Berlin-Steglitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Steglitz
Ortsteil von Berlin

Wannsee Nikolassee Zehlendorf Dahlem Lichterfelde Steglitz LankwitzSteglitz auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 28′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O52.46666666666713.333333333333Koordinaten: 52° 28′ 0″ N, 13° 20′ 0″ O
Einwohner 70.555 (30. Juni 2008)
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12157, 12161, 12163, 12165, 12167, 12169
Ortsteilnummer 0601
Gliederung
Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Steglitz ist ein Berliner Ortsteil im sechsten Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf, der auf das historische preußische Dorf Steglitz zurückgeht. Das Gymnasium Steglitz war an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Keimzelle des Wandervogels, der seinerseits den Ursprung der Jugendbewegung darstellt.

Steglitz erlebte mit dem Bau der ersten gepflasterten preußischen Landstraße 1792 und dem Bau der Wannseebahn als erste Eisenbahnlinie zwischen Berlin und Potsdam im Jahr 1838 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Erschließung der Vororte Berlins führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Steglitz profitierte von seiner Lage an der alten Reichsstraße 1, der heutigen Bundesstraße 1, die – einem mittelalterlichen Handelsweg folgend – ursprünglich über mehr als 1000 Kilometer von Aachen über Berlin bis an die deutsch-litauische Grenze reichte und als wichtigste Straßenverbindung Deutschlands galt, ebenso wie von der Gründung ausgedehnter Villenkolonien in den Nachbardörfern Lichterfelde-West und Dahlem.

Dem Verlauf der südlichen Eisenbahnverbindung aus dem Stadtzentrum von Berlin-Mitte über SchönebergFriedenau – Steglitz – LichterfeldeZehlendorf nach Wannsee folgt heute die S-Bahnlinie 1.

Von 1920 bis 2001 war Steglitz auch der Name eines Berliner Verwaltungsbezirks. Im Zuge der Neugestaltung der Verwaltungsbezirke wurden die Verwaltungsbezirke Steglitz und Zehlendorf fusioniert. Der Ortsteil Steglitz grenzt von Süden beginnend innerhalb des Bezirks an die benachbarten Ortsteile Lankwitz, Lichterfelde und Dahlem, im Norden an den Ortsteil Friedenau des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Die Ortslage Südende grenzt im weiteren Verlauf im Uhrzeigersinn an die Ortsteile Schöneberg und Tempelhof des Bezirks Tempelhof-Schöneberg.

Der höchste Punkt Steglitz' ist der Fichtenberg mit 68 Metern über NN. Durch den Ortsteil fließen die Bäke und der Teltowkanal.

Die Steglitzer Schloßstraße bildet das Zentrum des Ortsteils. Architektonische Besonderheiten dort sind der Bierpinsel, der Steglitzer Kreisel und das Rathaus Steglitz.

[Bearbeiten] Geschichte

Steglitz ist möglicherweise slawischen Ursprungs und leitet sich von „stygl“ (deutsch: am Berghang) und der im Märkischen häufigen Endung „itz“ (deutsch: Ansiedlung) ab.[1]

  • 1242 wurde das Dorf Stegelitze erwähnt
  • 1375 wurde Steglitz im Landbuch Karls IV. erstmals beurkundet
  • 1872/1873 kam es zur Gründung der Villen- und Landhaus Kolonie Südende
  • 1901 wurde im Ratskeller des Steglitzer Rathauses der Wandervogel gegründet
  • 1912 bis 1914 verkehrte in Steglitz der Gleislobus Steglitz, einer der ersten Oberleitungsbusse der Welt
  • 1920 fand die Eingemeindung in das neu geschaffene Groß-Berlin statt; zuvor war die Steglitzer Bevölkerung von 5.000 auf über 80.000 angewachsen und Steglitz damit zur größten Landgemeinde Preußens geworden.

Traurige Bekanntheit erlangte der Bezirk, als sich 1927 ein Vorfall ereignete, der als Steglitzer Schülertragödie bezeichnet wurde. Zwei Schüler kamen nach einem Selbstmordpakt ums Leben.

Hans Blüher, der erste Chronist der Wandervogelbewegung, entwarf folgendes Bild von Steglitz zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg:

„Von den Steglitzer Großbaumeistern hätte man wohl sagen können, dass sie begabte Silhouettenschneider gewesen seien. Wenn man nämlich des Abends von Osten nach Westen ging und aus der Bäkeniederung und den anderen Villenvororten auf Steglitz zukam, da sah man im Golde das aufgereckte Dorf prangen, die Kuppel des Wasserturmes oben an, die spitzen Türme des Protestantenheiligtums und des Rathauses etwas tiefer daneben, dann die ernste Schönheit der katholischen Kirche, die so breit dastand im Heldengefühle der Diaspora; […] und es gab auch in der ganzen weiten Umgebung von Berlin keine Silhouette einer Ortschaft, die in so unvergeßlichen Formen dastand, wie die von Steglitz.[2]

Steglitz war der Berliner Bezirk, der bei der Reichstagswahl 1933 von allen Berlinern Bezirken die höchste Zustimmung für die Nationalsozialisten zeigte.
Seinerzeitige Stimmverteilung:

Aufgrund der Größe seiner Kirchengemeinde wurde Steglitz zu einem Hauptschauplatz des Kirchenkampfs zwischen der Bekennenden Kirche und der Glaubensbewegung der Deutschen Christen, der im Juni 1933 mit der Verhaftung des Pfarrers der Markusgemeinde Otto Großmann durch Mitglieder der SA von der Kanzel weg begann. Als Reaktion auf den Erlass der Nürnberger Rassengesetze tagte im Markusgemeindesaal im September 1935 die Steglitzer Synode.[3]

[Bearbeiten] Fußnoten und Einzelnachweise

  1. Offizielles Web-Portal der Stadt Berlin: Steglitz im Wandel der Geschichte
  2. Hans Blüher: „Wandervogel. Geschichte einer Jugendbewegung“. Berlin-Tempelhof, 3. Aufl. 1913, S. 6.
  3. „Kirchenkampf in Steglitz 1933–1945“ von Heidemarie Oehm

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen