Bestsellerliste
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Auf einer Bestsellerliste werden Bücher aufgeführt, deren Verkaufszahlen über dem Durchschnitt liegen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Überblick
Um einen genauen und übersichtlichen Vergleich von Absatzdaten ermöglichen zu können, rief die amerikanische Literaturzeitschrift The Bookman die erste Bestsellerliste bereits 1895 ins Leben. Der Buchhandel im Nordamerika des 19. Jahrhunderts begann, sich mit der aktiven Steuerung des Absatzmarktes auseinanderzusetzen. Als Bestseller betitelte Werke wurden mit gezielten Marketingstrategien an die Leserschaft gebracht. Die inhaltliche Qualität eines Buches rückte in den Hintergrund, die Quantität andererseits wurde als Erfolg ausgegeben. Bestsellerlisten dienten nicht nur der Übersicht über neu erschienene Literatur, sondern sollten auch den Verkauf der auf ihnen publizierten Titel anregen. Der Terminus Bestseller blieb ein Jahrzehnt, außerhalb seines Gebrauchs in den Bookman-Listen unbekannt. Selbst die beiden bedeutenden amerikanischen Wörterbücher dieser Zeit, das Dictionary of American English und das Oxford English Dictionary nahmen den Begriff nicht auf. Im Jahre 1905 ist dann der erste offizielle Eintrag zu Bestseller, außerhalb der Bookman-Listen, im The Athenaeum, Journal of Literary Science and Fine Arts, Music and the Drama zu finden.
Zwei Jahrzehnte später fand der Begriff Bestseller auch Einzug in den deutschen Sprachgebrauch und in das Zentrum öffentlichen Interesses. Und so veröffentlichte die Zeitschrift Die Literarische Welt im Jahr 1927 unregelmäßig eine zu Beginn viel diskutierte erste eigene Liste. Die ersten drei Titel waren damals Hermann Hesses Der Steppenwolf, Alfred Neumanns Der Teufel und Gunnar Gunnarssons Die Leute auf Borg. Jedoch war das Interesse an einer solchen Liste so gering, das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel betitelte die Institution Bestsellerliste als eine „weitere Verengung und Verflachung des geistigen Lebens“[1], dass man das Projekt bereits Anfang 1928 wieder aufgab. Obgleich dieser Liste eine Ende gesetzt wurde, waren Ende der 1920er Jahre alle Voraussetzungen für bis heute auf dem Buchmarkt dominierende Bestsellerkultur gegeben. Dies äußert sich im Hinblick auf Erich Maria Remarques 1929 veröffentlichten Bestseller Im Westen nichts Neues. Dieser wurde, von Ullstein publiziert, „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln beworben wurde[...]von einer bis dahin unbekannten medialen Aufmerksamkeit begleitet, von schnellen Übersetzungen, einer Verfilmung und vielen Nachahmungs- und Gegenprodukten“ [2] In kürzester Zeit erzielte das Buch eine Millionenauflage.
Eine weitere Bestsellerliste etablierte sich dann erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg, zu Beginn der sechziger Jahre, als die Zeit einen „Seller-Teller“ veröffentlichte und kurze Zeit später das Magazin Der Spiegel eine Liste einführte. In den Jahren von 1961 bis 1971 sammelte das Institut für Demoskopie in Allensbach die für die Erstellung der Bestsellerlisten notwendigen Daten, wurde jedoch in dieser Aufgabe von dem Branchenmagazin Buchreport abgelöst. Die sogenannte Spiegel- Liste ist, anders als ihre Vorgängerin, in Bezug auf die Lenkung des Kundeninteresses zu einem bedeutenden Werkzeug der Buchbranche geworden. Seit 1975 existiert die Bestenliste des SWF-Literaturmagazins, auf der Literaturkritiker ihr Votum abgeben.
In München gibt es das Instrument der Buchwerbung der Neun, welches die literarischen Empfehlungen der neun größten Buchhandlungen zusammenfasst. Die Zeitschrift Buchmarkt gibt als Gegenentwurf zur Spiegel-Bestsellerliste des Buchreport eine sogenannte Marktinformation heraus, die auf Daten des Barsortimenter Umbreit und des Kaufhauses Karstadt beruht. Ein weiterer Barsortimenter, Libri, erstellt halbjährlich ein Verzeichnis der 3000 meist verkauften Titeln, die allerdings eher für die Buchhändler von Interesse sind. Andere zogen nach und so gibt es heute eine Vielzahl von Bestsellerlisten, besonders im Bereich der Belletristik.
Eine ähnlich große Bedeutung mag die Liste der Frauenzeitschrift Brigitte erreicht haben, allerdings eher unter dem weiblichen Anteil der Konsumenten. Die Zeitschrift Eltern gibt mittlerweile sogar eine gesonderte Liste für Kinder- und Jugendliteratur heraus, die von buchreport ermittelt wird.
Seit das Hörbuch rasant an Bedeutung gewonnen hat, existiert für diese Sparte natürlich auch eine eigene Hitliste, die regelmäßig vom SWR erstellt wird. Neben den bereits erwähnten gedruckten Listen, führen Buchhändler auch im Internet ihre persönlichen Bestsellerlisten. So zum Beispiel Thalia oder Libri. Sie richten sich zumeist an den Bestsellerlisten des Buchgroßhändlers. Eine weitere Liste veröffentlicht Amazon, der als der zur Zeit größte Internetbuchhändler gilt (24,5 Mio Euro Umsatz im 3. Quartal 2004). Internetbuchläden unterteilen ihre Listen wiederum in bestimmte Themengebiete. So führt Libri beispielsweise eine eigene Liste für Theologie und Amazon eine Bestsellerliste für Ratgeber.
[Bearbeiten] Unterteilung der Bestsellerlisten
Generell werden Bestseller, abgesehen von der stillschweigenden Unterscheidung in Taschenbücher und Hardcover, in Sachbuch und Belletristik unterteilt. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich jedoch auch eigene Listen für Hörbücher, Krimis, Kinder- und Jugendliteratur, Bilderbücher und Wirtschaftsliteratur auf dem Buchmarkt etabliert. Ab Oktober 2007 bringen das Nachrichtenmagazin FOCUS und das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel abwechselnd alle zwei Wochen eine neue Bestsellerliste mit Ratgeber-Büchern. (Das entspricht einer neuen Warengruppen-Systematik des Börsenvereins, die sie nun von Sachbüchern unterscheidet. Die media control GFK erfasst dazu wöchentlich die verkauften Bücher in bundesweit rund 750 erfassten Verkaufsstellen in Sortiments-Buchhandlungen, Warenhäusern und E-Commerce.)
[Bearbeiten] Methoden
Umfrage: buchreport ermittelt seit 1972 die Bestsellerlisten für den "Spiegel". Die von "buchreport" ermittelten Bestsellerlisten für "Spiegel" (Hardcover-Titel) und "SpiegelONLINE" (Taschenbücher) basieren auf tatsächlichen Abverkaufszahlen. Seit 2001 werden die Abverkaufsdaten von ca. 350 repräsentativ ausgewählten Buchhandlungen in Deutschland am Ende einer Woche, direkt aus dem Warenwirtschaftssystem der Buchhandlung zum Spiegel-Bestsellerserver übermittelt. Dort werden die gemeldeten Verkaufszahlen den jeweiligen Titeln zugeordnet. Aus den Verkäufen je Titel ergeben sich die Bestsellerrankings. Auch die Buchwerbung der Neun beruht auf Umfrageergebnissen.
Zählung: Verschiedene Barsortimenter veröffentlichen die genauen Zahlen der Titel und der an die Buchhandlungen geschickten Exemplare. Das Magazin für den Buchhändler "Der Buchmarkt" bringt jeden Monat eine Liste der von Umbreit ausgelieferten 20 besten Hardcover- und Taschenbuchtitel, die den meisten Umsatz erzielt haben. Ähnlich macht es Libri, nur, dass deren Liste die 3000 besten Titel des vergangenen halben Jahres enthält.
Kritikermeinung: Zu unterscheiden von den eigentlichen Bestsellerlisten sind sogenannte Bestenlisten, die sich lediglich auf die Empfehlungen einer Jury beziehen und nicht etwa auf tatsächliche Verkaufszahlen. Die Bestenliste des SWF-Literaturmagazins beispielsweise wurde früher von 15, heute bereits von 36 Literaturkritikern erstellt. Diese nennen ihre persönlichen Favoriten und vergeben Punkte. Außerdem können sie reihum eine bestimmte Empfehlung aussprechen. Da die SWF-Bestenliste großen Anklang in Literaturvertrieben und in Privathaushalten findet, hat sie einen bedeutenden Einfluss auf die Meinungsbildung in der Gesellschaft.
Scannerdaten: Als starke Konkurrenz zur Spiegel-Bestsellerliste tritt die Zeitschrift Focus auf, die die Daten für ihre eigene Bestsellerliste von der Firma MediaControl erstellen lässt. Diese bezieht die genauen Verkaufszahlen direkt aus den Scannern in den Verkaufsstätten. Dies ist in soweit neu, als dass hier nun die exakten und realen Verkaufszahlen zur Erstellung einer Liste verwendet werden.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Ernst Fischer: Bestseller in Geschichte und Gegenwart. In:Medienwissenschaft. Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Hg. v. Joachim-Felix Leonhard u.a. Berlin: 1999. S.771.
- ↑ David Oels: Bestseller. In: Das BuchMarktBuch. Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen. Hg. v. Erhard Schütz u.a. Reinbek: 2005. S. 49.
[Bearbeiten] Literatur
- Faulstich, Werner: Bestandsaufnahme Bestseller-Forschung. Ansätze- Methoden- Erträge. Wiesbaden: 1983, S.70-193.
- Faulstich, Werner und Ricarda Strobel: Bestseller als Marktphänomen. Ein quantitativer Befund zur internationalen Literatur 1970 in allen Medien. Wiesbaden: 1986.
- Heinold, Wolfgang Ehrhardt: Bücher und Büchermacher. Heidelberg: C.F. Müller, 2001.
- Heinold, Wolfgang Ehrhardt: Bücher und Bücherhändler. Heidelberg: C.F. Müller, 2001.
- Lauterbach, Burkhart R.: Bestseller: Produktions- und Verkaufsstrategien. Tübingen: Tübinger Verein für Volkskunde E.V. Schloss, 1979.
- Tomkowiak, Ingrid: Schwerpunkte und Perspektiven der Bestsellerforschung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 99 (2003), S.49-64.
- Wehle, Winfried (Hg.): Italienische Bestseller (Themen-Nr. d. Ztschr. Italienisch Nr. 34). Frankfurt a.M. 1995

