Bahnhof Potsdam Griebnitzsee

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Potsdam Griebnitzsee
Empfangsgebäude, 2005
Empfangsgebäude, 2005
Daten
Lage im Netz Zwischenbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 1 (Fernbahn)
2 (S-Bahn)
Abkürzung BGBS (Fernbahn)
BGRI (S-Bahn)
IBNR 8080530
Kategorie 4
Eröffnung 1. Juni 1874
Webadresse s-bahn-berlin.de
Profil auf Bahnhof.de Griebnitzsee
Architektonische Daten
Architekt Günter Lüttich
Lage
Stadt/Gemeinde Potsdam
Ort/Ortsteil Babelsberg
Land Brandenburg
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 23′ 40″ N, 13° 7′ 38″ OKoordinaten: 52° 23′ 40″ N, 13° 7′ 38″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Brandenburg
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Der Bahnhof Potsdam Griebnitzsee ist ein Regional- und S-Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg und der Wannseebahn. Er liegt im äußersten Osten von Potsdam-Babelsberg, nordöstlich der Filmstadt Babelsberg und südlich des Griebnitzsees. Während der deutschen Teilung diente er als Grenzbahnhof für den Verkehr nach West-Berlin. Der Bahnhof wird heute von der S-Bahnlinie S7 und den Regionalbahnen RB 21 und RB 22 angefahren.

Ein historisches Gleichrichterwerk östlich des Empfangsgebäudes beherbergte bis 2016 das Berliner S-Bahn-Museum. Im Umfeld finden sich ein Standort der Universität Potsdam sowie das Hasso-Plattner-Institut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof 1931

Der Bahnhof wurde 1874 an der Berlin-Potsdamer Eisenbahn für die Erschließung der Villensiedlung Neubabelsberg errichtet; daher stammt seine ursprüngliche Bezeichnung Neubabelsberg. Er ging am 1. Juni des gleichen Jahres in Betrieb.

Als erstes Empfangsgebäude diente ein wieder aufgebauter Holzpavillon von Kyllmann & Heyden, der im Vorjahr auf der Wiener Weltausstellung als Deutsches Haus errichtet wurde. Das bis heute erhaltene Empfangsgebäude wurde 1931 von Günter Lüttich entworfen. Am 1. April 1938 wurde der Bahnhof in Babelsberg-Ufastadt umbenannt.[1]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Teltowkanalbrücke bei Kohlhasenbrück gesprengt, in der Folge ruhte der S-Bahnverkehr zwischen Zehlendorf und Babelsberg-Ufastadt von April 1945 bis zum 15. Juni 1948.[1]

Grenzbahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Griebnitzsee 1949 als FDJ-Jugendbahnhof

Eine weitere Umbenennung erfolgte 1949 in Griebnitzsee. Ab 1952 war Griebnitzsee Kontrollbahnhof. Von 1961 bis 1989 war der Bahnhof für den Nahverkehr gesperrt und bis 1990 Grenzbahnhof und Grenzübergangsstelle (GÜSt, Personenverkehr) der DDR. Der Ein- und Ausstieg im Bahnhof Griebnitzsee war im Transitverkehr durch die DDR von und nach West-Berlin nicht erlaubt.

  • Internationaler Verkehr z. B. von Paris nach Warschau (zwischen Helmstedt und Berlin als Transitzug).

Bis 13. August 1961 (Mauerbau, S-Bahn) und ab 1990 (Nahverkehr) gab es einen

  • Wechselverkehr zwischen West-Berlin und der DDR. Ab 1952 war die Fahrt über die Grenze nur mit Genehmigung erlaubt und für West-Berliner verboten. Von 1953 bis 1958 (Fertigstellung Außenring) gab es „Durchläuferzüge“ zwischen Potsdam und Ostberlin, die West-Berlin ohne Halt passierten.

Da der Bahnhof nahe der Grenze zu West-Berlin lag, war er stark gesichert und bewacht. Dazu gehörte auch die Kontrolle der Zulaufstrecken, um eine Flucht aus der DDR zu unterbinden. Auf dem Bahnhof patrouillierten zusätzlich uniformierte Kräfte mit Wachhunden, die auch das Laufwerk und die Zugunterseite nach versteckten Personen untersuchten. Anfangs wurden die Kontrollen im haltenden Zug durchgeführt. Später stiegen die Grenzpolizisten (DDR-Bezeichnung: Kontrollorgane) nur zu (Richtung Westdeutschland) bzw. wieder aus (Richtung Berlin) und führten die Kontrollen im fahrenden Zug durch (Transitzüge ab 1972).

Am 18. April 1962 kam es bei dem Versuch zweier NVA-Offiziersschüler, die DDR über das Bahnhofsgelände zu verlassen, zu einer Schießerei, wobei der Flüchtling Peter Böhme und der Grenzpolizist Jörgen Schmidtchen ihr Leben verloren.

Nach 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnsteige des Bahnhofs Griebnitzsee

Seit 1990 ist der Bahnhof wieder für die Allgemeinheit zugänglich. Mit Aufnahme des S-Bahnverkehrs zwischen Wannsee und Potsdam am 1. April 1992 ging auch der S-Bahnsteig in Betrieb. Ein neues Bahnsteigdach sowie ein zweiter Zugang wurden errichtet.[1] Im Jahr 2000 wurde die Bahnhofshalle für rund 4,5 Millionen Mark saniert.[2]

Heute wird der Bahnhof besonders von Studenten frequentiert. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof befindet sich der Campus Babelsberg der Universität Potsdam. Das Institut für Informatik, das Hasso-Plattner-Institut, die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät und die Filmhochschule Babelsberg sind der Grund dafür, dass hier täglich viele Studenten aus den und in die S-Bahn-Züge strömen. Die Regionalbahnen RB 21 und RB 22 fungieren zudem als Pendelzüge für Studenten zu den anderen Campus der Universität in Golm und am Neuen Palais (über den Bahnhof Potsdam Park Sanssouci).

Betrieblich stark einschränkend war, dass für den Regionalverkehr nur ein Seitenbahnsteig an der zweigleisigen Strecke zur Verfügung stand. Dies führte dazu, dass Züge von Berlin in Fahrtrichtung Potsdam nicht am Bahnhof Griebnitzsee halten konnten. Ein zweiter Regionalbahnsteig sollte ursprünglich bereits 2013 errichtet werden, dies verzögerte sich aber wiederholt.[3] Schließlich ging der Bahnsteig zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 in Betrieb. Rund drei Millionen Euro wurden für den 140 Meter langen Bahnsteig und einen Aufzug investiert.[4]

Das Empfangsgebäude steht als S-Bahnhof Griebnitzsee auf der Denkmalliste der Stadt Potsdam.[2]

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linie Verlauf
RB 21 Wustermark – Priort – GolmPotsdamGriebnitzseeBerlin Zoologischer GartenBerlin HbfBerlin Friedrichstraße
RB 22 Berlin-Schönefeld FlughafenSaarmund – Golm – Potsdam – Griebnitzsee – Berlin Zoologischer Garten – Berlin HbfBerlin Friedrichstraße
Berlin S7.svg Potsdam Hauptbahnhof – Babelsberg – Griebnitzsee – Wannsee – Nikolassee – Grunewald – Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Nöldnerplatz – Lichtenberg – Friedrichsfelde Ost – Springpfuhl – Poelchaustraße – Marzahn – Raoul-Wallenberg-Straße – Mehrower Allee – Ahrensfelde

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutscher Bahnkundenverband (Hrsg.): 125 Jahre Bahnhof am Griebnitzsee. Verlag GVE, Berlin 1999, ISBN 3-89218-062-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Griebnitzsee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Vier Jahrzehnte hermetisch abgeriegelt – Teil 51 / Tek km 00,24: Bahnhof Griebnitzsee. Märkische Allgemeine, 24. Mai 2006; abgerufen am 29. November 2012.
  2. a b Endlich wieder ein würdiges Entrée. 4. Mai 2000; abgerufen am 29. November 2012.
  3. Früher – und doch vier Jahre zu spät Potsdamer Neueste Nachrichten, 21. Januar 2016
  4. Regionalbahnen von Berlin halten jetzt in Griebnitzsee. Deutsche Bahn AG, 9. Dezember 2016; abgerufen am 18. März 2017.