Dobrudscha

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Dobrudscha – in Bulgarien gelb, in Rumänien orange
Ethnische Karte der Donaumündung aus 1861 (siehe Legende)
Ethnien in der rumänischen Dobrudscha um 1903
ethnografische Karte der Dobrudscha (1918)

Die Dobrudscha (rumänisch Dobrogea, bulgarisch Добруджа [Dobrudža], türkisch Dobruca; auch Transdanubien) ist eine historische Landschaft in Südost-Rumänien und Nordost-Bulgarien zwischen dem Unterlauf der Donau und dem Schwarzem Meer. Die Dobrudscha ist der nordöstliche Zipfel der Balkanhalbinsel.

Dieses rumänisch-bulgarische Grenzgebiet umfasst eine Fläche von 23.262 Quadratkilometer und hat 1.328.860 Einwohner (971.643 in Rumänien und 357.217 in Bulgarien). Der rumänische Flächenanteil beträgt 15.553 Quadratkilometer. Die Dobrudscha ist im Ţuţuiatul (Greci) im Nordwesten 467 Meter hoch; südlich der Senke Cernavodă-Constanţa ist sie eine lössbedeckte, fruchtbare Steppentafel, die bis zu 200 Meter hoch aufragt.

In der Dobrudscha lebte im 19. Jahrhundert eine ethnisch gemischte Bevölkerung aus Bulgaren, Türken, Rumänen, Tataren, Lipowaner, Haholen (Ukrainer), Gagausen und Dobrudschadeutschen.

Die größten Städte sind Constanţa und Tulcea (in Rumänien) und Dobritsch und Silistra (in Bulgarien).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Die historische Landschaft Dobrudscha läßt sich in Norddobrudscha, derjenige Teil der Landschaft der sich in Rumänien befindet; und in Süddobrudscha, der Teil der sich in Bulgarien befindet unterteilen.

[Bearbeiten] Norddobrudscha

Die Norddobrudscha (rumänisch: Dobrogea de Nord, bulgarisch: Северна Добруджа) ist heute ein Gebiet in Südost-Rumänien und der einzige Zugang des Landes zum Schwarzen Meer. Das Gebiet ist 15.570 Quadratkilometer (6,5% der Fläche Rumäniens) groß und hat eine Bevölkerung von 973.811 Einwohnern.

Die Norddobrudscha ist ein flacher Küstenstreifen mit vielen Sumpfgebieten im nördlichen Teil und den Limanen-Seen der Donau. Weiter im Landesinneren ist das Gebiet leicht hügelig und bewaldet.

Die Norddobrudscha umfasst zwei rumänische Verwaltungsbezirke:

  1. Bezirk Constanţa
  2. Bezirk Tulcea

[Bearbeiten] Süddobrudscha

Die Süddobrudscha (bulgarisch: Южна Добруджа, rumänisch: Cadrilater oder Dobrogea de Sud) ist heute ein Gebiet in Nordost-Bulgarien. Die Süddobrudscha hat eine Fläche von 7.565 Quadratkilometern (6,8% der Fläche Bulgariens) und eine Bevölkerungszahl von 358.000. Der westliche Teil der Süddobrudscha ist hügelig, der östliche Teil ist eben und trocken.

Die Süddobrudscha umfasst drei bulgarische Verwaltungsbezirke:

  • Oblast Warna: nur die Gemeinde Aksakowo liegt in der Dobrudscha
  • Oblast Dobritsch mit seiner größten Stadt Dobritsch: liegt mit allen seinen Gemeinden in der Dobrudscha.
  • Oblast Silistra: mit seiner größten Stadt Silistra: liegt mit den drei Gemeinden Silistra (Силистра), Alfatar (Алфатар) und Kainardscha (Кайнарджа) in der Dobrudscha.

Im Mittel liegt die Süddobrudscha 230 Meter über dem Meeresspiegel. Die Küste am Schwarzen Meer ist auf weiten Strecken Steilufer. Typisch und einmalig ist der Wechsel von Feuchtgebieten und Steppengebieten.

[Bearbeiten] Geschichte

Karte des Despotats Dobrudscha
Historische Grenzverläufe in der Dobrudscha

In der Antike gab es auf dem Gebiet der Dobrudscha griechische Kolonien. Es entstanden befestigte Städte wie Tomis, Callatis und Histria. Anschließend gehörte das Gebiet dem Dakerreich von Burebista. Die Römer eroberten die Region im 1. Jh. n. Chr. und hielten es 679 Jahre lang. Im 6/7. Jh. fielen die Slawen ein. Durch Einfälle von Steppenvölkern wurden die einst blühenden Siedlungen vernichtet. 679 wurde hier das Ersten Bulgarischen Reich und dessen Hauptstadt Pliska gegründet. 292 Jahre lang (von 679-971) gehörte das Gebiet dem bulgarischen Reich; dann wurde es 280 Jahre lang byzantinisch (971-1186). 1186-1250 gehörte es zum Zweiten Bulgarischen Reich.

Die verwüstenden Kriegszüge der Petschenegen im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts entvölkerten die ländlichen Gebieten der Dobrudscha, und das Leben in den kleinen Siedlungen erstarb teilweise während des Zweiten Bulgarischen Reiches (1186-1250) wegen der Expansionsversuche der Tataren.

Im 13. Jahrhundert spaltete sich ein bulgarisches Teilreich, das Despotat Dobrudscha, das wahrscheinlich dem Gebiet seinen Namen gab, von der Zentralmacht in Tarnowo ab. 1396 wurde dieses Teilreich von den osmanischen Türken erobert.

Ab 1420 bildete die Dobrudscha den Sandschak von Tulcea. Das Osmanische Reich siedelte Türken und Tataren in dem entvölkerten Gebiet an (siehe Islam in Rumänien). Im Krimkrieg (1853-56) kam es zu Kampfhandlungen zwischen türkischen und russischen Truppen, ab 1878 (Berliner Vertrag) kam der (deutlich größere) nördliche Teil an Rumänien. Rumänien begann eine staatliche Kolonisation in der Dobrudscha, während viele Türken bis 1885 das Land verließen. Die Hauptstadt wurde von Tulcea nach Constanţa verlegt. Mit Constanţa besaß Rumänien nun einen eisfreien Schwarzmeerhafen, der zügig ausgebaut wurde. Der bulgarische Südteil wurde 1913 infolge des Zweiten Balkankrieges durch Rumänien (im Friedensvertrag von Bukarest) annektiert, 1940 im Vertrag von Craiova aber an Bulgarien abgetreten.

Im 19. Jahrhundert wanderten deutsche Kolonisten in mehreren Wellen in die Dobrudscha ein. Die ersten Siedler kamen zwischen 1841 und 1856 aus dem russischen Zarenreich. Es handelte sich hauptsächlich um deutsche Bauernfamilien aus den benachbarten Gouvernements Bessarabien und Cherson. Im Laufe der einhundertjährigen Siedlungsgeschichte dieser Kolonisten bildete sich die Volksgruppe der Dobrudschadeutschen.

Vor 1940 lebte ein buntes Völkergemisch aus Rumänen, Bulgaren, Türken, Tataren, Lipowanern, Zigeunern, Griechen und Deutschen zusammen. Während der Zwischenkriegszeit waren besonders in der Süddobrudscha die Banden der Komitadschi aktiv; aus bulgarischer Sicht waren es Freiheitskämpfer, aus rumänischer Banditen. (Komitadschi leitet sich aus dem bulg. Wort für „Komitee“ - Komitet ab. So wurden auch die sogenannten Freiheitskomitees genannt, die während der osmanischen Zeit gegründet wurden.)

[Bearbeiten] Wirtschaft

Anbau von Weizen, Gerste, Mais, Sonnenblumen, Gemüse, Wein

[Bearbeiten] Literatur

  • Gabriel Andreescu (Hrsg.) 2005: Tătarii din România - teme identitare. Tatars in Romania - Problems of Identity. Bucureşti. Centrul pentru Drepturile Omului. Apador-CH, ISSN 1221-8391
  • Giuseppe Cossuto 2001: Breve storia dei Turchi di Dobrugia. (= I Quardeni del Bosforo; 1). Istanbul. Edizioni Isis, ISBN 975-428-200-5
  • Nicolae Cuşa 2004: Macedo-aromânii dobrogeni. The Macedo-Aromanians in Dobrudja. Constanţa. Editura Ex Ponto, ISBN 973-644-318-3
  • Thede Kahl, Josef Sallanz 2006: Die Dobrudscha. In: Thede Kahl, Michael Metzeltin, Mihai-Răzvan Ungureanu (Hrsg.): Rumänien. Raum und Bevölkerung – Geschichte und Geschichtsbilder – Kultur – Gesellschaft und Politik heute – Wirtschaft – Recht – Historische Regionen, 2. Band, S. 857-879, LIT Verlag, 2. Aufl., Wien-Berlin 2008. ISBN 978-3-8258-0069-5
  • Ortfried Kotzian 2005: Die Umsiedler. Die Deutschen aus West-Wolhynien, Galizien, der Bukowina, der Dobrudscha und in der Karpatenukraine. (= Studienbuchreihe der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat; 11). München. Verlag Langen Müller
  • Werner Kündig-Steiner 1946: Nord-Dobrudscha. Beiträge zur Frage der Beziehungen zwischen Natur und menschlicher Tätigkeit in einer Region der pontischen Waldsteppen und Küstengewässer (Donaudelta) während des 19. und 20. Jahrhunderts. Zürich. Aschmann & Scheller AG
  • Dr. Joh. Florian Müller 1981: Ostdeutsche Schicksale am Schwarzen Meer. Eigenverlag des Herausgebers, Douzdorf
  • Josef Sallanz (Hrsg.) 2005: Die Dobrudscha. Ethnische Minderheiten, Kulturlandschaft, Transformation; Ergebnisse eines Geländekurses des Instituts für Geographie der Universität Potsdam im Südosten Rumäniens. (= Praxis Kultur- und Sozialgeographie; 35). 2., durchgesehene Auflage. Potsdam. Universitätsverlag Potsdam, ISBN 3-937786-76-7 (Volltext)
  • Josef Sallanz 2007: Bedeutungswandel von Ethnizität unter dem Einfluss von Globalisierung. Die rumänische Dobrudscha als Beispiel. (= Potsdamer Geographische Forschungen; 26). Potsdam. Universitätsverlag Potsdam, ISBN 978-3-939469-81-0
  • Andrea Schmidt-Rösler 1993: Dobrudscha. In: Weithmann, Michael (Hg.): Der ruhelose Balkan. Die Konfliktregionen Südosteuropas. München. Deutscher Taschenbuch Verlag, S. 94-107
  • Andrea Schmidt-Rösler 1994: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften; 622). Frankfurt am Main u.a., Peter Lang Verlag

[Bearbeiten] Siehe auch

Liste der historischen Regionen in Rumänien und Moldawien

[Bearbeiten] Weblinks

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