Delft
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(Flagge der Gemeinde Delft) |
(Wappen der Gemeinde Delft) |
| Provinz | Südholland |
| Bürgermeister | Bas Verkerk |
| Sitz der Gemeinde | Delft |
| Fläche – Land – Wasser |
24,08 km² 22,98 km² 1,10 km² |
| Einwohner – Bevölkerungsdichte |
96.055 (1. Februar 2008) 4.143 Einwohner/km² |
| Koordinaten | 52° 1′ N, 4° 22′ O52.0113888888894.3586111111111Koordinaten: 52° 1′ N, 4° 22′ O |
| Bedeutender Verkehrsweg | A4, A13 |
| Vorwahl | 015 |
| Postleitzahlen | 2611–2629 |
| Website | www.delft.nl |
| Blick auf die Innenstadt von Delft mit der Oude Kerk | |
Delft (
anhören ?/i) ist eine niederländische Universitätsstadt in der Provinz Südholland. Sie liegt im Ballungsgebiet Randstad an der Vliet zwischen Den Haag und Rotterdam und zählte am 1. Februar 2008 96.055 Einwohner.[1]
Delft gehört zu den ältesten niederländischen Städten. Die Altstadt birgt zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die von ihrer Vergangenheit als blühende Handelsstadt im Goldenen Zeitalter zeugen. Trotz eines schweren Stadtbrandes im 16. Jahrhundert und einer verheerenden Explosion des Waffenmagazins im 17. Jahrhundert, die nur wenige Gebäude verschonte, verfügt Delft über ein gut erhaltenes, von Grachten durchzogenes historisches Stadtbild, das von Brabanter Gotik und Patrizierhäusern der Renaissance geprägt ist und den typischen Charakter altholländischer Städte bewahrt hat. Nach Amsterdam hat sich Delft zum populärsten touristischen Ziel der Niederlande entwickelt und verzeichnet jährlich rund eine Million Besucher.
Geschichtlich ist Delft insbesondere durch Wilhelm von Oranien bekannt, der seine Residenz ab 1572 in die befestigte Stadt verlegte, wo er 1584 ermordet wurde. Er ist in der Gruft der Nieuwe Kerk bestattet, in der seither die Mitglieder der königlichen Familie beigesetzt werden. Delft führt daher den Beinamen Prinsenstad (Prinzenstadt).
Seit dem 17. Jahrhundert ist Delft für seine Porzellanmanufakturen und die dort hergestellten Fayencen in Delfter Blau sowie die Malerei seines berühmtesten Sohnes Jan Vermeer bekannt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Delft zur Technologiestadt und profilierte sich durch die 1842 gegründete Technische Universität auf den Gebieten der technischen Innovation und der Architektur.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
[Bearbeiten] Geographische Lage
Delft liegt in der Provinz Südholland im Westen der Niederlande, auf halbem Weg zwischen Rotterdam und Den Haag und rund 15 Kilometer von der Nordseeküste und den Stränden bei Kijkduin oder Monster entfernt.
Die Stadt liegt zwei bis vier Meter unter dem Meeresspiegel und ist in eine von zahlreichen Entwässerungsgräben und Kanälen durchzogene Polderlandschaft eingebettet. Diese flachen Polder sind eingedeichte, früher überflutete Gebiete, die leergepumpt und trockengelegt wurden und in denen der Grundwasserspiegel künstlich reguliert wird. Seit Ende des 14. Jahrhunderts wurden hierzu Windmühlen als Schöpf- und Pumpmühlen zur Entwässerung eingesetzt.
Durch die Stadt zieht sich der bereits von den Römern angelegte Rhein-Schie-Kanal (kurz Vliet[2] genannt), der die Nieuwe Maas und den Oude Rijn verbindet und sich von Schiedam über Delft und Voorburg nach Leiden erstreckt.
[Bearbeiten] Geologie
Die Geologie der südholländischen Küstengebiete ist bestimmt durch die Flüsse, die dort in die Nordsee münden. Vor allem Rhein, Maas und Schelde und ihre Seitenarme haben für die Zufuhr einer großen Menge von Sedimenten gesorgt, die zur Bildung des Rhein-Maas-Deltas führten. Die älteren Gesteine sind in tiefere Schichten abgesunken; damit gleicht die geologische Situation derjenigen, die in vielen anderen geologisch jungen Senkungsgebieten anzutreffen ist.
Entlang der Küste Südhollands bestehen die oberflächlichen Bodenschichten des Küstenstreifens vor allem aus Ton- und Mergel-ablagerungen, denen im Landesinneren in höheren Gebieten häufig Niedermoore aufliegen. Die Tone wurden abgelagert, nachdem im Postglazial der Meeresspiegel zu steigen begonnen hatte (Transgression). Die höheren Gebiete sind glazial überformt.
Das Gebiet um Delft weist klastische Sedimente, wie Ton und Sand, insbesondere Flugsand auf. [3]
[Bearbeiten] Bodennutzung
Das Stadtgebiet dehnt sich auf einer Fläche von 24,08 Quadratkilometern aus. Im Jahr 2003, noch vor einer Grenzveränderung zwischen Delft und Midden-Delfland, vermaß das Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) die Bodennutzung im Detail. Zu dieser Zeit verfügte Delft über eine Fläche von 26,31 Quadratkilometern, wovon 7,40 Quadratkilometer, also rund 28 Prozent, Wohngebieten und 6,63 Quadratkilometer, 25 Prozent, agrarischer Nutzung einschließlich der Intensivkulturen in Gewächshäusern zuzurechnen waren.[4]
[Bearbeiten] Nachbargemeinden
Die Lage und Entfernung der angrenzenden Gemeinden stellt sich wie folgt dar:
| Den Haag 9 km |
Rijswijk 4 km |
Pijnacker-Nootdorp 6 km |
| Westland 15 km |
Lansingerland 15 km |
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| Midden-Delfland 8 km |
Schiedam 15 km |
Rotterdam 14 km |
[Bearbeiten] Stadtgliederung
Delft ist in folgende Stadtteile (wijk/wijken) gegliedert:
- Wijk 11 – Binnenstad (Innenstadt)
- Wijk 12 – Vrijenban
- Wijk 13 – Hof van Delft
- Wijk 14 – Voordijkshoorn
- Wijk 16 – Delftse Hout
- Wijk 22 – Tanthof-West
- Wijk 23 – Tanthof-Oost
- Wijk 24 – Voorhof
- Wijk 25 – Buitenhof
- Wijk 26 – Abtswoude
- Wijk 27 – Schieweg
- Wijk 28 – Wippolder
- Wijk 29 – Ruiven
[Bearbeiten] Klima
Meeresnähe und vorherrschende Winde aus Richtung der Nordsee, die durch den Golfstrom erwärmt wird, bestimmen das milde und relativ feuchte Seeklima der küstennahen Gebiete der Niederlande und somit auch von Delft.
Bei einer mittleren Jahrestemperatur von 10 Grad Celsius[5] liegt die mittlere Temperatur im Januar bei 3,4 Grad Celsius[6] und im Juli 17,2 Grad Celsius.[7] Die Niederschlagsmenge von durchschnittlich rund 815 Millimeter[8] verteilt sich relativ gleichmäßig über das Jahr, wobei Februar und April die trockensten Monate sind. Im Herbst treten häufig Stürme auf, die mit starken Regenfällen einhergehen können. Im Winter ist es nasskalt; es kommt nur selten zu Schneefällen. Hauptmerkmal des Wetters ist, wie in den gesamten Niederlanden, seine Wechselhaftigkeit.
Bereits im frühen 18. Jahrhundert wurden in Delft von Nicolaus Samuelis Cruquius regelmäßig Luftdruck, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit notiert, woraus sich später Temperatur, Windrichtung und Windstärke rekonstruieren ließen. Die originalen Wetterbeobachtungen und die späteren Umrechnungen werden im Kgl.-Niederländischen Meteorologischen Institut (KNMI) aufbewahrt.[9]
Die Klimatabelle (langjähriges Mittel 1971–2000), erfasst von der Wetterstation Rotterdam/Delft, die in der Nähe des Flughafens, rund 10 km südöstlich der Stadtgrenze Delfts liegt)[10] zeigt die Einzelheiten:
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Rotterdam/Delft
Quelle: Klimaatlas der Niederlande, herausgegeben vom KNMI (die dort angegebenen Sonnenstunden pro Monat wurden mit Faktor 30 auf die durchschnittliche Tagesgröße heruntergerechnet)
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[Bearbeiten] Bevölkerung
Die Niederlande gehören mit durchschnittlich 484 Einwohnern/km² zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt (Vergleich Deutschland: 231 Einwohnern/km²). Delft als Teil des Ballungsgebiets Randstad weist dabei, wie dieses Gebiet insgesamt, eine besonders hohe Bevölkerungsdichte auf: Am 1. Januar 2007 lebten auf Delfter Stadtgebiet 4.151 Einwohner/km². Im neun Kilometer nordwestlich gelegenen Den Haag wird diese Bevölkerungsdichte mit 5.738 Einwohnern/km² noch deutlich übertroffen, liegt im 14 Kilometer südlich von Delft gelegenen Rotterdam hingegen bei vergleichsweise niedrigen 2.824 Einwohnern/km².[11]
Am 1. Januar 2007 hatte Delft 95.382 Einwohner, deren Zahl am 1. Februar 2008 auf 96.055 Einwohner angewachsen war.[12] 2007 betrug die Anzahl der Haushalte 52.885, bei einer gemittelten Größe von 1,8 Personen. 54 Prozent der Haushalte waren Alleinstehende. Insgesamt wohnten 2.370 Familien in Delft, wovon 13 Prozent Alleinerziehende waren. Auffallend ist die konstante Abnahme von Familien mit Kindern; 2007 waren es noch 8.995 – eine Abnahme von 11 Prozent gegenüber 2002.[11] Auch verzeichnet Delft gegen den niederländischen Trend vergleichsweise wenige Kinder von 0 bis 1 Jahren und Erwachsene von 35 bis 74 Jahren.[11]
An der Delfter Bevölkerungspyramide fällt vor allem der Anteil Männer zwischen 20 und 30 Jahren auf. 2002 war dieser Anteil rund doppelt so hoch wie der niederländische Durchschnitt. Der Anteil der Frauen in diesem Lebenszeitabschnitt war rund 25 Prozent höher als der niederländische Durchschnitt. Ursache hierfür ist zweifellos die Technische Universität Delft, an der derzeit 14.300 Studenten[13] eingeschrieben sind, von denen lediglich 2.800 Frauen[14] sind.
[Bearbeiten] Entwicklung der Einwohnerzahl
Die Einwohnerzahl Delfts hat sich im 20. Jahrhundert mehr als verdreifacht. Seit Ende der 1990er Jahre ist allerdings eine Stagnation zu verzeichnen, die 2003 erstmals zu einem Bevölkerungsrückgang führte, der sich in den Folgejahren verstärkte, aber durch leichte Erholungen 2004 und 2007 gekennzeichnet war.
| Per 1. Januar | Männlich | Weiblich | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 1900 | 15.296 | 16.293 | 31.589 |
| 1920 | 19.547 | 18.886 | 38.433 |
| 1940 | 27.541 | 27.416 | 54.957 |
| 1960 | 37.947 | 35.349 | 73.323 |
| 1980 | 42.940 | 40.971 | 83.911 |
| 2000 | 50.299 | 45.802 | 96.101 |
| 2002 | 50.636 | 46.325 | 96.961 |
| 2003 | 50.531 | 46.075 | 96.606 |
| 2004 | 50.084 | 45.707 | 96.791 |
| 2005 | 49.655 | 45.381 | 95.036 |
| 2006 | 49.710 | 45.377 | 95.087 |
| 2007 | 49.869 | 45.513 | 95.382 |
| Ausländer gem. CBS-Definition | 14.221 | 12.57 | 26.878 |
| Ausländeranteil in Prozent | 28,5 % | 27,8 % | 28,15 % |
Quelle: Statistiken der Gemeinde Delft, Stand Januar 2007[11]
[Bearbeiten] Bevölkerung mit ausländischem Hintergrund
2007 wohnten in Delft 8.332 Personen mit einer nicht-niederländischen Nationalität. Das entspricht 8,7 Prozent der Bevölkerung und verteilt sich auf 147 unterschiedliche Nationalitäten. Die Statistiken der Niederlande beschäftigen sich indes nur am Rande mit unterschiedlicher Staatsbürgerschaft und Volkszugehörigkeit, vielmehr vorrangig mit Ethnien. Als einer anderen Ethnie zugehörig – und damit als Ausländer – werden alle jene Menschen betrachtet, die entweder selbst oder von denen ein Eltern- oder Großelternteil im Ausland geboren wurden. Danach waren 2007 29,1 Prozent der Bevölkerung Delfts anderer ethnischer Herkunft (per 1. Januar 2007: 27.803 gegenüber 57.579 Niederländern)[11], während der Landesdurchschnitt bei unter 20 Prozent liegt.
Wie überall in den Niederlanden unterscheidet die Statistik dabei zwischen Bürgern aus „westerse landen“, wozu die meisten Staaten der EU sowie die USA gezählt werden und „niet westerse landen“ für alle restlichen Länder der Welt. Ehemalige Bürger der früheren niederländischen Kolonien Indonesien und Neuguinea werden ebenfalls gesondert unter „westerse landen“ ausgewiesen, auch dann, wenn sie bereits seit mehr als zwei Generationen als ohnehin niederländische Staatsbürger in den Niederlanden leben, während aus Aruba stammende Personen als „Allochthonen“ aus den „niet westerse landen“ aufgeführt, obwohl Aruba ein autonomer Landesteil des Königreichs der Niederlande ist.
Die Gruppe der Staatsbürger aus den „westerse landen“ umfasst deutlich unter 5.000 Personen, wird angeführt von einer Gruppe von 1.670 Deutschen und betrifft in seiner Gesamtheit hauptsächlich Europabeamte, beispielsweise des in Rijswijk in der Nähe von Delft angesiedelten Europäischen Patentamts und deren Familien, die sich überwiegend nicht dauerhaft in den Niederlanden niedergelassen haben, sondern nach Ablauf ihrer Abordnung beziehungsweise nach Ende ihrer Dienstzeit in ihre Heimatländer zurückkehren. Das gilt aber auch für Teile der restlichen EU-Bürger sowie der Türkei, die zu den Mitgliedsstaaten der Europäischen Patentorganisation gehört.
Die Gruppe der Staatsbürger aus den „niet westerse landen“ wird von den Türken mit 2.366 Personen angeführt, gefolgt von Surinamern mit 2.303 und nied. Antillen/Aruba mit 1.519 Personen.
[Bearbeiten] Religionen
Nach der Erhebung Permanent Onderzoek Leefsituatie (POLS) des Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) von 2001–2003[15] waren 2000/2003 29,7 Prozent der Delfter römisch-katholischen Glaubens und 24,8 Prozent gehörten einer der Protestantischen Kirchen an; zum Islam bekannten sich 5,2 Prozent. Als keiner Glaubensgemeinschaft angehörig bezeichneten sich 37,6 Prozent.
Hippolyt von Rom ist der Schutzheilige der Stadt. Bis zur Reformation 1583 war ihm die Oude Kerk geweiht. 1804 wurde die neu gegründete katholische Gemeinde der Delfter Altstadt nach ihm benannt und 1972 die frühere Kapelle der Delfter Heilliggeist-Schwestern, die Sint Hippolytuskapel.
1821 wurde in Delft eine jüdische Gemeinde gegründet, die indes nie mehr als rund 200 Personen umfasste. 1840 entstand eine kleine jüdische Schule sowie ein Friedhof nahe der heutigen Vondelstraat und der Geertruyt van Oostenstraat, 1862 wurde am Koornmarkt 12 eine Synagoge errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten jüdischen Bewohner deportiert und ermordet. Nach dem Krieg wurde die Delfter jüdische Gemeinde mit Den Haag zusammen geführt. Die Synagoge ist erhalten geblieben, wurde renoviert und steht zu religiösen und kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung.[16]
Die moslemische Gemeinde Delfts umfasst rund 2.300 Personen. Die Sultan-Ahmed-Moschee an der Martinus Nijhofflaan 80 stammt aus dem Jahr 1995.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Stadtgründung und wirtschaftlicher Aufstieg (11. bis 16. Jahrhundert)
Die Gründung Delfts geht auf Gottfried den Buckligen zurück, der 1071 an einer erhöhten Stelle einen Fronhof errichtete und einen künstlichen Wasserlauf (die heutige oude delf) graben ließ, um der drohenden Versandung des Flüsschens Gantel zuvorzukommen. Von diesem Kanal leitet sich vermutlich der Stadtname ab: delf ist eine veraltete niederländische Bezeichnung für Gracht, abgeleitet von delven für „graben“. Aufgrund der bevorzugten Lage entwickelte sich der Ort früh zu einem wichtigen Warenumschlagplatz – wovon bis heute der große Marktplatz kündet. Am 15. April 1246 verlieh Graf Wilhelm II. Delft das Stadtrecht. Auch diverse Klöster und Konvente wurden ab jener Zeit im Stadtgebiet gegründet. Stadterweiterungen erfolgten 1268 und 1355. Damit erreichte das Stadtareal etwa seinen heutigen Umfang von rund 100 Hektar. Die Stadtbefestigung, von der das Osttor erhalten ist, entstand zwischen Ende des 14. und Mitte des 15. Jahrhunderts.
Anfangs basierte der lokale Handel auf Agrarprodukten, doch im Lauf des 13. Jahrhunderts kam der Tuchhandel hinzu. Zwischen etwa 1350 und 1500 herrschte das Brauwesen vor. Anfang des 16. Jahrhunderts verfügte Delft über rund 100 Brauereien. Um direkt am Seehandel teilnehmen zu können und an Rotterdam keine Zölle und Abgaben mehr zahlen zu müssen, wurde 1389 ein Kanal, die Delfshavense Schie, zur Nieuwe Maas gegraben, an dessen Mündung der Seehafen Delfshaven (heute ein Stadtteil von Rotterdam) entstand. Handel, Bierbrauerei und Webereien verhalfen der Stadt zu einer ersten Blütezeit.
Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Oude Kerk im ältesten Stadtbereich errichtet, 1351 wurde die Nieuwe Kerk am Marktplatz gegründet. Dort entstand auch im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts das Rathaus, das allerdings nach einem Brand 1618 bis 1620 wieder aufgebaut werden musste. Das Spital am Kormarkt entstand im 13. Jahrhundert und wurde 1252 erstmals erwähnt. 1271 entstand der Beginenhof.
Die kommunale Regierung bestand 1246 aus einem Schultheiß (Richter), sieben Schöffen und zwei Geschworenen oder Ratmannen. Nach 1400 amtierten vier Bürgermeister, um 1450 ein Vierzigerausschuss.
Vom 14. bis 17. Jahrhundert war Delft eine der größten Städte der Grafschaft Holland. Um 1400 verzeichnete sie etwa 6.500 Einwohner und war die drittgrößte Stadt nach Dordrecht (8.000) und Haarlem (7.000). Um 1560 hatte sich Amsterdam mit 28.000 Einwohnern zur größten Stadt unangefochten an die Spitze geschoben, aber auch Delft war auf rund 14.000 Einwohner angewachsen und teilte sich mit Leiden und Haarlem den zweiten Platz.[17]
Am 3. Mai 1536 zerstörte ein Stadtbrand, vermutlich verursacht durch einen Blitzeinschlag in die damals noch hölzerne Turmspitze der Nieuwe Kerk, weite Gebiete von Delft. 2.300 Häuser sollen in Flammen aufgegangen sein.
[Bearbeiten] Wirtschaftlicher Niedergang, Konfessionskriege, Haus Oranien
In wirtschaftliche Bedrängnis geriet die Stadt aufgrund des Konfliktes der Vereinigten Provinzen mit Spanien, der 1568 zum Achtzigjährigen Krieg führte und den niederländischen Städten, einschließlich Delft, den Handel zunehmend erschwerte und schließlich außerhalb der Provinz Holland nahezu unmöglich machte.[18] So waren von ursprünglich 140 Brauereien, die sich im Stadtgebiet niedergelassen hatten, 1514 noch 98 und 1645 gerade einmal 25 Betriebe verblieben. Ein weiterer Grund für den Niedergang der Brauereien ist auf den Umstand zurückzuführen, dass das Wasser der Schie, das zur Bierherstellung verwendet wurde, aufgrund der rapide zunehmenden Handelsschifffahrt so schlechte Qualität entwickelt hatte, dass es nicht mehr verwendet werden konnte. Ähnlich entwickelte sich die Tuchindustrie, auch wenn diese im 16. und 17. Jahrhundert nochmals Aufschwünge erlebte. Bis zu zwei Drittel aller Delfter Familien verloren durch diese Umbrüche ihren Lebensunterhalt.[19]
Während des Achtzigjährigen Kriegs wurde Delft zu einem Zentrum des Widerstandes gegen die Spanier, nachdem sich um 1570 bereits verschiedene Städte und Gebiete der Macht Spaniens zu entziehen gewusst hatten. 1572 verlegte Prinz Willem van Oranje seine Residenz nach Delft, und zwar in das ehemalige Sint Agathaklooster, das seither Prinsenhof genannt wird. In der zum Kloster gehörenden Kapelle wurde seine Tochter Louise Juliana 1576 getauft, und hier wurde Frederik Hendrik geboren. Der Prinz hatte seine Privaträume in der ersten Etage der Nordostecke des Gebäudes. Im März 1584 wurde von diesen Räumen eine Treppe zum darunter liegenden Esszimmer eingebaut. Dort erlag er am 10. Juli 1584 einem Attentat, die Einschusslöcher sind bis heute an der Stelle zu sehen. Wilhelm von Oranien wurde in der Nieuwe Kerk (Neue Kirche) bestattet, weil die bisherige Familiengrabstätte in Breda von den Spaniern besetzt war. Seither dient die Kirche als Grablege der Oranier. Bisher fanden 46 Mitglieder des niederländischen Königshauses hier ihre letzte Ruhestätte.
[Bearbeiten] Delft im „Goldenen Zeitalter“
Im 17. Jahrhundert, während des Goldenen Zeitalters der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, entwickelte sich Delft zu einem blühenden Handelsstützpunkt sowie einem kulturellen und wissenschaftlichen Mittelpunkt Hollands. Eine der sechs Kammern der VOC (Niederländischen Ostindien-Kompanie) wurde hier 1602 gegründet. Mit einer Flotte von mehr als hundert Schiffen, sechs Niederlassungen in den Niederlanden, Büros in Asien und Tausenden von Beschäftigten, wurde die Kompagnie zum größten Handelsunternehmen der Welt. Dreimal jährlich sandten Delfter Händler nun eine Handelsflotte gen Osten, die mit Gewürzen, Kaffee, Tee, chinesischem Porzellan und anderen Luxusgütern in die Republik der Vereinigten Provinzen und nach Delft zurückkehrten. 1631 erwarb die Kompanie einen Häuserkomplex an der Oude Delf, den sie zu einem Oostindisch Huis ausbauten und mit der Zeit um mehrere Packhäuser erweiterte, wozu auch das spätere Armamentarium (und heutiges Legermuseum) gehörte. An der Westvest entstand 1670 eine Reeperbahn, am Oostpoort wurde in großem Stil Holzteer in „Pechöfen“ gebrannt. In Delfshaven betrieb die VOC zunächst eine und ab 1702 drei Schiffswerften, auf denen bis 1813 insgesamt 111 Schiffe für die Kompanie gebaut wurden. 1672 ließ die Kompanie am Hafen ein imposantes Seemagazin (das 1746 abbrannte und durch ein einfacheres Gebäude ersetzt wurde) errichten und beschäftigte Hunderte von Hafenarbeitern.[20]
Die kulturelle Blüte der Stadt wurde durch den 1632 geborenen Jan Vermeer, berühmtester Sohn der Stadt und einer der bekanntesten Maler des Goldenen Zeitalters, gefestigt. Mit Künstlern wie Carel Fabritius und Pieter de Hooch bildete er die „Delfter Malerschule“, vereinigt in der Lukasgilde.
Nachdem sich Porzellan aus dem chinesischen Nanjing mit hohen Gewinnspannen auf dem europäischen Markt für Luxuswaren verkaufen ließ, begannen holländische Manufakturen, die exotischen Motive und die kostbare, feine Machart der Keramik mit Delfter Fayencen nachzuahmen. Die Delfter waren dabei am erfolgreichsten. Bald wurden zusätzlich typisch holländische Motive verwendet, die insbesondere den Bildern Vermeers und de Hoochs entnommen waren. Als ab 1657 wegen politischer Unruhen in China der Import gestört war, fand die Delfter Keramik in ganz Europa reißenden Absatz. Um 1600 hatte es gerade einmal zwei Töpfereien in Delft gegeben, 1660 waren es 26, und 1695 hatten sich 32 Porzellanmanufakturen in Delft niedergelassen, die durch den gleichzeitigen Niedergang der Brauereien und Webereien auf geeignete Räumlichkeiten und arbeitswillige Handwerker und Helfer zurückgreifen konnten und mehr als 1.600 Personen beschäftigten.[21]
Im 17. Jahrhundert war Delft Standort des Hauptwaffenlagers der holländischen Provinz-Streitkräfte und bewahrte das Secreet van Hollandt, „Hollands Geheimnis:“ Der Keller des ehemaligen Clarissenkloosters mitten in der Stadt, auf dem Paardenmarkt, wurde als geheime Lagerstätte für rund 40.000 Kilogramm Schießpulver genutzt. Im Oktober 1654 legte eine gewaltige Explosion die Stadt in Schutt und Asche. Hunderte fanden den Tod, ein Drittel aller Innenstadthäuser wurde zerstört. Zu den Opfern der Katastrophe, die unter der Bezeichnung „Delfter Donnerschlag“ in die Geschichte einging, gehörte Carel Fabritius, ein Rembrandt-Schüler. Das neue Waffenlager wurde 1660 sicherheitshalber „op de afstand van een kanonskogel“ – im Abstand einer Kanonenkugel, also deutlich außerhalb der Stadtmauern an der Schie (Schiekade 1) errichtet. Der Architekt war Pieter Post.[22]
Ab 1672, dem Rampjaar (Katastrophenjahr), ging es mit der blühenden Wirtschaft Delfts bergab. Neben den wirtschaftlichen Problemen, mit denen das ganze Land zu kämpfen hatte, wurde Delft als Handelszentrum zunehmend von Rotterdam und Den Haag verdrängt. Sogar die Fayencenherstellung geriet in eine tiefe Krise, da die Fertigung mit industriell gefertigter Massenware wie der britischen Wedgwoodware nicht mithalten konnte. Eine Werkstatt nach der anderen musste schließen. Einige wenige Betriebe konnten zunächst überleben, weil sie neben Gebrauchsporzellan zeitweise Ziegelsteine herstellten. Schließlich war nur noch die Manufaktur De Porceleyne Fles übrig geblieben.
[Bearbeiten] Industrialisierung bis zum Ersten Weltkrieg
Im Zeitalter der Industrialisierung lagen die Niederlande in ihrer industriellen Entwicklung im Vergleich zu ihren Nachbarländern zunächst deutlich zurück. Aufgrund des landesweiten Bedarfs an technischer Schulung wurde am 8. Januar 1842 von König Willem II. in Delft die Koninklijke Academie voor Burgelijke Ingenieurs (Königliche Akademie für bürgerliche Ingenieure) gegründet, der Vorläuferin der heutigen Technischen Universität), womit sich die Stadt rasch zu einem wichtigen wissenschaftlichen Standort entwickelte und technologieorientierte Unternehmen anlockte.
Hinzu kamen eine Reihe von Forschungsinstituten, wie das Institut für Normung (Nederlands Normalisatie Instituut) und das Eichamt (Nederlands Meetinstituut). Die Akademie zog in das leer stehende Gebäude der weggezogenen Artillerieschule. 1864 wurde die Akademie bereits wieder geschlossen, aber statt dessen eine Polytechnische school eröffnet, deren Schwerpunkt auf der Ausbildung von Architekten und Ingenieuren für den Straßen-, Wasser- und Schiffbau sowie dem Werkzeug- und Bergbau lag. Akademisches Niveau erhielt die Schule ab 1905, als sie zur Polytechnische Hogeschool wurde. Die feierliche Eröffnung durch Königin Wilhelmina fand am 10. Juli 1905 statt. 1986 erfolgte die Umbenennung in Technische Universiteit Delft.
Nach der Schleifung der Stadtmauern im 19. Jahrhundert, dem Bau eines Bahnhofs und dem Anschluss an das niederländische Schienennetz 1847 zog die Stadt neue Industriezweige an, hauptsächlich der Pharmazeutik und Chemie. Auch die Gist- en Spiritusfabriek (später Gist Brocades, heute Teil der Koninklijke DSM N.V. (DSM)), Calvé (Saucen und Erdnussbutter), das heute zur Unilever-Gruppe gehört und Delft Instruments (Optische Technologien, auch für militärische Zwecke) ließen sich in der Stadt nieder. Die Porzellanindustrie schickte sich aufgrund des einsetzenden Tourismus und der internationalen Nachfrage an, erneut einen hohen Stellenwert zu erreichen, auch wenn ihre Produkte oft als Massenware kritisiert werden.
Im 19. Jahrhundert ließ sich das Bürgertum vorrangig in großzügigen Herrenhäusern in der Innenstadt an der Spoorsingel oder Niewe Plantage nieder; um die beständig in die Stadt strebenden Arbeiter und ihre Familien unterzubringen, wurden ab 1878 Arbeiterwohnsiedlungen an der Stadtgrenze errichtet, wie das Westerkwartier und wenig später Vrijenban und Hof van Delft, die 1921 eingemeindet wurden. Der Inhaber der Gist- und Spiritusfabriek, Jacques van Marken, machte sich und seine Frau Agneta Matthes mit der Errichtung des nach ihr benannten Agnetaparks unsterblich, dessen Anlage als erster sozialer Wohnungsbau gilt, bei dem insbesondere auf hygienische Lebensbedingungen in einer grünen, lebenswerten Umgebung geachtet wurde.
Im Ersten Weltkrieg gab es in Delft wie in den gesamten neutral gebliebenen Niederlanden keine Kampfhandlungen. Von dem starken Flüchtlingsstrom, der einsetzte, als die Belgier nach der Einnahme ihres Landes durch die Deutschen am 4. August 1914 zu Hunderttausenden in das Nachbarland flüchteten, war neben Rotterdam und den anderen Großstädten auch Delft betroffen.[23]
[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg, Widerstand
Im Zweiten Weltkrieg griffen im Rahmen der deutschen Westoffensive am 10. Mai 1940 Verbände der deutschen Heeresgruppe B die neutralen Niederlande an. Ziel des Angriffs war die Festung Holland und die Einnahme des Regierungszentrums in Den Haag. Der direkt an der nordöstlichen Stadtgrenze von Delft befindliche Flugplatz Ypenburg spielte dabei eine wichtige Rolle. Mit einem Großeinsatz von Fallschirm- und Luftlandetruppen eroberten die Deutschen das Gelände, gleichzeitig griff die deutsche 18. Armee mit Bodentruppen an. Schon seit dem 17. Jahrhundert war Delft Standort der Staatse Affuitmakerij, einer staatlichen Lafettenmacherei, in der auch Handwaffen produziert wurden. Das weitläufige Fabrikgelände, in dem bis zu 500 Arbeiter beschäftigt waren, befand sich in der nördlichen Altstadt, ein Steinwurf von dem umkämpften Flugplatz entfernt. Deutsche Fallschirmspringer besetzten dieses sowie ein weiteres Industriegebiet an der Schie, wo sich ein Labor befand. Es kam zu Feuergefechten in der Stadt, von größeren Kämpfen oder einer Bombardierung blieb die Stadt indes verschont.[24] Angesichts der hoffnungslosen Aussicht auf alliierte Unterstützung und um nach der Bombardierung von Rotterdam ähnliche Katastrophen in weiteren Städten zu vermeiden, kapitulierten die Niederlande am 15. Mai. Rund 100 Delfter hatten in diesen Tagen ihr Leben verloren.[25]
Weiterhin kamen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs 190 Delfter Studenten ums Leben, die Widerstand gegen die deutsche Besatzung leisteten. Am 25. November 1940 fand der Delfter Studentenaufstand statt. Mit dem Aufstand protestierten Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Delfter Technischen Hochschule gegen die Entlassung aller in Behörden tätiger Juden. Von dieser Suspendierung waren auch Professoren, Dozenten und Assistenten der Delfter Hochschule betroffen. Der 27-jährige Student Frans van Hasselt begann nach der Bekanntgabe am 23. November 1940 einen Sitzstreik auf den Stufen des Fakultätsgebäudes. Ihm schlossen sich viele Studenten an und boykottierten die Vorlesungen der neu eingesetzten „arischen“ Professoren. Van Hasselt wurde verhaftet und in den Konzentrationslager Buchenwald verbracht, wo er am 10. November 1942 starb.[26]
Heute erinnern Delfter Straßennamen an Studenten und Professoren, die im Widerstand Opfer wurden, beispielsweise die Van Hasseltlaan, der Mekelweg oder die Schoenmakerstraat.[27][28]
Auch der Streik niederländischer Arbeiter vom Februar 1941 war unter anderem durch den Delfter Studentenaufstand eingeleitet worden. In den Niederlanden waren rund 300.000 Arbeiter arbeitslos; innerhalb eines Jahres waren die Lebensmittelpreise um mehr als 36 % gestiegen, was die Not weiter zuspitzte. Am 25. Februar brach in den Betrieben Amsterdams spontan ein Streik aus; die Arbeiter protestierten gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen und forderten ein Ende der Judenverfolgung. Am 26. Februar dehnte sich der Massenstreik auf weite Teile Randstads, inklusive Delft aus.[29]
[Bearbeiten] Jüngste Geschichte
Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich Delft weiter räumlich aus, vor allem in südlicher Richtung. Delft-Zuidwest mit Poptahof, Voorhof und Buitenhof entstand als völlig neuer Stadtteil auf einem von Schipluiden erworbenen ausgedehnten Poldergebiet. Gleichzeitig entstand im Osten Delftse Hout als Naturschutzgebiet, grüne Lunge und Naherholungsmöglichkeit. In den 1980er Jahren wurde der Tanthof als Wohnbaugebiet entwickelt.
Seit 1999 plant die Gemeinde den Bau eines neuen Gleistunnels und eines neuen Bahnhofsgebäudes. Auf dem 40 Hektar großen Bahnhofsgelände sollen weiterhin 1.500 Wohnungen und Büros sowie ein Park entstehen. Mit den ersten Erdarbeiten wurde Ende 2008 begonnen, der Abschluss der Bauarbeiten ist für 2010 geplant.[30]
In den letzten Jahren gab es in der Stadt verschiedene Ereignisse rund um die Königsfamilie: Am 15. Oktober 2002 wurde Claus von Amsberg, Prinz der Niederlande und Ehemann von Königin Beatrix, im Grabkeller der Neuen Kirche beigesetzt, am 30. März 2004 folgte ihm Königin Juliana, Mutter von Königin Beatrix und am 11. Dezember 2004 Prinz Bernhard, der Vater von Königin Beatrix. Am 24. April 2004 wurden Prinz Johan Friso und Mabel Wisse Smit in der Alten Kirche getraut.
Am 13. Mai 2008 brannte das von der Fakultät Baukunde genutzte Hochhaus der TU Delft innerhalb von 12 Stunden bis auf die Grundmauern ab.
[Bearbeiten] Politik
Delft verfügt, typisch für die Niederlande, über eine ausgedehnte Parteienlandschaft. Bei der Kommunalwahl von 2006 stellten sich 18 politische Parteien zur Wahl, von denen zehn in den Gemeinderat gewählt wurden. In der traditionell sozialdemokratisch regierten Stadt konnte sich seit 2002 auch die rechts einzuschätzende Graswurzelbewegung der Leefbaren (niederländisch für „lebenswert“) etablieren und musste bei den Wahlen von 2006 keine so starken Verluste hinnehmen, wie in vielen anderen Gemeinden.
In der niederländischen Verwaltungsstruktur stellt der gemeenteraad (Gemeinderat) das höchste Verwaltungsorgan der Gemeinde dar, gefolgt von dem college van burgemeester en wethouders (Kollegium aus Bürgermeister und Beigeordneten), das die Geschäftsführung der Gemeinde erledigt. Drittes Organ ist der Bürgermeister, der nicht vom Volk gewählt, sondern von der Krone ernannt wird und gemeinsam mit den Beigeordneten die Verwaltung leitet.
Im übrigen ist Delft der Hauptsitz des Wasser- und Bodenverbandes Delfland (Hoogheemraadschap Delfland), außerdem Teil des Umlandverbands Haaglanden (kaderwetgebied Haaglanden).
[Bearbeiten] Gemeinderat
Der Delfter Gemeinderat umfasst 37 Sitze. Am 7. März 2006 fanden die letzten Gemeinderatswahlen statt, bei der die sozialdemokratische PvdA als eindeutiger Sieger hervorging; sie konnte 11 Sitze gewinnen, 4 mehr als 2002. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 58 Prozent; eine niedrige Beteiligung an Kommunalwahlen ist indes traditionell.
| Partei | Wahl 1994 Sitze/% | Wahl 1998 Sitze/% | Wahl 2002 Sitze/% | Wahl 2006 Sitze/% |
|---|---|---|---|---|
| Partij van de Arbeid (PvdA) | 7/17,6 % | 10/24,4% | 7/17,7% | 11/24,9 % |
| Leefbaar Delft | -/- | -/- | 6/15,7 % | 4/9,6 % |
| Christen Democratisch Appèl (CDA) | 6/15,6 % | 6/14,6 % | 6/15,2 % | 5/11,7 % |
| Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) | 4/11,2% | 6/16,2% | 5/13,1% | 4/11,1% |
| GroenLinks (GL) | 4/10,0% | 4 /11,5% | 4/10,7% | 4/10,5% |
| Studenten Techniek in Politiek (STIP) | 1/4,6% | 2/5,8% | 3/8,2% | 2/7,0% |
| Stadsbelangen | 5/14,0% | 3/7,6% | 3/7,6% | 2/6,3% |
| Democraten 66 (D66) | 6/14,5% | 3/7,8% | 1/4,7% | 1/4,1% |
| ChristenUnie/Staatkundig Gereformeerde Partij (SGP) | 1/4,0% | 1/4,1% | 1/3,6% | 1/3,6% |
| Socialistische Partij (SP) | 1/2,8% | 2/6,3% | 1/3,5% | 3/8,8% |
| Centrum Democraten (CD) | 2/5,9% | -/1,7 % | -/- | -/- |
| Übrige | -/- | -/- | -/- | -/2,3 % |
| Total | 37/100 % | 37/100 % | 37/100 % | 37/100 % |
Quelle: Statistiken der Gemeinde Delft, Stand Januar 2007, Kerncijfers 2007: Verkiezingen[31]
[Bearbeiten] Bürgermeister
Bürgermeister ist seit dem 15. Juli 2004 der Jurist Bas Verkerk (* 1958). Er ist Mitglied der VVD und der erste Delfter Bürgermeister, den diese Partei stellt. Er folgte Hein van Oorschot (* 1954) von den Democraten 66 (D66) nach, der das Amt sieben Jahre innehatte.
Der erste überlieferte Bürgermeister von Delft war 1454 Jan Pietersz van Buijten aus einem wohlhabenden und einflussreichen Naaldwijker Geschlecht.
[Bearbeiten] Wappen und Flagge
Das Delfter Wappen besteht aus einem silbernen Schild, belegt mit einem schwarzen Pfahl, der mit oder ohne silberne Wellen ausgeführt sein kann. Dieser Pfahl steht für eine Gracht, dessen veraltete Bezeichnung delft ist. Das einfache Wappen wurde 1816 durch den Hoge raad van de Adel offiziell festgelegt.
Die Blasonierung lautet:
- „Van zilver beladen met een pal van sabel. Het wapen gedekt met eene kroon met 5 fleurons, alles van goud, en vastgehouden door 2 klimmende leeuwen van keel.“[32]
- (Silbern, belegt mit einem schwarzen Pfahl. Dem Wappen aufgesetzt ist eine goldene Krone mit 5 ornamentalen Blättern, gehalten von 2 hersehenden steigenden roten Löwen.)
Die Gemeindeflagge zeigt drei horizontale Bahnen, von denen die mittlere schwarz und die äußeren weiß sind. Sie wurde erst 1996 durch den Gemeinderat offiziell eingeführt, war aber bereits seit Jahrhunderten in Gebrauch, beispielsweise führten die Delfter VOC-Schiffe sie.
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
Delft unterhält Städtepartnerschaften zu den folgenden Städten:
Neben der 1986 mit Freiberg in Sachsen in der damaligen DDR eingegangenen Städtepartnerschaft bestand schon seit 1950 eine Städtepartnerschaft mit Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen). Letztere wurde im Juli 2000 nach der Deutschen Wiedervereinigung einvernehmlich aufgelöst, hauptsächlich, weil sich Delft, auf der Suche nach Erfahrungsaustausch in den Bereichen von Wirtschaft, Wissenschaft und neuen Technologien, auf Freiberg als einer aufstrebenden Universitätsstadt aus den neuen Bundesländern konzentrieren wollte.[33]
[Bearbeiten] Kultur, Sehenswürdigkeiten und Freizeit
[Bearbeiten] Bauwerke und Plätze
Die Ansicht der Delfter Altstadt stammt nach zwei Katastrophen, dem großen Stadtbrand von 1536 und der Zerstörung weiter Teile der Innenstadt durch die Explosion des Schießpulverlagers 1654, in weiten Teilen unverändert aus dem späten 17. Jahrhundert, aus der Zeit, als Vermeer seine Ansicht von Delft malte.
Zentral liegt der große Marktplatz, wo Donnerstags Markttag ist und wo die Nieuwe Kerk an der östlichen und das Stadhuis an der westlichen Seite liegen. Die beiden anderen Seiten sind von schönen Giebelhäusern eingerahmt, die Restaurants, Cafés, Geschäfte und Souvenirläden beherbergen.
Mit dem Bau der Nieuwe Kerk wurde im 14. Jahrhundert begonnen. Ihr schlanker Turm – in Vermeers Bild in der Mitte hinten zu erkennen – fügt sich harmonisch in das Gesamtbild der historischen Innenstadt ein, obwohl er in mehreren Etappen vom Ende des 14. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut und mehrfach durch Brände zerstört wurde. In der Kirche befindet sich das Mausoleum Wilhelms von Oranien, des Gründers der niederländischen Republik. Mit dem Bau begann Hendrick de Keyser 1614, sein Sohn Pieter vollendete ihn acht Jahre später. Die Nieuwe Kerk dient als Grabkirche des Hauses Oranien; im öffentlich nicht zugänglichen Grabkeller werden traditionell die Mitglieder des niederländischen Königshauses beigesetzt. Vor der Kirche steht ein Denkmal aus dem 18. Jahrhundert, mit dem des „Vatera des Völkerrechts“ Hugo Grotius gedacht wird, der 1583 am Nieuwe Langedijk in Delft geboren wurde.
Vermeer wuchs am Markt auf, in der von seiner Mutter betriebenen Schenke Mechelen, die sich hinter der Kirche an der Voldersgracht 25 befand. Später zog er mit seiner eigenen Familie in ein Haus am Oude Langedijk, auf der anderen Seite der Kirche. Beide Häuser existieren nicht mehr.[34]
An der Voldersgracht 1 befindet sich die Korenbeurs (Getreidebörse), wo von 1870 bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Getreidebörse untergebracht war, der das Gebäude seinen Namen verdankt. Heute befindet sich in dem Gebäude ein gemeinnütziger Jugendverein. Früher diente der Platz einer Vleeshal (Fleischhalle), dessen Keller zur Lagerung des Fleisches zwischen 1295 und 1350 erbaut wurde. Darüber befand sich eine Holzhalle, in dem der Fleischhandel stattfand. 1650 wurde das Holzgebäude durch das heutige, von dem Architekten Hendrik Swaef entworfene klassizistische Gebäude ersetzt.
Gegenüber der Nieuwe Kerk steht das Stadhuis (Rathaus), ein 1620 von Hendrick de Keyser erbauter Renaissance-Bau mit Löwenköpfen – dem Wahrzeichen der seinerzeit jungen niederländischen Republik. Der Turm, Nieuwe Steen (neuer Stein) genannt, stammt von dem mittelalterlichen Rathaus, das 1618 vollständig ausbrannte.
Hinter dem Rathaus liegt de Waag, die frühere Stadtwaage. Eines der wichtigsten mit der Verleihung des Stadtrechts verbundenen Rechte, das Delft 1246 erhielt, war der Betrieb einer Stadtwaage. Nach einer städtischen Verordnung waren Händler verpflichtet, Gewichte, die schwerer als zehn Pfund waren, auf der Stadtwaage kontrollieren zu lassen. Dadurch wurde der ehrliche Handel gefördert, was für die Entwicklung von Delft als Markt- und Handelsort notwendig war. Die Waage wurde vermutlich nach dem Stadtbrand von 1536 an diesem Standort eröffnet. 1644 wurde sie um ein Nachbarhaus erweitert. Diese Erweiterung ist in den heutigen Gasträumen noch zu sehen. Die Waage wurde bis 1960 genutzt, danach war bis 1995 in dem Gebäude ein Theater untergebracht. Seit 1996 befindet sich darin das Stadtcafé De Waag.
Weiter westlich, vorbei an den Visbanken auf der Kaakbrug, zwischen den Cameretten zum Wijnhaven und zum Botermarkt, liegt Oude Delft, das älteste Wohngebiet und vornehmste Viertel im Zentrum. Es wird von der Gracht Oude Delft, der Voorstraat, dem Virtel Hypolytusbuurt und dem Koornmarkt begrenzt.
Das Renaissance-Haus an der Oude Delft 39 mit den Buchstaben V O C ist das Oostindische Huis, ab 1602 Sitz der Delfter Kammer der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC). Seit 1989 befinden sich in dem sanierten Gebäude unter der Hausbezeichnung „Oostindiëplaats“ luxuriöse Privatwohnungen. Das verwitterte Haus am Oude Delft 167 wurde 1510 im üppigen Stil der Brabanter Gotik erbaut und ist eines der wenigen Häuser, das die große Feuersbrunst von 1536 unbeschadet überstand. Das Wappen von Savoyen von 1565 ziert das Haus an der Oude Delft 169. Die Brücke am Ende der Oude Delft markiert die Stelle eines ehemaligen Stadttors, des Rotterdamsepoort, das noch im Vordergrund von Vermeers Ansicht von Delft zu sehen ist. Heute ist nur noch eines der acht mittelalterlichen Tore Delfts – der Oostpoort – erhalten.
Ganz in der Nähe befindet sich der Prinsenhof, das frühere Sint-Agathaklooster an der St. Agathaplein 1, wo Wilhelm von Oranien residierte und 1584 ermordet wurde. Seit 1951 ist im Prinsenhof das Stedelijk Museum untergebracht, das unter anderem eine ausgedehnte Sammlung von topografischen Karten, mittelalterlichen Skulpturen und Delfter Porzellan zeigt und eine Dauerausstellung zum Goldenen Zeitalter unterhält. Zu dem Museum gehört die burgundisch-gotische Nonnenklosteranlage mit alten Kachelböden und bleiverglasten Fenstern, die auf eine romantische Gartenanlage blicken. Im dortigen Moordzaal können die Einschlaglöcher der Kugeln aus der Waffe von Balthasar Gérard besichtigt werden, die auf Wilhelm von Oranien abgefeuert wurden.
Gegenüber des Prinsenhofes liegt die Oude Kerk (Alte Kirche) mit ihrem nach Westen geneigten „schiefen Turm“, im Volksmund de oude Jan genannt. Sie wurde im 14. und 15. Jahrhundert erbaut und im 16. Jahrhundert von Anthonis Keldermans durch ein gotisches Querschiff erweitert. In der Oude Kerk sind unter anderen der berühmte Naturwissenschaftler Antoni van Leeuwenhoek, die beiden Seefahrer Maarten H. Tromp und Piet Heyn und Delfts berühmtester Sohn, der Maler Jan Vermeer begraben. Die Kirche hat drei Orgeln und eine fast 9.000 Kilogramm schwere Glocke, die „Bourdon“ von 1570, die aus Sicherheitsgründen nur zu besonderen Anlässen geläutet wird.
Am südlichen Ende der Oude Delft liegen der Zuidwal, die Vliet und ihr Hafenbecken de Kolk. Auf der anderen Seite des Hafens liegt die Hooikade, der Platz, von wo aus Vermeer seine Ansicht von Delft gemalt hat.
An der Korte Geer 1 befindet sich ein massiver Backsteinbau im Wasser, das frühere Waffenarsenal der Republiken Holland und Westfriesland, Armentarium

