Höhle von Teyjat

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Der Eingang zur Höhle von Teyjat
Der Abri Mège in unmittelbarer Nähe des Ortskerns von Teyjat

Die Höhle von Teyjat, franz. Grotte de la Mairie, liegt im Ortskern von Teyjat im französischen Département Dordogne. Sie enthält über 40 Ritzzeichnungen, die im ausgehenden Magdalénien vor zirka 12.000 Jahren erstellt wurden. Fünfzig Meter entfernt befindet sich ein Abri, das sogenannte Abri Mège, das ebenfalls im Magdalénien besiedelt war.

Geschichtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle war ab 1880 zwar schon mehrmals aufgesucht worden und Perrier du Carne hatte bereits 1889 Funde von fünf verzierten Knochen (darunter ein auf ein Rentierbecken geschnitztes Pony) und anderen Utensilien (gezähnte Harpunen sowie einen Pfeilbogen - ein sehr alter, leider nicht mehr erhaltener Bogenfund) gemacht. Es war aber Denis Peyrony, der die Zeichnungen zwischen 1903 und 1905 entdeckte. Diese wurden anschließend vom Abbé Henri Breuil wissenschaftlich untersucht. 1904 unterzog P. Bourrinet die Höhle einer detaillierten Aufnahme. Er konnte zwei archäologische Horizonte nachweisen, die von einer sterilen Schuttlage getrennt werden. Die unterste Schicht stammt aus dem Magdalénien V, charakterisiert durch einreihig bezahnte Harpunenfunde, die obere hingegen aus dem Magdalénien VI mit zweireihig bezahnten Harpunen, Papageienschnäbel ähnelnden Bohrern bzw. Sticheln und Pfeilspitzen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die prähistorischen Ritzzeichnungen befinden sich im vorderen Abschnitt der Höhle. Über eine Distanz von 10 Metern sind 48 Ritzzeichnungen angebracht, die sich auf sechs Sektoren verteilen. Die Höhlenwände sind stark von dichtem, bernsteinfarbenen Kalksinter überzogen. Dies ermöglichte es den jungpaläolithischen Künstlern, ihre Motive zur Geltung zu bringen. Auch eine stalagmitische Sinterpartie wurde zu Darstellungen verwendet. Als Motive dienten Auerochs, Wisent, Rind, Wildpferd, Rentier, Hirsch und Bär. Der feine, realistisch-expressive, fast photographisch wirkende Stil, vergleichbar mit den Funden in Limeuil, wurde von André Leroi-Gourhan als Stil IV des ausgehenden Magdalénien klassifiziert. Das sogenannte Rinderfries im letzten Abschnitt berühmt geworden - es markiert sozusagen den Höhepunkt der paläolithischen Höhlenkunst.

Insgesamt können die 48 Tierdarstellungen wie folgt aufgegliedert werden:

  • 5 Hirschartige
  • 11 Hirsche
  • 13 Rentiere
  • 10 Wildpferde
  • 3 Auerochsen
  • 4 Wisente
  • 2 Bären

Die Hirsche und Hirschartigen sowie die Rentiere sind im Vergleich mit anderen Höhlen deutlich überrepräsentiert - so dominieren beispielsweise die Pferde in Lascaux und in Les Combarelles, die Wisente in Font-de-Gaume und die Mammuts in Rouffignac und in Bernifal. Insgesamt gesehen handelt es sich bei den abgebildeten Tiergruppen um eine Mischung einer ausgesprochenen "Kältefauna" (Rentier, Wildpferd, Wisent) mit einer mehr temperierten Fauna (Hirsche und Hirschartige). Dies spiegelt die damals einsetzende Erwärmung des Klimas wider.

Alter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die untere Schicht des Höhlenbodens wird dem Magdalénien V zugerechnet, dürfte daher auf zirka 10.000 v. Chr. zurückgehen. Sie enthält abgeplatzte versinterte Wandstücke. Dies ist einer der seltenen Fälle, in dem die Zeichnungen direkt einem archäologischen Stratum zugeordnet werden können.

Utensilfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Boden verstreut fand sich Werkzeug aus derselben Epoche, welches Ähnlichkeiten mit Funden im benachbarten Angoumois aufweist. Darunter waren Waffen wie Harpunen und Bögen. Charakteristisch für das ausgehende Magdalénien sind die gestielten Pfeilspitzen von Teyjat. Bemerkenswert ist der Fund eines Adler-Speichenknochens, auf dem eine Rentiergruppe aus 18 Tieren dargestellt wurde.

Aufbau der Höhle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ritzzeichnungen befinden sich unmittelbar hinter der Eingangspassage auf der linken Seite. Der ausgeschmückte Höhlenteil ist 15 Meter lang. Die Höhle ist länger, es wurden jedoch keine Funde mehr gemacht. Am Ende der Höhle führt ein Schacht in ein tiefergelegenes Stockwerk und zu einem unterirdischen Wasserlauf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. L. Aubarbier, M. Binet, J. P. Bouchard, G. Guichard: Aimer la préhistoire en Périgord. Éditions Ouest-France, 1991, ISBN 2-7373-0786-4.
  • B. & G. Delluc, A. Roussot, J. Roussot-Larroque: Connaître la préhistoire en Périgord. Sud Ouest, 1990, ISBN 2-87901-048-9.

Koordinaten: 45° 35′ 10″ N, 0° 34′ 17″ O