Benutzer:Hardenacke
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Vor vierzig Jahren:
21. August 1968 - ein entscheidender Tag in meinem Leben. [1] Das war 1968 für uns.
Panzer walzten die Träume vom Demokratischen Sozialismus und vom Dritten Weg nieder. Niemand hatte sie gerufen.
Wir erhielten diese Nachricht bei einem Ernteeinsatz auf dem Lande, zu dem man uns (vorsorglich ?) geschickt hatte. Es kamen Männer von der Kreisleitung und erzählten uns vom „Hilferuf“ und von der „brüderlichen Hilfe“ zur „Rettung des Weltfriedens“. Widersprechen hatten wir nicht gelernt.
Einige Tage später tauchten Flugblätter auf, eigentlich nur etwas unbeholfen formulierte Zettel. Als am 1. September wieder die Schule begann, wurden von allen Schriftproben eingesammelt.
Tage später verschwanden einige meiner Freunde. Nach und nach erfuhr ich: Sie waren im Gefängnis, 15-, 16-jährige Jungs.
Monate später waren sie wieder da. Seltsam verändert. Auf Fragen bekam man Antworten wie: Ich musste unterschreiben, dass ich nicht darüber rede.
Was ich bin, wurde ich durch die Partei [3].
Meinungsfreiheit
Und doch: Ich kenne einige deutsche Intellektuelle unter 60, die sofort dabei wären, wenn es um die Neuverkündung der zehn Gebote der Meinungsfreiheit ginge. Du sollst die Meinungsfreiheit auch der Andersdenkenden verteidigen. (Und Eva Herman nicht mit Eva Braun gleichsetzen, liebe Thea Dorn.) Du sollst keine historischen Tabus aufstellen, als ob dir die Argumente ausgegangen wären. Du sollst die Wahrheit nicht dem opfern, was politisch korrekt oder pädagogisch wertvoll erscheint. Die Wahrheit ist dem Volke durchaus zuzumuten. Und: Du sollst nicht langweilen - durch Zurschaustellung deiner eigenen moralischen Untadeligkeit. Es gilt, den Eros der Freiheit zu entdecken. Gerade jetzt. Und jetzt erst recht.
Cora Stephan

