cum hoc ergo propter hoc

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cum hoc ergo propter hoc (lat. „mit diesem, also deswegen“) bezeichnet einen logischen Fehler, bei dem zwei gemeinsam auftretende Ereignisse als Ursache und Wirkung erklärt werden. Der Schließende begeht dabei zum einen den Fehler, ohne genauere Prüfung einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen zu unterstellen. Zum anderen bestimmt er das eine Ereignis willkürlich zur Ursache, und das andere als Wirkung.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Ein immer wieder beobachtetes Zusammentreffen zweier Ereignisse bietet grundsätzlich Anlass für die Vermutung, dass zwischen diesen Ereignissen ein Zusammenhang bestehen könnte. Keineswegs ist dieses Zusammentreffen schon ein Beweis für einen Zusammenhang, und eine Entscheidung, welches der Ereignisse Ursache und welches Wirkung ist, lässt sich aus dem Zusammentreffen allein schon gar nicht ableiten.

Die Situation, dass zwei Ereignisse A und B gemeinsam auftreten, lässt sich stets einer der folgenden vier Kategorien zuordnen:

  1. A verursacht B,
  2. B verursacht A,
  3. eine gemeinsame Ursache X hat sowohl A als auch B zur Folge,
  4. A und B treten – ohne jeden Zusammenhang – zufällig zur gleichen Zeit auf.

Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass zwei Ereignisse in die vierte Kategorie fallen. Um dies zu prüfen, bedient man sich statistischer Signifikanztests, welche in Zahlen angeben, wie wahrscheinlich das Auftreten des beobachteten (oder eines noch stärkeren) statistischen Zusammenhangs unter rein zufälligen Voraussetzungen wäre.

Ist diese Wahrscheinlichkeit hinreichend gering, wird der Zufall als Erklärungsmöglichkeit ausgeschlossen, und man kann versuchen, durch wohlüberlegte Experimente oder verbesserte Beobachtungen herauszufinden, wie es um die Kausalität bestellt ist.

[Bearbeiten] Beispiele

[Bearbeiten] Schokolade und Akne

  • „Jugendliche essen viel Schokolade.“
  • „Jugendliche haben Akne.“

⇒ „Daher muss Schokolade Akne verursachen.“

Diese Aussage schließt aus dem gemeinsamen Auftreten auf eine Ursache-Wirkung-Beziehung (Kausalität) zweier Ereignisse, obwohl die Korrelation auch auf purem Zufall beruhen könnte. Zudem wird willkürlich ein Ereignis als Ursache, das andere als Wirkung erklärt.

Vielmehr sind hier vier logische Schlüsse vorstellbar:

  • Häufiger Schokoladenkonsum führt tatsächlich zu einer Erkrankung an Akne (z. B. wegen besonderer Inhaltsstoffe von Schokolade, etwa Fette oder Serotoninauslöser).
  • Eine Erkrankung an Akne führt zu einem Heißhunger auf Schokolade.
  • Häufiger Schokoladenkonsum und eine Erkrankung an Akne haben beide etwas Drittes als gemeinsame Ursache (z. B. könnten jugendliche Hormonausschüttungen sowohl zu Appetit auf Schokolade als auch zu Akne führen).
  • Häufiger Schokoladenkonsum und eine Erkrankung an Akne haben nichts miteinander zu tun, die festgestellte Korrelation ist also rein zufällig.

Rein logisch lässt sich allerdings zwischen diesen vier Alternativen keine eindeutige Entscheidung fällen, sondern man muss weitere Untersuchungen vornehmen. Dies ist typisch für diesen logischen Fehlschluss.

[Bearbeiten] Störche, Geburten und die Königin von England

Dass in Europa die Zahl der Störche ebenso wie die Zahl der Geburten bei Menschen seit Jahrzehnten abnimmt, ist Gegenstand eines weiteren bekannten Beispiels. Dies ist jedoch kein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringt. Die gemeinsame Ursache sind die wirtschaftlichen und sozialen Änderungen in Europa. Intensivere landwirtschaftliche Techniken sowie verstärkter Siedlungs- und Straßenbau auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen beeinträchtigen den Lebensraum der Störche. Gleichzeitig nimmt mit zunehmendem Wohlstand von Familien weltweit deren Geburtenzahl ab.

Ein anderes Beispiel, das hin und wieder in Lehrbüchern erwähnt wird, ist, dass die weltweite Bevölkerung offenbar an das Alter der englischen Königin gekoppelt sei: beide Größen steigen jedes Jahr. Dabei tritt wieder eine gemeinsame Ursache auf: die Zeit.

[Bearbeiten] Globale Erwärmung und Piraten

Ein inzwischen berühmtes, aktuelles Beispiel für cum hoc ergo propter hoc als ironisch-belehrendes Stilmittel von Kritikern ist die Aussage des Physikers Bobby Henderson, dass als einzige Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und alle anderen Naturkatastrophen die sinkende Zahl von Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts verantwortlich sei. Dies ist einer der zentralen Glaubensinhalte der von Henderson gegründeten Religionsparodie mit der Gottheit des Fliegenden Spaghettimonsters.

Im Gegensatz zur versehentlichen, fehlerhaften Aussage über eine Relation von Ursache und Wirkung wird hier bewusst ein offensichtlich falscher Schluss gezogen. Henderson will damit den Argumenten der US-amerikanischen Kreationisten auf gleichem Niveau begegnen, um auf deren logische Fehler hinzuweisen (in etwa eine reductio ad absurdum).

[Bearbeiten] Okunsches Gesetz

Das Okunsche Gesetz beschreibt einen korrelativen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit. Aus dieser Korrelation werden z.B. Aussagen bezüglich der Beschäftigungsschwelle (erforderliches Wirtschaftswachstum zur Verhinderung steigender Arbeitslosigkeit) abgeleitet, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang aufgezeigt wird, was zur Formulierung sinnvoller Aussagen aber notwendig ist.

[Bearbeiten] Ähnliche Ausdrücke

[Bearbeiten] cum hoc non est propter hoc (Verneinung des Prinzips)

Will man ausdrücken, dass ein Fehlschluss nach dem Muster cum hoc ergo propter hoc vorliegt, so sagt man cum hoc non est propter hoc (lat. „mit diesem ist nicht deswegen“).

[Bearbeiten] post hoc ergo propter hoc (zeitliches Nacheinander)

Mit post hoc ergo propter hoc (lat. „danach, also deswegen“) ist ein verwandter Fehlschluss gemeint. post betont im Gegensatz zu cum, dass die angebliche Wirkung später als deren Ursache eintritt. Anders als bei cum hoc ist es also bei post hoc ausgeschlossen, dass sich beide Tatsachen in ihrer Ursache-Wirkungs-Deutung vertauschen lassen, weil sie nacheinander auftreten.

Beispiel für post hoc ergo propter hoc:

  • Nachdem ich mit dem linken Fuß aufgestanden bin, fällt mir die Kaffeetasse herunter. Also ist das „falsche“ Aufstehen der Grund dafür, dass mir die Kaffeetasse herunterfällt.

Diese Schlussfolgerung ist ein logischer Fehler, da das zeitlich frühere Ereignis zwar Ursache des späteren Ereignisses sein könnte, allein die zeitliche Abfolge aber nicht reicht, um eine Kausalverbindung zu begründen. Im Beispiel könnte die Ursache für das Fallenlassen auch darin liegen, dass ich erschrocken bin. Die zeitliche Abfolge ist zwar notwendig für den Schluss auf die Ursache, aber nicht hinreichend.

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