Geronimo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wikipedia:Hauptseite
Dieser Artikel behandelt den Apachen Geronimo, für den nach ihm benannten J2EE-Server siehe Apache Geronimo.
Gokhlayeh

Gokhlayeh oder Goyathlay (indianisch: Goyaałé, „der Gähnende“, * 16. Juni 1829; † 17. Februar 1909), später genannt Geronimo, war der Kriegshäuptling und Schamane einer Gruppe der Bedonkohe-Apachen. Sein Widerstand gegen Truppen der USA und Mexikos machte ihn zu einem der bekanntesten Indianer Nordamerikas.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Gokhlayehs Frau und eines seiner Kinder
v.l.n.r. Yahnozha, Chappo, Fun und rechts Gokhlayeh
Gefangenentransport; Naiche, Mitte vorne & zur Rechten Gokhlayeh und Sohn
Gokhlayeh beim Bogenbau
Gokhlayeh mit 76. Etwa zwei Jahre später wurde er eingeladen, bei Theodore Roosevelts Inaugurationsparade mitzureiten.

Der Mann, der als Geronimo, spanische Form des Namens Hieronymus, bekannt wurde, hieß eigentlich Gokhlayeh „einer, der gähnt“. Diesen Namen wählte sein Vater, da der Junge immer sehr müde war und oft gähnte. Sein Vater war Taklishim auch „The Gray One“ genannt ein Sohn des Chief Mahko, [1] seine Mutter war eine Vollblut-Apache mit dem spanischen Namen Juana [2] Beide Eltern verlor er bereits 1837, als 400 Apachen von dem Händler James Johnson und seinen Skalpjägern während eines Festes, zu den die Weißen eingeladen hatten, das Feuer eröffneten und anschließend alle toten Apachen skalpierten. [3] Der neue Häuptling und oberster Führer der Mimbrenjo-Apachen [4] Mangas Coloradas, nahm sich des Jungen an und machte einen Krieger aus ihm.

Als 1858 die mexikanischen Truppen des Militärgouverneurs des Bundesstaats Sonora, General Jose Maria Carrasco, seine Mutter, seine Frau und seine drei Kinder töteten, schwor Gokhlayeh Rache. Dazu verbündete er sich mit Cochise, einem Häuptling der Ché-ko-nen-Apachen, einer der vier Gruppen der Chiricahua. Mit diesen ging er in seine erste Schlacht gegen die Stadt Sonora, die viele feindliche Soldaten mit dem Leben bezahlten. Von nun an folgten jährliche Angriffe auf mexikanische Städte.

[Bearbeiten] Häuptling der Apachen

Als Cochise starb, wurde Gokhlayeh von dessen Sohn Naiche und weiteren wichtigen Stammesmitgliedern zum Kriegshäuptling gewählt. 1876 erfolgte seine Einweisung in das San-Carlos-Reservat. Dieses Reservat war direkt in der Wüste gelegen, es gab kein Wasser und keine Nahrung. Es war von den unregelmäßigen Lebensmittellieferungen der US-Armee abhängig. Im ersten Jahr starben hunderte von Apachen an Unterernährung oder Krankheit, im zweiten Jahr waren es nicht weniger. Gokhlayeh litt vor Sorge um sein Volk. So beschloss er, mit den Überlebenden aus dem Reservat auszubrechen. Er ging mit ihnen auf die mexikanische Seite der Sierra-Madre-Berge, ihrer eigentlichen Heimat. Dort waren sie zumindest vor der amerikanischen Armee in Sicherheit.

Es folgten bewegte Jahre, die er teils in Mexiko, teils im San-Carlos-Reservat verlebte. Gokhlayeh brach aus dem verhassten Reservat immer wieder aus. Er und seine Leute unternahmen Angriffe auf kleine Dörfer und Farmen, wo sie Vorräte und Pferde erbeuteten. Dies führte dazu, dass er nicht nur von der US-Armee, sondern auch von den Mexikanern gejagt wurde. 1884 brach er ein letztes Mal aus dem Reservat aus, da er beinahe Opfer eines Mordanschlages geworden war. Er führte mit seiner kleinen Schar an Kriegern Guerillakrieg gegen die ihn verfolgenden Truppen und schaffte es geschickt, sich ihnen zu entziehen, indem er die Grenze passierte, da ihm die feindlichen Truppen dorthin nicht folgen durften. Die meiste Zeit hielt er sich mit seinen Männern in der Sierra Madre versteckt.

[Bearbeiten] Gefängnis und Lebensende

Als ein Kopfgeld von über 2.000 Dollar auf ihn ausgesetzt wurde, stellte er sich am 4. September 1886 mit noch 36 verbliebenen von ursprünglich 500 Kriegern den Amerikanern unter dem Kommando von General Nelson A. Miles, die ihn jahrelang vergeblich mit 5.000 Soldaten, einem Heliografensystem, [5] 500 Apachen-Scouts, dem Chefscout Al Sieber, 100 Navajo-Scouts und 3000 mexikanischer Soldaten gejagt hatten. Daraufhin verbrachte er die nächsten drei Jahre im Gefängnis.

Zunächst schickte man ihn nach Fort Pickens, Florida, in die Verbannung, im Anschluss nach Fort Marion, Alabama, und schließlich 1894 nach Fort Sill in Oklahoma ins Indianerterritorium, ohne dass er seine Sippe je wiedersehen konnte. Dort konvertierte er 1903 zum Christentum, wurde Methodist und besuchte regelmäßig den Gottesdienst. Gokhlayeh bekam im Reservat ein Stück Land, auf dem er sich ein Haus baute und das übrige Land bebaute.

In bereits betagtem Alter diktierte Gokhlayeh seine Lebensgeschichte einem weißen Autor. Eine Zeit lang wurde dieses Werk nicht veröffentlicht. Erst als Präsident Roosevelt seine Genehmigung zur Veröffentlichung gab, erschien es. Es gilt allerdings als sicher, dass viele Stellen eine Überarbeitung fanden und es sich nicht um die Originalgeschichte handelt, die Gokhlayeh erzählte.

Sein Wunsch, vor seinem Tod noch einmal in seine Heimat zurückzukehren, wurde nicht erfüllt, er starb am 17. Februar 1909 an einer Lungenentzündung und wurde auf dem Friedhof von Fort Sill bestattet. Einer Legende der Apachen zufolge sang der „letzte Freie Krieger“ auf dem Totenlager folgende Worte „O Ha Le a“, frei übersetzt „Ich warte“. Manche Indianer, auch außerhalb der Apachen, werten diese Worte als „Ich warte auf die Wende des Schicksals“, was die rote Nation bis heute bestärkt.

[Bearbeiten] Grabraub und Petition

Die Skull and Bones Society, darunter Prescott Bush, Großvater von George W. Bush, raubten 1918 angeblich das Grab Gokhlayehs aus und brachten seine Knochen in ihr Kultmuseum. Die Überreste sind bisher nicht zurückgegeben worden[6].

Die Apachen, darunter sein Urenkel Harlyn Geronimo, fordern nun in einer Petition an den US-Kongress die Rückgabe der Gebeine Geronimos. Ned Anderson, ein Apachenhäuptling, hatte bereits 1986 mit Unterstützung des FBI George W. Bushs Onkel Jonathan Bush zur Herausgabe des Schädels aufgefordert.

[Bearbeiten] Zitat

„Ich möchte nun zu gerne wissen, wer es war, der den Befehl gab, mich festzunehmen und zu hängen. Ich lebte friedlich dort mit meiner Familie im Schatten der Bäume und tat genau das, was General Crook mir geraten hatte zu tun. Ich habe oft um Frieden gebeten, aber Ärger kam immer von den Agenten und Dolmetschern. Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem Roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand mehr waten kann, ohne darin zu ertrinken.
Mein Unrecht dagegen ist wie ein kleiner ausgetrockneter Bachlauf, den habgierige Weiße mit den Tränen meines Volkes gefüllt haben. Ich habe dieselben Weißen diese Tränen austrinken lassen, bis auf den letzten Tropfen, so dass ich wieder auf den Bach gehen kann, ohne meine Mokassins mit Unrecht zu nässen. Sagt mir, was daran Unrechtes ist! Ihr sagt selbst, dass ein Mensch, der einen anderen tötet, getötet werden muss. Seht, wie zahlreich der Rote Mann war, bevor ihr kamt, und seht, wieviele Rote Menschen ihr getötet habt. So dürft ihr nach eurem eigenen Gesetz heute nicht hier stehen, sondern müsstet alle tot sein, wenn Euer Gesetz wahrhaftig wäre!“

Gokhlayeh am 25. März 1886 bei San Bernardino Springs zu General George Crook[7]

[Bearbeiten] Künstlerische Verarbeitung der Figur

Geronimo, Portrait von Edward Curtis, 1905

Gokhlayeh taucht − zumeist als Geronimo − in folgenden Filmen auf:

  • 1939: Geronimo, die Geißel der Prärie
  • 1942: Tal des Todes
  • 1950: Der gebrochene Pfeil
  • 1951: Outpost
  • 1952: Son of Geronimo: Apache Avenger
  • 1952: Teufel der weißen Berge
  • 1953: Taza, der Sohn des Cochise
  • 1954: Apache
  • 1956: Ritt in den Tod
  • 1961: Das letzte Kommando
  • 1962: Geronimos Rache
  • 1976: Zwei außer Rand und Band
  • 1993: Die Blutrache des Geronimo
  • 1993: Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend)

Die Figur hat ferner einen Auftritt im Kapitel 6a der Comicreihe Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden von Don Rosa.[8]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Native American leader, Geronimo.PDF; Vonna Harper:Apache Tears, Changeling Press, 2006, ISBN 1-59596-447-9
  2. Goyahklat und in der englischen Biographie: Geronimo ISBN 0-8061-1828-8
  3. Der Grund für dieses Abschlachten war ein äußerst brutales Gesetz, das die Verwaltung von Chihuahua im Jahre 1837 erließ. Für jeden Skalp eines Apachen-Kriegers wurden 100 Dollar, für einen Frauenskalp 50 Dollar und für den Skalp eines Kindes 25 Dollar gezahlt. Das Massaker von Santa Rita wurde in „Apachen“ verfilmt. Q:Erlaß von Chihuahua
  4. Mimbrenjo Apachen
  5. Heliograph
  6. Artikel zu Geronimos Gebeinen, englisch
  7. zitiert nach: H. J. Stammel: Indianer. Legende und Wirklichkeit von A–Z. Leben – Kampf – Untergang; Gütersloh, Berlin: Orbis, 1991; ISBN 3-572-00574-4; S. 194
  8. Veröffentlicht u. a. in: Don Rosa: Onkel Dagobert − Sein Leben, seine Milliarden, Ehapa Comic Collection, Köln 2003, S. 313−336 als Kapitel 6b: Der Rächer von Windy City.

[Bearbeiten] Literatur

  • S. M. Barrett (Hrsg.): Geronimo’s Story of His Life; New York: Duffield & Company, 1906; Neuauflage: 1970; ISBN 0-345-02238-6; Als html-Dokument auf ibiblio.org inkl. zahlreiche Fotografien (Autobiographie Geronimos)
  • Morris E. Opler, David H. French: Myths and tales of the Chiricahua Apache Indians; Memoirs of the American folk-lore society, 37; New York:; American Folk-lore Society, 1941; Nachdrucke: Newy York: Kraus Reprint Co., 1969; Millwood, NY: Kraus Reprint Co., 1976; Morris by Lincoln: University of Nebraska Press, 1994; ISBN 0-8032-8602-3.
  • Jürgen Pinnow: Die Sprache der Chiricahua-Apachen: Mit Seitenblicken auf das Mescalero; Hamburg: Helmut Buske, 1988.
  • Alexandra Robbins: Secrets of the Tomb: Skull and Bones, the Ivy League, and the Hidden Paths of Power; Boston: Little, Brown, 2002; ISBN 0-316-72091-7
  • Britton Davis: The Truth About Geronimo, Bison Books, 1976, ISBN 0-8032-5840-2
  • Angie Debo: Geronimo: The Man, His Time, His Place, University of Oklahoma Press, 1982, ISBN 0-8061-1828-8

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Geronimo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen