Digital Object Identifier

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Ein Digital Object Identifier (DOI; deutsch Digitaler Objektbezeichner) soll ein eindeutiger und dauerhafter digitaler Identifikator für physische, digitale oder abstrakte Objekte sein. Er wird vor allem für Online-Artikel wissenschaftlicher Fachzeitschriften verwendet. Verantwortlich für Integrität und Dauerhaftigkeit eines DOI ist die Organisation, die auch die Verantwortung für das jeweilige Objekt trägt.[1] Das DOI-System baut auf dem Handle-System auf[2][3][4] und ist vereinfacht ausgedrückt mit ISBN und ISSN vergleichbar, soll jedoch durch eine integrierte Lokalisierungsfunktion darüber hinaus gehen.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DOIs haben den Zweck, mit ihnen dauerhaft auf digitale Objekte verweisen zu können.

Dies wird erreicht, indem jedem Objekt ein einzigartiger und dauerhaft gültiger Name (Identifikator) zugewiesen wird. Anhand dessen kann aus einer zentralen Datenbank die URL abgefragt werden, unter der das Objekt derzeit zugänglich ist. Es können auch mehrere URLs hinterlegt werden; es werden dann beim Zugriff auf das Objekt zunächst alle URLs aufgelistet. Mit dem DOI werden Metadaten über das referenzierte Objekt gespeichert. Die Metadaten müssen dem Schema von Datacite[5] entsprechen. Auch die letzte Version der Metadaten zu dem Objekt kann abgefragt werden.

Eine technische Sicherstellung der Integrität ist nicht vorgesehen. Bis zur gegenwärtig aktuellen Version 4 des Metadaten-Schemas (Stand: Sept. 2017) ist keine Prüfsumme vorgesehen.[6] Die Metadaten können beliebig geändert werden, eine Auflistung der Änderungshistorie ist nicht vorgesehen.[7] Nach der Vergabe eines DOI kann ein digitales Objekt beliebig verändert oder ausgetauscht werden.

DOIs sollen das Problem von toten Links lösen, indem Objekte nach der Änderung ihrer URL trotzdem noch unter ihrer DOI zugänglich bleiben. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Eintrag in der zentralen Datenbank bei jeder Änderung einer URL aktualisiert wird. Die Verantwortung für die Aktualisierung liegt bei der Organisation, die auch für die Speicherung des digitalen Objekts und die URL die Verantwortung trägt.

Die zentrale Datenbank, in der die Identifikatoren und URLs gespeichert werden, wird von der International DOI Foundation betrieben. Die Betreiber speichern laut Datenschutzerklärung Folgendes: “Our logs collect and store only domain names or IP addresses, dates and times of visits, and the pages visited.[8]

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Struktur und der Aufbau des Digital Object Identifiers werden in der internationalen Norm ISO 26324:2012[9] beschrieben. DOI-Namen beginnen immer mit 10. und haben die Form 10.ORGANISATION/ID, wobei Organisationen (vor allem Verlage) jeweils eine eigene Nummer zugewiesen bekommen (beginnend bei 1000) und die ID selbst vergeben können. Verschiedene Organisationen setzen hier unterschiedliche Schemata ein: Manche benutzen die ISBN, mitunter werden Objekte schlichtweg durchnummeriert. Die Groß- oder Kleinschreibung von Buchstaben innerhalb von DOI-Namen ist irrelevant.

Als Uniform Resource Identifier werden DOIs die Schema-Kennzeichnung doi: vorangestellt, so dass sie die Form doi:10.ORGANISATION/ID haben.

In einer Publikation, die durch einen DOI identifiziert ist (z. B. doi:10.1371/journal.pbio.0020449), können weitere DOI wiederum Teile identifizieren; so ist im angegebenen Beispiel eine Abbildung zu finden mit doi:10.1371/journal.pbio.0020449.g001. Dies findet man besonders oft bei Artikeln in einem Journal oder Kapiteln in einem Buch. Man kann aber nicht allgemein davon ausgehen, dass man eine DOI an einem Punkt oder Schrägstrich kürzen kann, um zu einem derartigen „übergeordneten Objekt“ zu gelangen, da es hier kein festes Schema gibt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der DOI 10.1000/182 identifiziert das Dokument 182 bei der Organisation 1000 (der DOI-Stiftung selbst). Es handelt sich hierbei um das DOI-Handbuch. Es kann im Internet gefunden werden, indem man entweder den DOI in die dafür vorgesehene Eingabemaske (DOI Resolver) der DOI-Stiftung einträgt oder indem man direkt den URL

https://doi.org/10.1000/182

aufruft. Dazu entfernt man ein eventuell vorhandenes Präfix doi: und ersetzt es durch den URL des DOI-Servers https://dx.doi.org/. Die so gefundene Webseite ist aber typischerweise nicht das referenzierte Dokument selbst, sondern eine Seite über das entsprechende Dokument, mit der Möglichkeit, es herunterzuladen oder zu erwerben.

Auswahl registrierter Organisationen[10]
DOI-Präfix Besitzer
10.1016 Elsevier
10.1055 Thieme Verlagsgruppe
10.1038 Nature Publishing Group
10.1007 Springer-Verlag
10.1098 Royal Society
10.1111 John Wiley & Sons: Blackwell Publishing
10.1093 Oxford University Press
10.1002 John Wiley & Sons: Wiley-Blackwell
10.1021 American Chemical Society
10.1136 American Association for the Advancement of Science (AAAS)
10.1080 Informa UK (Taylor & Francis)
10.1128 American Society for Microbiology
10.1001 American Medical Association
10.1088 Institute of Physics
10.1073 National Academy of Sciences
10.1063 American Institute of Physics
10.1109 IEEE

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl mancherorts empfohlen wird, DOIs als volle URL anzugeben, ist genau genommen nur der Teil, der mit 10. beginnt, der DOI. Der Teil davor ist ein HTTP-Proxy, den man DOI-Resolver nennt. DOI-Resolver lösen einen DOI auf, d. h., sie leiten den Webbrowser oder einen anderen Web-Client auf eine andere Website um, indem sie eine HTTP-Antwort senden, die die Kopfzeile Location: gefolgt von einer Ziel-URL enthält.

Als DOI-Resolver muss keineswegs immer der Resolver der IDF (http://dx.doi.org/ oder http://doi.org/) verwendet werden, z.B. kann auch hdl.handle.net benutzt werden.[11] Daneben bieten einige DOI-Registrierungsagenturen eigene DOI-Resolver an, z. B. die mEDRA[12] und das PANGAEA Projekt.[13]

Der experimentelle DOI-Resolver doai.io versucht mittels der wissenschaftlichen Suchmaschine BASE eine frei verfügbare Version des referenzierten Dokuments zu finden, und leitet im Erfolgsfall zu dieser um.[14] Wie jede Suchmaschine kann auch BASE nicht immer die vollständige Aktualität des Suchindex sicherstellen. Es kann daher vorkommen, dass „tote“ Links ausgeliefert werden.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die meisten wissenschaftlichen Artikel seit dem Jahr 2000, teilweise aber auch bis zur Gründung der Zeitschriften zurückgehend, sind DOIs verfügbar. Der DOI eines Artikels kann bei dem dafür zuständigen Verlag ermittelt werden und findet sich meist auf der offiziellen Webseite des Verlages zu dem Artikel.

Manche Literaturverwaltungsprogramme können per Eingabe des DOI die Metadaten eines Artikels importieren. Wurde zu einem Artikel ein DOI angegeben, so kann die zugehörige Webseite oft direkt angezeigt werden. Wikimedia-Projekte wie Wikipedia verwenden DOIs in Quellenangaben und als Wikidata Property:P356.

Die Technische Informationsbibliothek nutzte 2005 als erste Institution DOIs für die Registrierung von Forschungsdatensätzen.[15] Die US-amerikanische Entertainment Identifier Registry EIDR verwendet das DOI-Präfix 10.5240.[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vertrag über die Bereitstellung von Digital Object Identifiers (DOI). TIB Hannover, abgerufen am 24. September 2017 (PDF). Seite 2, Abschnitt 3: Rechte und Pflichten des DZ [Datenzentrums]
  2. Sam Sun, Larry Lannom, Brian Boesch: Handle System Overview. RFC 3650, November 2003.
  3. Sam Sun, Sean Reilly, Larry Lannom: Handle System Namespace and Service Definition. RFC 3651, November 2003.
  4. Sam Sun, Sean Reilly, Larry Lannom, Jason Petrone: Handle System Protocol (ver 2.1) Specification. RFC 3652, November 2003.
  5. DataCite Metadata Schema. DataCite, Metadata Working Group, abgerufen am 24. September 2017 (englisch).
  6. DataCite Metadata Schema 4.0. DataCite, Metadata Working Group, 19. September 2016, abgerufen am 24. September 2017 (englisch).
  7. DataCite API v2 for datacentres. DataCite, abgerufen am 24. September 2017 (englisch).
  8. Privacy Policy. International DOI Foundation, abgerufen am 24. Juli 2017 (englisch).
  9. ISO 26324:2012. Information and documentation -- Digital object identifier system. im ISO-Katalog
  10. The Topmost Cited DOIs on Wikipedia (Memento vom 25. Juni 2015 im Internet Archive), 10. April 2014
  11. Handle.net. In: http://www.handle.net/. Corporation for National Research Initiatives, abgerufen am 18. September 2017 (englisch, Beispiel: https://hdl.handle.net/10.1000/182).
  12. doi.medra.org, multilingual European Registration Agency of DOI.
  13. doi.pangaea.de, Data Publisher for Earth & Environmental Science mit Sitz in Deutschland.
  14. doai.io, Digital Open Access Identifier, Frankreich.
  15. H. Neuroth, A. Oßwald, R. Scheffel, S. Strathmann, M. Jehn: nestor Handbuch: Eine kleine Enzyklopädie der digitalen Langzeitarchivierung (Version 2.0), 2009: Kapitel 9.4.2 „Der Digital Object Identifier (DOI)“.
  16. About EIDR. In: http://eidr.org. Entertainment Identifier Registry, abgerufen am 18. September 2017 (englisch, Wikidata Property:P2704).