Berlin-Frohnau

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Frohnau
Ortsteil von Berlin

Frohnau Heiligensee Konradshöhe Tegel Hermsdorf Lübars Waidmannslust Märkisches Viertel Wittenau ReinickendorfFrohnau auf der Karte von Reinickendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 38′ 0″ N, 13° 18′ 0″ O52.63333333333313.3Koordinaten: 52° 38′ 0″ N, 13° 18′ 0″ O
Einwohner 17.025 (30. Juni 2008)
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 13465
Ortsteilnummer 1205
Verwaltungsbezirk Reinickendorf
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Frohnau ist ein Ortsteil im Bezirk Reinickendorf von Berlin. Er ging 1910 aus dem Projekt einer Gartenstadt hervor.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Der Ortsteil Frohnau befindet sich am nördlichen Rand des Bezirks Reinickendorf und damit am nordwestlichen Rand Berlins. Die benachbarten Ortsteile sind im Südwesten Heiligensee, im Süden Tegel und im Südosten Hermsdorf. Im Westen, Norden und Osten grenzt der Ortsteil an den Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Im Westen und Norden grenzt er an die Stadt Hohen Neuendorf, wobei deren Ortsteil Stolpe westlich von Frohnau liegt. Im Nordosten grenzt der Ortsteil Schönfließ der Gemeinde Mühlenbecker Land an Frohnau. Im Osten liegt die Nachbargemeinde Glienicke/Nordbahn.

[Bearbeiten] Geschichte

Wappen von Frohnau

Frohnau wurde zwischen 1908 und 1910 von der „Berliner Terrain-Centrale“ angelegt, die von dem oberschlesischen Fürsten Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck initiiert wurde (nach ihm ist eine der drei Platzanlagen des Ortsteils benannt). Die Gesellschaft kaufte 1907 Waldgelände links und rechts der Berliner Nordbahn von der Familie von Veltheim in Schönfließ und gründete eine Villenkolonie, die sie nach der damals entstehenden Gartenstadtbewegung „Gartenstadt Frohnau“ nannte. Der Landschaftsarchitekt Ludwig Lesser erarbeitete ein Gesamtkonzept nach englischen Vorbildern. Den städtebaulichen Wettbewerb zur Ausgestaltung der neuen Gartenstadt gewannen die Architekten Joseph Brix und Felix Genzmer. Die Gartenstadt wurde rund um das neue Bahnhofsgebäude der Berliner Vorortbahn angelegt, das nach Plänen der Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser im Jugendstil erbaut worden war. Die radialen Haupterschließungsstraßen nehmen ihren Ausgangspunkt an der Doppelplatzanlage des Ludolfingerplatzes und Zeltinger Platzes und verlaufen der bewegten Topografie folgend zumeist gekrümmt. Das Gelände wurde parzelliert und an Bauwillige verkauft.

Am 7. Mai 1910 feierte man die Einweihung des Ortes, in der kurzen Zeit bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 wurden aber nur wenige Häuser errichtet. Der größte Teil wurde erst zwischen den beiden Weltkriegen bebaut. Die Bebauung des nordöstlichen Teil der geplanten Siedlung wurde jedoch nie realisiert, obwohl dort bereits die Straßen gepflastert und Gehwege mit Straßenbäumen angelegt worden waren. Noch heute kann man den Frohnauer Forst dort auf gepflasterten Straßen durchwandern. Der in den 1930er-Jahren entstandene Plan, den nördlichen Teil des Berliner Autobahnrings durch dieses Waldstück zu führen, wurde zum Glück der Vorstadt keine Realität. Im Nordwesten entstand 1938 die Invalidensiedlung auf einem hufeisenförmigen Grundriss. Ihr Haupteingang war allerdings nach Norden zum brandenburgischen Hohen Neuendorf hin orientiert.

Kommunalrechtlich war Frohnau zunächst ein Teil des Gutsbezirks Stolpe und bildete seit Juli 1910 einen eigenen Gutsbezirk. 1917 trennte man den nördlichen Teil als weiteren Gutsbezirk „Kaiserlich Frohnau“ ab. Jedoch wurde die Trennung nicht praktisch vollzogen, da mit der Revolution von 1918 die Gutsbezirke aufgelöst wurden. Am 1. Oktober 1920 wurde Frohnau gegen den Widerstand seiner steuerkräftigen Bewohner in die Großgemeinde Berlin eingegliedert und bildet seitdem einen Ortsteil des Bezirks Reinickendorf.

Am 22. April 1945 besetzten die sowjetischen Truppen den Ortsteil. Vom 12. August 1945 bis zum 2. Oktober 1990 gehörte er zum Französischen Sektor Berlins. Von 1961 bis 1989 war der gesamte Ortsteil im Norden des Tegeler Forstes im Wesentlichen nur über zwei Hauptverkehrsstraßen beidseits der S-Bahn-Trasse erreichbar. Die wichtigste Straßenverbindung nach Frohnau, die Berliner Straße im Verlauf der Bundesstraße 96, war durch den sogenannten „Entenschnabel“ abgeriegelt, ein damals zur DDR gehörender Geländestreifen der Straße Am Sandkrug.

Das Wappen von Frohnau wurde 1987 im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt.

Die architektonisch reizvolle Villenbebauung Frohnaus stammt unter anderen von folgenden Architekten:

[Bearbeiten] Bauwerke

[Bearbeiten] Casinoturm

Casinoturm

Der Casinoturm wurde zwischen 1909 und 1910 als 30 Meter hohes Wahrzeichen des Ortsteils nach einem Entwurf der Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser erbaut. Der balkonartige Umgang unterhalb der Turmspitze in einer Höhe von 26,5 Metern ist als Aussichtsplattform gestaltet. An der Turmfassade befinden sich Uhren nach allen vier Himmelsrichtungen. Über dem Haupteingang ist die Skulptur eines Hirschkopfes angebracht, dem das Geweih eines im kaiserlichen Hofjagdrevier bei Oranienburg erlegten Hirsches aufgesetzt ist. Im Inneren ist der Turm mit einem – schon lange außer Betrieb gesetzten – Hochdruckbehälter mit 49 m³ Inhalt zur Wasserversorgung des Bahnhofsgeländes und der angrenzenden Geschäftsgebäude ausgestattet, es handelt sich demnach eigentlich um einen Wasserturm. An seiner Südwestecke verfügt der Turm über einen bis zur Höhe von etwa 20 m führenden Treppenturm, der sich wie ein Halbmond an den Turmbau anfügt.

[Bearbeiten] S-Bahnhof Frohnau

Bahnhofsgebäude Frohnau

Das Bahnhofsgebäude mit dem tief gelegenen Bahnsteig ließ die Eisenbahndirektion Berlin 1908–1910 ebenfalls nach einem Entwurf der Architektengemeinschaft Gustav Hart & Alfred Lesser errichten. Die Berliner Terrain-Centrale, die damals Frohnau als neues Siedlungsgebiet erschloss, leistete einen Baukostenzuschuss von 30.000 Goldmark und übernahm die Betriebskosten für vier Jahre. Schon lange vor der Gründung Frohnaus verkehrte hier seit 1877 die Nordbahn zwischen Berlin und Stralsund. Ab 1891 wurde sie zweigleisig ausgebaut. An der Stelle des heutigen Bahnhofs Frohnau stand ein Bahnwärterhäuschen. Die nächsten Stationen waren Hermsdorf im Süden und Stolpe im Norden (der Bahnhof Stolpe lag unmittelbar nördlich der heutigen Invalidensiedlung und wurde 1924 geschlossen). Bei der Anlegung der Frohnauer Straße im Jahre 1909 legte man die Bahngleise tiefer, schüttete die Umgebung auf und baute die Straßenbrücke als Verbindung der beiderseits der Bahn gebauten Ortsteile. Am 1. Mai 1910 wurde der neue Bahnhof Frohnau eingeweiht; es wurden 1640 Besucher gezählt. Am 1. April 1925 trat an der Stelle der Dampfzüge die elektrische S-Bahn nach Oranienburg. Beim Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die S-Bahn zwischen den Bahnhöfen Frohnau und Hohen Neuendorf stillgelegt und erst am 31. Mai 1992 wieder eröffnet. Zwischen 1984 und 1986 wurde der Bahnhof renoviert.

[Bearbeiten] Wasserturm

Der auf dem städtischen Friedhof Hermsdorf befindliche Wasserturm steht auf Frohnauer Gebiet. Er wurde 1908/1909 erbaut und von dem seinerzeit in Hermsdorf wohnenden Maler Max Beckmann in zwei Gemälden abgebildet, unter anderem in der Phase der Erbauung. Der Turm ist 30 Meter hoch und versorgte ursprünglich Hermsdorf, Frohnau, Waidmannslust und Lübars mit dem notwendigen Wasserdruck. Der Wasserbehälter konnte maximal 500 m³ fassen, war aber nur etwa 20 Jahre in Betrieb. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Turm als Beobachtungsposten für Polizei und Luftwaffe.

[Bearbeiten] Funkanlagen

Die beiden ehemaligen Sendetürme von Nordwesten gesehen

In einem Waldstück in der Nähe des Hubertussees befindet sich die Richtfunkanlage Berlin-Frohnau. Dort stand das zweithöchste Bauwerk Berlins (vgl. Liste der höchsten Bauwerke in Berlin).

Sprengung des Sendemastes

Der zwischen 1977 und 1979 errichtete Richtfunkmast war 358,58 Meter hoch, 920 Tonnen schwer und ermöglichte bis zur Wiedervereinigung eine Richtfunkverbindung mit der Bundesrepublik Deutschland. Die Richtfunkstrecke hatte das Ziel, zwischen West-Berlin und Westdeutschland Telefonverbindungen zu ermöglichen. Nach der Wende wurde bekannt, dass das Ministerium für Staatssicherheit der DDR auch diese Verbindungen überwachen konnte. Da der Funkmast nach der Wiedervereinigung nicht mehr genutzt wurde, wurde er am 8. Februar 2009 gesprengt.
Zur Anlage gehört auch ein freistehender Stahlgitterturm mit einer Höhe von 117,5 Metern, der weiterhin genutzt wird.


[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen

[Bearbeiten] Schulen

  • Renée-Sintenis-Grundschule, benannt nach der in Berlin geborenen Bildhauerin, Zeichnerin und Grafikerin Renée Sintenis.
  • Victor-Gollancz-Grundschule. Die Schule hat ihren Namen nach dem englischen Verleger Victor Gollancz. Dieser – selbst jüdischen Glaubens – trat nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die These von der Kollektivschuld des deutschen Volkes an und setzte sich dafür ein, der notleidenden deutschen Bevölkerung zu helfen.
  • Evangelische Schule in Frohnau (Grundschule und Gymnasium)

[Bearbeiten] Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Frohnau ist zuständig für den Feuerwehr- und Rettungsdienst in der Gartenstadt.

[Bearbeiten] Religionsgemeinschaften

[Bearbeiten] Kirchen

Die evangelische Johanneskirche nebst Gemeindehaus wurden 1934–1936 nach einem Entwurf der Brüder Walter und Johannes Krüger erbaut (Erbauer des Tannenberg-Denkmals). Der Turm erinnert in seiner Gestaltung an romanische Westwerke mittelalterlicher Wehrkirchen. Der Vorbau vor dem Kircheneingng wird von vier Eichenstämmen aus dem Tegeler Forst getragen. In diese hat der Bildhauer Karl Sylla die Symbole der vier Evangelisten und weitere christliche Sinnbilder geschnitzt. Den Altar mit Leuchter gestaltete der Bildhauer Fritz Thiel. Die 1967 von Götz Löpelmann geschaffenen abstrakten Glasgemälde der Kirchenfenster stellen die Schöpfungsgeschichte dar.

Die evangelische Gemeinde Frohnau wurde 1922 von der Gemeinde Stolpe abgetrennt. Vor dem Bau der Johanneskirche hatten die Gottesdienste in einem Gebäude in der Senheimer Straße stattgefunden, das ursprünglich als Turnhalle erbaut worden war. Diese Turnhalle war im Ersten Weltkrieg ein Lazarett und wurde schließlich von der katholischen Gemeinde Frohnaus erworben.

Seitdem befindet sich dort die katholische Kirchengemeinde St. Hildegard. Die Kirche ist Hildegard von Bingen geweiht und beherbergt eine Reihe von bemerkenswerten Kunstgegenständen, unter anderem ein Altarbild aus dem früheren Bestand der Sankt-Hedwigs-Kathedrale, eine von Käthe Kollwitz bewunderte Pietà, ein Andachtskreuz und Türportal des „Herrgottschnitzers von Frohnau“ – Johannes Lotter – und eine pneumatische Sauer-Orgel, die „kleine Schwester“ der Kathedralorgel zu St. Hedwig.

[Bearbeiten] Das Buddhistische Haus

Bauherr des Buddhistischen Hauses war der Arzt Paul Dahlke, der auf seinen Asienreisen den Buddhismus kennengelernt hatte. Als ein Zentrum dieser Religion ließ er von 1923 bis 1924 durch den Pankower Architekten Max Meyer ein villenartiges Wohnhaus mit einem dahinter gesetzten, im japanischen Stil gehaltenen Tempelbau errichten. Noch heute leben hier buddhistische Mönche und es finden regelmäßig Vorträge und Diskussionen statt.

Blick auf den Zeltinger Platz in Frohnau (links das Kirchengebäude)
Blick auf den Zeltinger Platz in Frohnau (links das Kirchengebäude)

[Bearbeiten] Kultureinrichtungen

  • Die Teestube (evangelisches Jugendheim im Fuchssteiner Weg 20–26)
  • Jugendzentrum Terra Frohnau
  • Das Centre Bagatelle (Zeltinger Straße 6) bietet ein breites kulturelles Angebot. Neben zahlreichen Kursen finden hier u. a. regelmäßig Konzerte verschiedener Musikrichtungen statt.
  • Kunsthand Berlin
  • Künstlerhof Frohnau: Auf dem Waldgelände (Hubertusweg 60) ist seit 1998 mit Unterstützung des Bezirksamtes Reinickendorf und großer Eigeninitiative der Künstlerinnen und Künstler in ehemaligen Lazarettgebäuden aus den 1920er-Jahren und einem Neubau von 1970 eine Produktionsstätte für Künstler der Richtungen Malerei, Bildhauerei, Keramik, Grafik, Glasverarbeitung, Konzeption, Videotechnik und Internet, Schriftstellerei, Fotografie, Musik und Komposition entstanden.
  • Stadtbibliothek Frohnau
  • Kiwanis Club Berlin Frohnau e.V.

[Bearbeiten] Prominente

Vor dem Zweiten Weltkrieg scherzten die Berliner mit dem Ausspruch: „Die halbe Berliner Oper wohnt in Frohnau“. In der Tat war Frohnau eine bevorzugte Wohnlage für Sänger wie G. Ditter, E. Habich, G. Pistor und Maria Müller (verehelichte Reichenauer). Auch heute noch wohnen viele Künstler und Intellektuelle in Frohnau.

[Bearbeiten] Literatur

  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. 2. Auflage CZV-Verlag, Berlin 1986, S. 1292–131, ISBN 3-7674-0158-4.
  • Max Mechow: Frohnau, die Berliner Gartenstadt. 2. Auflage Stapp Verlag, Berlin 1985, ISBN 3-87776-052-X.
  • Klaus Schlickeiser: Spaziergänge in Frohnau. Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e.V., Berlin 2003, ISBN 3-927611-19-0.
  • Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Abt. III – Gartendenkmalpflege, 3. Auflage, Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1989, S. 58–60, ISBN 3-87584-267-7.
  • Michael Haddenhorst (Fotos), Peter Lemburg (Text): Frohnau, Nicolai-Verlag, Berlin 1995
  • Klaus Pegler: Es geschah in Frohnau – Frohnauer Geschichten 2, Alektor Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-88425-085-3
  • Klaus Pegler: Frohnauer Geschichten – Erlebtes und Erforschtes, Alektor Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-88425-083-3
  • Katrin Lesser-Sayrac, Ingolf Wernicke, Klaus von Krosigk: Ludwig Lesser (1869–1957) – Erster freischaffender Gartenarchitekt in Berlin und seine Werke im Bezirk Reinickendorf, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin (Hrsg.), Kulturbuch-Verlag GmbH 1995, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Heft 4, ISBN 3-88961-152-4

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Berlin-Frohnau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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