Badische Revolution

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Die Badische Revolution von 1848/1849 im Großherzogtum Baden war regionaler Bestandteil der revolutionären Umbrüche dieser Jahre in Mitteleuropa, hier im engeren Sinn den Staaten des Deutschen Bundes.

Siehe auch: Märzrevolution

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Historischer Überblick

verklärendes Bild Friedrich Heckers (1811–1881) – links, stehend

Nach Ausbruch der französischen Februarrevolution 1848 und der dortigen Ausrufung der Republik sprang der revolutionäre Funke der demokratischen Aufstände zuerst auf Baden über, bevor es in weiteren Staaten des Deutschen Bundes ebenfalls zu revolutionären Aufständen und Umbrüchen kam.

Gustav Struve (1805–1870)

Damit begann die deutsche Märzrevolution in Baden, wo sie schließlich auch am 23. Juli 1849 nach der Einnahme der Festung Rastatt, der letzten Bastion der Revolutionäre, durch preußische Truppen endgültig gewaltsam beendet wurde.

Die Badische Revolution kann im Wesentlichen in zwei Phasen eingeteilt werden: Die erste Phase zwischen Anfang März 1848 und September 1848 mit den Versuchen, von Südwestdeutschland ausgehend die Republik durchzusetzen. (Heckerzug, Aufstand Gustav Struves in Lörrach). Nach der Niederlage Friedrich Heckers und seiner Anhänger bei Kandern und dessen Flucht ins Exil, sowie der Verhaftung Gustav Struves im September, war diese erste Phase gescheitert. Die zweite Phase begann nach dem Scheitern der Paulskirchenverfassung in Frankfurt am Main mit den Maiaufständen 1849, die – nicht nur in Baden – einen Versuch darstellten, eine demokratische Verfassung in einigen Teilstaaten des Deutschen Bunds doch noch durchzusetzen (Reichsverfassungskampagne). Diese zweite Phase endete in Baden mit der Niederschlagung der Revolution insgesamt nach den letzten Kämpfen im Juli 1849 in Rastatt.

Kennzeichnend für die badische Revolution im Unterschied zu den anderen Aufständen im deutschen Bund war, dass in ihr die Forderung nach einer demokratischen Republik am konsequentesten vertreten wurde. Dagegen wurde in den Gremien und Revolutionsparlamenten der anderen Fürstentümer des deutschen Bundes mehrheitlich eine konstitutionelle Monarchie mit Erbkaisertum favorisiert.

Radikaldemokratische und frühsozialistische Revolutionäre waren in Baden stark vertreten. Einige ihrer profiliertesten Köpfe waren beispielsweise Friedrich Hecker, Gustav Struve mit seiner Ehefrau Amalie, Gottfried Kinkel und Georg Herwegh mit seiner Frau Emma. Des Weiteren war Wilhelm Liebknecht, der zu dieser Zeit noch relativ unbekannte spätere Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), der Vorläuferpartei der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), im September 1848 am Aufstand in Lörrach und im Mai 1849 als Adjutant Struves ein Teilnehmer der badischen Revolution. Auch der Sozialist Friedrich Engels, der während der Märzrevolution für die von Karl Marx in Köln herausgegebene „Neue Rheinische Zeitung“ schrieb, war 1849 in der Endphase der Badischen Revolution aktiv an den Kämpfen gegen konterrevolutionäre preußische Truppen beteiligt. Des Weiteren stießen aus Köln die Eheleute Fritz und Mathilde Franziska Anneke zu den Freischärlern.

Die Basis der Revolution in Baden bildeten die vielerorts gegründeten badischen Volksvereine.

[Bearbeiten] Zeittafel der Badischen Revolution

zeitgenössische Lithographie des Gefechts bei Kandern aus der Perspektive der Revolutionäre am 20. April 1848, bei der der Heckeraufstand niedergeschlagen wurde
Einzug der Freischärler in Lörrach im September 1848 („Struve-Aufstand“). Ölgemälde von Friedrich Kaiser
  • 12. September 1847: In der Offenburger Versammlung werden die „Forderungen des Volkes in Baden“ nach Bürgerrechten, sozialer Sicherheit und Gleichheit erhoben.
  • 27. Februar 1848: Auf der Mannheimer Volksversammlung werden die sogenannten Märzforderungen artikuliert.
  • 1. März 1848: Demonstranten dringen in das Ständehaus des Landtags ein. Hecker verlangt die Beseitigung der Adelsprivilegien und Bauernbefreiung, damit die Aufhebung der Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems.
  • 4. März 1848: Bauernerhebung in Nordbaden. Die Revolution greift auf andere Staaten des deutschen Bundes über.
  • 19. März 1848: Große Volksversammlung in Offenburg mit 20.000 Teilnehmern.
  • 12. April 1848: In Konstanz rufen Hecker und Struve beim so genannten „Heckeraufstand“ die Republik aus. Der „Heckerzug“ macht sich auf den Weg Richtung Rheinebene, wo er sich mit einem Zug Georg Herweghs, der „Deutschen Demokratischen Legion“ aus Frankreich vereinigen will, um die Landeshauptstadt Karlsruhe einzunehmen.
  • 20. April 1848: Bei Kandern im Schwarzwald werden die Aufständischen des Heckerzuges von regulären Truppen besiegt und zerrieben. Friedrich Hecker flieht ins Exil, das ihn zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA führt.
  • 24. April 1848: Freischaren unter Franz Sigel marschieren auf das von Aufständischen besetzte Freiburg zu, um den Belagerungsring der Regierungstruppen zu durchbrechen. Der Entsatzungsversuch misslingt. Stattdessen erstürmen die Regierungstruppen die letzte Barrikade am Schwabentor und richten anschließend unter den Freischärlern ein Blutbad an.
  • 27. April 1848: Herweghs 900 Mann starke „Deutsche Legion“ wird bei Dossenbach von württembergischem Militär besiegt.
  • 21. September 1848: Bei einem Aufstand in Lörrach ruft Struve erneut die Republik aus. Der wird niedergeschlagen, Struve wenige Tage später verhaftet und inhaftiert. Bei den Maiaufständen 1849 wird er wieder befreit.
  • 11. Mai 1849: Im Zuge der Maiaufstände 1849 als Folge der Reichsverfassungskampagne, durch die die Anerkennung der revolutionären Errungenschaften in den einzelnen Staaten durch die gescheiterte Reichsverfassung erzwungen werden sollte, meutert in der Bundesfestung Rastatt die badische Garnison.
  • 12. Mai 1849: Auf der Delegiertenkonferenz der badischen Volksvereine stellt Amand Goegg „die Frage über die Proklamation der Republik“ zur Debatte, findet damit aber keine Mehrheit.
  • 13. Mai 1849: Eine Volksversammlung in Offenburg beschließt ein 16-Punkte-Programm, das u.a. die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer – allerdings noch immer großherzoglichen – neuen Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano fordert. Die großherzogliche Regierung lehnt die Forderungen der Offenburger Versammlung ab. Am Abend des 13. Mai fährt der revolutionäre Landesausschuss der Volksvereine nach Rastatt, wo Amand Goegg vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse verkündet und Brentano Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung vereidigt. Noch in der gleichen Nacht vom 13. zum 14. Mai flieht Großherzog Leopold aus seiner Residenz in Karlsruhe ins Exil nach Koblenz.
  • 14. Mai 1849: Das Ministerium Bekk wird abgesetzt und die Exekutivkommission des Landesausschusses, der zunächst anstelle der geflüchteten großherzoglichen Regierung die Landesgeschäfte übernimmt, etabliert sich mit Amand Goegg, Joseph Ignatz Peter und Carl Joseph Eichfeldt unter dem Präsidenten Lorenz Brentano.
  • Mai 1849: Johann Philipp Becker wird mit der Schaffung und Organisation der Volkswehr beauftragt. Sein erster Tagesbefehl datiert vom 21. Mai.
  • 30. Mai 1849: Gefecht bei Heppenheim gegen hessische Truppen.
  • 1. Juni 1849: Unter Lorenz Brentano wird eine provisorische demokratische Regierung gebildet, in der die konservativ-liberalen Kräfte dominieren; der Landesausschuss löst sich auf.
  • 5. Juni 1849: In Karlsruhe bildet sich unter der Führer von Struve und Becker ein „Klub des entschiedenen Fortschritts“ und fordert von der Regierung entschiedene revolutionäre Maßnahmen. Diese lässt die Delegation festnehmen, muss sie jedoch unter dem Druck der in der Stadt stationierten Freischaren wieder freilassen.
  • Juni 1849: Der polnische Revolutionär Ludwik Mierosławski wird zum General der Revolutionsarmee ernannt. Bundestruppen unter dem Kommando des Generalleutnant von Peucker und mehrere preußische Armeekorps unter dem Prinzen von Preußen Wilhelm dringen in Baden ein, um die Revolution niederzuschlagen.
  • 15./16. Juni 1849: Siegreiche Gefechte der badischen Truppen an der Neckarlinie bei Mannheim, Käferthal, Ladenburg und Hirschhorn
  • 20. Juni 1849: Preußische Truppen erzwingen bei Germersheim den Rheinübergang
  • 21./22. Juni 1849: Gefecht bei Waghäusel, daraufhin Rückzug der badischen Truppen, um einer drohenden Umschließung zu entgehen.
  • 25. Juni 1849: Gefecht bei Durlach, durch Beckers Volkswehr wird der Rückzug der Armee auf die Murglinie gedeckt. Die Revolutionsregierung flieht nach Freiburg im Breisgau und mit ihr Einheiten der Revolutionstruppen.
  • 28. Juni 1849: Eine verfassungsgebende Versammlung tagt im Basler Hof zu Freiburg. Auf Antrag Struves beschließt das Gremium, den Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen. Darauf tritt Brentano als Regierungschef zurück, Amand Goegg bildet gemeinsam mit Kriegsminister Werner die „provisorische Regierung von Baden mit diktatorischer Gewalt“.
Franz Seraph Stirnbrand (1788-1882): Gefecht in Gernsbach am 29. Juni 1849
  • 29./30. Juni 1849: Gefechte an der Murg (Gefecht bei Gernsbach am 29. Juni), Mieroslawski ernennt Major Gustav Tiedemann aus dem Kreis um Struve zum Gouverneur der Festung Rastatt. Die revolutionären Einheiten ziehen sich nach Südbaden zurück. Das eingeschlossene Rastatt wehrt sich erfolgreich gegen die preußische Zernierung.
  • 1. Juli 1849: Ein letztes Aufgebot von etwa 4000 Mann marschiert in Freiburg an den Repräsentanten der Revolutionsregierung und ihrem Oberkommandierenden Franz Sigel vorbei.
  • 7. Juli 1849: Die Preußen rücken kampflos in Freiburg ein.
  • 12. Juli 1949 Die revolutionären Truppen überqueren bei Jestetten und Konstanz die Grenze zur Schweiz und bitten um Asyl.[1]
  • 23. Juli 1849: Nach dreiwöchiger Belagerung wird die umkämpfte Festung Rastatt von preußischen Truppen eingenommen.

Die Revolution ist gescheitert. Die badische Armee wird aufgelöst und unter preußischer Führung neu aufgebaut. Nun richten Standgerichte in preußisch-badischer Besetzung die Revolutionäre hin: 27 Revolutionäre werden erschossen (darunter der letzte Gouverneur der Festung Rastatt, Gustav Tiedemann), lange Haftstrafen in preußischen Gefängnissen verhängt. Viele andere fliehen ins Exil, darunter auch Struve, Brentano, Carl Schurz und Friedrich Engels. Karl Alois Fickler, Bruder des badischen Agitators Joseph Fickler, war nach dem Fall Rastatts von dem preußischen Kommando mit der Verteidigung der Angeklagten vor Gericht beauftragt worden.[2]

[Bearbeiten] In Rastatt standrechtlich erschossene Revolutionäre

  • Gottfried Bauer – Soldat, Gissigheim
  • Karl Bernigau – Major, Mühlhausen
  • Ernst von Biedenfeld – Bataillonskommandeur, Bühl
  • Georg Böhning – Uhrmacher, Chef der Flüchtlingslegion, zuletzt Oberst, Wiesbaden
  • Andreas Counis – Soldat, Pforzheim
  • Ernst Elsenhans – Publizist, Feuerbach
  • Josef Günthard – Soldat, Konstanz
  • Konrad Heilig – ehem. badischer Unteroffizier, zuletzt Major und Kommandant der Festungsartillerie Rastatt, Pfullendorf
  • Carl Höfer – Lehrer, Brehmen/Altneudorf
  • Karl Jakobi – Major des Arbeiter-Bataillons, Mannheim
  • Peter Jäger – Soldat, Assamstadt
  • Jean Josef Jansen – Geometer, Köln
  • Josef Kilmarx – Feldwebel, Rastatt
  • Ludwig Kohlenbecker – Soldat, Karlsruhe
  • Konrad Lenzinger – Korporal, Durlach
  • Theophil Mniewski – polnischer Offizier, Wodzierady (Russ.-Polen)
  • Ludwig Peter Wilhelm Schade – Leutnant, Karlsruhe
  • Friedrich Wilhelm Schrader – Deserteur der 8. preußischen Artillerie-Brigade, Mansfeld
  • Gustav Nikolaus Tiedemann – ehem. badischer Dragonerleutnant, zuletzt Oberst und Kommandant der Festung Rastatt, Landshut,
  • Philipp Zenthöfer – Büchsenmacher und Soldat, Mannheim
Denkmal für die getöteten Revolutionäre, Friedhof Bruchsal

[Bearbeiten] In Bruchsal getötete Revolutionäre

  • Peter Lacher - standrechtlich erschossen. Sein Leben wurde im Roman Stefan Heyms (Lenz oder die Freiheit) beschrieben und verfilmt. [3]
  • Josef Killes
  • Karl Belgan
  • Franz Koser
  • Georg Speichler
  • Johann Ferg

[Bearbeiten] Literatur

  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): 1848/49. Revolution der deutschen Demokraten in Baden. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998, ISBN 3-7890-5201-9.
  • Alfred Georg Frei, Kurt Hochstuhl: Wegbereiter der Demokratie. Die badische Revolution 1848/49. Der Traum von der Freiheit. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1997, ISBN 3-7650-8168-X.
  • Stefan Heym: Lenz oder die Freiheit. btb Verlag, Neuauflage September 2005, ISBN 3442734576.
  • Der Rhein-Neckar-Raum und die Revolution von 1848/49. Revolutionäre und ihre Gegenspieler. Hrsg. v. Arbeitskreis der Archive im Rhein-Neckar-Dreieck. Mit Beiträgen von Hans Fenske und Erich Schneider. Verlag Regionalkultur Ubstadt-Weiher, 1998. ISBN 3-929366-64-9
  • Otto Wermuth: „Wir haben´s gewagt“, Die badisch-pfälzische Revolution 1849. Rombach Verlag, 1981, ISBN 3-7930-0367-1.
  • Klaus Gaßner/Diana Finkele: "Der Aufstand der badischen Demokraten" Verlag Regionalkultur, ISBN 3-929366-97-5

[Bearbeiten] Siehe auch

Märzrevolution, Fritz Anneke, Mathilde Franziska Anneke, Lorenz Brentano, Friedrich Engels, Amand Goegg, Friedrich Hecker, Georg Herwegh, Ludwik Mieroslawski, Friedrich Neff, Enno Sander, Carl Schurz, Franz Sigel, Valentin Streuber, Gustav von Struve, Februarrevolution 1848

[Bearbeiten] Quellen

  1. Freiburger Bürgerwehr: die Badische Revolution in Freiburg
  2. [1], „ADB Eintrag Bd. 6“
  3. http://www.imdb.com/title/tt0091397/

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Badische Revolution – Bilder, Videos und Audiodateien
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