Bidau (Ethnie)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Bidau (auch Schwarze Portugiesen und früher Topasse oder Topázios, Eigenbezeichnung: Larantuqueiros) sind Mestizen, die von den Einwohnern aus Larantuka auf den heute indonesischen Inseln Flores und Solor und portugiesischen Soldaten, Seeleuten und Händlern abstammen. [1]
[Bearbeiten] Geschichte
Die Bidau gründeten auf Flores einen eigenen losen, aber mächtigen Staat, der im Kern aus dem Dreierbund Larantuka, Wureh und Konga bestand. Die Oberhoheit Portugals bestand nur nominell. Es gab keine portugiesischen Beamten und es wurden keine Steuern abgeführt. Briefe der Regierung in Lissabon wurden ignoriert. In Larantuka gab es einen jahrelangen blutigen Machtkampf zwischen den Familien da Costa und da Hornay, die sich schließlich die Macht teilten.
Die Bidau übtem über die ursprünglichen Völker von Flores die Kontrolle aus, indem sie diese zu ihren „Verbündeten“ machten. Die Eroberung der einzelnen Völker lief immer nach dem gleichen Muster ab: Der angesehenste Raja wurde durch militärischen Druck zum Katholizismus bekehrt. Er musste einen Treueeid auf den König von Portugal schwören und bekam daraufhin den Titel Dom verliehen. Der Raja konnte sein Volk weiter autonom regieren, aber bei Kriegen mussten Hilfstruppen gestellt werden. Diese Methode wandten auch die Portugiesen in ihren Kolonien an.
Da die Bidau die Herrschaft ausübten führten sie Portugiesisch als Amtssprache ein, um sich von den Einheimischen abzugrenzen. Als Handelssprache verwendeten sie das Malaiische, das auf den umliegenden Inseln verstanden wurde.
Von Larantuka aus siedelten die Bidau zusammen mit den Portugiesen ab 1640 in Lifau im heutigen osttimoresischen Distrikt Oecussi-Ambeno. Hier übernahmen die Bidau die Kontrolle über den Sandelholzhandel. Um 1642 lebte bereits eine große Anzahl von Bidau auf Timor und drangen in das Inselinnere vor. Durch starke Truppen wurden Verhandlungen mit den dortigen Liurais (Kleinkönige) erzwungen. Gegen die Lieferung von Musketen erhielt man die Kontrolle über den größten Teil der Sandelholz-Produktion und konnte die Preise bestimmen.
Die Bidau sahen sich von mehreren Seiten bedroht. Einmal durch portugiesische Händler, die durch die Krone eine Erlaubnis erhielten die Kontrolle über den Sandelholzhandel zu übernehmen, durch die Dominikaner, die versuchten eine eigene unabhängige Machtbasis auf Timor zu schaffen und durch die einheimischen Liurais, die regelmäßig rebellierten, sowohl gegen die Bidau, als auch die Portugiesen. Jedoch einte alle der Kampf gegen die Expansion der Niederländer. 1701 entsandte Portugal mit António Coelho Guerreiro erstmals einen Gouverneur nach Timor, der unter der Oberhoheit des Vizekönigs von Goa stand. Guerreiro machte Lifau 1702 zur Hauptstadt der Kolonie. Bis 1705 hielt er durch, bevor er von den Bidau vertrieben wurde. Die Portugiesen kehrten nach Lifau zurück, aber ihre Macht war eingeschränkt. 1722 wurde António de Albuquerque Coelho zum Gouverneur ernannt, ständig bedrängt, während die Bidau weiterhin den Sandelholzhandel im Inselinneren und den Großteil des Westen Timors kontrollierten. Dreimal versuchten die Bidau die Niederländer von Timor zu vertreiben. Als jedoch 1749 ein Angriff von Portugiesen und Bidau auf Kupang, trotz Übermacht, in einem Desaster endete, brach die Herrschaft beider in Westtimor zusammen. Bei der Schlacht von Penfui (heute liegt dort der Flughafen Kupangs) wurden viele Führer der Bidau getötet. In Folge der Niederlage schloss ein Großteil der regionalen Herrscher Westtimors 1756 Verträge mit der niederländischen Ostindien-Kompanie ab.
Am 11. August 1769 wurde der portugiesische Gouverneur António José de Menezes durch die Bidau gezwungen Lifau zu verlassen. Neue portugiesische Hauptstadt der Kolonie wurde Dili. Hier siedelten viele Bidau in dem nach ihnen benannten Viertel Bidau im Osten der Stadt. Die Bidau bildeten neben den Sica und den Moradores einen der drei Teile, aus denen sich die portugiesischen Streitkräfte der Kolonie bildeten. Auch die beiden anderen Volksgruppen lebten in eigenen Vierteln der Hauptstadt.[2]
1854 bot Afonso de Castro, der damalige portugiesische Gouverneur für die Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln, den Holländern die Hoheitsrechte unter anderem über Larantuka zum Verkauf an. Der Vertrag wurde 1859 ratifiziert. Die Holländer schickten zwar einen Kommandanten und einen Verwaltungsbeamten, die in einem kleinen Fort residierten, aber diese verhielten sich gegenüber der Bevölkerung eher zurückhaltend.
Da Larantuka nach dem Niedergang des Sandelholz-Handels wirtschaftlich nicht mehr attraktiv war, wechselten die Bidau zur Landwirtschaft. Vom ehemals profitablen Außenhandel blieb nicht mehr viel übrig.
Formal waren die Bidau zwar Katholiken, aber die Kontrolle des Glaubens war auf Laien-Organisationen übergegangen, die dem Glauben eine eigene Richtung gaben. In Larantuka war die mächtigste La Confraria da Rainha do Rosário, die Bruderschaft der Rosenkranz-Königin, die bis heute existiert. Im holländisch-portugiesischen Vertrag war der katholischen Bevölkerung die freie Ausübung ihrer Religion zugesichert worden. Deswegen wurde in Larantuka nicht der bei den Holländern übliche Calvinismus verbreitet. Stattdessen konnten sich nun die holländischen Jesuiten bei der Kolonialarbeit engagieren. In Larantuka errichteten sie das erste Pfarrgebäude und führten wieder die orthodoxe Form des Glaubens ein. Beispielsweise durfte man jetzt nur noch mit einer Frau verheiratet sein. Die Missionare bauten auch Schulen und stellten die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher.
Durch die Unabhängigkeit Indonesiens konnten die Bidau in Larantuka wieder an Einfluss gewinnen. Da sie einen höheren Bildungsstand als andere Einheimische hatten, konnten sie leicht in Spitzenpositionen gelangen. Auch die neue Amtssprache Indonesisch war für sie kein Problem, da diese dem Malaiisch sehr ähnlich ist. In Osttimor bilden die Bidau unter den Mestizen des Landes keine besondere Bevölkerung mehr. Hier sprachen sie ein kreolisches Portugiesisch, das Português de Bidau, das aber in den 1960ern ausstarb, da die Sprecher immer mehr zum Standard-Portugiesisch wechselten.[3]
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Luis Filipe Thomas: DE CEUTA A TIMOR
- ↑ History of Timor – Technische Universität Lissabon
- ↑ The languages of East Timor
[Bearbeiten] Literatur
- Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. Aberag, Hamburg 1996, ISBN 3-934376-08-8.
- Ronald Daus: Die Erfindung des Kolonialismus. Wuppertal:Peter Hammer Verlag, 1983, ISBN 3-87294-202-6

