Hamburg-Veddel

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Lage des Stadtteils

Veddel

Lage des Bezirks

Hamburg-Mitte

Basisdaten
Bundesland: Hamburg
Bezirk: Hamburg-Mitte
Fläche: 4,4 km²
Einwohner: 4.949 (2006)
Ausländeranteil: ca. 52% (2006)
Bevölkerungsdichte: 1.125 Einwohner je km²
Postleitzahl: 20539
Vorwahl: 040
Geografische Lage: 53° 31′ N, 10° 2′ O53.51666666666710.033333333333Koordinaten: 53° 31′ N, 10° 2′ O

Veddel ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte. Die Veddel ist ein klassischer Arbeiterstadtteil, dessen Bevölkerung heute überwiegend aus Zuwanderern besteht

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Der Stadtteil Veddel liegt nordöstlich der Insel Wilhelmsburg

[Bearbeiten] Geografische Lage

Veddel liegt südöstlich der Hamburger Innenstadt und wird von ihr durch die breite Norderelbe getrennt. Der Stadtteil umfasst den Ostteil der Insel Veddel sowie die Peute, ebenfalls eine Insel im Stromgebiet der Elbe. Ein kleiner Streifen am Nordrand der Insel Wilhelmsburg gehört ebenfalls zum Stadtteil Veddel. Westlich der Veddel erstreckt sich das Gebiet des Hamburger Hafens.


[Bearbeiten] Gliederung des Stadtteils

Das alte Ortszentrum um den Veddeler Markt im Norden der Veddel wird heute von der Autobahnanschlussstelle Hamburg-Veddel und dem gleichnamigen Zollamt eingenommen. Zwischen der Eisenbahnstrecke, die den Stadtteil nach Westen begrenzt, und der Autobahn 255 liegt ein schmales und dicht bebautes Wohnquartier; der Rest des Stadtteils besteht aus Industrie- und Gewerbegebieten.

Die heute existierende Wohnsiedlung entstand in den 1920er Jahren als eines der ersten kommunalen Kleinwohnungs-Bauprojekte in Hamburg. Vorher hatte an dieser Stelle eine Siedlung mit kleinen Häusern gestanden, die von dem Hamburger Reeder Sloman errichtet worden war. Das Baugelände gehörte der Stadt, während lokale gemeinnützige Baugenossenschaften als Bauherren auftraten. Der Hamburgische Oberbaudirektor Fritz Schumacher gab die einheitliche Gestaltung der Häuser mit roten Ziegelfassaden und flachen Dächern vor. Die einzelnen Baublöcke, die sich um einen zentralen Platz mit Schule gruppieren, wurden nach Plänen verschiedener Hamburger Architekten errichtet.

[Bearbeiten] Benachbarte Stadtteile

An die Veddel grenzt im Norden und Osten der Hamburger Stadtteil Rothenburgsort und im Süden Wilhelmsburg. Im Westen liegt der Stadtteil Kleiner Grasbrook.

[Bearbeiten] Geschichte

Die Veddel war ursprünglich Weideland, auf dem vorwiegend Milchwirtschaft betrieben worden ist. Auf der "Lorichsschen Elbkarte" von 1568 (heute im Hamburgischen Staatsarchiv findet sich der Name Veddel für eine Elbinsel zum ersten Mal. Die Veddel kam 1768 durch den Gottorper Vertrag zu Hamburg.

Nach der Anlage der Freihafens wurde der westliche Teil der Veddel, die Insel "Große Veddel", zum Hafengebiet. Die Insel "Kleine Veddel" wurde aufgehöht und zum Wohngebiet. Bis 1885 entstanden eine ganze Reihe von Wohnbauten.

Mit der Einweihung der Hamburger Elbbrücken 1888 gab es eine feste Straßenverbindung in die Innenstadt.

Eine von Kaufleuten gegründete gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft kaufte am 5. Juli 1878 vom Staat zu einem geringen Preis ein Gelände, auf der Hamburgs erste Arbeitersiedlung in Form einer Gartenstadt errichtet wurde. Sie bestand aus kleinen Einzelhäusern. Benannt wurde sie nach ihrem Initiator, dem Reeder Robert Miles Sloman jr., Sohn von Robert Miles Sloman Slomansiedlung. Mit dieser Sozialpolitik sollte das Erstarken der Sozialdemokratie aufgehalten werden.

1928 wurde diese Siedlung unter der Planung des Oberbaudirektors Fritz Schumacher durch straßenlange Backsteinbauten ersetzt, die noch heuten den Stadtteil prägen.

Der im Stile der Gründerzeit errichtete Nordteil der Veddel ging größtenteils im 2. Weltkrieg, vor allem in der Operation Gomorrha verloren. Die stehengebliebenen Reste wurden zur Errichtung von Straßen und einem Zollamt abgerissen. Das einzige aus dieser Zeit erhaltene Gebäude war ein Alter Ballsaal, der vom Hamburger Denkmalverein als "bedrohtes Denkmal" geführt wurde. Trotz Widerstandes der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte ließ die Hamburg Port Authority HPA das Gebäude im Mai 2009 abreißen.

Am 13. September 1944 wurden 2.000 KZ-Gefangene nach Veddel in ein neu errichtetes Außenlager des KZ Neuengamme gebracht. Sie waren zuvor im Stammlager Neuengamme zur Zwangsarbeit ausgewählt worden und mussten im Rahmen des Geilenberg-Programms im Außenlager zur Sicherung der zerstörten Mineralölindustrie Bau- und Aufräumungsarbeiten bei den Wasserwerken, Brauereien, Mineralölfirmen und bei der Reichsbahn verrichten.

Blick über den Müggenburger Zollhafen nach Norden

[Bearbeiten] Auswandererhallen

Südlich des Müggenburger Zollhafens entstanden ab 1900 die Auswandererhallen der Hamburg-Amerika Linie. Auf gut 55.000 Quadratmetern in rund 30 Einzelgebäuden wurden auf Initiative des Reeders Albert Ballin Schlaf- und Wohnpavillons, Speisehallen, Bäder, Kirchen und Synagogen sowie Räume für ärztliche Untersuchungen errichtet.

Jeder mit dem Zug ankommende Auswanderer musste sich hier einer Personalienkontrolle und einer ersten Gesundheitsuntersuchung unterziehen. Um das Ausbrechen von Krankheiten auf den Schiffen zu verhindern, blieben Auswanderer dort bis zu 14 Tage in Quarantäne, bevor sie auf die Schiffe gehen durften. Durch diese Maßnahme sorgte die HAPAG auch dafür, dass mittellose Auswanderer nicht in die Stadt gelangen konnten, zum anderen waren die unerfahrenen Emigranten so davor geschützt, überteuerte und unnütze Ware aufgeschwatzt zu bekommen.

Dieses weitab vom Stadtzentrum gelegene Quartier galt zur damaligen Zeit als Vorbild an Sauberkeit und Effektivität. Aufenthalt, Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Die bis dahin vorhanden Auswandererbaracken am Amerika-Kai wurden zur Hafenerweiterung benötigt. Diesen war eine Sperrung der Hamburger Grenzen vorausgegangen, da man den russischen Auswanderern den Ausbruch der Choleraepidemie von 1892 anlastete.

Von 1934 bis 1938 dienten die Hallen der SS-Verfügungstruppe (ab 1939/40: Waffen-SS), Standarte "Germania", als Kaserne. Das Regiment zog 1938 in die neuerbaute Heidberg-Kaserne, Hamburg-Langenhorn. Dieser Gebäude-Komplex wurde ab Mai 1945 als Krankenhaus genutzt, bekannt unter "Heidberg-Krankenhaus".

Die Hallen wurden später als Lager genutzt und größtenteils 1938 wegen Straßenbaus abgerissen. Die einzige verbliebene Halle beherbergte zuletzt ein portugiesisches Restaurant und wurde im Frühsommer 2006 ebenfalls abgerissen. An ihrer Stelle wurde am 5. Juli 2007 unter dem Namen BallinStadt ein Auswanderermuseum eröffnet.

[Bearbeiten] Sturmflut 1962

Wie das südlich an den Stadtteil grenzende Wilhelmsburg wurde auch die Veddel am 17. Februar 1962 von der verheerenden Sturmflut heimgesucht. Die Bewohner konnten sich jedoch auf den Bahndamm oder die oberen Etagen der Häuser retten. 2 Bewohner starben in überfluteten Kelleretagen. In den Ersatzheimen des Kleingartengebietes auf der Peute waren 3 Tote zu beklagen. In den ehemaligen Auswandererhallen wurde eine der Einsatzzentralen für die Rettungsmannschaften eingerichtet; die Schule Slomanstieg bildete eines der Auffanglager.

Siehe auch Hauptartikel Sturmflut 1962.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Die Veddel ist durch ihre unmittelbare Nachbarschaft zum Hamburger Hafen ein traditionelles Arbeiterviertel. Der Anteil von Sozialhilfe-Empfängern an der Bevölkerung liegt bei 18%. Etwa 55% sind Ausländer und weitere 35% sind deutsche Staatsbürger mit ausländischen Wurzeln. Insgesamt also haben 90% der Einwohner einen Migrationshintergrund. Davon sind ca. 65% Türken, 15% Albaner, 10% Schwarzafrikaner und der Rest sind Südamerikaner etc. Der Anteil der Minderjährigen liegt bei 60%.

[Bearbeiten] Politik

Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung gehört die Veddel zum Wahlkreis Billstedt-Wilhelmsburg-Finkenwerder. Bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2008 erhielt die SPD auf der Veddel 53% aller Listenstimmen, soviel wie in keinem anderen Stadtteil. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat 2008 einen Regionalausschuss für die Stadtteile Veddel, Wilhelmsburg, Kleiner Grasbrook und Wilhelmsburg eingesetzt.


[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Blick von Entenwerder (zu Rothenburgsort) auf die Peute

[Bearbeiten] Ansässige Unternehmen

Auf der Peute entstand ab 1909 das Werk der Kupferhütte Norddeutsche Affinerie. Sie ist heute einer der größten Arbeitgeber Hamburgs.

[Bearbeiten] Verkehr

Veddel ist von außerordentlicher Bedeutung für den Durchgangsverkehr auf Straße und Schiene, denn in den Stadtteil führen zwei der Hamburger Elbbrücken:

Die erste Norderelbbrücke wurde 186872 für die Eisenbahnstrecke Harburg–Hamburg von der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft gebaut. Sie wurde mehrfach erweitert und nimmt heute den Fernverkehr zum Hamburger Hauptbahnhof, den S-Bahnverkehr der Linien S3 und S31 sowie den Güterverkehr der südlichen Hamburger Güterumgehungsbahn auf.

Die erste Straßenbrücke wurde 1888 eingeweiht. 1960 wurde an der Brücke von beiden Seiten eine moderne Fachwerkbalkenbrücke angebaut, über die die Bundesstraßen 4 und 75 führen, die unmittelbar danach in die Bundesautobahn 255 übergehen. Der alte Brückenteil wurde zunächst für die Straßenbahn genutzt, er dient heute als Busspur.

Die Freihafen-Elbbrücke, die direkt neben der Eisenbahnbrücke, aber bereits im benachbarten Stadtteil Kleiner Grasbrook liegt, dient dem Eisenbahn- und Straßenverkehr im Hamburger Freihafen.

Am 23. September 1983 wurde der neue Bahnhof der S-Bahn eröffnet. Seitdem besteht eine dichte Zugfolge zum nur zwei Stationen entfernten Hauptbahnhof.

Die Veddeler Brückenstraße, die das Wohngebiet diagonal durchschneidet, war bis Ende der 1980er Jahre Teil der Bundesstraßen 4 und 75. Sie nahm seit 1950 den Verkehr zur Wilhelmsburger Reichsstraße auf, einer Schnellstraße nach Wilhelmsburg und weiter nach Harburg, die am Südrand des Stadtteils beginnt. Im Zuge der Verlängerung des nördlichen Endes der Schnellstraße über die Bundesautobahn 252 wurde die Veddeler Brückenstraße verkehrsberuhigt.

[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen

Mit dem Zollamt Hamburg-Veddel besteht nach Westen hin einer der Zugänge zum Hamburger Freihafen.

[Bearbeiten] Bildung

Die Schule Slomanstieg ist eine staatliche Grund,- Haupt,- und Realschule. Sie ist die einzige Schule auf der Veddel für ca. 450 Schülerinnen und Schüler. Die Sekundarstufe I ist Ganztagsschule. Rund 90% der Schüler sprechen Deutsch nicht als Muttersprache. In der Schule sind 25 verschiedene Nationen zu verzeichnen und insgesamt sprechen die Schüler 26 verschiedene Sprachen. [1]

[Bearbeiten] Sonstiges

Die Veddelhose[2], eine Lederhose mit Schlag, erlangte internationale Bekanntheit und wurde zuerst von einer hier ansässigen Schneiderei gefertigt.

[Bearbeiten] Literatur

  • Die Veddel in Wort und Bild : mit Beiträgen von Hamburger Kunstfreunden und Schriftstellern / hrsg. von Paul Ebert. Hamburg, [1911]
  • Auswandererhafen Hamburg, ISBN 3-929229-75-7
  • Die Veddel und wir. Eindrücke aus der Geschichte der SPD Veddel, ISBN 978-3837002959

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen und Einzelnachweise

  1. http://schule-slomanstieg.hamburg.de
  2. Hamburger Abendblatt über die Geschichte der Veddelhose

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Hamburg-Veddel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien


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