Hochdeutsch
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Unter Hochdeutsch wird gemeinhin die Variante der deutschen Sprache verstanden, die als dialektunabhängige, dem Schriftdeutsch nahekommende in den Medien breite Verwendung findet. Hannover und die umliegende Region wird oft als der Sprachraum notiert, in dem diese Variante am ehesten gesprochen wird.
Der Begriff selbst verweist auf die Abgrenzung vom Niederdeutschen, das ursprünglich in der norddeutschen Tiefebene beheimatet war. Hochdeutsch waren gegenüber den niederdeutschen die Dialekte der höher gelegenen südlichen Regionen Deutschlands. Sprachhistorisch kennzeichnet die hochdeutschen Dialekte, dass sie im 5. und 6. Jahrhundert die zweite Lautverschiebung mitmachten. Charakteristisch ist für sie die Lautung „Apfel“ gegenüber der niederdeutschen „Appel“, wie sie sich im Niederländischen, im Plattdeutschen und (auch im Englischen) findet.
Der Begriff gewann in den letzten fünfhundert Jahren gegenüber dem ursprünglichen regionalen Verweis auf die höher gelegenen Gebiete Deutschlands neue Bedeutung: „Hoch“ steht heute für „stilistisch hoch“ und für eine Sprachvariante, die gerade in Norddeutschland beheimatet zu sein scheint. Hinter dieser Begriffsverschiebung liegt die Entwicklung, in der sich die aktuelle Hochsprache von Süddeutschland aus nach Norden verbreitete, wo sie das Plattdeutsche verdrängte. Das aktuelle Hochdeutsch ist historisch betrachtet die süddeutsche Sprache, wie sie seit dreihundert Jahren in Norddeutschland gesprochen wird.
Wichtige Schritte waren in dieser Entwicklung die Ausformung das Prager Kanzleideutsch im 15. Jahrhundert, mit ihm fand das Mittelhochdeutsche eine Variante, die sich in geschriebenen Dekreten im ganzen Reich ausbreitete. Ihr folgte im 16. Jahrhundert die Ausformung der Schriftvariante, die Martin Luther eher auf den Raum um Meißen zentriert als Sächsische Kanzleisprache für seine Übersetzung der Bibel (1534 komplett) übernahm. Sie verbreitete sich im Lauf des 16. und 17. Jahrhunderts nach Norddeutschland. Die Bestrebungen der „deutschen Gesellschaften“ des 17. Jahrhunderts führten zu einer Ausgrenzung verbleibender dialektaler Varianten – das Hochdeutsche wurde bis in das 18. Jahrhundert hinein mit leichten Varianten in Hamburg, Nürnberg oder Wien unterschiedlich geschrieben, hier fand eine Vereinheitlichung (zum Beispiel in den -lig und -lich Endungen) statt. Mit dem 18. und 19. Jahrhundert verschob sich das regionale Zentrum der hochdeutschen Aussprache nach Norden. Das hat zum einen politische Gründe: Preußen gewann eine Vormachtstellung, die Reichseinigung fand über die norddeutschen Staaten statt. Das hat zum anderen sprachhistorische Gründe: die norddeutschen ursprünglich niederdeutschen Gebiete übernahmen die Schriftsprache als künstliche Hochsprache und einigten sich dabei im großen geographischen Rahmen auf deren korrekte Aussprache.
„Hoch“ bezeichnet heute im Begriff Hochdeutsch Stilhöhe, den Vorrang einer „Hochsprache“ der nationalen Kunst und der Kultur gegenüber der niedrigen Volkssprache mit ihren regionalen und klassenspezifischen Ausprägungen. Dies zeigt sich auch in den Begriffen bundesdeutsches Hochdeutsch und Schweizer Hochdeutsch, die österreichische Variante nennt man österreichisches Deutsch. Für den Verweis auf die regionalen Sprachfamilien eignet sich hier Oberdeutsch und andernorts Mitteldeutsch.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Standarddeutsch, die standardisierte hochdeutsche Schriftsprache (Standardhochdeutsch)
- Hochdeutsche Dialekte, die von der zweiten Lautverschiebung betroffenen Mundarten (Mundarten südlich der Benrather Linie oder der Uerdinger Linie)

