Democrazia Cristiana

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Democrazia Cristiana (DC) (ital. für Christliche Demokratie) war die wichtigste politische Partei Italiens zwischen 1945 und 1993 und stellte bis dahin fast alle Ministerpräsidenten. Sie verstand sich als gemäßigte katholische Volkspartei.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gründung und politische Grundlinien

Die Democrazia Cristiana wurde 1942 am Ende der vent'anni (20 Jahre) der Regierung Mussolini von einigen christlichen Bewegungen gegründet: von Mitgliedern der PPI (Partito Popolare Italiano) des Don Luigi Sturzo, von der Azione Cattolica sowie der Federazione Universitaria Cattolica Italiana (FUCI). Zu ihren Mitbegründern gehörten einige spätere Ministerpräsidenten:

Inhaltliche Grundlagen waren der Katholizismus, die christliche Soziallehre und der Antikommunismus. Die Democrazia Cristiana war nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1993 die dominierende Partei des Landes. Sie war in dieser Zeit an jeder Regierung beteiligt und stellte fast alle Ministerpräsidenten.

[Bearbeiten] Regierungen unter der DC

Die Democrazia Cristiana ging häufig wechselnde Koalitionen von bis zu fünf Parteien ein, die im Regelfall als Mitte-Links einzustufen waren. Ihre Schwerpunkte lagen in der politischen Mitte mit Tendenzen nach links und rechts, je nachdem welche Strömung in der Sammelpartei sich gerade durchsetzen konnte oder den stärksten Flügel stellte.

Die vier häufigsten Koalitionspartner der DC waren die Italienische Sozialistische Partei (PSI), die Italienische Sozialdemokratische Partei (PSDI ), die Republikaner (PRI) und die Liberalen (PLI). Diese vor allem in der 1980er-Jahren bestehende Fünferkoalition wurde als Pentapartito bezeichnet. In den 1970ern mussten sich manche DC-Regierungen im Rahmen des „Historischen Kompromisses“ von der kommunistischen Partito Comunista Italiano (PCI) tolerieren lassen, weil sich verschiedene Regierungsverhandlungen zerschlugen.

[Bearbeiten] Krise und Auflösung der DC

Nachdem die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft 1992 unter dem Titel Mani pulite (Saubere Hände, entspr. „Weiße Weste“) zahlreichen hohen Amtsträgern der DC und der PSI Verstrickungen in Korruptionsfälle (siehe auch Tangentopoli) nachgewiesen hatten, geriet die DC in eine schwere Krise.

[Bearbeiten] Unmittelbare Ableger der DC

Am 18. Januar 1994 beschloss die Führung, den Namen der Partei wieder auf Partito Popolare Italiano (PPI) zu ändern - jene Partei, aus der die DC 1942 hervorgegangen war. Daraufhin spalteten sich zwei größere Gruppen ab: Mitglieder des konservativeren Lagers bildeten unter Führung von Pier Ferdinando Casini die CCD (Centro Cristiano Democratico), ein linker Flügel der PPI gründete die CS (Cristiano Sociali), die im Bündnis der Linksdemokraten (Democratici di Sinistra) aufgingen. Aus dem PPI ging dann die Margherita hervor. Keine dieser Parteien existiert mehr.

Folgende, heute noch bestehende Parteien, bezeichnen sich ausdrücklich als politische Erben der Democrazia Cristiana:

  • UDC, geführt von Pier Ferdinando Casini und Rocco Buttiglione, langjährige Verbündete Berlusconis und nun mehr Oppositionspartei;
  • Democrazia Cristiana per le Autonomie: Sie stellt im Kabinett Berlusconi den Minister für die Umsetzung des Regierungsprogrammes;
  • Democrazia Cristiana: Diese Kleinstpartei trägt denselben Namen wie die glorreiche DC, zumal ihr Vorsitzender Giuseppe Pizza, Unterstaatssekretär im Kabinett Berlusconi, nach einem langen Rechtsstreit die Namensrechte innehat.
  • Popolari-UDEUR, angeführt von Clemente Mastella, sind im Nationalparlament nicht mehr vertreten, sehr wohl aber innerhalb von Mitte-Links-Bündnissen in zahlreichen Regionalparlamenten.

[Bearbeiten] Das DC-Erbe in anderen Parteien

Nach der Fusion der Margherita mit den Linksdemokraten finden sich zahlreiche ehemalige Christdemokraten im Partito Democratico wieder. Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Vorsitzende der EU-Kommission (1999-2004) Romano Prodi, selber DC-Mitglied, gehört heute ebenfalls zum christdemokratischen Flügel des Partito Democratico.

Auch in Berlusconis Popolo della Libertà haben zahlreiche ehemalige christdemokratischen Politiker und Wähler ihre neue politische Heimat gefunden. Zudem sind die meisten Politiker der Regierungspartei Movimento per l’Autonomia, unter ihnen der Präsident der Region Sizilien Raffaele Lombardo, ehemalige Christdemokraten.

[Bearbeiten] Literatur

  • Igino Giordani, Alcide De Gasperi il ricostruttore, Roma, Edizioni Cinque Lune, 1955.
  • Giulio Andreotti, De Gasperi e il suo tempo, Milano, Mondadori, 1956.
  • Pietro Scoppola, La proposta politica di De Gasperi, Bologna, Il Mulino, 1977.
  • Nico Perrone, Il segno della DC, Bari, Dedalo, 2002.
  • Luciano Radi, La Dc da De Gasperi a Fanfani, Soveria Manelli, Rubbettino, 2005.

Siehe auch:

Persönliche Werkzeuge