Fritz Wagner (Historiker)

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Fritz Wagner (* 5. Dezember 1908 in Ludwigsburg; † 2. März 2003 in Kreuth) war ein deutscher Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Wagner, Sohn eines Arztes, dessen Vorfahren aus der Schweiz eingewandert waren, kam in Ludwigsburg zur Welt, besuchte dort das humanistische Gymnasium und studierte anschließend Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte in Tübingen, Paris, Berlin und München. Im Jahre 1931 wurde er mit einer Dissertation über den französischen Liberalen Benjamin Constant promoviert. Er habilitierte sich 1939 mit der Arbeit Kaiser Karl VII. und die großen Mächte 1740–1745. Doktorvater war Karl Alexander von Müller, bei dem er sich auch habilitierte, den er aber wegen dessen Verstrickungen in das NS-Regime nicht sonderlich schätzte. Sein in der Familientradion und in eigenen existenziellen Grunderfahrungen wurzelnder christlicher Glaube hielt ihn auf Abstand zum Nationalsozialismus der Münchner Szene und führte ihn und seine Frau, eine Kunsthistorikerin, in die Nähe der Bekennenden Kirche. Mehrere Berufungen an Universitäten wurden von Dienststellen der NSDAP verhindert.[1]

Nach dem Weltkrieg wurde Fritz Wagner an die Philipps-Universität Marburg auf den bisher von Wilhelm Mommsen bekleideten Lehrstuhl für Neuere Geschichte berufen, wo er, unterbrochen durch eine Gastprofessur in den USA, bis 1966 wirkte. 1955 bis 1956 stand er der Universität als Rektor vor. 1966 lehnte Wagner einen Ruf an die Universität Hamburg ab und nahm stattdessen einen an die Ludwig-Maximilians-Universität München auf den inzwischen aufgeteilten Lehrstuhl von Franz Schnabel an. Dort vertrat er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1974 die Geschichte der Frühen Neuzeit, der zur selben Zeit berufene Walter Bußmann war für das 19. und 20. Jahrhundert zuständig. 1967 wurde Wagner ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Historischen Kommission, deren Sekretär er von 1968 bis 1982 war. Von 1972 bis 1982 war er Vorsitzender der von ihm maßgeblich mitbegründeten Arbeitsgemeinschaft außeruniversitärer historischer Forschungseinrichtungen.

In den 1980er Jahren übersiedelte er mit seiner Frau ins Seniorenstift Haus Bruneck in Kreuth. Von dort unternahmen sie noch kunsthistorische Exkursionen. 1994 starb seine Frau, er folgte ihr 2003 nach. Beide sind zusammen auf dem Ringbergfriedhof in Kreuth begraben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Wagner forschte und lehrte vor allem auf folgenden Gebieten:

Er verstand es, die Ergebnisse verschiedener Wissenschaften zusammen zu sehen und zu kombinieren. Dabei ging es ihm darum, geistig-religiöse Binnenstrukturen aufzudecken. Geistige und künstlerische Werke waren ihm Seismographen, an denen der Wandel von Handlungsmaximen abzulesen ist. Dem Personalen in der Geschichte und seiner Verankerung im Religiösen galt in den späteren Jahren sein besonderes Interesse.

Für seine Verdienste in Forschung und Lehre wurde Fritz Wagner 1978 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet[2].

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Liberale Benjamin Constant. Murnau 1932.
  • Kaiser Karl der VII. und die großen Mächte 1740–1745. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1938.
  • Cavour und der Aufstieg Italiens im Krimkrieg. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1940, 2. Auflage 1942.
  • USA. Geburt und Aufstieg der neuen Welt. Geschichte in Zeitdokumenten. 1607–1865. Münchener Graphische Kunstanstalten, München 1947.
  • England und das europäische Gleichgewicht. 1500–1914. Münchner Verlag, München 1947.
  • Geschichtswissenschaft. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1951, 2. Auflage 1966 (Orbis academicus Band I/1. Auch spanisch).
  • Moderne Geschichtsschreibung. Ausblick auf eine Philosophie der Geschichtswissenschaft. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1960.
  • Der Historiker und die Weltgeschichte. Verlag Karl Alber, Freiburg / München 1965.
  • Europa im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. Union Verlag Stuttgart 1968, 3. Auflage: Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1996, ISBN 3-12-907560-7 (Handbuch der europäischen Geschichte, hrsg. von Theodor Schieder, Band 4).
  • Isaac Newton. Im Zwielicht zwischen Mythos und Forschung. Studien zur Epoche der Aufklärung. Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1976, ISBN 3-495-47339-4.

Herausgebertätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harm-Hinrich Brandt: Fritz Wagner (1908–2003). In: Historisches Jahrbuch 2003, S. 529–533.
  • Helmut Neuhaus: In memoriam Fritz Wagner (5.12.1908 – 2.3.2003). In: Archiv für Kulturgeschichte 85 (2003) S. 387–391.
  • Eberhard Weis: Fritz Wagner. 5.12.1908 – 2.3.2003. (online; PDF-Datei; 258 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Nonn: Theodor Schieder. Ein bürgerlicher Historiker im 20. Jahrhundert, Düsseldorf 2013, S. 439 hingegen behauptet eine SA-Mitgliedschaft ab 1933, eine der NSDAP ab 1937.
  2. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 30, Nr. 172, 13. September 1978.