Ernesto Cardenal
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ernesto Cardenal Martinez (* 20. Januar 1925 in Granada, Nicaragua) ist ein nicaraguanischer suspendierter katholischer Priester, sozialistischer Politiker und Poet. Er ist einer der in Deutschland bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie und gilt nach Rubén Darío als der bedeutendste Dichter Nicaraguas.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Biografie
Cardenal stammt aus einer reichen Patrizierfamilie und besuchte zunächst Jesuitenkollegs in Nicaragua und Mexiko. Zwischen 1942 und 1946 studierte er in Managua und in Mexiko Literatur. Ab 1947 bis 1949 besuchte er die Columbia University in New York. Zwischen 1949 und 1950 bereiste er Italien, Spanien und die Schweiz.
Im Juli 1950 kehrte er nach Nicaragua zurück. 1954 beteiligte er sich aktiv an der April-Revolution gegen den Diktator Anastasio Somoza Garcia, die vorzeitig verraten wurde und mit dem Tod vieler seiner Freunde endete. Danach beschloss Cardenal, in das Kloster Gethsemani (Kentucky, USA) einzutreten. 1959 verließ er das Kloster wieder und studierte 1961-65 in Cuernavaca (Mexiko) Theologie. 1961 schreibt Ernesto Cardenal seine "Psalmen", die noch heute als die poetische Grundlage der Befreiungstheologie gelten.
1965 wurde Ernesto Cardenal in Managua zum Priester geweiht. Auf einer der Solentiname-Inseln, im Großen See von Nicaragua, gründete er eine christliche, klosterartige Genossenschaft. Dort entstand sein in Deutschland bekanntestes Buch: Das Evangelium der Bauern von Solentiname. Am 13. Oktober 1977 besetzte er mit einer Gruppe Bauern aus Solentiname die Kaserne der Guardia Nacional de Nicaragua von San Carlos [1]. In den Jahren vor dem Sturz der Somoza-Diktatur stand Cardenal in enger Verbindung zur sandinistischen Befreiungsfront FSLN. Am 19. Juli 1979, dem Tag des Sieges der Nicaraguanischen Revolution über Anastasio Somoza Debayle, wurde Cardenal zum Kulturminister der neuen sandinistischen Regierung ernannt.
Im Jahre 1985 wurde er vom Vatikan wegen seiner politischen Tätigkeit in der FSLN von seinem Amt als katholischer Priester suspendiert. Er bemühte sich nie um eine Rückgängigmachung dieser kirchlichen Sanktionen.
Bis 1987 hatte Ernesto Cardenal das Amt des Kulturministers inne. Dann wurde das Ministerium - angeblich aus Kostengründen - aufgelöst. Cardenal war zur Zeit der FSLN-Herrschaft zusammen mit seinem Bruder Fernando Cardenal (SJ) und anderen Katholiken und Protestanten in der regimetreuen linksgerichteten „Volkskirche“ („iglesia popular“) engagiert und stellte ihre bekannteste Führungsfigur im Ausland, hauptsächlich in Deutschland, dar.
1988 gründete er mit Dietmar Schönherr das internationale Kultur- und Entwicklungsprojekt Casa de los tres mundos in Granada. 1990 gewann das Wahlbündnis UNO (Unión Nacional Opositora) unter der Führung von Violeta Chamorro die Parlamentswahlen. In der neuen Regierung kooperierten die moderaten Kräfte beider Seiten miteinander. 1994 verließ Ernesto Cardenal die FSLN, aus Protest gegen den seiner Ansicht nach autoritären Führungsstil von Daniel Ortega.
Heute ist Ernesto Cardenal in unterschiedlichen Initiativen engagiert. Mit seinem Freund Dietmar Schönherr unterstützt er weiterhin Casa de los tres mundos. Mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez pflegt er freundschaftliche Beziehungen.
[Bearbeiten] Zitat
„Das Evangelium hat uns radikalisiert, ich bin durch das Neue Testament zum Marxisten geworden“
– Ernesto Cardenal
[Bearbeiten] Auszeichnungen und Ehrungen
- 1980 wurde Ernesto Cardenal der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt.
- 2005 war Ernesto Cardenal für den Literaturnobelpreis nominiert.
- 2009 Verleihung des GLOBArt Award in der Klosterkirche Pernegg.[2]
[Bearbeiten] Werke (Auszug)
- Zyklus der Sterne
- Das Evangelium der Bauern von Solentiname
- Das Buch von der Liebe
- In der Nacht leuchten die Wörter
- Die ungewisse Meerenge
- Wortseelen, Waldmenschen
- Den Himmel berühren
- Nicaragua mi amor. Reisebuch, 1985
- Gebet für Marilyn Monroe, 1994 (mit Peter Janssens)
- Wir sind Sternenstaub, 1994
- Teleskop in dunkler Nacht, 1994
- Gesänge des Universums. Cantico Cosmico, 1995, ISBN 3872945491
- Mit Liebe füllen diesen blauen Planeten, 1998, ISBN 3872948040
- Erinnerungen I. Verlorenes Leben. Vida perdida, 1998, ISBN 3872948032
- Erinnerungen II. Die Jahre in Solentiname, 2002, ISBN 3872949179
- Erinnerungen III. Im Herzen der Revolution, 2004, ISBN 3779500132
- Canto a la Vida - Gedichte von Liebe Mystik und Revolution, 2008, Hörbuch von Grupo Sal und Ernesto Cardenal gelesen von Dietmarr Schönherr
Einige Werke von Ernesto Cardenal wurden auf deutsch und spanisch von Peter Janssens vertont, wie z.B. Gebet für Marilyn Monroe und Die Statuten der Menschen.
[Bearbeiten] Literatur
- Helmut H. Koch: Ernesto Cardenal. Edition Text und Kritik, München 1992, ISBN 3-88377-417-0
- Guido Heinen: „Mit Christus und der Revolution“. Geschichte und Wirken der „iglesia popular“ im sandinistischen Nicaragua (1979 - 1990). Stuttgart, Kohlhammer, 1995. 344 S. (Münchner Kirchenhistorische Studien, 7)
[Bearbeiten] Siehe auch
Liste spanischsprachiger Schriftsteller
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Humberto Ortega, Über den Aufstand, Zabon, Frankfurt/M, 1984, S. 39
- ↑ GLOBArt Award 2009
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Ernesto Cardenal im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur von und über Ernesto Cardenal im Katalog des Ibero-Amerikanischen Instituts Preußischer Kulturbesitz, Berlin
- Aktuelle Informationen des Nicaraguaportals zu Ernesto Cardenal
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cardenal, Ernesto |
| ALTERNATIVNAMEN | Cardenal Martinez, Ernesto |
| KURZBESCHREIBUNG | nicaraguanischer Priester, Poet und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 20. Januar 1925 |
| GEBURTSORT | Granada, Nicaragua |

