Arnstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Arnstadt
Arnstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Arnstadt hervorgehoben
50.83416666666710.946388888889288Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Höhe: 288 m ü. NN
Fläche: 55,29 km²
Einwohner: 25 256 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 457 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 99301–99310
Vorwahl: 03628
Kfz-Kennzeichen: IK
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 004
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Markt 1
99310 Arnstadt
Webpräsenz:
Bürgermeister: Hans-Christian Köllmer (FWG Pro Arnstadt)

Arnstadt ist eine Stadt in Thüringen, Deutschland. Sie ist Kreisstadt des Ilm-Kreises. Arnstadt ist zusammen mit Großmonra und Mühlberg einer der ältesten urkundlich erwähnten Orte auf deutschem Boden außerhalb der römischen Siedlungsgebiete. Die Ersterwähnung fiel in das Jahr 704. Die Stadt ist ein Mittelzentrum, das nächstgelegene Oberzentrum ist Erfurt, etwa 20 Kilometer nördlich. Arnstadt war früher eine Residenzstadt der Grafen von Schwarzburg.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Riedtor (links) und Jacobsturm sind Wahrzeichen von Arnstadt

Arnstadt liegt etwa 20 Kilometer südlich von Erfurt am Rand des Thüringer Beckens auf etwa 300 Meter Höhe und wird von der Gera durchflossen. Arnstadt wird als Tor zum Thüringer Wald bezeichnet; dessen hügeliges Vorland mit den Reinsbergen und der Alteburg reicht bis an die südliche Grenze Arnstadts. Es liegt mitten in einem Gebiet, in dem Keuper großflächig ausstreicht. Es ist die Typuslokalität der Arnstadt-Formation des Mittleren Keupers in der Erdgeschichte.

[Bearbeiten] Klima

Der Jahresniederschlag beträgt 487 mm. Die Niederschlagsmenge liegt im unteren Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,7-mal mehr Niederschläge als im Januar.

[Bearbeiten] Ausdehnung des Stadtgebiets

Der Stadtkern liegt auf der Westseite der Gera. Er war früher von einer Stadtmauer umgeben. Mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden Wohnviertel im Westen, Industrieanlagen im Norden und Villenviertel im Süden der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich die Stadt weiter nach Norden entlang des Geratals aus, neue Wohngebiete entstanden in den 70er- und 80er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, im Osten das Ostviertel und im Südosten Arnstadts das Wohngebiet Rabenhold.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Ichtershausen, Kirchheim, Alkersleben, Dornheim, Wipfratal, Plaue, Gossel, Wachsenburggemeinde.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Nach § 3 der Hauptsatzung[2] gehören zur Stadt Arnstadt die folgenden vier Ortschaften mit Geltung der Ortschaftsverfassung im Sinne des § 45 Thüringer Kommunalordnung (ThürKO).

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Von der Ersterwähnung bis zum 19. Jahrhundert

Arnstadt um 1650
Arnstadt um 1900
1976: Die Fernverkehrsstraße 4 passiert das Riedtor in Arnstadt

Am 1. Mai 704 wurden Arnstadt (als Arnestati), Mühlberg und Großmonra in einer Schenkungsurkunde des Thüringer Herzogs Hedan II. an den angelsächsischen Bischof Willibrord von Utrecht erstmals urkundlich erwähnt. Damit sind diese die ältesten urkundlich erwähnten Orte Thüringens und des mittleren und östlichen Deutschlands. Arnstadt wurde deshalb bis 1990 als älteste Stadt der DDR präsentiert. Archäologische Funde belegen, dass der Ort schon in der Jungsteinzeit ein bevorzugter Siedlungsplatz war.

726 ging Arnstadt an die Abtei Echternach und später durch Tausch an die Abtei Hersfeld über. Am 17. Dezember 954 hielt König Otto I. in Arnstadt einen Reichstag ab, bei dem er Frieden mit seinem aufständischen Sohn Liudolf von Schwaben schloss und einen anderen Sohn, Wilhelm, zum Erzbischof von Mainz ernannte. Dieser beschloss zugleich die Gründung der Liebfrauenkirche in Arnstadt. Im 12. Jahrhundert fiel ein Teil Arnstadts unter die Herrschaft der Grafen von Käfernburg. 1198 versammelten sich die Reichsfürsten in Arnstadt und wählten am 8. März Philipp von Schwaben zum deutschen König. 1220 wurde Arnstadt erstmals als civitas, also als Stadt bezeichnet. Das Stadtrecht wurde dem Ort erst am 21. April 1266 vom Abt der Abtei Hersfeld verliehen.[3] Danach entwickelte sich Arnstadt zum Umschlagplatz für Holz, Getreide, Wein und Färberwaid.

Nach dem Aussterben der Käfernburger 1302 gelangte bis 1306 zunächst deren Besitz in Arnstadt, 1332 der hersfeldische an die Grafen von Schwarzburg. Versuche von Erfurter Seite, sich 1342 und 1345 der reichen Stadt zu bemächtigen, scheiterten an der starken Befestigung. Der Wohlstand gründete sich auf das Mühlengewerbe, das Tuchmacherhandwerk, auf Gerbereien und den Handel mit Wein und Waid, Holz, Getreide, Wolle und Gemüse.

Am 30. Januar 1349 wurde mit Graf Günther XXI. von Schwarzburg der Arnstädter Landesherr in Frankfurt am Main zum Gegenkönig Karls IV. gewählt und gekrönt. Er entsagte diesem Titel bereits am 26. Mai gegen 20.000 Mark Silber der Krone. 1496 wurde der schwarzburgische Besitz in die Oberherrschaft Arnstadt und die Unterherrschaft Sondershausen geteilt. Während des Deutschen Bauernkrieges wurden am 17. Juni und 2. August neun beziehungsweise fünf Teilnehmer am Aufstand als Rädelsführer auf dem Arnstädter Marktplatz enthauptet. Die Stadt musste wegen Unterstützung der Aufständischen eine „empfindliche Buße“ (3000 Gulden) zahlen. 1531 wurde in Arnstadt die Reformation mit der Auflösung der Klöster eingeführt, ab 1553 begannen die Bauarbeiten an der gräflichen Residenz Schloss Neideck. Das Wasserschloss wurde 1560 fertig gestellt.

In den folgenden 100 Jahren stagnierte die Entwicklung der Stadt: 1581 fielen über 380 Häuser, darunter das Rathaus, einem Großbrand zum Opfer, die Pest forderte 1582 über 1700 und 1625 über 1200 Opfer. Auch der Dreißigjährige Krieg verschonte Arnstadt nicht: Auf 80.000 Gulden belief sich der Gesamtschaden, den durchziehende Einheiten aller Kriegsparteien verursachten. 1670 wurden wiederum 170 Häuser im Südosten der Stadt durch ein weiteres Großfeuer vernichtet.

1703 kam der 18-jährige Johann Sebastian Bach in die Stadt. Nach einem Probevorspiel fand er als Organist der Neuen Kirche eine Anstellung und wirkte vier Jahre in der Stadt. Wegen eines Zerwürfnisses mit dem Rat der Stadt wegen nicht genehmigter Urlaubsverlängerung und anderer „Unregelmäßigkeiten“ auch in der musikalischen Arbeit, übersiedelte er im Sommer 1707 nach Mühlhausen. Im Oktober des gleichen Jahres heiratete er im drei Kilometer östlich von Arnstadt gelegenen Dornheim seine Cousine Barbara Bach.

Im Jahr 1709 gaben die Grafen von Schwarzburg die bereits 1697 durch Kaiser Leopold I. bewilligte Erhebung in den Reichsfürstenstand bekannt, die der Herzog von Sachsen-Weimar als Thüringer Landgraf allerdings nicht anerkannte. Vorübergehend wurde Arnstadt von seinen Truppen besetzt, doch konnte sich die Stadt mit der Zahlung von 3500 Talern die Anerkennung erkaufen. Fürstin Auguste Dorothea, die prachtliebende und verschwenderische Frau Anton Günthers, ließ das Schloss Augustenburg errichten und schuf eine Attraktion, die bis heute in Arnstadt zu bewundern ist: In jahrzehntelanger Arbeit des Hofstaats und der Bürgerschaft entstand Mon plaisir (Mein Vergnügen), eine Puppenstadt in 82 Räumen mit rund 400 Wachsfiguren samt der zugehörigen Ausstattung, die ein detailgetreues Abbild des Lebens einer kleinen Residenzstadt darstellt. Die Ausstellung befindet sich im Neuen Palais, das 1728–1732 als Witwensitz der Fürstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen erbaut wurde. Die Arnstädter hatten damals freilich nichts von ihrer Mitwirkung als Arbeit und Kosten, die die Stadt weiter verarmen ließen.

[Bearbeiten] Vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart

12. November 1989: Rund 10.000 Arnstädter demonstrierten gemeinsam mit ihrem Bürgermeister Bernd Markert (3.v.l.) für friedvolle Veränderungen, verbesserten Umweltschutz und die Zulassung demokratischer Vereinigungen sowie freie Wahlen.

Nach dem Thronverzicht des Schwarzburger Fürsten Günther Victor im November 1918 gehörte Arnstadt zum Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, der 1920 im Land Thüringen aufging.

1920 wurde der Landkreis Arnstadt gebildet. Arnstadt war kreisfrei und Sitz der Kreisverwaltung. Noch heute findet man an einigen Ausfallstraßen die alten Grenzsteine zwischen Stadt- und Landkreis Arnstadt.

Auf dem Neuen Friedhof wird mit einem Ehrenhain der sechs Todesopfer aus der Arbeiterklasse gedacht, die von den Nationalsozialisten getötet wurden. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge an der Krappgartenstraße niedergebrannt, woran seit 1988 ein Gedenkstein am früheren Standort erinnert. 30 männliche Juden wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Auf dem Neuen Friedhof am Parkweg erinnert ein Gedenkstein an die ermordeten Juden.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 2.950 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen sowie Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: im Polte-Werk 1 und 2, in der Firma Siemens & Halske, in der Eisengießerei Winter, bei der Firma Schmidt & Co. Daimon, im Reparaturwerk Erfurt, in der Aktiengesellschaft für Kartonagenindustrie, in der Firma Braunsteinwerke Kunze & Co., in der Fahrzeugfabrik Renger & Co. und in der Bahnmeisterei. Auf dem Neuen Friedhof erinnern 102 Grabsteine an die bei Zwangsarbeit Umgekommenen.[4] Zudem unterhielten die Nationalsozialisten im nahe gelegenen Jonastal ein geheimes Bauvorhaben.

Bei einem Bombenangriff am 6. Februar 1945 wurden unter anderem der Turm der Ruine Neidecksburg und das Rathaus schwer beschädigt. Im April 1945 wurden baukulturell wertvolle Häuser am Marktplatz durch Artillerie-Beschuss zum Teil zerstört oder beschädigt. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Liebfrauenkirche, die Oberkirche, die Gottesackerkirche und der Prinzenhof. [5]

1951 ließ die SED das Denkmal für die Dichterin Marlitt auf dem Friedhof entfernen ("Predigerin des Untertanengeistes").

1951 verlor Arnstadt seinen Status als kreisfreie Stadt und wurde in den Landkreis Arnstadt aufgenommen. 1952 wurde der Landkreis durch die Bezirksgrenze Erfurt/Suhl durchschnitten und in die Kreise Arnstadt und Ilmenau aufgeteilt. Erst 1994 wurde mit der Gebietsreform Thüringens der Kreis in seiner ursprünglichen Größe wiederhergestellt. Er trägt fortan den Namen Ilm-Kreis. Arnstadt ist damit seit nunmehr 86 Jahren Sitz der Kreisverwaltung.

Arnstadt war früh an der Friedlichen Revolution 1989/90 beteiligt. Bereits am 30.September folgten 200 Bürger dem maschinengeschriebenen Aufruf von Günther Sattler zu einer Demonstration auf dem Holzmarkt. Eine Woche später, am 7.Oktober, dem 40.Jahrestag der DDR, beteiligten sich schon wesentlich mehr Arnstädter an der Protestaktion. Diesmal lösten aber mit Knüppeln bewaffnete Volkspolizei-Einheiten die versammelte Menge auf.[6] , [7] An Demonstrationen im November 1989 nahmen etwa 10.000 Menschen teil.

Im Jahr 2004 feierte die Stadt ihre 1.300-jährige Ersterwähnung. Aus diesem Anlass wurde unter anderem ein Neigetechnik-ICE der DB-Baureihe 411 im Hauptbahnhof auf den Namen Arnstadt getauft. Im gleichen Jahr gewann die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf die Goldmedaille.

1868–1933 tagte hier der akademische Arnstädter Verband und errichtete 1926 ein Denkmal für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder auf der Alteburg.

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Der Arnstädter Ortsteil Siegelbach.

Als erster Ortsteil wurde Angelhausen-Oberndorf 1922 eingemeindet. Am 14. April 1994 wurden Dosdorf, Siegelbach und Espenfeld eingemeindet, am 1. Juli 1999 folgte Rudisleben.

Einwohnerzahlen der Ortsteile (30. Juni 2005):

  • Rudisleben: 1.224
  • Angelhausen-Oberndorf: 1.050
  • Siegelbach: 323
  • Dosdorf: 267
  • Espenfeld: 160

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl
1814 bis 1970 1981 bis 2000 2001 bis 2006
  • 1814: 4.169
  • 1890: 12.818
  • 1905: 16.270
  • 1910: 17.841
  • 1925: 21.693
  • 1933: 22.024
  • 1939: 22.617
  • 1946: 27.846[8]
  • 1950: 28.195[9]
  • 1961: 26.400
  • 1970: 28.990[10]
  • 1981: 30.024
  • 1984: 29.851
  • 1985: 29.944
  • 1994: 27.571[11]
  • 1995: 26.944
  • 1996: 26.385
  • 1997: 26.023
  • 1998: 25.865
  • 1999: 27.278
  • 2000: 27.220
  • 2001: 26.848
  • 2002: 26.565
  • 2003: 26.121
  • 2004: 25.926
  • 2005: 25.722
  • 2006: 25.500
  • 2007: 25.256

*Die Gemeinde Rudisleben wurde 1999 zur Stadt Arnstadt eingemeindet.

[Bearbeiten] Politik

Die erfüllende Gemeinde Arnstadt im Ilmkreis.

Arnstadt ist erfüllende Gemeinde für die Wachsenburggemeinde und Wipfratal.

[Bearbeiten] Stadtrat

Der Arnstädter Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl 2004 folgendermaßen zusammen:

(FDP und BFA bilden eine gemeinsame Fraktion)

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „In Gold ein schwarzer, nach rechts blickender rot bewehrter Adler mit gespreizten Flügeln, aufgesperrtem Schnabel und vorgeschlagener Zunge.“

[Bearbeiten] Flagge

Flagge der Stadt Arnstadt.

Die Flagge der Stadt zeigt waagerecht gestreift die Stadtfarben schwarz-gelb (von oben nach unten) mit Wappen.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schlossmuseum Arnstadt
Liebfrauenkirche Arnstadt
Bachkirche Arnstadt
Gebäude der Kreisverwaltung mit Neideckturm im Hintergrund
Bach-Denkmal auf dem Markt

[Bearbeiten] Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt

Der Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt ist eine städtische Tochtergesellschaft. Als selbstständig agierende Einrichtung der Stadt hat sie die Struktur eines kommunalen Eigenbetriebes. In ihm sind sämtliche kulturellen Einrichtungen der Stadt, die Stadt- und Kreisbibliothek, die Bachausstellung, das Schlossmuseum, der Tierpark Fasanerie und das Theater im Schlossgarten eingebunden und werden von ihm subventioniert beziehungsweise betrieben.

[Bearbeiten] Theater im Schlossgarten

Das Theater im Schlossgarten entstand im Jahre 1842 durch den Umbau der damaligen fürstlichen Reitbahn auf Order Günther Friedrich Karl II. In den folgenden Jahrzehnten durchlebte das Spielhaus zahlreiche Höhen und Tiefen und war von Schließungen bedroht. Das Haus wurde 1995 nach umfangreicher Renovierung und Restaurierung wiedereröffnet. Es wird teils mit eigenem Laienensemble bespielt, größtenteils jedoch von anderen Theatern.

[Bearbeiten] Museen

  • Im Neuen Palais, das 1729 bis 1735 als Witwensitz für die Fürstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen errichtet wurde, befindet sich das Schlossmuseum. Die wichtigste Ausstellung ist die einzigartige Puppensammlung Mon plaisir der Fürstin aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Das ehemalige Bahnbetriebswerk am Nordwestrand der Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Eisenbahnmuseum (Bahnbetriebswerk Arnstadt) gewandelt, in dem sämtliche Traditionslokomotiven der Reichsbahndirektion Erfurt zu besichtigen sind. Schwerpunkt sind dabei Dampflokomotiven verschiedener Baureihen.
  • Die Kleine Galerie, Lohmühlenweg 11, stellt Grafiken des Arnstädter Zeichners Paul Weber aus.
  • Die Kunsthalle, Angelhäuser Str. 1, befindet sich in einer ehemaligen Taschenlampenfabrik. Sie ist die größte Kunsthalle Thüringens und zeigt Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst.
  • Im ältesten Gärtnerhaus Thüringens im Schlossgarten wird das Stadtmodell Arnstadt um 1740 ausgestellt. Ebenfalls zu besichtigen sind die Ausstellungen zur Geschichte von Schloss Neideck und zur Geschichte der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg.

[Bearbeiten] Bauwerke

  • Einer der bedeutendsten Sakralbauten des Übergangs von der Romanik zur Gotik im mitteldeutschen Raum ist die Liebfrauenkirche, erbaut von 1180 bis 1330.
  • Bemerkenswert ist die barocke Himmelfahrtskirche auf dem Alten Friedhof mit ihrem oktogonalen Umriss.
  • Sehenswert ist die Schlossruine Neideck mit besteigbarem Schlossturm.
  • Oberkirche, um 1250 erbaute, ehemalige Klosterkirche des Franziskanerordens.
  • Bachkirche, vollständig Johann-Sebastian-Bach-Kirche, ehemals St.-Bonifatius-Kirche, wurde nach dem großen Stadtbrand von 1581 als Neue Kirche wiedererrichtet.
  • Auf der Alteburg steht der 1902 errichtete Alteburgturm (früher Kaiser-Wilhelm-Turm).

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Wirtschaft

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmten zwei Großunternehmen mit jeweils mehreren Tausend Beschäftigten die entscheidende Rolle in der Wirtschaftsstruktur der Stadt: der VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben sowie der zum Kombinat RFT gehörende VEB Fernmeldewerk Arnstadt. Diese betrieben eigene Kulturhäuser in der Stadt, die das kulturelle Leben bestimmten. Nach der Wende ging die Zahl der Beschäftigten stark zurück, so dass ihre Bedeutung für die Stadt, jetzt unter den Namen Chema Prozess- und Systemtechnik GmbH beziehungsweise Entwicklungs- und Produktionszentrum GmbH des Finanzinvestors Potratz GmbH, nur noch gering ist.

Stattdessen entstanden im Norden der Stadt einige Gewerbe- und Industriegebiete

  • Erfurter Kreuz
  • Arnstadt-Rudisleben
  • Ichtershausen-Thörey-Autobahn (GITA)

Zusammen ergeben sie das größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet Thüringens.

Das Erfurter Kreuz ist das größte Gebiet (400 Hektar) mit der 2008 größten Entwicklungsdynamik. Das Gebiet Arnstadt-Rudisleben grenzt an das Erfurter Kreuz und weist ebenfalls eine hohe Entwicklungsdynamik auf, ist jedoch schon höher ausgelastet. GITA liegt direkt an der Autobahn und gehört zu der Gemeinde Ichtershausen. Dieses Gebiet ist fast ausgelastet und eine Erweiterung ist in Planung. Das Erfurter Kreuz und das Gebiet Arnstadt-Rudisleben bieten 2008 Platz für Sofortinvestitionen.

Mit den neu angesiedelten Unternehmen sowie mit den Traditionsunternehmen sind zahlreiche Firmen in Arnstadt und nächster Umgebung ansässig.

[Bearbeiten] Liste der größeren Unternehmen

[Bearbeiten] Solarbranche
  • Sunways Production GmbH
  • ASi Industries GmbH
  • ersol Solar Energy AG
  • Masdar Gruppe (Vereinigte Arabische Emirate)

[Bearbeiten] Maschinenbau
  • N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG (Lufthansa & Rolls Royce)
  • BorgWarner Transmission Systems Arnstadt GmbH (USA)
  • Gonvarri (Spanien)
  • IHI Charging Systems International (ICSI) GmbH
  • Garant Türen- und Zargen GmbH
  • Bosch Sicherheitssysteme Montage und Service GmbH
  • Avermann Laser- und Kant-Zentrum GmbH
  • Wintersteiger Sägen GmbH (Österreich)
  • Deutsche Gießerei- und Industrie-Holding AG
  • Arnstädter Werkzeug- und Maschinenbau (AWM) AG

[Bearbeiten] Logistikbranche

[Bearbeiten] Chemiebranche
  • SCA Packaging Arnstadt GmbH
  • Carpenter GmbH (USA)
  • Schuite & Schuite Druckfarben GmbH (Niederlande)

[Bearbeiten] Lebensmittelbranche
  • Getränke Fachmarkt Waldhoff GmbH
  • Wolf Süßwaren GmbH
  • frischBack GmbH Arnstadt
  • Sauels Schinken GmbH & Co. KG
  • Die Thüringer Fleisch- und Wurstspezialitäten Rainer Wagner GmbH

[Bearbeiten] Kunstbranche
  • Arnstadt Kristall GmbH

Trotz dieser umfangreichen Industrieansiedlungen verharrt die Arbeitslosenquote in Arnstadt und Umgebung mit etwa 13 Prozent (Stand: Januar 2008) leicht über dem Thüringer Durchschnitt.

[Bearbeiten] Verkehrsanbindung

[Bearbeiten] Straßen

Anschluss an die Autobahn erhielt Arnstadt bereits 1940 mit der Reichsautobahn, Abfahrt Arnstadt (heute Neudietendorf/Arnstadt-West). Aufgrund der zentralen Lage südwestlich vom Erfurter Kreuz (A 4/A 71) wird der Großraum Arnstadt heute durch insgesamt sechs Autobahnanschlussstellen erschlossen (Im Uhrzeigersinn genannt sind das auf der A 4 die Abfahrten Wandersleben, Neudietendorf/Arnstadt-West, Erfurt-West und auf der A 71 die Abfahrten Arnstadt-Nord, Arnstadt-Süd und Gräfenroda). Ein dichtes Netz aus Landes- und Kreisstraßen, das sternförmig zur Kernstadt hin zusammenläuft, sorgt für eine schnelle Erreichbarkeit aus allen Himmelsrichtungen. Der Teil der B 4, der Arnstadt bis 2003 in Nord-Süd-Richtung erschloss, wurde 2003 zwischen den Autobahnanschlussstellen Erfurt West und Ilmenau-West zur Landesstraße 3004 herabgestuft. Deren überregionale Funktion übernimmt seitdem die A 71.Durch die Initiative der Gemeinde Ichtershausen entstand die neue Landesstraße L 1044 von der Autobahnabfahrt Neudietendorf der A 4 bis zur Autobahnabfahrt Arnstadt-Nord der A 71. Sie verbindet das Ichtershäuser Gewerbegebiet in Thoerey und das Gewerbegebiet Arnstadt und befindet sich in der Zukunft mitten im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz.

[Bearbeiten] Eisenbahn

Arnstadt erhielt 1867 Bahnanschluss mit der Strecke Dietendorf–Arnstadt. Das heutige Neudietendorf erhielt bereits 1847 Bahnanschluss an die Thüringer Bahn. 1879 wurde die Bahnstrecke über Arnstadt hinaus bis nach Ilmenau, 1883 abzweigend in Plaue nach Schweinfurt, sowie in Arnstadt beginnend 1885 nach Ichtershausen und 1895 nach Saalfeld verlängert.

Das früher in Arnstadt bestehende Bahnbetriebswerk ist heute das Museum Bahnbetriebswerk Arnstadt/historisch. Der Haltepunkt Arnstadt Süd hieß bis 1912 Bahnhof Längwitz. Der Gesamtverkehr auf der Nebenbahn nach Ichtershausen wurde 1966 eingestellt; ein Reststück der Strecke wird heute als Rangierbezirk des Hauptbahnhofs Arnstadt betrieben. Die Strecke Neudietendorf–Arnstadt Hbf war von 1984 bis 1996 elektrifiziert.

Heute ist der Hauptbahnhof der Kreisstadt Knotenpunkt von drei RegionalExpress-Linien (RE 2, 7, 14) und drei RegionalBahn-Linien (RB 23, EIB 3, STB 4). Im Taktverkehr bestehen regelmäßige Direktverbindungen in die Ober- und Mittelzentren Erfurt, Saalfeld/Saale, Suhl, Meiningen, Schweinfurt, Würzburg und Ilmenau. Am Hauptbahnhof halten werktäglich 103 Personenzüge, in Arnstadt Süd 49.

Vom regelmäßigen Güterfernverkehr wird Arnstadt 2008 nicht tangiert. Lokale Güterverladung mit werktäglicher Bedienung durch Railion DB Logistics erfolgt im Hauptbahnhof und in den Gleisanschlüssen im einstigen Bahnhof Arnstadt Ost (ehemalige Arnstadt-Ichtershäuser Eisenbahn) sowie im Eisenwerk. Ein Gleisanschluss zum Industriegebiet Arnstadt-Nord/Erfurter Kreuz, unter anderem zur Bedienung des Flugzeugturbinenwartungswerks N3, wurde erst neu hergestellt.

[Bearbeiten] Flugverkehr

Etwa acht Kilometer östlich von Arnstadt befindet sich der Verkehrslandeplatz Arnstadt-Alkersleben, der hauptsächlich für Sport-, Freizeit- und Rundflüge sowie von kleinen Chartermaschinen genutzt wird. Nächster internationaler Flughafen ist der Flughafen Erfurt, zirka 20 Kilometer nördlich von Arnstadt.

[Bearbeiten] Sport

Das wichtigste Sportereignis in Arnstadt ist der seit 1977 alljährlich Ende Januar/Anfang Februar ausgetragene Hochsprung mit Musik, das sich inzwischen zum ersten internationalen Kräftemessem der weltbesten Hochspringer im jeweiligen Jahr entwickelt hat. So wurde hier im Jahr 2006 durch die Schwedin Kajsa Bergqvist ein Hallenweltrekord erzielt. Im Jahr 2008 gab es sowohl im Männer- als auch im Frauenwettbewerb Jahresweltbestleistungen. Die Veranstaltung findet in der Sporthalle am im Osten der Stadt gelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion statt. Dieses ist auch die Heimstätte der wichtigsten Fußballmannschaft der Stadt, der SV Rudisleben/Arnstadt, die als Motor Rudisleben zwischen 1978 und 1984 in der DDR-Liga spielte, 2008 nur noch in der Landesliga des Thüringer Fußballverbandes.

Insgesamt gibt es in Arnstadt über 60 Sportvereine, die die verschiedensten Sportarten anbieten. Größter Sportverein der Stadt ist die SG Motor Arnstadt, aus dessen Leichtathletik-Abteilung unter anderen Katrin Schreiter als Mitglied der 4x400-m-Weltmeisterstaffel 1990 hervorging. Die Handballer von Motor Arnstadt spielen in der Thüringer Landesliga.

Weitere wichtige Sportstätten sind der Sportplatz des ESV Lok Arnstadt, die Reitsportanlage Angelhausen sowie die Tennisplätze am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Zu bekannten Arnstädter Persönlichkeiten zählen die Schriftstellerin Eugenie Marlitt sowie der Graphiker A. Paul Weber und auch Willibald Alexis, Ludwig Bechstein sowie der Komponist Johann Sebastian Bach, der von 1703 bis 1707 als Organist und Kantor der hiesigen Neuen Kirche tätig war. Mitglieder seiner Familie lebten schon seit Generationen in und um Arnstadt. Auf dem Alten Friedhof sind mehr als 20 Mitglieder der Familie Bach bestattet.

[Bearbeiten] Ehrenbürger

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Weitere Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Literatur

  • Janny Dittrich/Andrea Kirchschlager: Arnstadt 1949 bis 1989. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-090-8
  • Andrea Kirchschlager, Ulrich Lappe, Peter Unger (Herausgeber): Chronik von Arnstadt. Zeittafel/Lexikon. Kirchschlager, Arnstadt 2003.

[Bearbeiten] Weblinks

Wikinews Wikinews: Arnstadt – Nachrichten
Commons Commons: Arnstadt – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. [ Hauptsatzung der Stadt Arnstadt]
  3. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Rechts- und Verfassungsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S.57-59.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 137ff., ISBN 3-88864-343-0
  5. Arnstadt von Rudolf Zießler. In Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg, Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2, S. 467
  6. http://www.mdr.de/1989/vierteiler/teil2-oktober89/6166298.html
  7. http://www.mdr.de/1989/6171748.html
  8. 29. Oktober
  9. 31. August
  10. ab 1970: 31. Dezember
  11. Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
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