Donauschwaben

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Donauschwaben (auch Donaudeutsche) ist ein Sammelbegriff für die im 17. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Länder der Stephanskrone ausgewanderten Deutschen (aber auch Franzosen, Spanier und Italiener), deren Siedlungsgebiete längs des Mittellaufs der Donau in der Pannonischen Tiefebene lagen. Die Ansiedlungen beschränkten sich anfänglich auf die Militärgrenze, einer Kette habsburgischer Militärbezirke entlang der Grenze zum Osmanischen Reich. Diese Militärgrenze und das Banat blieben bis Ende des 19. Jahrhunderts kaiserliches Kronland, während die restlichen, jedoch größeren donauschwäbischen Siedlungsgebiete der ungarischen Komitatsverwaltung eingegliedert wurden.

Nach dem Zerfall der Österreich-Ungarischen Monarchie, als Folge des Ersten Weltkrieges, wurden die Siedlungsgebiete der Deutschen in Ungarn durch die alliierten Mächte dreigeteilt. Ein Teil verblieb an Ungarn. der zweite Teil wurde Rumänien zugeteilt und der dritte Teil fiel an den neu gegründeten Staat Jugoslawien. Dadurch wurde der frühere Name die "Ungarländsche Deutschen" hinfällig.

Von ihren Nachbarn und in den amtlichen Urkunden wurden die Ansiedler Schwaben genannt, obwohl nicht einmal 10 % echte Schwaben darunter waren (vermutlich, weil die Schwabenzüge ihren Ausgang in Ulm hatten). Den größten Anteil stellten die Lothringer (fast 25 %), gefolgt von den Pfälzern und den Elsässern.[1] Sie waren vor dem Ersten Weltkrieg als die "Ungarländsche Deutschen" bekannt.

Der Name "Donauschwaben" wurde 1920 von Dr. Hermann Rüdiger (Historiker aus Stuttgart) und Robert Sieger (Geograph aus Graz) geprägt und im Jahre 1930 durch das Deutsche Außenministerium der Weimarer-Republik bestätigt, wodurch die "Donauschwaben" als deutsch stämmig anerkannt wurden. "Donauschwäbisch" ist dabei weniger ein historisch-kultureller Begriff als ein wissenschaftliches Konstrukt. Das Wort basiert auf einem Terminus, der ursprünglich mit dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie 1918/20 und der neuen politischen Identität der neuzeitlichen deutschen Migrantengruppen im ehemaligen ungarischen Königreich entstanden ist und sich forschungsgeschichtlich in der Zwischenkriegszeit durchgesetzt hat.[2] Im Gegensatz zur planlosen deutschen Auswanderung nach Übersee, trug die vom Hause Habsburg organisierte Ansiedlung eindeutig den Charakter der Gemeinschaftssiedlung.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Ursprünge

Hauptartikel: Schwabenzug

Neun Jahre nach der Schlacht am Kahlenberg 1683, fünf Jahre nach der Zweiten Schlacht bei Mohács 1687 und drei Jahre nach der Rückeroberung Ofens 1689 erschien das erste Kaiserliche Impopulationspatent „[…] zur besseren Auffhelfung, wieder Erhebung und Bevölkerung derselben“. In mehreren kleineren und drei großen Schwabenzügen fand die planmäßige Wiederbesiedlung der nach den Türkenkriegen größtenteils entvölkerten pannonischen Tiefebene statt. Die österreichischen Ansiedelungspolitik (Politik von Prinz Eugen von Savoyen, Karl VI. und Claudius Florimund Mercy, Kolonisierungs-Patent von Kaiserin Maria Theresia, das Ansiedlungspatent von Kaiser Joseph II., und die Politik des letzten deutschen Kaisers Franz II. und ersten österreichischen Kaisers Franz I.) begünstigte die Ansiedlung von Steuerzahlern.

Die vordergrüngigen Bedingungen für die Ansiedlung waren:

  • Anerkennung des Kaisers aus dem Hause Habsburg als Oberhaupt
  • Katholischer Glaube (bis Kaiser Josef II. diese Bedingung wieder aufhob)
  • Verpflichtung zur Verteidigung der Militärgrenze

Innerhalb des Auswanderungsraumes ragten Lothringen, die Pfalz, Schwaben, Rhein- und Mainfranken besonders hervor, aber auch das Elsass, , Franken, Bayern, Pfalz, Hessen, Böhmen, Innerösterreich, Österreichische Niederlande (heute: Luxemburg, Belgien), sowie kleinere Gruppen von Italienern und Franzosen hatten zeitweise einen größeren Anteil, ebenso Magyaren, Kroaten, Rumänen, Spanier und Ukrainer. Im gesamten mittleren Donauraum wurden die deutschen Siedler von ihren magyarischen, südslawischen und rumänischen Nachbarn, wie auch von bulgarischen, slowakischen und tschechischen Zuwanderern Schwaben genannt, obwohl diese Bezeichnung nur für einen geringen Teil der Ansiedler zutraf.

[Bearbeiten] Siedlungsgebiete

Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IDGL) unterteilt den donauschwäbischen Siedlungsraum wie folgt:

  • das Siedlungsgebiet im südöstlichen Ungarischen Mittelgebirge zwischen Raab, Donauknie und Plattensee, mit dem Zentrum Budapest;
  • die Schwäbische Türkei (Baranja) südwestlich des Plattensees zwischen Donau und Drau mit dem Zentrum Pécs (Fünfkirchen);
  • Slawonien und Syrmien zwischen Save und Donau, mit dem Zentralort Osijek (Esseg);
  • die Batschka zwischen Donau und Theiß, mit dem Mittelpunkt in Novi Sad (Neusatz);
  • das Banat zwischen Marosch, Theiß, Donau und den Ausläufern der Südkarpaten mit dem Zentrum in Timisoara (Temeswar);
  • Sathmar in der nordöstlichen Großen Ungarischen Tiefebene, mit dem Mittelpunkt Carei (Großkarol).

Diese Gebiete gehörten zur Österreich-Ungarischen Monarchie. Nach dem Trianoner Friedensvertrag (1920) kamen

Da die Entwicklung in den Ländern, in denen die deutschen Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach dem Zerfall der Monarchie und nach dem Friedensvertrag von Trianon aufgingen, unterschiedlich war, kann man die Donauschwaben nicht als einheitliche Volksgruppe betrachten.

[Bearbeiten] Rumänien

Die wichtigsten Donauschwäbischen Gruppen Rumäniens sind die der Banater Schwaben und der Sathmarer Schwaben. Andere deutsche Volksgruppen Rumäniens (Siebenbürger Sachsen, Bukowinadeutsche, Dobrudschadeutsche oder Regatsdeutsche) sind nicht Teil der Donauschwaben.

[Bearbeiten] Serbien

Die ersten größeren Besiedlungen von Deutschen in der Vojvodina fanden in der Zeit nach den Türkenkriegen statt. So lebten nach bestehenden Angaben im Jahre 1715 in der Peterwardeiner Schanze (Petrovaradin) 37 Familien, von denen 15 deutschstämmig waren. Eine weitere Verschiebung wurde 1738/39 registriert, als Einwohner des deutschen Stadtteils in Belgrad wegen der türkischen Besetzung nach Neusatz (Novi Sad) übersiedelten. So rechnet man damit, dass sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zwischen 15.000–16.000 Deutsche in der Batschka angesiedelt haben. Unter der Bevölkerung übten die Deutschen am häufigsten Handwerker- und Händlerberufe aus. Nach statistischen Angaben betrug die Anzahl der deutschen Bevölkerung im Jahre 1905 in Novi Sad 6.483 von insgesamt 29.296 Einwohnern. Im Jahr 1910 nur noch 5918 von 33.590.[3]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten die Deutschen die drittgrößte Volksgruppe dar. Laut Volkszählung von 1931 waren 342.853 Deutsche in der Vojvodina ansässig. Die Mehrheit lebte in ländlichen Gegenden, lediglich 16 % in den Städten. Die Deutschen besaßen 31,2 % des bestellbaren Bodens, waren mit 46,7 % an der Industrieproduktion beteiligt und zu 40 % in der Handwerksproduktion tätig. Damit stellten die Deutschen 55 % des Bruttoinlandsprodukts. 1919 wurde in Novi Sad der Deutsch-schwäbische Klub gegründet, der die bessere Organisation der Deutschen innerhalb Jugoslawiens zum Ziel hatte; die Vojvodina wurde nach dem Ersten Weltkrieg serbisches Staatsgebiet. Aus dieser Vereinigung ging auch das erste deutsche Tagesblatt in der Vojvodina hervor.[3]

[Bearbeiten] Zweiter Weltkrieg, Vertreibung und Auswanderung

In Rumänien, Ungarn und Jugoslawien zählte die deutschsprachige Minderheit 1918 etwa 1,5 Millionen Menschen. Im Zweiten Weltkrieg dienten viele in der Waffen-SS. In Ungarn wurden vier SS-Divisionen aus ihnen gebildet, zusammen etwa 122.000 Mann.[4] Etwa 63.000 waren Rumäniendeutsche[5], das Banat stellte etwa 22.000 Mann, die Batschka ebenfalls etwa 22.000 Mann, Kroatien etwa 17.500.[6]. Noch während der Endphase des Zweiten Weltkrieges flüchteten viele Donauschwaben vor der Roten Armee oder wurden zwischen 1945 bis 1948 vertrieben. Durch große Auswanderungswellen lösten sich deutsche Siedlungen im letzten Drittel des 20. Jahrhundert vor allem in Rumänien bis auf Splittergruppen weitgehend auf.

[Bearbeiten] Ungarn

Hauptartikel: Ungarndeutsche

Das zwischen den Alliierten geschlossene Potsdamer Abkommen sah die Vertreibung der Donauschwaben aus Ungarn nach Deutschland oder Österreich vor. Als Folge wurden zwischen 1945 und 1948 ca. 250.000 – etwa jeder zweite – Ungarndeutsche enteignet und vertrieben. Die Dagebliebenen bekamen erst ab 1950 Personalausweise. 1955 wurde der Verband der Ungarndeutschen gegründet. Die Donauschwaben unterlagen einer starken Magyarisierung: Es gab kaum Deutschunterricht, so dass eine „stumme Generation“ aufwuchs, die der deutschen Sprache nicht mächtig war oder ein wenig die Mundart verstand. Ab Mitte der 80-er Jahre wurde in mehreren Schulen Deutschunterricht eingeführt, und wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich Volkskunde und Mundarten wurden ermöglicht. Nach der Wende wurden Vereine gebildet, und im November 1995 entstanden 164 deutsche Selbstverwaltungen. Ähnlich wie die anderen Minderheiten sind die in Ungarn verbliebenen Donauschwaben heute sprachlich und kulturell weitgehend integriert.

[Bearbeiten] Jugoslawien

Hauptartikel: Jugoslawiendeutsche

In Jugoslawien lebten vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 500.000 Menschen deutscher Abstammung: im Banat, der Batschka und in Syrmien waren dies Donauschwaben, während die in Slowenien lebenden, nur wenige zehntausend zählenden Volksdeutschen (Gottscheer, Zarzer sowie deutschsprachige Stadtbevölkerung besonders in der Untersteiermark) als „Altösterreicher“ bezeichnet wurden.

Die größte und wichtigste Vereinigung der Jugoslawiendeutschen war der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund, dem Anfang der 1930er Jahre etwa 10 % der Volksdeutschen angehörten (die Familienangehörigen eines Mitgliedes des Kulturbundes wurden automatisch auch als Mitglieder gezählt). 1939 setzten sich die nationalsozialistischen „Erneuerer“ im Kulturbund endgültig durch.

Geheimer Führerbefehl

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden alle wehrfähigen Männer der Wojwodina von der Jugoslawischen Armee zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee wechselten die deutschen Männer der Batschka zur ungarischen Armee, waren aber auch aufgerufen, sich freiwillig in die SS zu melden. 1942 wurde die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ aufgestellt, zu der alle wehrpflichtigen deutschen Männer der Vojvodina vom 17. bis zum 50. Lebensjahr unter Androhung „strengster Strafen“ eingezogen wurden, sofern sie nicht in der Landwirtschaft unabkömmlich waren.[7]

Angesichts des Vormarsches der Roten Armee wurden die Donauschwaben evakuiert. Die Evakuierungen aus der Batschka und dem Banat begannen zu spät: Hier blieben viele zurück, als die deutschen Truppen den Rückzug antraten.

Die Beteiligung der Volksdeutschen am Krieg gegen Jugoslawien diente Titos Partisanen als Begründung für ihre unbarmherzige politische Linie gegen die deutsche Minderheit, die in den AVNOJ-Beschlüssen vom 21. November 1944 festgelegt wurde. Diese Beschlüsse entzog den Donauschwaben die Bürgerrechte und enteigneten sie. Nach dem Kriegsende wurden die Donauschwaben in Lagern in Jugoslawien zusammengeführt: Zentralarbeitslager für arbeitsfähige Männer, Ortslager für die Bevölkerung ganzer Ortschaften und Internierungslager für Arbeitsunfähige, Frauen, Kinder und Ältere. Auch in diesen Lagern war die ärztliche Versorgung mangelhaft, es kam zu Misshandlungen, Erschießungen und Vergewaltigungen und Zehntausende starben an Unterernährung und Krankheiten[8]. 1947 konnten größere Gruppen ausreisen oder flüchten. Erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland gelang es Jugoslawien, die Ausreise der überlebenden Donauschwaben zu organisieren.[9][10]

[Bearbeiten] Rumänien

Hauptartikel: Banater Schwaben, Rumäniendeutsche

Aus Rumänien wurden die Donauschwaben nicht nach Deutschland vertrieben, jedoch wurden viele innerhalb Rumäniens zwangsumgesiedelt. Viele Rumäniendeutsche wurden nicht vertrieben, verloren aber größtenteils ihr Eigentum und wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Sowjetunion deportiert oder innerhalb Rumäniens verschleppt, so z.B. in die Bărăgan-Steppe, wovon die meisten aber nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten. Nicht nur Rumäniendeutsche wurden verschleppt: im Juni 1951 wurden 12.791 Familien aus einer Grenzzone zwischen Rumänien und Jugoslawien - wegen des Zerwürfnisses zwischen Stalin und Tito - in die Bărăgan-Steppe zwangsumgesiedelt. Von 40.320 Personen waren 9.410 Deutsche, die anderen 30.000 waren Rumänen, Serben, Bulgaren und Ungarn. [11]

Ab 1970 und verstärkt ab 1990 verließ der Großteil das Land. Die Auswanderung der Rumäniendeutschen wurde noch bis 1989 gefördert.Von den Banater Schwaben verblieb meist die ältere Generation in Rumänien. Im Banat, dem Grenzgebiet zu Ungarn und Serbien mit der Hauptstadt Temeswar (rumänisch Timişoara), sind deutsche Spuren heute nicht zu übersehen. In kleinen Orten trifft man Leute, die rasch von Deutsch auf Rumänisch oder Serbisch wechseln können und mit EU-Politik vertraut sind. Auf die Instandhaltung der alten Bausubstanz wird geachtet, am Stuck vieler Häuser ist der deutsche Familienname bemalt, und von den drei Kirchen kleiner Orte ist die katholische selten verfallen. Die Auswanderung unter den Sathmarer Schwaben war schwächer ausgeprägt als unter den Banater Schwaben, damit ist diese deutsche Minderheit in ihrem Siedlungsraum heute vergleichsweise stärker vertreten.

Der Aderlass von 800.000 (1930) auf 60.000 Deutsche (2002) und die 2. Welle der Auswanderung unter Nicolae Ceauşescu wurde in Rumänien stark gespürt und letztendlich bedauert. Auch die zur Hilfe bereiten Aussiedler- und Vertriebenenverbände unterliegen Sparplänen des deutschen Kultusministeriums. So wurde die Angliederung des Siebenbürger Kulturinstitut Gundelsheim an das Donauschwäbischen Zentralmuseum (DZM) in Ulm diskutiert, wegen veränderter historischer Lage seit der Zeitenwende in Osteuropa. Politiker und Zeitungen warnten vor falschem Sparen, und Betroffene verwiesen frustriert auf völlig verschiedene Geschichte und Traditionen der beiden Volksgruppen.

Die Donauschwaben in Rumänien sind mittlerweile eine Minderheit von unter einem Prozent, aber kulturell lebendig. Ungarn und Szekler machen ca. sieben Prozent der Gesamtbevölkerung von 22 Millionen aus, Roma fast drei Prozent.

[Bearbeiten] Widerstand gegen das NS-Regime

Scharfe Kritik am NS-Regime gab es in der donauschwäbischen Zeitung aus Osijek (Esseg) „Die Drau“ vom 22. April 1933, die ohne wenn und aber die „Machtergreifung“ im Reich verurteilt hat. Apatin (Batschka) war das geistige Zentrum des deutschen Katholizismus des ganzen Landes. Seit dem Frühjahr 1935 erschien hier die durch ihre Ausrichtung gegen den Nationalsozialismus weit über die Grenzen des Landes bekannt gewordene und auf Betreiben Deutschlands von den ungarischen Besatzungsbehörden 1941 verbotene katholische Wochenschrift „Die Donau“. Bethke schreibt dazu: „Außerhalb der Schweiz konnte man nirgendwo in der ‚Festung Europa‘ so viel Kritik am NS-Regime in deutscher Sprache lesen“ wie in der Wojwodina.[12] Laut Slobodan Maričić waren bis zu 2000 Deutsche an der Partisanenbewegung beteiligt.[13] Carl Bethke nennt z.B. 30 deutsche Familien aus Semlin, die auf Seiten der Partisanen standen, darunter auch den Semliner Kommunisten Jaša Reiter, der Tito auf seiner Flucht aus dem besetzten Belgrad das Leben gerettet haben soll.

Die jugoslawische Geschichtsschreibung unterschlug jedoch derlei Zeugnisse bis in die neunziger Jahre. Man brauchte eine Legitimation für die AVNOJ-Beschlüsse (Vertreibungs-Gestzgebung), da auch das Vermögen der deutschen NS-Gegner unter den Partisanen verteilt wurde. Der Historiker Zoran Žiletić erklärt es so: „Die ruhmreiche Geschichte des Partisanenkrieges war ohne eine darin eingebaute Verteufelung der Donauschwaben nicht möglich und ist immer noch nicht möglich.“[14]

[Bearbeiten] Bewertung

Von den 1.400.000 Donauschwaben des Jahres 1940, bzw. von den 1.235.000, die Krieg, Vertreibung und Internierung überlebt hatten, leben nach dem Stand des Jahres 2000 noch etwa 40%, also 490.000 Die überwiegende Mehrheit der nach 1945 Überlebenden, etwa 810.000 Personen, hat besonders ab 1970 und verstärkt bis 1990 im deutschen Sprachraum eine neue Heimat gefunden, davon etwa 660.000 in Deutschland und etwa 150.000 in Österreich. Für die Aussiedlung nach Übersee (schon bereits ab 1920) ist von folgenden Zahlen auszugehen: USA 70.000, Kanada 40.000, Brasilien 10.000, Argentinien 6.000 und Australien 5.000. Weltweit sind weitere 10.000 Donauschwaben in sonstigen Ländern sesshaft geworden. [15]

Die donauschwäbischen Rückwanderer pflegen in vielen Vereinen Sprache und Brauchtum. In Brasilien gibt es donauschwäbische Dörfer, wie z.B. in Entre Rios – Guarapuava – Paraná, die Siedlung ist in fünf Dörfer geteilt und hat ungefähr 2.500 Einwohner. In diesen Siedlungen wird nach wie vor Deutsch gesprochen, und die Kultur mit traditionellen Festen, wie z. B. Maibaum stehlen, Kirchweihball, Tanzgruppen, Musik usw. gepflegt.

[Bearbeiten] Wappen

Wappen der Donauschwaben

Das Wappen wurde erst im Jahre 1950 von Hans Diplich gestaltet. Ein rot bewehrter aufsteigender schwarzer Adler auf goldenem Grund, geteilt durch einen blauen Wellenbalken. In der unteren Hälfte auf grünem Ackerboden einen sechstürmige weiße Festung aus Ringmauer und rot bedachten Gebäuden. Rechts die strahlende Sonne, links der abnehmende Mond.

  • der Adler symbolisiert die Schirmherrschaft der Kaiser von Österreich
  • der blaue Balken die Donau als Schicksalsstrom, auf dem einst die Ahnen mit Ulmer Schachteln und Kelheimer Plätten in die neue Heimat stromabwärts fuhren
  • die aufgehende strahlende Sonne steht für den wieder erstarkenden Einfluss des Christentums
  • der abnehmende Mond, weltliches Symbol des Islam steht für den schwindenden Einfluss desselben
  • die Festung symbolisiert die Festung Temeswar inmitten fruchtbaren Ackerlandes; die Burg als ein Symbol der kaiserlichen, deutschen Wehranlage und Militärgrenze gegen die Türken. Die sechs Türme symbolisieren die sechs Hauptsiedlungslandschaften der Donauschwaben.

Gebraucht werden die deutschen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold und die donauschwäbischen Stammesfarben Weiß-Grün. Weiß ist Symbol der friedlichen Gesinnung der Donauschwaben, grün als Farbe der Hoffnung für das zur Kornkammer gewordene Neuland ihrer Heimat.

Der Wahlspruch lautet „Semper atque semper liberi ac indivisi“ („Für immer frei und ungeteilt“).

Donauschwäbische Tracht aus Neubeschenowa, heute Dudeştii Noi, 1988
„Aufmarsch“ einer donauschwäbischen Trachtentanzgruppe aus Neubeschenowa, 1988

[Bearbeiten] Kultur

[Bearbeiten] Kunst und Religion

Die Dichter Nikolaus Lenau und Adam Müller-Guttenbrunn, sowie der Maler Stefan Jäger sind Identifikationsgestalten der Donauschwaben. Andere bekannte Autoren aus der Donauschwäbischen Literaturszene sind u.a. Richard Wagner, Elisabeth Gutwein-Metschar, Carl Gibson, Herta Müller, Franz Liebhardt, und Ernest Wichner. Zu nennen sind auch der Bildhauer Walter Andreas Kirchner, der Maler Josef de Ponte, sowie die Musiker Richard Oschanitzky, Walter Michael Klepper und Franz Waschek. Sebastian Leicht war einer der bedeutendsten Bild-Chronisten der Lebensweise und Kultur der Donauschwaben. Vertreter religiöser Kultur waren u.a. Ludwig Kayser von Gáad, Sebastian Kräuter, Josef Nischbach, Augustin Pacha, Stefan Pacha und Martin Roos.

[Bearbeiten] Traditionen

Eine feste Einrichtung bei den Donauschwaben ist das Kirchweihfest. Die donauschwäbische Kultur wird auch in Tänzen weitergegeben, welche bei Kirchweih-Aufmärschen von Trachtenpaaren zu traditioneller Blasmusik aufgeführt werden. Die Donauschwäbische Tanz- und Folkloregruppe Reutlingen ist eine der ältesten Tanzgruppen mit donauschwäbischen Tänzen.

[Bearbeiten] Dokumentationsstätten

Das am 1. Juli 1987 in Tübingen gegründete Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IDGL) ist eine als eine dem Innenministerium Baden-Württemberg unmittelbar nachgeordnete Forschungseinrichtung, die sich mit historisch-genetischer Siedlungsforschung, Demographie/Sozialgeographie, Dialektforschung/Sprachwissenschaft, Kulturwissenschaft/Literaturwissenschaft, neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Donauschwaben befasst. Seit dem 1. September 2008 ist Reinhard Johler Leiter des Instituts.

Das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm hat die Aufgabe, die kulturelle Tradition und das Kulturgut der Donauschwaben zu bewahren, indem sie Geschichte, Kultur und Landschaft umfassend dokumentiert, Kulturgut sammelt und präsentiert, sowie der landes- und volkskundlichen Forschung über die donauschwäbischen Herkunftsgebiete zugänglich macht. Sie soll zugleich das Wissen über die südöstlichen Nachbarn verbreiten und vertiefen, um auf diese Weise einen Beitrag zur Verständigung in Europa zu leisten.


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Herkunft der Donauschwaben. http://www2.genealogy.net/privat/flacker/herkunft.htm
  2. Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde. http://www.idglbw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=24&Itemid=39
  3. a b Agnes Ozer: Eine Neusatzer Geschichte – Die Deutschen unserer Stadt. ISBN 978-86-86877-14-7.
  4. Kriegsschauplatz Ungarn in: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr, Gerhard Schreiber, Krisztián Ungváry, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 8, Die Ostfront 1943/44 - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, im Auftrag des MGFA hrsg. von Karl-Heinz Frieser, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 862
  5. Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu. Rumäniendeutsche in der Waffen-SS, im Auftrag des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, herausgegeben von Harald Roth und Ulrich A. Wien, Böhlau Verlag Köln, Weimar, Wien 2007, ISBN 978-3-412-13806-6
  6. Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa, Ausstellungskatalog (hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg), Wiss. Leitung d. Ausstellung Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarb. Paul Ginder, Sigmaringen, 1987, ISBN 3-7995-4104-7, S. 177
  7. Thomas Casagrande: Die Volksdeutsche SS-Division „Prinz Eugen“. Die Banater Schwaben und die nationalsozialistischen Kriegsverbrechen. Campus, Frankfurt 2003 ISBN 3-593-37234-7, S. 194ff.
  8. Völkermord der Tito-Partisanen 1944-1948, Österreichische Historiker-Arbeitsgemeinschaft für Kärnten und Steiermark, Graz, 1990, ISBN 3-925921-08-7, S. 169ff
  9. Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa, Ausstellungskatalog (hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg), Wiss. Leitung d. Ausstellung Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarb. Paul Ginder, Sigmaringen, 1987, ISBN 3-7995-4104-7, S. 262-265
  10. Rede des österreichischen Historikers Dr. Georg Wildmann im Abgeordnetenhaus von Berlin. am 24. November 2004 (Seite 6)
  11. Bărăgan
  12. http://www.drustvosns.org/kultura/pdf/Carl%20Bethke,%20Deutscher%20Widerstand%20gegen%20Hitler%20aus%20YU-Sicht.pdf
  13. Slobodan Maričić: Folksdojčeri u Jugoslaviji – Susedi, dželati i žrtve (Die Volksdeutschen in Jugoslawien – Nachbarn, Täter, Opfer). Beograd, Pančevo 1995.
  14. Zoran Žiletić: Die Geschichte der Donauschwaben in der Wojwodina, in: Die Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa. Bd.2. München 1996, 224 ff.
  15. Schätzungen des Arbeitskreises Dokumentation der Donauschwäbischen Kulturstiftung München, Hans Gehl, Wörterbuch der donauschwäbischen Lebensformen, Franz Steiner Verlag, 2005, ISBN 3-515-08671-4, 9783515086714, Seiten 33-34

[Bearbeiten] Literatur

  • Immo Eberl, Konrad G. Gündisch, Ute Richter, Annemarie Röder, Harald Zimmermann: Die Donauschwaben. Deutsche Siedlung in Südosteuropa, Ausstellungskatalog (hrsg. vom Innenministerium Baden-Württemberg), Wiss. Leitung d. Ausstellung Harald Zimmermann, Immo Eberl, Mitarb. Paul Ginder, Sigmaringen, 1987, ISBN 3-7995-4104-7, 318 S.
  • Hans Gehl (2003): Donauschwäbische Lebensformen an der mittleren Donau: interethnisches Zusammenleben und Perspektiven. Elwert, Marburg 2003. ISBN 3-7708-1228-X, 330 S.
  • Elisabeth Gutwein-Metschar: Tage voll Licht: Wege – Gedanken – Worte, Asaro Verlag, 2008, ISBN 978-3-939698-10-4.
  • Zoran Janjetović: Die Donauschwaben in der Vojvodina und der Nationalsozialismus. In: Mariana Hausleitner und Harald Roth (Hrsg.), Der Einfluss von Nationalsozialismus auf Minderheiten in Ostmittel- und Südeuropa, IKS Verlag München 2006, S. 219-235. Online-Version

[Bearbeiten] Quellen zur Banater Ahnenforschung

Deutschland

  • Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart; Kirchenbücher Banater Ortschaften als Microfilme
  • Franz Wilhelm, Josef Kallbrunner: Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa, Schriften der Deutschen Akademie (München) Heft 11, Ernst Reinhardt Verlag, München, Basel 1936; BSB (Bayr. Staats-Bibliothek), Signatur: Germ.g.602 b-11
  • Stefan Stader: Sammelwerk donauschwäbischer Kolonisten, AKdFF – Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher e.V.
  • Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Band I–IV, Donauschwäbische Kulturstiftung, Arbeitskreis Dokumentation
  • Hans J. Prohaska: Die Banater Schlafkreuzerrechnungen Familiengeschichtliche – Quellen zur banater Ahnenforschung u. Siedlungsgeschichte 1766–1804, Park Ridge Verlage, III. 1982 LXVII, 664 Seiten, IFA-Stuttgart Bibliothek, Signatur: 5/1032

Österreich

  • Theresianischer Kataster, Österreichisches Staatsarchiv, Finanz- und Hofkammerarchiv

Luxemburg

  • Institut Grand-Ducal, Section de Linguistique, d’Ethnologie et d’Onomastique, Gemeindechroniken/Familienbücher
  • Centre de Documentation sur les Migrations Humaines
  • Nationalarchiv Luxemburg, Microfilme, bsp. Ancien Régime, Notare, Kirchenbücher

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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