Giulio Andreotti
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Giulio Andreotti (* 14. Januar 1919 in Segni, Provinz Rom) ist ein italienischer Politiker.
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[Bearbeiten] Leben
Nach einem Studium der Rechtswissenschaften war er seit 1944 enger Mitarbeiter des späteren Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi. 1946 wurde er Mitglied der verfassunggebenden Versammlung. 1947 wurde er erstmalig zum Mitglied der Deputiertenkammer gewählt. Dort war er 1968 Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten Partei (Democrazia Cristiana; DC), sowie von 1979 bis 1983 Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten.
Andreotti war insgesamt an 33 Regierungen (von 59 nach 1945 - Stand 2004) beteiligt und dabei sieben mal italienischer Ministerpräsident. Er wurde vom italienischen Staatspräsidenten Francesco Cossiga 1992 zum Senator auf Lebenszeit ernannt.
[Bearbeiten] Wichtigste Ministerämter
- 1954 Innenminister
- 1955–1958 Finanzminister
- 1958–1959 Schatzminister
- 1959–1966 Verteidigungsminister
- 1966–1969 Industrieminister
- 1983–1989 Außenminister
[Bearbeiten] Italienischer Ministerpräsident
- 18. Februar 1972 – 26. Juni 1972
- 26. Juni 1972 – 12. Juni 1973
- 29. Juli 1976 – 11. März 1978
- 11. März 1978 – 31. Januar 1979
- 20. März 1979 – 31. März 1979
- 22. Juli 1989 – 29. März 1991
- 12. April 1991 – 24. April 1992
Im April 2006 bewarb sich Andreotti für das noch regierende Parteienbündnis Casa delle Libertà von Ministerpräsident Berlusconi um das Amt des Senatspräsidenten. Er erhielt im ersten Wahlgang 140 Stimmen und damit nicht die erforderliche absolute Mehrheit; jedoch fiel auch sein Gegenkandidat Franco Marini von den Linken mit 157 Stimmen zunächst durch, schließlich wurde letzterer aber dann doch gewählt, während Giulio Andreotti als stimmberechtigter Senator auf Lebenszeit weiterhin an der politischen Debatte teilnimmt.
[Bearbeiten] Verwicklung mit der Mafia
Andreotti konnte achtundzwanzigmal die Aufhebung seiner parlamentarischen Immunität abwehren, erst der 29. Versuch führte zu ihrer Aufhebung. 1993 gab es erste Prozesse wegen Andreottis angeblicher Mafiabegünstigungen. Der erste Prozess um die Ermordung des Journalisten Mino Pecorelli am 20. März 1979 endete im September 1999 nach drei Jahren mit einem Freispruch. In zweiter Instanz wurde Andreotti am 17. November 2002 in Perugia zu 24 Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil wurde in der Berufungsverhandlung am 2. Mai 2003 in Palermo aufgehoben. Im selben Jahr wurde Andreotti aufgrund zwischenzeitlich eingetretener Verjährung der Tat vom Vorwurf der Verbindung zur Mafia freigesprochen.
Es wird behauptet, dass Andreotti in seiner Zeit als führender italienischer Politiker Kontakte zur Mafia hatte. So soll er sich im Jahr 1980 mit dem Mafiaboss Stefano Bontade getroffen haben, um gegen die Ermordung seines Parteifreundes Piersanti Mattarella zu protestieren; im Jahr 1987 soll ein Treffen mit Salvatore Riina, dem damals mächtigsten sizilianischen Mafioso, stattgefunden haben, der zu diesem Zeitpunkt seit anderthalb Jahrzehnten flüchtig war und für etwa 1000 Morde verantwortlich sein soll.
Im Urteil des Berufungsgerichts vom 15. Oktober 2004 wurde später festgestellt, dass es keinen Beweis für ein Treffen Andreottis mit Salvatore Riina gebe. Die entsprechenden Aussagen des Kronzeugen Baldassare „Balduccio“ Di Maggio seien „konfus und widersprüchlich“.[1]
Andreotti gilt als prominentestes Symbol der Verstrickung der italienischen Nachkriegspolitik und besonders der Democrazia Cristiana mit dem organisierten Verbrechen und anderen dunklen Geschäften und der daraus folgenden Ausbeutung des Staates für private Interessen.
[Bearbeiten] Bonmots
Andreotti ist für seine Bonmots und Ironie in Italien bekannt.
- Wenn ich in die Kirche gehe, spreche ich nicht mit Gott, nur mit dem Priester, denn Gott geht nicht wählen.
- Wenn man über Andere schlecht denkt, begeht man eine Sünde, aber man trifft üblicherweise gut.
[Bearbeiten] Literatur
- Regine Igel: Andreotti. Politik zwischen Geheimdienst und Mafia. München, 1997, ISBN 3-7766-1951-1
[Bearbeiten] Filmische Darstellung
- Paolo Sorrentino: Il Divo - Italien 2008, 110 min.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Diritto.net: Processo Andreotti, la Sentenza, in Italienisch, abgerufen am 23. Januar 2007
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Giulio Andreotti im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Seite beim Italienischen Senat (italienisch)
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
Amintore Fanfani Francesco Cossiga |
Italienischer Innenminister 1954 1978 |
Mario Scelba Virginio Rognoni |
Antonio Segni Mario Tanassi |
Italienischer Verteidigungsminister 1959-1966 1974 |
Roberto Tremelloni Arnaldo Forlani |
Emilio Colombo Aldo Moro Ciriaco De Mita |
Ministerpräsident von Italien 1972–1973 1976–1979 1989–1992 |
Mariano Rumor Francesco Cossiga Giuliano Amato |
Emilio Colombo |
Italienischer Außenminister 1983–1989 |
Gianni De Michelis |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Andreotti, Giulio |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 14. Januar 1919 |
| GEBURTSORT | Rom |


