Comic in Polen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

In Polen wurden Comics bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Tageszeitungen veröffentlicht. Im großen Stil wurden sie allerdings erstmals in den späten 1940ern in Form von Heften oder Taschenbüchern veröffentlicht. Optischen und literarischen Einfluss auf die frühen Publikationen hatten dabei vor allem die US-amerikanischen Werke der 1930er und 1940er Jahre. Lizenzveröffentlichungen gab es aber kaum, meist waren veröffentlichten Comics eigene Produktionen polnischer Zeichner und Autoren. Der restliche europäische Comic erlangte erst Jahre später Einfluss auf die Comicschaffenden in Polen.

Gesellschaftlich war und ist der Comic nicht als Schundliteratur gebrandmarkt und hatte auch nicht die Schwierigkeiten sich durchzusetzen, wie im Rest des ehemaligen Ostblocks oder gar einigen Ländern West- und Mitteleuropas. Die Funktionäre der kommunistischen Regierungspartei PZPR nutzten sogar das Medium zu Lern- und Propagandazwecken.

Zu den Comics der Zeit von 1948 bis zur Wende 1989 gehörten in erster Linie besonders idealistische und politisch engagierte Titel aus eigener Produktion, wie die heutige Kultserie Kapitan Żbik und eher bildende Serien, wie Historia Państwa Polskiego (dt. Die Geschichte des polnischen Staates). Wichtigster Vertreter von anspruchsvolleren Comics mit einem surrealistischen Humor ist Tadeusz Baranowski. Doch auch andere Comics, die eher auf Unterhaltung hinaus zielten, besaßen ihren festen Platz. Zu diesen zählten u.a. die Comicserien Tytus, Romek i A'Tomek von Papcio Chmiel für jüngere Leser (entfernt vergleichbar mit den Abrafaxen aus der DDR), Kapitan Klos, eine Serie über einen polnischen Geheimagenten, der als Wehrmachtsoffizier Aufträge für die Sowjetische Armee im Dritten Reich erfüllt, die Funnyserien Kajko i Kokosz und Kajtek i Koko w Kosmosie (dt. Kajtek und Koko im Weltraum) von Janusz Christa oder die Science-Fiction-Reihe Funky Koval von Jacek Rodek, die bedeutend und wegweisend für die Entwicklung des Mediums in Polen werden sollten.

Neben zahlreichen Comics wurde auch eine Reihe von richtigen Fachmagazinen und anderer Sekundärliteratur veröffentlicht. Zu einem der wichtigsten der kommunistischen Ära zählt das Magazin Relax, welches beispielsweise mit dem deutschen Comicmagazin Zack vergleichbar ist.

In Relax wurden neben Fachartikeln und Rezensionen auch zahlreiche Comicstrips von heute namhaften Künstlern veröffentlicht und teilweise auch speziell dafür produziert. So machten zum Beispiel Autoren und Zeichner, wie Grzegorz Rosinski, der später durch die frankobelgische Fantasyserie Thorgal weltweites Ansehen erlangte, und Boguś Polch, dessen Werk Bogowie z Kosmosu (dt. unter dem Titel Das Ende der Götzen erschienen) in mittlerweile mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt wurde, über dieses Magazin Karriere.

Neben Relax befanden sich jede Menge anderer Zeitschriften auf dem Markt, die entweder in Kiosks, am Bahnhof oder im Buchhandel erhältlich waren, wie auch das schlicht benannte Magazin Komiks, das neben heimischen Comicstrips auch erstmals ausländische Titel herausbrachte.

Nach der Wende 1989 entwickelte sich ein plötzlicher Comicboom in Polen. Innerhalb der ersten drei Jahre bildeten sich Dutzende von kleinen und größeren Verlagen, die entweder eigene Reihen produzierten oder lizenzierte Serien aus dem Ausland veröffentlichten. Erstmals wurden auch verstärkt US-amerikanische und zahlreiche frankobelgische Comics veröffentlicht, die zuvor nur vereinzelt anzufinden waren.

Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Comic ein fester Bestandteil der polnischen Literaturszene. Junge Nachwuchskünstler werden durch diverse private und auch staatliche Aktionen gefördert. In Krakau und Warschau haben sich zudem feste Comicfestivals etabliert. Zudem findet in Łódź alljährlich das Internationale Comicfestival statt, zudem regelmäßig internationale Größen, wie Moebius oder Milo Manara nach Polen kommen. Nicht mehr wegzudenken sind auch die zahlreichen Fanzines, die die unabhängige Comicszenen am Leben halten. Wichtigster Vertreter ist AQQ, das sogar am Kiosk und im Buchhandel verkauft wird und mit Zin Zin Press mittlerweile auch ein eigenes Publikationslabel gegründet hat.

Derzeit spielen vor allem die einheimischen Comicschaffenden eine wichtige Rolle. Sie veröffentlichen innovative und teils sehr künstlerische Comics, was ihnen besonders durch moderne Wege zum Kunden ermöglicht wird. So findet sich in jeder Stadt mindestens eine Medienhandlung, in der es Comics sämtlicher Verlage gibt. Die wichtigsten dieser Verlagshäuser sind der in Breslau gegründete Verlag Mandragora, der auch in Deutschland bekannte Warschauer Verlag Kultura Gniewu, der bereits einige deutsche Comicproduktionen in Polen veröffentlicht hat und die polnische Tochterfirma des dänischen Verlagskonzerns Egmont Ehapa. Auch Comicadaptionen von polnischen Literaturklassikern (wie beispielsweise von Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz) sowie Comics zu historischen und aktuellen Ereignissen (wie zum Jubiläum der Solidarność-Bewegung) erfreuen sich großer Beliebtheit.

Einige der gegenwärtig beliebtesten Comicserien sind Jeż Jerzy von Rafał Skarżycki und Tomasz Lew Leśniak und Pierwsza Brygada von Tobiasz Piątkowski und Krzysztof Janicz. Seit Ende der 1990er kann man zudem auch verstärkt japanische Mangas und koreanische Manhwas in Polen vorfinden. Wie in Deutschland, haben sich auch in Polen einige speziell dafür gegründete Verlage auf dem Markt gefunden, die lediglich Veröffentlichungen aus Asien anbieten.

Persönliche Werkzeuge