Braunschweig

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der deutschen Großstadt Braunschweig, zu weiteren Bedeutungen siehe Braunschweig (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Braunschweig
Markierung
Deutschlandkarte, Position der Stadt Braunschweig hervorgehoben
52.26916666666710.52111111111175Koordinaten: 52° 16′ N, 10° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Höhe: 75 m ü. NN
Fläche: 192,1 km²
Einwohner: 245.810 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 1279 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 38100–38126
Vorwahlen: 0531, 05300, 05303, 05307, 05309, 05341
Kfz-Kennzeichen: BS
Gemeindeschlüssel: 03 1 01 000
Stadtgliederung: 20 Stadtbezirke
Adresse der Stadtverwaltung: Platz der Deutschen Einheit 1
38100 Braunschweig
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Gert Hoffmann (CDU)
Der Braunschweiger Löwe,
Wahrzeichen der Stadt seit dem Mittelalter
Luftbild vom April 2007: Es zeigt u. a. den bewaldeten Okerring sowie v.l.n.r. die Innenstadtkirchen: St. Andreas, St. Petri, Brüdernkirche, St. Katharinen, St. Martini und den Dom.

Braunschweig (niedersächsisch: Brunswiek) ist eine Großstadt im Südosten des Landes Niedersachsen. Mit circa 245.000 Einwohnern ist sie nach Hannover die zweitgrößte Stadt Niedersachsens. Die kreisfreie Stadt bildet mit den Städten Salzgitter und Wolfsburg eines der neun Oberzentren des Landes. Sie ist Teil der 2005 gegründeten Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Ihre Ursprünge gehen bis in das frühe 9. Jahrhundert zurück. Insbesondere durch Heinrich den Löwen entwickelte sich die Stadt schnell zu einer mächtigen und einflussreichen Handelsmetropole, die ab Mitte des 13. Jahrhunderts der Hanse angehörte. Braunschweig war Hauptstadt des gleichnamigen Landes, bis dieses 1946 im neu geschaffenen Land Niedersachsen aufging.

Braunschweig ist heute ein bedeutender Standort für Wissenschaft und Forschung. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verlieh der Stadt den Titel „Stadt der Wissenschaft 2007“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Braunschweig liegt im Übergangsbereich zwischen dem nördlichen Harzvorland und dem Norddeutschen Tiefland am Nordrand der deutschen Mittelgebirge mit ihren schwach hügeligen Ausläufern in einem Alluvialtal auf zum Teil brüchigen, ehemals sumpfigen Böden zu beiden Seiten des Flusses Oker. Im Süden wird die Oker durch ein Wehr gestaut und umfließt den Stadtkern westlich und östlich in zwei Umflutgräben, die zur besseren Verteidigung im Mittelalter angelegt wurden und sich im Nordwesten der Stadt wieder vereinigen. Durch zwei weitere Wehre wird der Wasserstand im Stadtgebiet reguliert. Weitere Gewässer sind die Wabe und Mittelriede, die in Braunschweig in die Schunter münden.

Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 192 km², umschlossen von einer Stadtgrenze mit einer Länge von 98 km. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 19,1 km und die West-Ost-Ausdehnung 15,7 km. Das innere Stadtgebiet befindet sich auf einer mittleren Höhe von 70 m über Normalnull. Die höchste Erhebung bildet der Geitelder Berg mit einer Höhe von 111 m über Normalnull, die tiefste Stelle ist eine alte Okerschleife mit 62 m über NN im Nordosten.[1]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, grenzen folgende Gemeinden an Braunschweig: Lehre (Landkreis Helmstedt), Cremlingen, Sickte (Samtgemeinde Sickte) und Wolfenbüttel (alle Landkreis Wolfenbüttel), Salzgitter (Kreisfreie Stadt), Vechelde und Wendeburg (Landkreis Peine) sowie Schwülper, Vordorf und Meine (alle Samtgemeinde Papenteich, Landkreis Gifhorn).

Nächstgelegene Großstädte sind Wolfsburg, 35 km nordöstlich, Hannover, 65 km west-nordwestlich, Hildesheim, 45 km westlich, Magdeburg, 90 km östlich sowie die zwei südwestlich gelegenen Städte Salzgitter (23 km) und Göttingen (110 km).

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Das Stadtgebiet wurde am 1. November 1981 gemäß § 55 der Niedersächsischen Gemeindeordnung (NGO) in 20 Stadtbezirke eingeteilt. Jeder Bezirk verfügt über einen von der Bevölkerung gewählten Stadtbezirksrat mit einem Bezirksbürgermeister als Vorsitzenden. Die Stadtbezirksräte haben je nach Einwohnerzahl ihres Bezirks zwischen 7 und 19 Mitglieder. Sie sind zu allen wichtigen, den Stadtbezirk betreffenden Angelegenheiten, zu hören. Ursprünglich existierten 22 Stadtbezirke, im November 1991 entstand Lehndorf-Watenbüttel durch Verschmelzung zweier Bezirke. Im November 2001 wurde die Gesamtzahl durch eine weitere Zusammenlegung von zwei Bezirken zu Südstadt-Rautheim-Mascherode auf die heutige Anzahl reduziert.

Die 20 Stadtbezirke mit ihren amtlichen Nummern [2]:

Für statistische Zwecke ist das Stadtgebiet Braunschweig in insgesamt 74 statistische Bezirke eingeteilt, die fortlaufend nummeriert sind und meist historische Namen tragen:

  • 01 Stadtkern
  • 02 Hagen
  • 03 Altewiek
  • 04 Hohetor
  • 05 Neustadt
  • 06 Altes Hochschulviertel
  • 07 Am Hagenring
  • 08 Prinzenpark
  • 09 Viewegs Garten
  • 10 Bürgerpark
  • 11 Wilhelmitor-Süd
  • 12 Wilhelmitor-Nord
  • 13 Petritor-Ost
  • 14 Petritor-West
  • 15 Petritor-Nord

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden 1931 Veltenhof und drei Jahre später Gliesmarode, Lehndorf, Melverode, Ölper, Querum, Riddagshausen und Rühme eingemeindet.

Die Gemeindereform vergrößerte Braunschweig am 1. März 1974 um insgesamt 22 Gemeinden. Aus dem Landkreis Braunschweig wurden die Gemeinden Bevenrode, Bienrode, Broitzem, Dibbesdorf, Hondelage, Lamme, Mascherode, Rautheim, Rüningen, Schapen, (Klein-)Stöckheim, Thune, Timmerlah, Völkenrode, Volkmarode, Waggum, Watenbüttel und Wenden eingemeindet; die restlichen Gemeinden des Landkreises wurden in die Nachbarlandkreise eingegliedert. Aus dem Landkreis Gifhorn stießen Harxbüttel sowie aus dem Landkreis Wolfenbüttel die Gemeinden Geitelde, Leiferde und Stiddien hinzu.

Für die 22 Ortschaften wurden zu diesem Zeitpunkt 12 Ortschaften mit je einem Ortsrat gebildet. Diese Ortsräte blieben bis 1981 bestehen und gingen dann in den Stadtbezirken auf.

Klimadiagramm von Braunschweig

[Bearbeiten] Klima

Braunschweig liegt innerhalb der gemäßigten Breiten im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,8 °C, die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit 79 %. Es gibt im Jahr wesentlich mehr Frosttage (Tiefsttemperatur unter 0 °C, 74 Tage) als Sommertage (Höchsttemperatur über 25 °C, 25 Tage). In durchschnittlich 189 Tagen im Jahr fallen insgesamt 618 mm Niederschlag.[3]

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Hauptartikel: Einwohnerentwicklung von Braunschweig

1867 hatte Braunschweig mehr als 50.000 Einwohner. 1890 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1939 verdoppelte sich diese Zahl auf 200.000. Im Oktober 1944 lebten in der bereits stark zerstörten Stadt noch knapp 150.000 Menschen [4]. Die Bevölkerungszahl erreichte 1974 durch die Gebietsreform mit 271.213 ihren bisherigen Höchststand. Danach sank die Einwohnerzahl durch Abwanderungen und die allgemeine demografische Komponente bis auf 240.000 (Ende 2004). Seit 2005 ist u.a. durch familienfreundliche Siedlungsangebote eine Umkehr eingetreten. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Braunschweig nach Fortschreibung des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 245.467 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Somit ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 1.278 Menschen pro Quadratkilometer.

[Bearbeiten] Sprache

Zum Teil wird von der Bevölkerung noch das Brunswieker Platt gesprochen, das eine regionale Variante des offiziell als Ostfälisch benannten Dialektes des Niedersächsischen ist. Das mundartlich gefärbte Hochdeutsch der Braunschweiger Region wird Braunschweigisch genannt und zeichnet sich besonders durch das „Klare A“ (langgezogene Aussprache des Buchstabens A) aus. Allgemein gilt das in der Region Braunschweig-Celle-Hannover gesprochene Hochdeutsch als bundesweit am reinsten.

Die irreführende hochdeutsche Form Braunschweig des Stadtnamens Brunswiek (wahrscheinlich von Bruns Wik, dabei Wik = Handelsort; von auswärtigen Kanzlisten nicht in ursprünglichen Wortsinn dem oberdeutschen Lautstand angepasst) ist erstmals 1573 belegt[5] und hat sich im 19./20. Jahrhundert auch umgangssprachlich verbreitet. International hat sich weiterhin auch die historische Form Brunswick (in Schreibung mit mittelniederdeutschen Dehnungs-c) erhalten.

[Bearbeiten] Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Braunschweig

Der Kohlmarkt mit den Umrissen der St. Ulrici-Kirche aus dem 9. Jahrhundert.

[Bearbeiten] Vorgeschichte und Sächsische Besiedlung

Die ältesten Funde im Braunschweiger Land, die sogenannten Schöninger Speere, haben ein Alter von bis zu 270.000 Jahren. Aber auch im Stadtgebiet selbst, insbesondere in der Umgebung des heutigen Stadtteils Wenden, wurden Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und der Eisenzeit gemacht, die auf eine sehr frühe erste Besiedlung hindeuten.

In germanischer Zeit war das heutige Braunschweiger Land wahrscheinlich Siedlungsgebiet der Cherusker und der Angrivarier, evtl. auch der Elbgermanen. Diese wurden jedoch alle nach und nach unterworfen, vertrieben oder schlossen sich dem Sachsenbund an. Die Sachsen waren ab etwa 500 n. Chr. die dominierende Macht in der Region. Seit dieser Zeit sind zudem sächsische Siedlungen nachweisbar. Unklar ist, ob damals bereits ein Dorf an der Stelle des heutigen Braunschweigs bestand, welches dann im Laufe der Sachsenkriege zerstört wurde.

[Bearbeiten] Stadtgründung und Mittelalter

Die Burg Dankwarderode und Dom (rechts) im Mittelalter, Rekonstruktion des mutmaßlichen Zustands von 1200
Siegel der Stadt von 1231 mit dem Standbild des Löwen
Braunschweig und der Braunschweiger Löwe auf der Ebstorfer Weltkarte (um 1300).[6]

Großen Einfluss auf die Stadtgründung und Entwicklung hatte die die Stadt durchfließende Oker. Diese stellte seit etwa 800 n. Chr. die Grenze zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim dar und begünstigte durch eine für den Handel wichtige Furt die Entwicklung der Stadt. Auf beiden Seiten der Oker entstanden wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert die Siedlungen Brunswik und Dankwarderode. Der Legende der Braunschweigischen Reimchronik zufolge soll die erste Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Braunschweig im Jahre 861 gegründet worden sein. Die Seriosität dieser Quelle wird heute jedoch von Experten bezweifelt, weshalb das Jahr 1031 als erster urkundlicher Nachweis der Existenz einer Siedlung gilt. Die Grundlage dafür ist die Weiheurkunde der Magnikirche.

Herrscher Braunschweigs waren seit dem 10. Jahrhundert die Brunonen, Nachfahren des Brun(o) (der Sage nach der Stadtgründer). Über Richenza von Northeim, Nichte des Brunonen Ekbert II., und deren Enkelin Gertrud von Süpplingenburg ging die Stadt Braunschweig und das gesamte Herzogtum Sachsen 1142 an Heinrich den Löwen, Herzog von Sachsen und Bayern

Unter dem Einfluss Heinrichs entwickelte sich Braunschweig zu einer mächtigen Stadt, welche er zu seiner Residenz ausbaute. So ließ er die Burg Dankwarderode erweitern und den Braunschweiger Dom errichten. Heinrich wählte den Löwen zu seinem Wappentier und ließ dessen bronzenes Abbild um 1166 vor dem Dom auf dem Burgplatz aufstellen. Seitdem ist der Braunschweiger Löwe das Wahrzeichen und Wappentier der Stadt.

Auch das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg geht auf Heinrich den Löwen zurück und war Teil des Landes der Welfen. Namensgebend waren die beiden größten Städte Braunschweig und Lüneburg. Bereits 1267/69 kam es zur Teilung des Herzogtums in die Fürstentümer Lüneburg und Braunschweig. Die Stadt Braunschweig blieb gemeinsames Herrschaftsgebiet, aber auch Residenz der Braunschweigischen Linie der Welfen.

1432 erhielt Braunschweig seine städtische Unabhängigkeit, nachdem die Landesherren ihre Residenz aufgrund zunehmender Spannungen mit der Braunschweiger Stadtbevölkerung in das nahe Wolfenbüttel verlegten. Braunschweig galt neben Paris und Gent als eine der unruhigsten Städte des spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa, da immer wieder Verfassungskonflikte durch revolutionäre Bürgerunruhen, die Braunschweiger Schichten, ausbrachen.

Wirtschaftlich entwickelte sich Braunschweig durch seine günstige Lage an der Oker, die ab Braunschweig schiffbar war. Hierdurch entwickelte sich Braunschweig zu einer wichtigen Handelsstadt, was ab Mitte des 13. Jahrhunderts zur Mitgliedschaft in der Hanse führte. Nach dem Beschluss des Hansetages 1494 teilte sich die Hanse statt in drei (Dritteln) nun in vier (Quartiere) Machtblöcke. Braunschweig entwickelte sich neben Magdeburg zum Vorort des sächsischen Städtebundes und führte somit das sogenannte „Sächsische Quartier“ und damit die Hansestädte zwischen Weser und Elbe an. 1669 gehörte Braunschweig zu den letzten neun in der Hanse verbliebenen Städten.

An der Spitze der Stadt Braunschweig stand ursprünglich ein herzoglicher Vogt, doch wurde das Amt bereits im 12. Jahrhundert an Bürger verliehen. Einen Rat gab es in den drei Weichbilden Altstadt, Hagen und Neustadt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die drei Räte schlossen sich 1269 zu einem einzigen Rat zusammen. Die Zusammensetzung des Rates variierte im Laufe der Geschichte mehrfach, 1386 hatte er 105 Mitglieder, ab 1614 nur noch 56. Die laufende Verwaltung oblag einem Ausschuss des Rates, dem „Engen Rat“, der ab 1386 25, ab 1614 15 Mitglieder hatte.

[Bearbeiten] Frühe Neuzeit

Braunschweig von Osten, 1641
Das erste Braunschweiger Residenzschloss vor 1830

1671 eroberte eine Streitmacht der Welfen-Fürsten die Stadt und stellte sie wieder unter die Herrschaft des Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Damit war die Epoche der unabhängigen, nahezu reichsunmittelbaren Stadt Braunschweig beendet. 1753 wurde auch der Residenzsitz zurück nach Braunschweig in das neu gebaute Braunschweiger Schloss verlegt. Über 4000 Personen folgten der herzoglichen Familie und siedelten ebenfalls nach Braunschweig über, was gleichzeitig den Niedergang Wolfenbüttels zur Folge hatte.

Nachdem die Stadt 1671 ihre Unabhängigkeit verloren hatte, gab es nur noch einen aus 16 Senatoren bestehenden Rat, der vom Herzog zu bestätigen war. Dem Rat stand ein Bürgermeister vor.

[Bearbeiten] 19. Jahrhundert

Nach dem Frieden von Tilsit (1807) und der Schaffung des Königreiches Westphalen durch Napoléon Bonaparte wurden Stadt und Herzogtum Braunschweig von den Franzosen besetzt und Braunschweig Hauptstadt des neu gestalteten Départements Oker. Es galt nunmehr die „Maire-Verfassung“, mit einem „Maire“ (Bürgermeister) an der Spitze der Stadt.

Während der Befreiungskriege zogen 1813 Braunschweigische Truppen unter Führung Johann Elias Olfermanns in der Stadt ein und stellten das alte Herzogtum Braunschweig für Herzog Friedrich Wilhelm wieder her. Durch den Wiener Kongress im folgenden Jahr wurde dies bestätigt und die Stadt zunächst der Kreisdirektion Wolfenbüttel zugeteilt.

Die alte Verfassung mit dem Rat, der sich nunmehr „Stadtgericht“ nannte, wurde wieder eingeführt. Nach Trennung von Justiz und Verwaltung im Jahre 1825, führte der Rat die Bezeichnung Magistrat. Bereits ab 1813 trug das Stadtoberhaupt den Titel „Stadtdirektor“, seit 1848 hat Braunschweig einen Oberbürgermeister.

1825 erhielt die Stadt den Status einer landesunmittelbaren Stadt. 1833 wurde sie Sitz einer eigenen Kreisdirektion (aus der später der Landkreis Braunschweig hervorging), bevor sie 1850 erneut landesunmittelbar wurde. Ab 1870 gehörte die Stadt endgültig zur Kreisdirektion Braunschweig. 1871 wurde das Herzogtum ein Bundesstaat des Deutschen Reiches.

Da Welfenherzog Wilhelm 1884 ohne legitimen Erben verstorben war, übernahm zunächst ein „Regentschaftsrat“ bis zur Aussöhnung zwischen den Hohenzollern und dem Haus Hannover im Jahre 1913 die Regierungsgeschäfte in Braunschweig.

[Bearbeiten] Weimarer Republik

Ebenso wie im Rest des Deutschen Kaiserreiches kam es gegen Ende des Ersten Weltkrieges in Braunschweig zu einer wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise, die zur Novemberrevolution in Braunschweig führte. Nachdem der Arbeiter- und Soldatenrat unter August Merges am 8. November 1918 die Abdankung des letzten Herzogs, Ernst August von Braunschweig-Lüneburg erzwungen hatte, übernahm der Rat die politische Führung und rief die „Sozialistische Republik Braunschweig“ unter Führung des Präsidenten Merges aus.

Die Lage in der Stadt Braunschweig spitzte sich zu, als die Spartakisten am 9. April 1919 einen Generalstreik ausriefen. Der Streik führte dazu, dass die Züge nicht mehr abgefertigt wurden und damit der wichtige Ost-West-Verkehr blockiert wurde. Die Folge war ein Rückstau, der in ganz Deutschland ein Verkehrschaos auslöste. Ab dem 11. April kam das öffentliche Leben in der Stadt zum Erliegen. Um Recht und Ordnung wieder herzustellen, verhängte die Reichsregierung den Belagerungszustand über die Stadt und den Freistaat Braunschweig. Am 17. April rückten 10.000 Mann der Freikorps-Truppen in der Stadt ein und übernahmen sie friedlich. Nach der Bildung einer neuen Regierung unter Ministerpräsident Heinrich Jasper, verließen die Truppen Braunschweig bereits im Mai wieder. In Folge der durch die Hyperinflation von 1922 kam es europa- und weltweit zu Arbeitslosigkeit, Armut, Unruhen und politischen Krisen; so waren auch in Braunschweig Unruhen zu verzeichnen.

[Bearbeiten] Zeit des Nationalsozialismus

Die brennende Braunschweiger Innenstadt in den frühen Morgenstunden des 15. Oktober 1944

Seit 1923 gewann die NSDAP immer mehr an Einfluss und zog bereits 1924 mit einem Abgeordneten in den Braunschweigischen Landtag ein. 1931 kam es in Anwesenheit Adolf Hitlers zu einem Aufmarsch von circa 100.000 SA-Leuten vor dem Braunschweiger Schloss. Obwohl die Bevölkerung der Stadt Braunschweig eher proletarisch geprägt war, gelang der NSDAP bereits 1930 eine Regierungsbeteiligung im Freistaat Braunschweig, welche für die Einbürgerung Adolf Hitlers verantwortlich war. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Stadtoberhaupt von der NSDAP eingesetzt.

Unter dem Kabinett Klagges kam es bereits kurz nach der sogenannten „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 zu zahlreichen Gewaltaktionen im Zusammenhang mit Unterdrückung und Verfolgung von politischen Gegnern, Juden und anderen missliebigen Personengruppen. Als frühes Beispiel der organisierten Repression gegenüber Juden ist der „Warenhaussturm“ vom 11. März 1933 anzusehen. Als weiterhin besonders bedeutsam sind der sogenannte „Stahlhelm-Putsch“ vom 27. März und die Rieseberg-Morde vom 4. Juli 1933 zu nennen. Klagges’ Ziel war der Aufbau eines nationalsozialistischen Musterstaates und damit die Festigung seiner eigenen Position. Hierzu errichtete er Mustersiedlungen wie Lehndorf, holte wichtige nationalsozialistische Institutionen wie die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt oder eine SS-Junkerschule in die Stadt und baute Braunschweig zu einem Rüstungszentrum des Dritten Reiches aus.

Während des Zweiten Weltkrieges war Braunschweig zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt, wobei etwa 90 % der Innenstadt zerstört wurden. Der verheerendste war der Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944, bei dem 233 Lancaster-Bomber der No. 5 Bomber Group Royal Air Force (RAF) durch den Abwurf von circa 200.000 Phosphor-, Brand- und Sprengbomben einen 2½ Tage wütenden Feuersturm entfachten. Über 1000 Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben. Während des gesamten Krieges fanden etwa 3.500 Menschen durch Bombenangriffe den Tod, wobei fast die Hälfte der Toten Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge waren.

Am 10. April 1945 verhandelte der Braunschweiger Kriegskommandant Generalleutnant Karl Veith mit Leland S. Hobbs, General der 30. US Infanterie-Division, über die Übergabe der Stadt. Veith sagte zu, die verbliebenen deutschen Truppen aus der Stadt abzuziehen, lehnte eine förmliche Kapitulation jedoch ab. Daraufhin setzten die US-Truppen den Artilleriebeschuss der Stadt, begleitet von Tieffliegerangriffen, bis in die Abendstunden des 11. April fort. An diesem Tage nahm sich der bis dahin amtierende NSDAP-Oberbürgermeister Hans-Joachim Mertens das Leben.[7] NSDAP-Ministerpräsident Dietrich Klagges ernannte Rechtsanwalt Erich Bockler zum Nachfolger Mertens’. NSDAP-Kreisleiter Berthold Heilig und andere Nazi-Größen flüchten in den Abend- und Nachtstunden vor den heranrückenden Truppen.[8] Die Kapitulationserklärung der Stadt Braunschweig wurde am Donnerstag, dem 12. April 1945 um 02.59 unterzeichnet, woraufhin amerikanische Truppen kampflos die schwerstzerstörte Stadt besetzten. Klagges wurde am 13. April verhaftet, die alliierte Militärregierung bezog das Von Veltheimsche Haus auf dem Burgplatz. Am 5. Juni 1945 wurde die amerikanische Besatzung durch britische Truppen abgelöst.

[Bearbeiten] Nachkriegsjahre und Wiederaufbau

Das jüdische Gemeindehaus in der Steinstraße. In seinem Innenhof befindet sich seit Dezember 2006 die neue Braunschweiger Synagoge.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte Braunschweig 202.284 Einwohner; bei Kriegsende hatte sich diese Zahl um 26,03 % auf 149.641 verringert. Die Stadt gehört zu den am schwersten zerstörten deutschen Städten. Der Zerstörungsgrad der Innenstadt (innerhalb des Okerringes) lag bei 90 %, der Gesamtzerstörungsgrad der Stadt bei 42 %. Die Gesamttrümmermenge belief sich auf 3.670.500 m³[9]. Die Trümmerräumung dauerte 17 Jahre, bis diese 1963 offiziell für beendet erklärt wurde. Tatsächlich jedoch wurden sie aber noch Jahrzehnte danach in geringerem Umfang fortgesetzt.

1946 führte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen von der Bevölkerung gewählten Rat. Dieser wählte aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Daneben gab es ab 1946 einen ebenfalls vom Rat gewählten hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. Eine jüdische Gemeinde existiert wieder seit 1945. Anfangs stand sie unter dem Schutz der Militärregierung.

Durch den akuten Bedarf an Wohnraum schritt der Wiederaufbau in den 1950/60er Jahren schnell voran. Da die Innenstadt nahezu vollständig zerstört war, bauten neue Stadt- und Raumplaner eine neue, moderne, und vor allem „autogerechte Stadt“, wobei sie unter anderem die Maxime der sogenannten Braunschweiger Schule umzusetzen versuchten. Hierzu wurde erheblich in den Restbestand der über Jahrhunderte gewachsenen Stadtlandschaft eingegriffen, was wiederum an vielen Stellen zu weiteren Zerstörungen führte (beispielsweise durch neu angelegte Straßenschneisen). So wurden intakte Gebäude abgerissen und ein neuer Hauptbahnhof weit ab vom Stadtzentrum angelegt. Allein für die Verlegung des Hauptbahnhofes wurden über 100 Gebäude abgerissen. Diese nachträgliche Zerstörung historischen Bau- und Kulturgutes in Friedenszeiten führte zu einem weiteren Identitätsverlust der örtlichen Bevölkerung und war jahrzehntelang Anlass für kontrovers geführte Diskussionen.

Seit 1968 gibt es Kontakte zwischen Braunschweig und der israelischen Stadt Kiryat Tivon, denen seit 1985/86 eine Städtepartnerschaft folgte.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Kommunalverfassung und -politik

2001 wurde in Braunschweig die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Leiter der Stadtverwaltung und oberster Repräsentant der Stadt. Er wird seit 2001 direkt von der Bevölkerung gewählt. Es gibt jedoch weiterhin einen eigenen Vorsitzenden des Rates, der nach jeder Kommunalwahl bei der konstituierenden Sitzung des Rates aus dessen Mitte gewählt wird.

Bei der Direktwahl des Oberbürgermeisters bei den Kommunalwahlen am 10. September 2006 wurde folgendes Ergebnis erzielt (Wahlbeteiligung 49,3 %).[10]

Kandidat und Partei Wählerstimmen Stimmanteil
Gert Hoffmann (CDU) 55.301 58,0 %
Friedhelm Possemeyer (SPD) 25.126 26,3 %
Gisela Witte (Bündnis 90/Die Grünen) 6.555 6,9 %
Uwe Meier (Bürgerinitiative Braunschweig) 5.241 5,5 %
Udo Sommerfeld (Linkspartei.PDS) 3.146 3,3 %

Somit wurde Gert Hoffmann im Amt des Oberbürgermeisters bestätigt. Die FDP kandidierte bei der Oberbürgermeisterwahl nicht.

Die Wahlbeteiligung bei der Wahl des Stadtrates lag bei 49,3 %, dies waren 1 % mehr als bei der vorherigen Wahl. Der Stadtrat mit insgesamt 52 Sitzen setzt sich seitdem wie folgt zusammen.[11]

Fraktionen Wählerstimmen Stimmanteil Sitze im Rat
CDU 122.781 44,5 % 23
SPD 80.434 29,2 % 15
Bündnis 90/Die Grünen 26.919 9,8 % 5
Bürgerinitiative Braunschweig 19.235 7,0 % 4
FDP 13.957 5,1 % 3
Die Linke (ehemals Linkspartei.PDS) 12.027 4,4 % 2

Liste der Stadtoberhäupter von Braunschweig

[Bearbeiten] Wappen

Offizielle Version des Wappens
Der „Eidenbenzlöwe“ – Signet Braunschweigs
Briefmarke von 1990
Nîmes-Straße

Gemäß der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig vom 11. Dezember 2001[12] gilt bzgl. des Wappens Folgendes:

„Die Stadt führt als Wappen im silbernen Schilde einen steigenden links (heraldisch rechts) gewendeten roten Löwen mit weißen Zähnen, roter Zunge und schwarzen Krallen. Die Schildbreite verhält sich zur Schildhöhe wie 6:7. Für die heraldische Gestaltung des Wappens ist der Wappenbrief vom 15. Oktober 1438 maßgebend.“

Dieses Stadtwappen ist seit mindestens 1366/67 bekannt und seither – lediglich mit einigen stilistischen Veränderungen – in Gebrauch. Es wurde von König Albrecht II. im o. g. Wappenbrief von 1438 bestätigt. Neben der Gesamtstadt führen auch die fünf Weichbilde Altewiek, Altstadt, Hagen, Neustadt und Sack eigene Wappen, die sämtliche Variationen des Löwenmotivs zeigen. [13].

[Bearbeiten] Farben

Weiter führt die Hauptsatzung bzgl. der Farben der Stadt aus:

„Die Farben der Stadt sind Rot und Weiß. Die Stadtflagge zeigt in gleichbreiten Querstreifen oben die Farbe Rot und unten die Farbe Weiß.“

Neben dem im Wappenbrief enthaltenen Wappen zeigt dieser auch die Farben der Stadt. Neben dieser offiziellen Stadtflagge führen allerdings die fünf Weichbilde, die Bürgergarde und die Stadtverwaltung eine Vielzahl weiterer (eigener) Flaggen, die, gleich dem Wappen, wiederum Variationen des Löwenmotivs aufweisen.[13].

[Bearbeiten] Wahrzeichen

Der Braunschweiger Löwe ist das Wahrzeichen Heinrichs des Löwen, der die Stadt im Mittelalter zu einem bedeutenden Gemeinwesen ausbaute. So wurde der Löwe auch zum Wahrzeichen Braunschweigs. Auf der wahrscheinlich um 1300 entstandenen Ebstorfer Weltkarte ist Braunschweig mit dem Löwenstandbild eingezeichnet - so bekannt war der Braunschweiger Löwe bereits im ausgehenden Mittelalter. Die heutige offizielle Festlegung als Wahrzeichen der Stadt erfolgte erst 1953 in der Hauptsatzung der Stadt.

Als „inoffizielles“, aber ebenfalls sehr altes Wahrzeichen der Stadt, gelten die Türme der Andreaskirche, die von alters her schon von weitem den Weg nach Braunschweig wiesen.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Braunschweig unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft bzw. -freundschaft:

Bandung, Jawa Barat, Indonesien, seit 1960
Nîmes, Languedoc-Roussillon, Frankreich, seit 1962
Bath, England, Vereinigtes Königreich, seit 1971
Sousse, Sahel, Tunesien, seit 1980
Kiryat Tivon, Galiläa, Israel, seit 1985/86
Magdeburg, Sachsen-Anhalt, Deutschland, seit 1987
Kasan, Tatarstan, Russland, seit 1988 (Städtefreundschaft)
Omaha, Nebraska, USA, seit 1992 (Städtefreundschaft)

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Hauptartikel: Wirtschaftsgeschichte der Stadt Braunschweig

Stadt und Region Braunschweig haben in ihrer Geschichte mehrere Strukturwandel erlebt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war Braunschweig ein Zentrum der Konservenindustrie mit vielen verarbeitenden Betrieben sowie einer spezialisierten Maschinenbau-Industrie, unter anderem Schmalbach-Lubeca.

Mit dem Niedergang der Konservenindustrie und der Abwanderung der Industrie in andere Länder verschob sich der Schwerpunkt in Richtung auf die Automobilindustrie. Ebenfalls Geschichte ist die Fotoindustrie mit den traditionsreichen Firmen Voigtländer und Rollei.

[Bearbeiten] Industrie und Handwerk

Handwerkskammer Braunschweig im Von Veltheimschen Haus

Braunschweig war Sitz der Büssing Automobilwerke, die 1972 in der Firma MAN aufgegangen sind. Die Fahrzeuge der MAN tragen noch heute das Logo der Firma Büssing, einen stilisierten Braunschweiger Löwen, auf dem Kühlergrill, werden aber heute in Salzgitter, 20 km südlich von Braunschweig, produziert.

In Braunschweig wurde 1938 das erste Volkswagen-Werk, das sogenannte „Vorwerk“ in Betrieb genommen. Die Automobilindustrie ist nach wie vor einer der wichtigsten Industriezweige der Stadt und der Region. Noch heute befinden sich ein großes VW-Werk (Teilefertigung) sowie zahlreiche mittelständische Zulieferfirmen in der Stadt. Darüber hinaus hat die Volkswagen Bank ihren Unternehmenssitz in Braunschweig.

Die Stadt ist Sitz eines traditionsreichen Werkes der Siemens AG, das gleichfalls auf Heinrich Büssing zurückgeht und weltweit führend in der Bahnautomation ist (siehe Siemens-Werk Braunschweig) und unter anderem die Bahnbetriebstechnik für den Transrapid in Shanghai entwickelt hat. Der Unternehmensbereich Siemens Transportation Systems schätzt Braunschweig unter anderem wegen der Technischen Universität und der Niederlassung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das als Kompetenzzentrum für Verkehrstechnik auch aerodynamische Forschung für die Bahnindustrie durchführt.

Ein interessantes Experiment ist die „Kooperationsinitiative im Maschinenbau“, ein Zusammenschluss mittelständischer Maschinenbau-Unternehmen aus der Region Braunschweig, die gemeinsam einkaufen, die Qualifikation der Mitarbeiter erhöhen und auch auf anderen Gebieten zusammenarbeiten.

Traditionell ist Braunschweig eines der Zentren der deutschen Zuckerindustrie, schon aufgrund des intensiven Anbaus von Zuckerrüben im Braunschweiger Raum seit etwa 1850. Die durch einen Zusammenschluss aus mehreren Zuckerfabriken hervor gegangene Nordzucker AG hat nach der Fusion Braunschweig als Unternehmenssitz gewählt. Sie ist jetzt der zweitgrößte deutsche Hersteller von Zuckererzeugnissen. Die Technische Universität Braunschweig verfügt bereits seit Jahrzehnten über ein eigenes Forschungsinstitut für Zuckerherstellung und -verarbeitung.

Des Weiteren ist die Stadt Sitz der Handwerkskammer Braunschweig, deren Kammerbezirk die kreisfreien Städte Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg sowie die Landkreise Helmstedt, Goslar, Peine und Wolfenbüttel umfasst.

Außerdem ist sie Sitz der Öffentlichen Versicherung.

[Bearbeiten] Musikinstrumente

Braunschweig war und ist eines der Zentren der deutschen Musikinstrumentenindustrie. Hier haben unter anderem die Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik GmbH als der größte deutsche Hersteller von Klavieren und Flügeln und mit der Grotrian-Steinweg GmbH ein weiterer namhafter Hersteller ihren Sitz. Streichinstrumente werden seit 1844 in Braunschweig von der Geigenbauer-Familie Rautmann, mittlerweile in der fünften Generation, hergestellt. Die Firma Sandberg Guitars fertigt hochwertige E-Gitarren und E-Bässe.

[Bearbeiten] Medien

Braunschweig ist Sitz eines Studios des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Auch zwei private Radiounternehmen, Hit-Radio Antenne und Radio ffn, besitzen hier jeweils Regionalstudios.

Regionale Tageszeitung ist die Braunschweiger Zeitung (BZ), die auch in der Region unter verschiedenen Titeln mit unterschiedlichen Lokalteilen vorherrscht. Im Jahr 2007 wurde die Braunschweiger Zeitung von der WAZ-Mediengruppe übernommen. Als kostenlose Wochenzeitungen werden die im BZ-Verlag erscheinenden neue Braunschweiger und neue Braunschweiger am Sonntag sowie der Braunschweig Report in die Haushalte verteilt. Zum kostenlosen Mitnehmen liegen die monatlichen Stadtmagazine Da Capo und Subway, das monatliche Party- und Lifestyle-Magazin BackStage, das zehnmal jährlich erscheinende Familienmagazin Clicclac sowie die vierteljährlichen Stadtteil-Magazine Nordlicht, Tangente und Westblick an verschiedenen Verteilstellen im Stadtgebiet aus.

In Braunschweig und der näheren Umgebung sendet das nichtkommerzielle, lokale BürgerradioRadio Okerwelle“ auf der Frequenz 104,6 FM. Außerdem unterhält „TV38“, ein nichtkommerzielles Community-TV, ein Studio in der Stadt (neben weiteren Studiostandorten in Wolfsburg und Salzgitter). Radio Okerwelle und TV38 sind zwei von 15 niedersächsischen Veranstaltern von Bürgerrundfunk. Darüber hinaus betreibt die Braunschweiger Ideeal Werbeagentur auf der Frequenz 90,5 ein Veranstaltungsradio mit dem Schwerpunkt Eintracht Braunschweig.

In Cremlingen betreibt die Deutsche Telekom AG einen Mittelwellensender im Auftrag des Deutschlandfunks (DLF). Dieser Sender wird oft, obwohl er sich nicht im Stadtgebiet von Braunschweig befindet, als „Sender Braunschweig“ bezeichnet (siehe Rundfunksendestelle Cremlingen-Abbenrode).

[Bearbeiten] Wissenschaft

TU Braunschweig, Altgebäude

Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verfügt die Region Braunschweig mit weitem Abstand über die höchste Intensität auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung (F&E). So werden in Braunschweig 7,1 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) dafür aufgewendet.[14]

Die Stadt beheimatet drei Hochschulen und eine Vielzahl von Bundesanstalten und Forschungseinrichtungen. Die Technische Universität Carolo-Wilhelmina wurde 1745 als „Collegium Carolinum“ gegründet. 1862 wurde dieses zur „Herzoglichen Polytechnische Schule“ umgewandelt und 1877 zur „Technischen Hochschule“ erhoben. Seit der Erweiterung um eine Philosophische und eine staatswissenschaftliche Fakultät 1968 ist sie „Technische Universität“. Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel wurde 1971 durch Zusammenschluss der Staatlichen Ingenieurschule Wolfenbüttel mit der Höheren Fachschule für Sozialarbeit des Landes Niedersachsen gegründet. Weitere Fachbereiche kamen hinzu. Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) wurde 1963 aus der früheren Werkkunstschule Braunschweig gegründet. 1972 wurde sie eine wissenschaftliche Hochschule und seit 1978 hat sie den Status einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule. Sie ist die einzige Kunsthochschule Niedersachsens.

In Braunschweig sind weiterhin das Luftfahrt-Bundesamt und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ansässig. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat aufgrund des Zeitgesetzes seit 1978 den Auftrag, mit ihren Atomuhren die Zeit in Deutschland festzulegen. Auch der Impuls für die Steuerung von Funkuhren kommt von der PTB, ausgestrahlt wird der Takt jedoch über eine Sendeanlage südöstlich von Frankfurt am Main, siehe bei DCF77.

Am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg befindet sich ein Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das 1969 (zunächst als „DFVLR“) aus der 1936 gegründeten Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt (DFL) hervorging. Hauptarbeitsgebiete sind Flugmechanik, Flugführung und Flugsicherung, Aerodynamik und die Entwicklung leistungsfähiger Werkzeuge für Berechnungen, sowie Struktursysteme (Adaptronik und extremer Leichtbau). Der Standort arbeitet eng mit dem benachbarten Luftfahrtbundesamt, der Technischen Universität und anderen ansässigen Forschungseinrichtungen zusammen.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), früher Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF), ist ein Zentrum für Infektionsforschung und gehört der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren an, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Der Forschungsschwerpunkt liegt auf Erregern, die medizinisch relevant sind oder als Modell für die Untersuchung von Infektionsmechanismen genutzt werden. Träger des HZI sind die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen (90:10).

Weitere Bundesanstalten und Forschungseinrichtungen in Braunschweig sind oder waren:

Diese Dichte des in Braunschweig vorhandenen wissenschaftlichen Potenzials erfuhr spätestens 2006/2007 besondere Aufmerksamkeit: Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verlieh der Stadt den Titel „Stadt der Wissenschaft 2007“. Mit der Auszeichnung gewürdigt wurde auch das Engagement, mit dem sich verschiedene Akteure für Vernetzungen der Wissenschaft insbesondere mit Wirtschaft und Kultur sowie für eine Öffnung der Wissenschaft für die Bürger der Stadt einsetzen. Der Bewerbung Braunschweigs unter dem Motto „Ideenküche Braunschweig“ mit einem experimentell angelegten Konzept bescheinigte die Jury dabei „Originalität und Verständlichkeit“[15].

[Bearbeiten] Verkehr

Straßenbahn auf dem Bohlweg vor Katharinenkirche

Hauptartikel: Verkehr in Braunschweig

Braunschweig befand sich seit dem Mittelalter am Kreuzungspunkt mehrerer Fernhandelsstraßen. Die die Stadt durch- und umfließende Oker war bis in die Neuzeit schiffbar.

Heute führen mehrere Bundesautobahnen (z. B. die A 2 und die A 39) sowie Bundesstraßen nach Braunschweig bzw. direkt durch die Stadt (z. B. die B 1 und die B 248). Braunschweig hat einen Hafen mit Anbindung an den Mittellandkanal und seit 1935 einen eigenen Flughafen bei Waggum.

Der Braunschweiger Hauptbahnhof wurde 1960 eröffnet und ersetzte den innerstädtischen Braunschweiger Bahnhof, einen Kopfbahnhof von 1845, dessen denkmalgeschütztes Hauptgebäude heute als Hauptsitz der Braunschweigischen Landessparkasse dient. Bereits 1838 nahm hier die erste deutsche Staatseisenbahn von Braunschweig nach Wolfenbüttel ihren Betrieb auf.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) der Stadt wird u.a. mit Straßenbahnen und Omnibussen der Braunschweiger Verkehrs-AG innerhalb des Verbundtarifs Region Braunschweig (VRB) durchgeführt. Die Umgebung ist durch mehrere Regionalverkehrsgesellschaften vorwiegend mit Buslinien erschlossen. Geplant ist seit 1996 ein regionaler Schienenverkehrsverbund von Goslar über Braunschweig bis Uelzen, die auch innenstädtisch fahrende "RegioStadtBahn Braunschweig", welche 2012 in Betrieb gehen soll.

Bereits im April 1904 hatte Heinrich Büssing auf der Strecke Wendeburg-Braunschweig die Kraftomnibus-Linie der „Automobil-Omnibus-Betriebs-Gesellschaft Braunschweig“ (AOBG) eröffnet. Sie diente dem Praxistest für die Busse, die er in seinem Werk bauen ließ. Diese ist zugleich die älteste Omnibuslinie der Welt, die bis heute noch befahren wird.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Durch die weitgehende Zerstörung der Braunschweiger Innenstadt durch zahlreiche Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere den Luftangriff vom 15. Oktober 1944, sind in der ehemals größten Fachwerkstadt Deutschlands nur noch wenige alte Gebäude und Straßenzüge in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Vor allem seit den 1990er Jahren gibt es verstärkte Bestrebungen, stadtgeschichtlich wichtige Gebäude wieder aufzubauen. So ist dies z. B. mit der Alten Waage geschehen oder in beschränkterem Umfang mit dem Braunschweiger Schloss, dessen Fassadenfront seit 2007 den Eingang zu einem Einkaufszentrum bildet.

[Bearbeiten] Traditionsinseln

Unzerstörtes, Restauriertes oder Wiederaufgebautes findet sich heute vor allem innerhalb der fünf „Traditionsinseln“ der Innenstadt: Rund um den Dom, die Aegidienkirche, Magnikirche (