Herrnhut

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Herrnhut (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Herrnhut
Herrnhut
Deutschlandkarte, Position der Stadt Herrnhut hervorgehoben
51.01666666666714.741666666667344Koordinaten: 51° 1′ N, 14° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Dresden
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Herrnhut
Höhe: 344 m ü. NN
Fläche: 19,87 km²
Einwohner: 2774 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 140 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02747
Vorwahl: 035873
Kfz-Kennzeichen: GR
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 180
Stadtgliederung: 2 Ortsteile/Stadtbezirke
Adresse der Stadtverwaltung: Löbauer Straße 18
02747 Herrnhut
Webpräsenz:
Bürgermeister: Willem Riecke (HL)
Lage der Stadt Herrnhut im Landkreis Görlitz
Karte

Herrnhut (sorbisch Ochranow) ist eine sächsische Landstadt im Landkreis Görlitz in der Oberlausitz. Zentral zwischen den Städten Löbau und Zittau gelegen, ist sie erfüllende Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Herrnhut, der als weitere Gemeinden Großhennersdorf, Strahwalde und Berthelsdorf angehören.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

[Bearbeiten] Klima

Klimadiagramm von Herrnhut[2]
Herrnhut: der Bahnhof dient auch als Kunstbahnhof

Die durchschnittliche Lufttemperatur in Herrnhut beträgt 7,7 °C, der jährliche Niederschlag 688 Millimeter.

[Bearbeiten] Geschichte

Herrnhut 1765

Die Gründung von Herrnhut verdankt sich der Großzügigkeit und des persönlichen Engagements von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Er hatte 1722 Böhmischen Brüdern, Glaubensflüchtlingen aus Mähren, Aufnahme auf seinem Gut Berthelsdorf gewährt.

Doch die Geschichte Herrnhuts beginnt viel früher. 1457 entstand eine der ersten evangelischen Kirchen in Böhmen, die Unitas Fratrum oder Brüder-Unität. Die „Böhmischen Brüder“ beriefen sich auf den Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Für ihre Gemeinschaft sollten einzig und allein die Aussagen der Bibel gelten. In Folge der Gegenreformation kamen sie Anfang des 18. Jahrhunderts als Glaubensflüchtlinge auf das Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf in der Oberlausitz. Er gewährte ihnen Asyl. Ihrer ausgeprägten Religiosität entsprechend stellten sie ihre Gemeinschaft unter die „Obhut des Herrn“ und nannten ihre Kolonie Herrnhut.

Die Ausstrahlung dieser neuen Arbeits- und Lebensgemeinschaft erreichte in kürzester Zeit Menschen aus anderen Kirchen. Dies beruht nicht zuletzt auf den besonderen Gaben des Grafen Zinzendorf, der seine vom Pietismus geprägte Theologie weiterentwickelte. Nach seinem Tod 1760 vererbte er den Brüdern das Schloss und das Gut.

Wegen Zuzugs wurde Herrnhut noch im 18. Jahrhundert eine administrative Gemeinde. Sie erlangte 1895 Selbständigkeit und erhielt 1929 das Stadtrecht. 1995 wurde die Nachbargemeinde Ruppersdorf mit ihren Ortsteilen Schwan und Ninive eingemeindet.

[Bearbeiten] Religion

Größte Religionsgemeinschaft ist die evangelische Kirchgemeinde Ruppersdorf. Herrnhut ist der Hauptsitz der Herrnhuter Brüdergemeine (Evangelische Brüder-Unität), die als Kirche unter dem Namen Moravian Church in 30 Ländern vertreten ist und auch heute noch tätige Missionsarbeit betreibt. Seit einigen Jahren gibt es auch Jugend mit einer Mission in Ruppersdorf (Ortsteil von Herrnhut), welche an die Missionsgeschichte der Brüdergemeine anknüpfen wollen. Darüber hinaus ist auch die katholische Kirche in Herrnhut vertreten.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Abraham-Dürninger-Stiftung als bedeutendstes Wirtschaftsunternehmen

[Bearbeiten] Gemeindepartnerschaften

Es besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Bad Boll in Baden-Württemberg.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Kirchensaal (Großer Saal) der Brüdergemeine von 1756, Barock (1945 zerstört, 1951-53 wieder aufgebaut)
  • Vogtshof von 1730, 1746 schloßartig erweitert, Sitz der Evangelischen Brüder-Unität, Europäisch-Festländische Provinz, mit dem Sitzungssaal im 1.OG, in dem jährlich die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine gezogen werden
  • Unitätsarchiv mit Bibliothek und Lesesaal, darin zeitweise Vorträge und Symposien
  • Gildenhaus mit Verkaufsausstellungen der Herrnhuter Künstlergilde
  • Gottesacker der Brüdergemeine am Hutberg mit den Gräbern der Familie Zinzendorf

[Bearbeiten] Museen

  • Völkerkundemuseum
  • Heimatmuseum

[Bearbeiten] Bauwerke

  • der Vogtshof
  • das Witwenhaus
  • barocke Bürgerhäuser
  • der Zinzendorfplatz mit Kirchenensemble
  • das Unitätsarchiv
  • Wasserschloss im Ortsteil Ruppersdorf

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Zinzendorf-Denkmal in Herrnhut

[Bearbeiten] Söhne und Töchter des Ortes

[Bearbeiten] Sonstiges

Herrnhut ist auch wegen der Herrnhuter Sterne bekannt, die seit 150 Jahren hergestellt werden und mittlerweile eine beliebte Weihnachtsdekoration darstellen. Weite Verbreitung erlangte das "Herrnhuter Kleisterpapier", ein Buntpapier, das in der Brüdergemeine hergestellt wurde. Es handelte sich anfangs um ein Nebenprodukt bei der Textilherstellung, wobei die für die Tuche verwendeten Farben (vor allem blau - Indigo wurde in der Lausitz angebaut - ,rot und oliv) für einfarbige Kleisterpapiere Verwendung fanden. Das Papier war unverwechselbar durch die Einfarbigkeit mit geometrischen Mustern, die mit unterschiedlichen Gerätschaften (Kämmen, Stäben)erzeugt wurden.


[Bearbeiten] Literatur

  • Falk Lorenz: Felder der Besinnung. Gottesacker Herrnhut u. Eine Achse in der Landschaft. Herrschaftsgarten Herrnhut. In: Ernst Panse (Hrsg.): Parkführer durch die Oberlausitz. Lusatia Verlag, Bautzen 1999; S. 203–210; ISBN 3-929091-56-9.
  • Dietrich Meyer: Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine 1700–2000. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2000 ISBN 978-3-525-34019-6
  • Frank Seeliger: "Einer prügelt uns und der andere bringt uns Religion ...": eine ethnohistorische Studie über Fremdheitserfahrungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im tibetisch-buddhistischen West-Himalaya-Gebiet Lahoul aus Sicht Herrnhuter Missionare. Herrnhuter Verlag, 2003, ISBN 3-931956-17-2

[Bearbeiten] Quellen

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Bevölkerungsentwicklung
  2. Deutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961-1990

[Bearbeiten] Weblinks

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