Düren
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| Wappen | Deutschlandkarte | ||||
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| Basisdaten | |||||
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | ||||
| Regierungsbezirk: | Köln | ||||
| Kreis: | Düren | ||||
| Höhe: | 125 m ü. NN | ||||
| Fläche: | 85 km² | ||||
| Einwohner: | 92.945 (31. Dez. 2007)[1] | ||||
| Bevölkerungsdichte: | 1093 Einwohner je km² | ||||
| Postleitzahlen: | 52349, 52351, 52353, 52355 | ||||
| Vorwahl: | 02421 | ||||
| Kfz-Kennzeichen: | DN | ||||
| Gemeindeschlüssel: | 05 3 58 008
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| Stadtgliederung: | 15 Ortsteile bzw. Stadtbezirke | ||||
| Adresse der Stadtverwaltung: | Kaiserplatz 2–4 52349 Düren |
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| Webpräsenz: | |||||
| Bürgermeister: | Paul Larue (CDU) | ||||
| Lage der Stadt Düren im Kreis Düren | |||||
Düren ist mit etwa 93.000 Einwohnern eine große Mittelstadt[2] am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln in Nordrhein-Westfalen. Sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises und Mitglied der Euregio Maas-Rhein. Die von der Rur durchflossene Stadt nennt sich Das Tor zur Nordeifel. Sie ist geprägt von mehr als 1300 Jahren wechselvoller Geschichte und ihrer heutigen modernen Industrie.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geografie
[Bearbeiten] Geografische Lage
Die Stadt liegt zwischen Rhein und Maas am Nordrand der Eifel. In nördlicher Richtung erstreckt sich die fruchtbare Jülicher Börde als Teil der Niederrheinischen Bucht. Im Südwesten liegt die Rureifel mit Deutschlands zweitgrößter Talsperre, der Rurtalsperre, und dem Nationalpark Eifel. Von Süden (Lendersdorf) nach Norden (Merken) durchfließt die Rur das Stadtgebiet. Dürens höchster Punkt liegt mit 225 m ü. NN auf der Abraumhalde Beythal an der Bundesstraße 399 in der Gemarkung Berzbuir-Kufferath, der niedrigste Punkt mit 105 m ü. NN an der Rur bei Merken.
[Bearbeiten] Geologie
Während im südlichen Stadtgebiet bei Berzbuir Schichten mit Konglomeratgestein des Devons und Karbons zu Tage treten, wird die Jülicher Börde im nördlichen Stadtgebiet aus einer mächtigen Lößplatte gebildet, unter der Kiese und Sande aus der letzten Eiszeit anstehen, die Rhein und Maas angelagert haben. Zahlreiche tektonische Verwerfungen aus dem Tertiär mit bis zu 400 Meter Höhenunterschied sind nachgewiesen. Die Jülicher Scholle ist der nördliche Teil einer kleinen Scholle zwischen Rur- und Erftscholle und gegenüber der Rurscholle angehoben aber gegenüber der Erftscholle abgesunken. Dazwischen liegen mächtige Braunkohlenflöze aus dem Karbon. Düren gehört zum Erdbebengebiet der Kölner Bucht.
[Bearbeiten] Klima
Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone, die hier vom atlantischen Golfstrom im Übergang zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima geprägt wird. Westwinde herrschen vor und Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 617 mm. Dabei sind Juni und Juli die niederschlagsreichsten, Februar und September die niederschlagsärmsten Monate des Jahres. Die Sommer sind warm und die Winter mild. Im Juli liegt die mittlere Temperatur bei 17° C, im Januar bei 2° C. Den meisten Sonnenschein gibt es im Juli, den wenigsten im Dezember.
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Düren
Quelle: Niederschlag: Deutscher Wetterdienst; andere Werte: Forschungszentrum Jülich, jeweils 1961–1990
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[Bearbeiten] Nachbargemeinden
Düren liegt im Zentrum des Kreises, zu dem auch alle Nachbargemeinden gehören. Von Norden aus im Uhrzeigersinn sind die Nachbarn Niederzier, Merzenich, Nörvenich, Kreuzau, Hürtgenwald, Langerwehe und Inden.
[Bearbeiten] Ausdehnung des Stadtgebietes
Das Stadtgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 85 km². Die Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung beträgt maximal 12,5 km, in Ost-West-Richtung maximal 10 km. Die Stadtgrenze ist etwa 50 km lang. Den größten Anteil der Fläche beanspruchte Ende 2007 die Landwirtschaft, die mit 4187 Hektar fast das halbe Stadtgebiet nutzte. Die zweitgrößte Nutzungsart waren Gebäude- und Freiflächen mit 1942 Hektar (22,8 %). 959 Hektar waren mit Wald bedeckt und 792 Hektar wurden vom Verkehr beansprucht. Während sich die Gebäude- und Freiflächen sowie die landwirtschaftlich genutzte Fläche seit 1996 verringerten, ist die Waldfläche um 35 % gestiegen.[3][2]
[Bearbeiten] Stadtgliederung
Die inneren Stadtbezirke sind nach den Himmelsrichtungen bezeichnet, also Düren-Nord, Düren-Ost (mit der Satellitenstadt und Distelrath), Düren-Süd und Düren-West (Rölsdorf). Hinzu kommt die Innenstadt. Der Grüngürtel ist ein großes Siedlungsgebiet aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts im nordöstlichen Bereich des Stadtgebietes. Am 1. Januar 1972 wurden auf Grund des Aachen-Gesetzes fünfzehn ehemals selbstständige Orte eingegliedert. Dieses sind Arnoldsweiler, Berzbuir, Birgel, Birkesdorf, Derichsweiler, Echtz, Gürzenich, Hoven, Konzendorf, Krauthausen, Kufferath, Lendersdorf, Mariaweiler, Merken und Niederau.
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung durch das Köln-Gesetz lehnte die Stadt aus kommunalpolitischen Gründen eine Eingemeindung von Merzenich ab, was ein Novum in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Gemeindeumstrukturierung darstellte. Mit Merzenich hätte Düren eine Einwohnerzahl von mehr als 100.000 erreicht und damit die Grenze zur Großstadt überschritten.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Vor- und Frühgeschichte
Zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Besiedlung im Dürener Stadtgebiet gehören jungsteinzeitliche Pfeilspitzen aus Feuerstein und eine steinerne Streitaxt, die bei Berzbuir gefunden wurden.[4]
Bei der Ankunft des römischen Feldherrn Julius Caesar im fünften Jahr des Kriegs gegen Gallien, im Jahre 54 v. Chr., siedelte zwischen Rhein und Maas der keltische Stamm der Eburonen unter seinem Anführer Ambiorix mit dem in der Mitte des Gebietes gelegenen Hauptort Aduatuca (Aachen?), wo Cäsar eine empfindliche Niederlage erlitt. Dass er die Eburonen bei seinem Rachefeldzug im Jahr darauf tatsächlich vernichtet haben soll, wie er selbst angibt,[5] wird überwiegend in Zweifel gezogen. In den nachfolgenden 460 Jahren hielten die Römer das Land besetzt und siedelten zum Schutz der Rheingrenze germanische Stämme von rechts des Rheines als Foederaten an, die sich dann mit der keltischen Urbevölkerung vermischten.
Aus römischer Zeit sind Siedlungsplätze bei Berzbuir, Distelrath, Mariaweiler und Teile einer römischen Wasserleitung in Lendersdorf bekannt. Römische Ziegel und ein römischer Tempel fanden sich bei Hoven.
[Bearbeiten] Ortsname
Der römische Historiker Tacitus berichtet, dass die im Kölner Raum siedelnden germanischen Ubier im Winter 69/70 n.Chr. in einem Kampf gegen rechtsrheinische Germanen bei „Marcodurum“ unterlegen waren. Zwar liegen aus der Dürener Kernstadt keine römischen Zeugnisse vor, aber die bei Mariaweiler gemachten Funde lassen auf einen Siedlungsplatz in der Zeit vom ersten Jahrzehnt v. Chr. bis etwa 260 n.Chr. schließen, der um 70 n.Chr. niederbrannte und auf einem unmittelbar benachbarten Areal neu errichtet wurde. Von diesem Ort wird angenommen, dass er Namensgeber der heutigen Stadt Düren war. Dem lang ausgesprochenen u in dem Wortbestandteil „Durum“ wurde später zur Kenntlichmachung ein Dehnungs-i hinzugefügt (Duirum), woraus sich schließlich die heutige Schreibweise „Düren“ entwickelte.[6]
[Bearbeiten] Mittelalter
Nachdem in der Völkerwanderungszeit am letzten Tag des Jahres 406 n. Chr. Vandalen, Alanen und Sueben auf ihrem Zug nach Westen in gewaltigen Scharen über den zugefrorenen Rhein in das Römische Reich geströmt waren und es zur Aufgabe der Rheingrenze gezwungen hatten, drangen von Norden sich aus mehreren Stämmen zum Volk der Franken einende Germanen in das Rheinland vor[7] Die Ortsnamen auf -weiler im Stadtgebiet geben Zeugnis von dieser frühen fränkischen, merowingischen Siedlungsperiode, während die Ortnamen auf –hausen, –rath und –dorf der späteren fränkischen, karolingischen Siedlungsperiode um die Mitte des 8. Jahrhunderts zuzurechnen sind. Fränkische Siedungsspuren wurden in Birkesdorf und Distelrath gefunden.
Wie Ausgrabungen ergaben, hatte um das Jahr 700 in Düren eine fränkische Saalkirche bestanden. Der karolingische König Pippin der Kleine (714-768), Vater des späteren Kaisers Karl der Große (~747-814), machte die Ansiedlung zu einem Königshof, einer Pfalz. Sie befand sich dort, wo heute die Annakirche steht. Villa Dura (Duria) wurde zum ersten Mal in den Fränkischen Reichsannalen (Metzer Annalen) für das Jahr 747 urkundlich genannt. In den Jahren 761, 775 und 779 fanden dort Reichstage statt; auf den beiden letzten Reichstagen wurden Feldzüge gegen die Sachsen beschlossen.[8] Auch Karl der Große nutzte die Pfalz Villa Dura und weitere Pfalzen, die er entlang der Aachen–Frankfurter Heerstraße in Aachen, Sinzig, Ingelheim und Frankfurt hatte anlegen lassen. Die Straße trug auch den Namen Krönungsstraße, weil auf ihr 600 Jahre lang die deutschen Könige zur Kaiserkrönung nach Aachen zogen. Diese Landstraße war nicht nur die kürzeste Verbindung zwischen den Königssitzen, sondern es entwickelte sich auf ihr auch reger Verkehr, der in Düren schon bald eine Reihe von Märkten entstehen ließ (Kornmarkt, Viehmarkt, Holzmarkt, Hühnermarkt und Buttermarkt), die zum Wachstum Dürens beitrugen.
In den Jahren 881–882 verwüsteten Normannen, die über Rhein und Maas in das Land eingedrungen waren, den Ort. Kaiser Otto III. bestätigte ihn im Jahre 1000 als Freie Reichsstadt und 1124 wurde mit dem Bau der Dürener Stadtmauer begonnen.[9] Zur Stadtmauer gehörten zwölf Türme und fünf Tore, die in den vier Himmelsrichtungen lagen, im Norden das Philippstor und das Wirteltor, im Osten das Kölntor, im Süden das Obertor und im Westen das Holztor. Von ihnen bestehen noch Ruinen.
Als Kaiser Friedrich II. 1241 die Stadt an Graf Wilhelm IV. von Jülich verpfändete, verlor sie die Reichsunmittelbarkeit und kam unter die Herrschaft der Grafen und späteren Herzöge von Jülich. Das älteste erhaltene mittelalterliche Bauwerk in Düren ist der Turm des „Ühledömche“ (Eulendom), einer Kapelle im Stadtteil Distelrath, aus dem 11./12. Jahrhundert. 1459 wurde eine zweite Kirche in der Innenstadt genannt, die heutige Marienkirche.
[Bearbeiten] Frühe Neuzeit
Der Steinmetz Leonhard entwendete im Jahre 1501 einen Schrein mit einer Kopfreliquie der Heiligen Anna, dem sogenannten Annahaupt, aus der Mainzer Stiftskirche St. Stephan und brachte ihn nach Düren. Der daraufhin entbrannte Streit um den Besitz der Reliquie wurde vor Kaiser und Papst ausgetragen, bis Papst Julius II. ihn 1506 zugunsten Dürens entschied. Die Gegenstände wurden in der Martinskirche, die schon 1505 in Annakirche umbenannt worden war, aufbewahrt. Möglicherweise hat die Kirche aber auch erst sehr viel später den neuen Namen erhalten, denn noch im 19. Jahrhundert war die Rede von der Pfarrkirche zum Heiligen Martinus.
Schon kurz nach der Ankunft der Reliquie setzte eine Wallfahrtsbewegung zur Dürener Pfarrkirche ein, die Pilger aus ganz Europa nach Düren führte. Die Heilige Anna wurde Schutzpatronin Dürens, und auch heute noch feiert man jedes Jahr eine Woche lang den Namenstag der Heiligen Anna (26. Juli) mit der Annaoktav, einer kirchlichen Feier, und der Annakirmes, einem der größten Volksfeste Deutschlands.
Nachdem 1538 das Herzogtum Geldern an Herzog Wilhelm von Jülich, Kleve und Berg gefallen war, Kaiser Karl V. das Land aber für sich beanspruchte, was ihm 1541 auf dem Reichstag zu Regensburg auch zugebilligt wurde, ließ der Kaiser im dritten Geldrischen Erbfolgekrieg 1543 mit einem 30.000 Mann starken Heer auf einem Kriegszug in die Niederlande die Stadt erstürmen, plündern und in Brand setzen. Mehr als 600 Gebäude, darunter das Rathaus und die Annakirche, wurden zerstört. Der Wiederaufbau nahm einige Jahre in Anspruch, 1563 stand die Annakirche wieder.
Die Spanier unter Ambrosio Spinola nahmen die Stadt 1614 ein. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie 1642 von hessischen Truppen zerstört und verwüstet.[8] Als der Krieg 1648 beendet war, suchte die Pest die Stadt heim und forderte zahlreiche Menschenleben. Eine zweite Epidemie brach 1665 aus. Durch verschiedene Angriffe auf die geschwächte Stadt wurde Düren 1679 erneut teilweise zerstört. In dieser Zeit ging auch Miesheim für immer unter.
Gegen Ende des Jahres 1755 begann in der Gegend von Düren und Aachen eine Serie von Erdbeben, die am 18. Februar 1756 bei Düren ihren Höhepunkt mit einem Beben der Stärke 8 nach der Mercalliskala (dies entspricht in etwa 6,5 der Richterskala) erreichte und das stärkste bis dahin bekannte Erdbeben in Deutschland war. Die Stadtmauer bekam große Risse.[10] Zu dieser Serie von Erdbeben, die ganz Europa erfasste, zählte auch das Erdbeben von Lissabon.
[Bearbeiten] 19. und 20. Jahrhundert
Nachdem französische Revolutionstruppen 1794 die linksrheinischen Länder besetzt hatten, war Düren von 1798 bis 1814 Hauptort des gleichnamigen Kantons im Arrondissement Aachen des Départements de la Roer. Nach dem Niedergang Napoléons wurde der König von Preußen aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 neuer Landesherr in der späteren Rheinprovinz.
Seit 1837 erschloss die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft das Rheinland und das Ruhrgebiet mit einem Eisenbahnnetz und legte Düren als Knotenpunkt an zwischen den vier Städten Aachen im Westen, Neuss, Köln und Bonn im Osten den Rhein entlang. Es siedelte sich Industrie an, die rasch wuchs, vor allem mit der Papierherstellung.
Am Ende des Jahrhunderts (1880) zählte die Stadt 17.368 Einwohner, darunter 1.408 Evangelische und 252 Juden. Sie besaß fünf katholische und zwei evangelische Kirchen, eine Synagoge, ein katholisches Gymnasium, ein evangelisches Realprogymnasium, eine katholische Bürgerschule, eine paritätische und eine katholische höhere Töchterschule, eine gewerbliche Zeichenschule, eine Stadtbibliothek, eine Blindenanstalt, eine Irrenanstalt und ein Hospital. Es gab 93 fabrikmäßige Betriebe, insbesondere mehrere Papierfabriken, drei Tuchfabriken, eine Flachsspinnerei/ Leinenweberei, Eisengießereien, Maschinenfabriken. In der Stadt wurden Nadeln, Zucker, Kunstwolle und Teppiche produziert. Außerdem gab es eine Bierbrauerei, Töpfereien, Braunkohlentagebau und Galmeigruben.[8] Um 1900 galt Düren als eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands und als zweitreichste Stadt in Preußen. Dort wohnten 42 Millionäre.
Während des Ersten Weltkrieges wurde 1915 südlich von Distelrath ein Flughafen für Zeppeline gebaut, die Luftschiffhalle Düren, von der aus man zu Frontfahrten nach Frankreich und England startete. Da in diesem Krieg die Bürger zu Rüstungszwecken alles Metall, Gold und Silber und die Kirchen einen Teil ihrer Glocken hergeben mussten und zudem die Goldwährung durch Papiergeld ersetzt worden war, führte das nach dem verlorenen Krieg und der Besetzung des Ruhrgebietes in das Inflationsjahr 1923, in dem auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Düren beeinträchtigt wurde. Man versuchte, mit eigenem Notgeld die Krise zu meistern.
Nach Hitlers Machtergreifung im Jahre 1933 zwangen die Nationalsozialisten den amtierenden Oberbürgermeister Ernst Overhues aus dem Amt und nannten Straßen und Plätze nach ihren Parteigrößen. Schon zu dieser Zeit organisierte die NSDAP Boykotte gegen jüdische Geschäfte. Während der Novemberpogrome kam es wie überall im Deutschen Reich 1938 schließlich zu antijüdischen Gewalttaten, bei denen die Synagoge zerstört, Juden grundlos verhaftet und ihre Geschäfte geplündert und verwüstet wurden.
Als im Zweiten Weltkrieg die Alliierten im Juni 1944 in der Normandie gelandet waren, begannen im Juli 1944 die ersten großen alliierten Luftangriffe auf das grenznahe Gebiet. Anfang September 1944 näherten sich die Anglo-Amerikaner der deutschen Westgrenze, so dass ein großer Flüchtlingsstrom ostwärts über den Rhein einsetzte. Mitte September begann auch die planmäßige Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem Grenzgebiet, viele aber wollten bleiben und hofften auf das baldige Ende der Nazidiktatur und des Krieges. Im Oktober 1944 fiel Aachen.
Ungefähr 22.000 Menschen befanden sich zu dieser Zeit noch in der inzwischen weiter gewachsenen Stadt und lebten vor dem nahenden Artilleriebeschuss schutzsuchend zu 16 und 20 Personen in Kellern. Am 16. November 1944 verdunkelten 474 Bomber der Royal Airforce den Himmel über Düren und warfen in einem 36 Minuten dauernden Angriff 2.751 Tonnen Bomben ab.[11] Bei diesem schwersten und verheerendsten von insgesamt 51 nachgewiesenen Luftangriffen auf Düren der Alliierten im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt völlig zerstört. Von fast 10.000 Häusern blieben nur einzelne unversehrt. 3.106 Menschen starben im Bombenhagel und unter den Trümmern: 2.392 Dürener Bürger, 394 auswärtige Personen, 220 Soldaten und 100 Unbekannte.[12] Mit 99,2 % zerstörten Wohnungen war Düren die am stärksten betroffene Stadt Deutschlands.[13] Rund 1,6 Millionen Kubikmeter Trümmer bedeckten den Dürener Boden.[14] Das Leben in den Ruinen war nicht mehr möglich. Die Überlebenden mussten ihre Heimat verlassen und wurden nach Mitteldeutschland evakuiert, nur vier Menschen blieben in der Stadt.
Nachfolgend lag Düren im Hauptabschnitt des alliierten Truppenaufmarschs gegen die Rurfront, die die deutsche Wehrmacht nördlich der Eifel entlang der Rur aufgestellt hatte. Am 25. Februar 1945 überquerten amerikanische Truppen nach heftigen Kämpfen den Fluss in der Nähe Dürens und errichteten eine Militärregierung mit Sitz im Dürener Amtsgerichtsgebäude. Anfang März ernannten sie den Heizungsmonteur Alfred Stiegler, einen der wenigen in der Stadt verbliebenen Einwohner, zum Bürgermeister. Wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht übernahmen die Briten im Mai 1945 das Kommando.
Nach Kriegsende kehrten schon im Sommer 1945 viele evakuierte Dürener in ihre zerstörte Stadt zurück. Im Juni waren wieder 3.806 Bürger in Düren. In den folgenden Monaten nahmen zahlreiche Ämter und Organisationen wieder ihre Arbeit auf.[15] Nach der Beseitigung der Trümmer begann der Wiederaufbau der völlig zerstörten Gebäude. Während die Alliierten eine Neugründung der Stadt südlich der Trümmerberge favorisierten, waren die Dürener entschlossen, ihre Stadt am bisherigen Standort wieder aufzubauen. Die Dürener Innenstadt ist heute noch in hohem Maße von der Architektur der 1950er Jahre geprägt.
Im Zuge der kommunalen Neugliederung vergrößerte sich das Stadtgebiet 1972 erheblich und die Erschließung neuer Gewerbegebiete förderte die industrielle Entwicklung. Durch die umgebaute Pleußmühle und das Haus der Stadt, die beide 1991 eröffnet wurden, ergaben sich neue kulturelle Möglichkeiten. Mit diversen Partnerschaften entwickelten sich internationale Beziehungen.
[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung
Die Bevölkerungszahl wuchs im Mittelalter und der frühen Neuzeit nur langsam und ging aufgrund der zahlreichen Kriege, Seuchen und Hungersnöte immer wieder zurück. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum. Lebten 1805 erst 4.563 Menschen in der Stadt, so waren es 1900 bereits 27.168. Bis 1939 stieg die Einwohnerzahl auf über 45.000, sank dann aber durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs bis Juni 1945 auf nur noch 3.806. Nach dem Bombenangriff vom 16. November 1944 lebten am 1. März 1945 nur noch vier deutsche Einwohner in der Stadt, mit Zwangsarbeitern etc. waren es 21 Personen. Am 1. April war die Einwohnerzahl auf 180 gestiegen und am 1. Mai 1945 waren es bereits 1.218 Personen. Im Dezember 1945 erhöhte sich die Zahl auf 25.000 Einwohner und 1958 waren es mit 45.000 wieder so viele wie vor dem Krieg. Durch Eingemeindungen mehrerer Orte in der Umgebung wuchs Einwohnerzahl der Stadt am 1. Januar 1972 um 35.522 auf 89.087. Am 31. Dezember 2007 erreichte sie mit 92.945 ihren historischen Höchststand.
Der Anzahl der Nichtdeutschen in der Bevölkerung hat sich in den Jahren 1975–2005 ungefähr verdreifacht, der Anteil beträgt heute 17 %. Die Todesfälle weisen gegenüber den Geburten seit 2001 einen Überschuss auf, insbesondere in den Jahren 2002 (-124 und -119) und 2007 war der Unterschied besonders deutlich. Bei der Analyse der Zu- und Fortgezogenen ist zu erkennen, dass junge Menschen − gegen den Trend in anderen großen Mittelstädten − besonders gerne nach Düren kommen. Insgesamt ziehen seit 2001 (außer im Jahr 2006) immer mehr Menschen zu als weg. Trotzdem zeigt sich auch in Düren die allgemeine demographische Entwicklung, wonach der Anteil der älteren Menschen steigt. Die meisten Neubürger kommen aus der Nachbargemeinde Kreuzau, aus Niederzier und den benachbarten Großstädten Aachen und Köln. Diese Orte stehen auch bei den Zielen der aus Düren Weggezogenen an erster Stelle.[2]
[Bearbeiten] Religionen
[Bearbeiten] Katholiken
Die Katholiken bilden die bedeutendste Glaubensgemeinschaft in Düren. Mitte des 15. Jahrhunderts gründeten die Franziskaner ein Kloster, das später zur Marienkirche wurde.[16] Die Annuntiatinnen und die Jesuiten kamen 1628 hinzu. Heute sind vier Ordensgemeinschaften in Düren ansässig. Die Eucharistiner haben dort eine von insgesamt drei Gemeinden in Deutschland.[17] Die Karmelitinnen kamen aus den Niederlanden in ihr Dürener Kloster an der Kölner Landstraße. Die Cellitinnen von der Hl. Gertrud haben ihren Sitz im Marienkloster in Niederau und widmen sich im angrenzenden Seniorenheim und einem weiteren Heim in der Innenstadt ihrer pflegerischen Arbeit.[18] Die Ursulinen kümmerten sich um das Schulwesen. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts vorübergehend aus der Stadt vertrieben.[19]
[Bearbeiten] Protestanten
Da die Reformation in Düren nicht von Landesherren durchgesetzt wurde, hatte sie zunächst nur geringen Einfluss. Die ersten reformierten Prediger übernahmen presbyterianische Prinzipien von Flüchtlingen aus Frankreich und den Niederlanden. Im Zuge der Reformation trat in Düren zeitweise die Gemeinschaft der Wiedertäufer auf, die dort nach ihrem Anführer Lancelot von Kettig auch als Kettisten bezeichnet wurden. In ihrer religiösen Überzeugung standen sie zwischen den Katholiken und den Anhängern Martin Luthers. Mit ihrer Forderung auf Eigentumsverzicht gewannen sie Sympathien bei den armen Menschen und bereiteten der Obrigkeit Ärger.[20]
Nachdem sie durch den Religionsvergleich von 1672 im Herzogtum die nötigen Freiheiten zur Ausübung ihres Glaubens erhalten hatten, bildeten sich eine reformierte und eine lutherische Gemeinde.[21] 1837 übernahmen beide Gemeinden im Kirchenkreis Jülich das Unierte Bekenntnis, wie es in Preußen bereits 1817 eingeführt worden war. 1887 vereinigten sich beide Gemeinden. Heute gibt es für die Innenstadtgemeinde alleine die Christuskirche.
Des Weiteren sind mehrere Freikirchen in der Stadt vertreten, darunter die Neuapostolische Kirche, die Baptisten und die Zeugen Jehovas.
[Bearbeiten] Sonstige Bekenntnisse
- Im Norden der Stadt, wo auch viele Türken wohnen, befindet sich die Fatih-Moschee, das wichtigste muslimische Gotteshaus der Stadt.
- Die Juden haben seit der Pogromnacht keine eigene Gebetsstätte mehr in Düren. Sie sind bisher in der Jüdischen Gemeinde Aachen organisiert.
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] Stadtrat und Verwaltung
Dem Dürener Stadtrat gehören neben dem Bürgermeister fünfzig Mitglieder an. Derzeit sind sieben Parteien im Rat vertreten. Bei der Kommunalwahl am 26. September 2004[22] konnte die CDU mit 26 Sitzen die absolute Mehrheit gewinnen. Die zweitstärkste Fraktion bildet die SPD mit 14 Sitzen vor den Grünen mit drei Sitzen. Die FDP und die PDS (jetzt Die Linke) kamen mit jeweils zwei Mitgliedern in den Rat. Die restlichen Plätze besetzen die lokalen Gruppen Bürger für Düren (BfD) und Europäer für Düren (EfD) mit zwei beziehungsweise einem Vertreter. Die politische Arbeit findet in elf Bezirks- und fünfzehn Fachausschüssen sowie drei Beiräten (Behinderte, Feuerwehr, Senioren) statt.[23]
Bei den Kommunalwahlen ist seit 1989 ein deutlicher Trend zugunsten der CDU zu erkennen. Die Union konnte ihren Stimmenanteil von rund 35 % auf mehr als 50 % steigern, während die Anteile der SPD von der absoluten Mehrheit auf unter 30 % sanken. Bei den Landtagswahlen gibt es eine ähnliche, aber nicht so deutliche Entwicklung und bei den Ergebnissen der Bundestagswahlen liegt die SPD seit 1994 immer vor der CDU.[2]
Der Bürgermeister Paul Larue ist gleichzeitig Leiter der Verwaltung mit fünf Dezernaten. Zu den Dezernaten I und III gehören neben der allgemeinen Verwaltung das Bürgerbüro und die Ämter für Soziales und Kultur, außerdem die Bereiche Schule und Jugend. Für die Finanzen ist der Erste Beigeordnete und Kämmerer zuständig. Dem Dezernat II ist der Dürener Service-Betrieb (DSB) angegliedert, der als Dienstleistungsunternehmen für die Stadtreinigung sowie die Grünflachen und Friedhöfe sorgt. Ein technischer Beigeordneter leitet das Dezernat IV (Bauen), das auch für die Stadtentwässerung zuständig ist. Das Dezernat V ist verantwortlich für Recht und Ordnung. Zu dieser Abteilung gehört außerdem das Standesamt.[24]
[Bearbeiten] Bürgermeister und Stadtdirektoren
Alle Amtsinhaber sind in der Liste der Persönlichkeiten der Stadt Düren aufgeführt.
Johann Heinrich Flügel wurde 1798 zum Präsidenten der Munizipalität des Kantons Düren ernannt und 1814/1815 erster preußischer Bürgermeister der Stadt Düren. Die nächsten drei Bürgermeister übten ihre Tätigkeit nebenberuflich aus. Hubert Jakob Werners war der erste hauptberufliche Amtsträger. In der Zeit von 1943 bis 1952 gab es sieben verschiedene Amtsinhaber.
Von 1893 bis 1976 gab es in Düren den Titel Oberbürgermeister. Von 1976 bis 1997 war der Bürgermeister ein ehrenamtlich tätiger Bürger, der auch dem Rat vorstand. Die Verwaltung wurde in dieser Zeit gemäß der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen von einem Oberstadtdirektor beziehungsweise Stadtdirektor geleitet. Seit 1994 ist der Bürgermeister gleichzeitig Vorsitzender des Stadtrats und Leiter der Verwaltung. Der gegenwärtige Bürgermeister Paul Larue ist seit 1999 im Amt.
[Bearbeiten] Wappen und Logo
Das Wappen der Stadt Düren ist geteilt und zeigt oben in Gold einen rot bewehrten schwarzen Adler, unten in Gold einen schreitenden rot gezungten schwarzen Löwen. Der Adler erinnert an die alte Königs- und spätere freie Reichsstadt. Der Löwe im unteren Feld symbolisiert die Jülicher Herrschaft. Zuvor gab es bereits ein Siegel, das den König mit der Stadtmauer zeigt und eine lateinische Aufschrift trägt: HOC EST REGALE SIGILLVM OPIDI DVRENSIS („Dies ist das königliche Siegel der Stadt Düren“).
Das Wappen ist auch oben rechts im Logo der Stadt Düren enthalten, das in den gleichen Farben (schwarz, rot, gold) gestaltet ist. Unter dem Namen der Stadt steht das heutige Motto „lebendig, offen, mittendrin.“[25]
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
Düren hat sechs Partnerstädte. Die ersten Beziehungen knüpfte die Stadt im Jahre 1959 mit dem französischen Valenciennes und leistete damit einen Beitrag zur Versöhnung der beiden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg. Noch heute pflegen viele Vereine Kontakte mit der rund 250 Kilometer entfernten Stadt im Département Nord und es gibt einen regelmäßigen Schüleraustausch. Cormeilles wurde im Juni 1970 die zweite Partnerstadt aus dem Nachbarland. Der Kontakt kam durch eine Tanzgruppe des TV Arnoldsweiler zustande. Die Menschen aus Arnoldsweiler laden die Gäste aus der Normandie jedes Jahr zum Karneval ein und besuchen ihre Partner zu Christi Himmelfahrt. Am 23. Dezember 1971 unterzeichnete der Dürener Bürgermeister eine Partnerschaftsurkunde mit der österreichischen Marktgemeinde Altmünster am Traunsee. Der Männergesangverein aus Niederau blickt auf eine langjährige Freundschaft mit dem Musikverein Neukirchen zurück und drei Straßen in dem Stadtteil sind nach den österreichischen Orten benannt. Die Schüler aus Niederau und Altmünster besuchen sich jedes Jahr abwechselnd in ihrer Heimat.
Im 21. Jahrhundert richtete sich der Blick in Richtung Osten. Im August 2001 wurde die Partnerschaft mit der bosnischen Stadt Gradačac besiegelt, die wie Düren unter den Auswirkungen eines Krieges zu leiden hatte und nun einen Stadtteil nach dem deutschen Partner benannt hat. Die Dürener beherbergten Mitte der 1990er Jahre Kriegsflüchtlinge von dort und leisteten anschließend Hilfe beim Wiederaufbau. Außerdem gibt es Begegnungen beim Dürener Stadtfest und ähnlichen Veranstaltungen in Gradačac. Einen Monat nach der Partnerschaft mit den Bosniern kam die ukrainische Stadt Stryj hinzu, wo Mitarbeiter des Lendersdorfer St.-Augustinus-Krankenhauses medizinische Hilfe leisteten. Heute kommt die Partnerschaft unter anderem jungen Ukrainern zugute, die in Dürener Betrieben Praktika absolvieren können. Jüngste Partnerstadt ist seit Oktober 2002 das chinesische Jinhua. Die Kontakte entstanden nach einem Auftritt eines Dürener Jugend-Jazz-Orchesters in der 400 Kilometer südlich von Shanghai gelegenen Stadt.
[Bearbeiten] Patenschaften
Am 22. April 1959 wurde in Cuxhaven das Minensuchboot M 1079 auf den Namen Düren getauft. Es war bis zum 20. Dezember 1979 im Dienst, wurde dann in ein Hohlstablenkboot umgebaut und zum 1. April 1989 unter gleichem Namen in Wilhelmshaven wieder in Dienst gestellt. Nach dem Ende der Nutzung am 28. September 2000 wurde es über die Verwertungsgesellschaft für ausgesondertes Wehrmaterial (VEBEG) an die Marine von Südafrika verkauft, wo es zum Küstenschutz eingesetzt wird.
- Siehe Hauptartikel: Düren (Schiff)
Die Gattin des Dürener Bürgermeisters taufte am 9. September 2002 auf dem Frankfurter Flughafen einen Airbus A340 auf den Namen Düren. Die Maschine hat 247 Sitzplätze und fliegt hauptsächlich in die Metropolen Nord- und Südamerikas, Afrikas und Asiens.
[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten] Museen
Das bekannteste Museum der Stadt Düren ist das nach dem Vater seines Stifters benannte Leopold-Hoesch-Museum. Das 1905 im Neobarock errichtete Gebäude zeigt wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, unter anderem mit expressionistischen Gemälden. Derzeit ist das Museum wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten bis voraussichtlich April 2009 geschlossen. Seit 1986 sind dort auch Kunstwerke der internationalen Biennale PaperArt zu sehen. Bei dieser Ausstellung kooperiert das Leopold-Hoesch-Museum mit dem benachbarten Papiermuseum Düren. Dort wird seit 1990 die Geschichte und Herstellung des Papiers, die in der industriellen Entwicklung der Stadt seit dem 16. Jahrhundert eine große Rolle spielt, demonstriert. Die Besucher können selbst Papier schöpfen und sich zusätzlich eine große Sammlung an Wasserzeichen ansehen. Dass die Dürener gerne Karneval feiern, lässt sich nicht nur in der „fünften Jahreszeit“ beobachten. Seit 2006 gibt es im ehemaligen Schwesternwohnheim des St.-Augustinus-Krankenhauses im Stadtteil Lendersdorf ein Karnevalsmuseum, das schon 1994 von der Dürener Regionalgruppe des Bundes Deutscher Karneval gegründet worden und zuvor in Niederzier untergebracht war. Es wird von vielen Karnevalsgesellschaften der Region genutzt.
[Bearbeiten] Theater und Musik
Das ehemalige Stadttheater Düren wurde im Januar 1907 gegenüber dem Leopold-Hoesch-Museum eröffnet. In dem Jugendstil-Gebäude traten viele bekannte Ensembles auf. Bei den Bombenangriffen am 16. November 1944 wurde das Theater fast vollständig zerstört. Heute finden solche kulturellen Aufführungen meistens im Haus der Stadt statt. Dieser Mehrzweckbau in der Nähe des Bahnhofs ist seit 1991 Nachfolger der an der Bismarckstraße gelegenen Stadthalle. Als Veranstaltungsort für große Konzerte dient seit 2004 die multifunktionale Arena Kreis Düren, die rund 2000 Zuschauern Platz bietet. Im kleineren Rahmen bietet das Jugend- und Kulturzentrum Komm mehrmals pro Woche Musik, Kabarett und Theater. Das Komm-Zentrum befindet sich in der Pleußmühle, einer alten Getreidemühle mit Ursprüngen im 13. Jahrhundert. Theateraufführungen gibt es an mehreren Schulen in Düren, unter anderem vom Jungen Theater des Gymnasiums am Wirteltor und von der Theater-AG des Burgau-Gymnasiums.
In der ehemaligen Fabrik der Dürener Metallwerke ist seit mehr als 25 Jahren die EndArt beheimatet. Hier finden Partys für Jugendliche und Anhänger der Musik der 1970er bis 90er Jahre und diverse Konzerte statt. Alle drei Jahre vergibt der gemeinnützige Verein einen vielbeachteten Musikpreis für lokale Bands. Seit 1991 finden jährlich die Dürener Jazztage mit Konzerten, einer „Kneipentour“ und einer Parade am Sonntag statt. 1998 entstand die Brass Band Düren, die als eine von insgesamt elf deutschen Brass Bands in original englischer Besetzung spielt.[26]
[Bearbeiten] Bauwerke
Am Rand des Stadtwaldes im Stadtteil Niederau liegt das Schloss Burgau. Das Wasserschloss wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch die Grafen von Heinsberg bewohnt und anschließend als Lehen an Wilhelm von Burgau gegeben. Nachdem es 1944 zerstört wurde, blieb es bis zum Jahr 1979 Ruine, ehe sich die Schützenbruderschaft für eine Restaurierung engagierte, die erst 1998 endete. Das Schlosscafé ist ein Anziehungspunkt im Naherholungsraum Stadtwald. Zudem werden im Schloss Theater, Ausstellungen und Konzerte veranstaltet und es sind dort standesamtliche Hochzeiten möglich.
Im Theodor-Heuss-Park findet man das 1892 entstandene Bismarck-Denkmal zur Erinnerung an den bekanntesten Ehrenbürger der Stadt. Am Altenteich wurde 1882 zu Ehren des Dechant Vaßen ein Denkmal mit der heiligen Anna und dem Marienkind errichtet.[27] Der Altenteich war einst ein Handelsplatz für verschiedene Produkte. Neben dem Stiftischen Gymnasium sieht man heute noch den Dicken Turm, der zur Dürener Stadtmauer gehörte.
Eine architektonische Besonderheit ist die 1930 eingeweihte und heute denkmalgeschützte Dreigurtbrücke Düren. Die Brücke, auf der die Eisenbahn die Rur überquert, war damals die weltweit erste ihrer Art.
Das Rathaus wurde 1959[28] eingeweiht und steht heute als Beispiel der Baukunst der 1950er Jahre unter Denkmalschutz.
[Bearbeiten] Kirchen
- Die wichtigste Kirche der Stadt ist die Annakirche. In ihr wird das Annahaupt als Reliquie aufbewahrt. Die Kirche wurde bei den Bombenangriffen am 16. November 1944 vollständig zerstört und in den 1950er Jahren unter der Leitung des Architekten Rudolf Schwarz neu aufgebaut. Die zweite Pfarrgemeinde der Innenstadt gehört zur Marienkirche. In Düren-Süd befindet sich die Pfarrkirche St. Josef. Zu dieser Gemeinde gehört das regelmäßig von Pilgern besuchte Muttergotteshäuschen. Die Kirche Sankt Peter Julian wurde 2003 abgerissenen. Im gesamten Stadtgebiet gibt es fünfzehn weitere katholische Pfarr- und Kirchengemeinden, unter anderem in Arnoldsweiler.[29]
- Das wichtigste evangelische Gotteshaus in Düren ist die Christuskirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg die zerstörte Auferstehungskirche ersetzte. Bei ihrer Einweihung 1954[30] besaß sie den höchsten freistehenden Kirchturm Deutschlands. Ein weiterer Treffpunkt für die Protestanten ist das Haus der Evangelischen Gemeinde.
- Bis zur Vernichtung in der Reichspogromnacht befand sich die jüdische Synagoge in der Schützenstraße. An sie erinnert eine Stele des Dürener Künstlers Rückriem. [31]
- Die Muslime beten in der Fatih-Moschee an der Veldener Straße und in der Moschee in der Kölner Landstraße.
[Bearbeiten] Friedhöfe
In Düren gibt es 16 städtische Friedhöfe, auf denen jährlich rund 1000 Verstorbene beigesetzt werden. Neben der traditionellen Erdbestattung ist eine Urnenbestattung in Stelen sowie Friedgärten und ähnlichen Einrichtungen möglich. Der Hauptfriedhof befindet sich im Osten der Stadt neben der Kirche St. Bonifatius. Die anderen katholischen Friedhöfe liegen in den einzelnen Ortsteilen.[32] Der Friedhof der evangelischen Gemeinde an der Kölnstraße existiert seit 1825. Er wurde von dem Ehepaar Rudolph und Lucia Schenkel (geb. Schoeller) gestiftet und gilt als wichtiges Kulturdenkmal der Stadt.[33] Der alte jüdische Friedhof an der Arnoldsweilerstraße existierte seit mindestens 1551. Die letzten Beerdigungen gab es im Jahr 1888. Der neue Friedhof liegt an der Binsfelder Straße, in der Nähe des katholischen Hauptfriedhofs. Er gehört heute zur jüdischen Gemeinde Aachen.[34]
[Bearbeiten] Parks und Naherholung
Rund um das Schloss erstreckt sich der Burgauer Wald, das größte Naherholungsgebiet der Stadt. Weitere Grünanlagen findet man entlang der Rur und im Park Holzbenden. Im Sommer können die Dürener ihre Freizeit an zwei Badeseen in Gürzenich und Echtz verbringen. Beide Badeseen entstanden aus ehemaligen Tagebau-Gruben der Rheinbraun im Westrevier des Rheinischen Braunkohlereviers.
[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen
Die Annakirmes findet jedes Jahr Ende Juli bis Anfang August statt und entwickelte sich mit rund einer Million Besuchern zu einem der größten Volksfeste in Deutschland. Während des neuntägigen Spektakels werden neben zahlreichen Fahrgeschäften und Imbissbuden Veranstaltungen wie die Weltmeisterschaft im Kirsch-Kern-Weitspucken und die Wahl der Miss Annakirmes präsentiert.
Die Annakirmes entstand aus einem Jahrmarkt von Schaustellern, der sich an Pilger richtete, die zur Verehrung des Annahauptes nach Düren kamen. Noch heute bezeichnet sich Düren gerne als „Stadt der Märkte“. Neben dem Wochenmarkt und jahreszeitlichen Angeboten wie Mai-, Herbst- und Weihnachtsmarkt stehen als Marktobjekte diverse Produkte wie Geranien, Bier oder gar Kartoffeln im Mittelpunkt des Interesses.[35] Eine größere thematische Vielfalt bietet das Stadtfest, das die IG City seit 1979 alljährlich im September veranstaltet.
Wie im gesamten Rheinland wird in Düren der Karneval gefeiert. Die Prinzengarde wurde 1954 gegründet. Am Karnevalssonntag bewegt sich der Karnevalsumzug mit dem Prinzenpaar durch die Innenstadt. Viele Stadtteile haben eigene Karnevalsgesellschaften, die Sitzungen und Umzüge veranstalten.
[Bearbeiten] Mahnmale
Da Düren im Zweiten Weltkrieg eine der am stärksten zerstörten Städte in Deutschland war, erinnern seit dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren diverse Mahnmale an die Zeit des Nationalsozialismus und der Weltkriege. Vor dem Rathaus dient der von Adolf Wamper entworfene „Flammenengel“ zum Gedenken an die verheerenden Fliegerangriffe vom 16. November 1944 und an alle Toten der beiden Weltkriege.[36] Seit März 1954 sammelt die Stadtverwaltung in einem Verzeichnis die Namen aller Opfer des 16. November 1944. An die Kriegstoten aus dem damaligen Landratsamt erinnert seit November 1961 eine von Professor Jaekel entworfene Bronzetafel im Kreishaus. Das Bild zeigt, wie der Erzengel Michael über der brennenden Stadt gegen einen Drachen kämpft.[37]
Zwischen 1988 und 1990 schuf Ulrich Rückriem mit den nach ihm benannten Stelen ein dezentrales Mahnmal. An den zehn Skulpturen finden am Jahrestag der Reichspogromnacht Mahnstunden statt. Am 26. Juni 2005 verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Düren die ersten Stolpersteine. Diese Pflastersteine erinnern mit einer kleinen Gedenkplatte an die in der Zeit des Nationalsozialismus deportierten jüdischen Mitbürger. Die ersten beiden Steine wurden in der Schenkelstraße (Familie Horn) und in der Hohenzollernstraße (Familie Leven) verlegt. Bis zum 20. Oktober 2008 erhöhte sich die Anzahl auf 61 Stolpersteine.
Für die Toten des Ersten Weltkriegs arbeitete ein eigens gegründeter Verein an der Errichtung eines Ehrenmals am Fuchsberg. Das Projekt wurde vom beginnenden Zweiten Weltkrieg aufgehalten und nie vollendet. 1975 wurde der Turm zu Gunsten anderer Baumaßnahmen abgerissen. Ebenfalls nicht mehr existent ist das Dürener Kriegerdenkmal, das an die Opfer der Kriege 1866 und 1870/71 erinnerte. Es befand sich in der Nähe des ehemaligen Realgymnasiums auf der Kreuzung zwischen August-Klotz-, Tivoli- und Schenkelstraße und wurde 1949 abgerissen.[37]
[Bearbeiten] Sport
Der derzeit erfolgreichste Verein der Stadt ist evivo Düren. Die Mannschaft, die aus der Volleyball-Abteilung des Dürener TV hervorgegangen ist, konnte sich in der Bundesliga etablieren und erreichte von 2005 bis 2007 dreimal in Folge das Play-off-Finale um die deutsche Meisterschaft gegen den VfB Friedrichshafen. In dieser Zeit konnten die Dürener auch internationale Erfahrungen in der Champions League sammeln. Seit 2002 veranstaltet der Kreis Düren auf dem Kaiserplatz den DKB Beach Cup, an dem jedes Jahr Beachvolleyball-Nationalspieler teilnehmen. Außerdem gibt es an der Dr.-Overhues-Allee die Beachvolleyball-Anlage Rurbeach47. Das für die Volleyball-Abteilung des GFC Düren 09 spielende Duo Susanne Lahme / Danja Müsch nahm an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil.
Die erfolgreichen Zeiten der Dürener Fußballvereine liegen schon länger zurück. Die SG Düren 99 spielte in der Oberliga und ist mit fünf Mittelrheinmeisterschaften immer noch einer der erfogreichsten Amateurvereine am Mittelrhein. Der ebenfalls in Düren geborene Nationalspieler Karl-Heinz Schnellinger begann seine Karriere bei Düren 99. Der spätere Vizeweltmeister Harald (Toni) Schumacher begann seine Karriere bei Schwarz-Weiß Düren. Aktuell sind der GFC Düren 09 und der FC 08 Niederau in der Mittelrhein-Liga die besten Fußballvereine der Stadt. Im Oktober 2008 wurde die Dürener Initiative „Fußballvereine gegen Rechts“ mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet.[38]
Die Schwimmer des Dürener TV waren durch die Damen-Mannschaft bereits in der zweiten Bundesliga vertreten und nehmen regelmäßig an den deutschen Meisterschaften teil. Florian Moll erreichte bei den Sommer-Paralympics 2008 jeweils das Finale über 100 Meter Brust und 400 Meter Freistil.[39] D
