Was man wissen muss, um Alice Schwarzer vergessen zu können, Bittermann, 2002, ISBN 3893200290, ebenso Bascha Mika: Alice Schwarzer. Eine kritische Biographie. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3-499-60778-6
  23. Emma, Heft 2, 1991
  24. zitiert nach Kay Sokolowsky: Die neue Rechte Mit der „Emma“-Titelgeschichte zur Nazifilmerin Riefenstahl hat sich Alice Schwarzer zur neuen Frauenschaftsführerin gemacht“, konkret 3/99, online unter trend.infopartisan.net
  25. Bettina Röhl: Der Sündenfall der Alice Schwarzer?, in: Cicero (Magazin), 2007
  26. vgl. Werben & Verkaufen Schwarzer verteidigt Bild-Kampagne, online unter Werben&Verkaufen
  27. Bild-Blog: Alice Schwarzer nicht zwangsprostituiert
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