Inka
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Als Inka wird heute eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden Personen dieser Kultur bezeichnet. Sie herrschten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert über ein weit umspannendes Reich von über 200 ethnischen Gruppen,[1] das einen hohen Organisationsgrad aufwies. Zur Zeit der größten Ausdehnung (ca. 950.000 km²) erstreckte sich sein Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Ausdehnung größer ist als die Entfernung zwischen dem Nordkap und Sizilien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cusco) im Hochgebirge des heutigen Peru.
Inka war ursprünglich die Bezeichnung eines Stammes, der nach eigener Auffassung dem Sonnengott Inti entstammte und die Umgebung Cuscos besiedelte und zivilisierte. Seine herrschende Sippe fungierte später als Adel des gleichnamigen theokratischen Reiches. Aus ihr rekrutierten sich auch der Klerus[2] und die Offiziere der Inka-Armee. Sapa Inka („einziger Inka“) war der Titel des Inka-Herrschers des Tawantinsuyu („Land der vier Teile, Reich der vier Weltgegenden“ - so die Selbstbezeichnung des Reiches).
[Bearbeiten] Überblick
Die Faszination der Inka-Kultur beruht nicht zuletzt darauf, dass jenen indigenen Kulturen, die eine städtische Kultur mit steinernen Zeugnissen hervorbrachten, besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Inka-Kultur war jedoch eine vorwiegend bäuerliche Zivilisation, die in einer jahrtausendealten Kulturlandschaft auf teilweise bereits seit Generationen entwickelten Agrar-, Kultur- und Herrschaftstechniken basierte und die nur einer sehr kleinen, aristokratischen Herrschaftselite einen aufwändigen, städtischen Lebensstil ermöglichte.
Dabei beruhte die Legitimität ihrer Macht nicht zuletzt darauf, Tribute und Arbeitsleistungen der ansonsten wirtschaftlich weitgehend autarken bäurischen Gemeinschaften zur Versorgung der von ihnen beherrschten Bevölkerung in den klimatisch, topographisch und vegetativ radikal unterschiedlichen Umweltzonen, zur Überbrückung bei den häufigen Überschwemmungen, Dürre- und anderen Katastrophen sowie für die Versorgung der Heere bei den häufigen Kriegszügen umzuverteilen. Zeichen von Mangel- oder gar Unterernährung während der Inka-Periode waren bei einer Studie an keinem untersuchten Leichnam festzustellen.[3]
Die Inka sprachen Quechua (runa simi = „Sprache der Menschen“), verwendeten die Knotenschrift Quipu (Khipu), die nur Ziffern ausdrückte und die Tocapu-Muster, die in Textilien gewebt wurden und bei denen noch nicht sicher ist, ob es sich um eine Schrift handelte. Da die Inka kein Geld kannten, entwickelten sie auch keine Steuern im europäischen Sinn. Stattdessen entwickelten sie einen Beamtenstaat, der durch umfangreiche, exakte, statistische Aufzeichnungen alle Leistungen und Bedürfnisse, alle Ressourcen, Tributverpflichtungen und ihre Verteilung festsetzte und aufeinander abstimmte. Die für den Staat bestimmten Leistungen wurden deshalb durch streng im Kollektiv organisierte Arbeiten erbracht: Ein Drittel ihrer Arbeitszeit hatte die Bevölkerung für Inti, den Sonnenkult, ein weiteres Drittel für den Inka, also die herrschende Aristokratie und das Militär zu arbeiten. Zwei Drittel der Arbeitszeit gingen also als Fronarbeit an die adelige weltliche und geistliche Herrscherschicht. Das letzte Drittel ihrer Arbeitszeit durften sie für den Unterhalt ihrer Familie, der Alten, Kranken, Witwen, Waisen und Hilfsbedürftigen nutzen, also blieb für die engste Familie nach Abzug der sozialen Leistungen nur ein kleiner Teil von deutlich unter einem Drittel. Kranke, Behinderte und Waisen wurden somit in der inkaischen Gesellschaft versorgt.[3] Adel, Beamte und Priesterschaft verfügten über Privilegien, waren vom Feld- und Militärdienst und von jeglichen Staatsabgaben befreit. Der Adel durfte goldenen Schmuck tragen.
Die Inka-Herrscher und insbesondere ihre Ahnen wurde neben dem Sonnengott Inti, dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama als göttlich verehrt. Während allen übrigen Männern ausdrücklich verboten war, ihre Schwester, Mutter, Cousine, Tante oder Nichte zu heiraten, heiratete der Inka-König bei seinem Amtsantritt in Anspielung auf seine mythische Herkunft seine Schwester (siehe Inzest), die damit zur Quya (Coya), zur Königin wurde. Während Bauern etwa mit Erreichen des zwanzigsten Lebensjahrs eine Frau heiraten mussten (siehe Zwangsheirat), durften Adlige in Polygamie leben. Der Sapa Inka heiratete in der Regel neben seiner Schwester auch die Töchter wichtiger Fürsten der unterworfenen Gebiete. Sein zukünftiger Nachfolger wurde vom Inka nur unter den Söhnen der Coya ausgewählt, wobei er von zwanzig als Räte bezeichneten Verwandten beraten wurde. Damit galt das dynastische Prinzip jeder Monarchie, aber anders als bei europäischen Monarchien hatte der Erstgeborene keinen automatischen Anspruch auf die Nachfolge.[4]
Der Sapa Inka reiste in einer Sänfte durch sein Reich. Vor ihm durfte man nur barfuß erscheinen. Selbst höchste Würdenträger hatten sich dem Monarchen zum Zeichen ihrer Demut mindestens mit einer symbolischen Last zu nähern. Der Sapa Inka nahm bei Audienzen eine demonstrative Teilnahmslosigkeit ein, in dem er seine Gesprächspartner nicht direkt ansprach.[5] Er verbarg seine Person hinter einer Wand oder sein Gesicht hinter einem kostbaren Stoff.[6] Auf dem Kopf trug er als Zeichen seiner königlichen Würde die Maskaypacha oder Maskapaycha, ein Band, das mit dem purpurroten Llawt'u (Llautu), einer langen Stirnquaste versehen war. Seine kunstvoll gefertigten Gewänder trug er jeweils nur einmal.[7] Die getragene Kleidung wurde ebenso wie seine Speisereste sorgfältig gesammelt und jährlich anlässlich einer großen Feier verbrannt.[8][9]
Die Ingenieure, Straßen- und Brückenbauer leisteten angesichts der begrenzten technologischen Möglichkeiten beachtliche Arbeiten, was die 60 m lange Hängebrücke über den Río Apurímac, die 4.000 km lange und 8 Meter breite Küstenstraße und die 5.200 km lange und 6 m breite Andenstraße veranschaulichen. Unüberwindliche Felsen, z. B. an steilen Wänden wie oberhalb von Pisac, wurden durch einen Tunnel überwunden.[10] Auf ihnen waren Chaski (Stafettenläufer) unterwegs, die Nachrichten an einem Tag bis zu 400 km weiterleiten konnten.[11][12] Das gesamte Straßennetz der Inka besaß eine ungefähre Länge von 40.000 km und war damit größer als das römische. Es wurde fußläufig genutzt, da Reittiere, Rad und Wagen noch nicht bekannt waren. Die Architekten errichteten Repräsentationsbauten aus schweren, zyklopischen Granitsteinen, die sie verwinkelt fugenlos aneinander passten und die die häufigen Erdbeben überwiegend unbeschadet überstanden (nicht jedoch die Zerstörungen der Spanier). Das Bogengewölbe kannten sie noch nicht.
Die Inka führten bereits erfolgreiche Operationen am Schädel durch und verwendeten dazu die auch in Europa und Afrika von Steinzeitvölkern eingesetzte Trepanations- und die Schabetechnik. Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und Bronze hergestellt. Eisen war unbekannt. Sie beherrschten die Webkunst und stellten Kleidung aus feiner Vicuña- und Alpacawolle her. Es gab genaue Vorschriften über die Gestaltung der Ständekleidung. Die gefundenen keramischen Gegenstände weisen einfache, farbenfrohe Muster auf und besitzen nicht die Verspieltheit früherer Kulturen. Sie spielten auf der Okarina, einem Blasinstrument aus Ton, aber auch auf Quenas (qina), den Andenflöten aus Bambus, der aus Jaguar- oder Menschenknochen hergestellten Piruru oder der Pan- oder Hirtenflöte Antara, die aus Rohr oder gebranntem Ton gefertigt wurde[13] und kleinen Bauchtrommeln bei ihren Feierlichkeiten und Festen. Gehäuse von Flügelschnecken (Strombus), Pututu genannt, die als Töchter des Meeres angesehen wurden, wurden bei kultischen Handlungen wie eine Trompete eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der Apus, der Berggötter, auf die Not der Menschen zu lenken.[14] Feste und religiöse Zeremonien waren von Musik und Tanz begleitet – Kunst war, wie im mittelalterlichen Europa, ritueller Ausdruck der Religion, erzählte von Kriegstaten und Heldenmut der Könige und curacas – kein l'art pour l'art.
Die großartigen Bauwerke, das weite Straßennetz und das vollendete Kunsthandwerk verdienen besondere Bewunderung, da diese Kulturleistungen überwiegend mit menschlicher Muskelkraft also ohne Rad, Wagen, ohne Zugtiere, wie Ochse und Pferd, ohne Flaschenzug, Töpferscheibe, Blasebalg, Zange und ohne Schrift vollbracht werden konnten.
Um eine für die Bedingungen des Hochgebirges riesige Zahl von Menschen zu versorgen und um Hungersnöten vorzubeugen, wurden im Verlauf von Jahrtausenden nahezu alle geeigneten Hänge in bewohnten Gebieten terrassiert und mit Kanälen bewässert. Fachleute (kamayuq) maßen in kreisrunden, exakt aus dem Felsen geschlagenen, unterschiedlich tiefen beckenförmigen Vertiefungen exakt die durchschnittliche Wassermenge und ihre Verdunstung. Neben präziser Wetterbeobachtung lieferte ihnen dies Daten über den Wind und bevorstehende Unwetter.[3] Überschüsse aus den Tributleistungen wurden in speziellen Speichern gelagert, die vor Regen schützten, in denen der Wind zirkulierte und hierdurch vor Fäulnis schützte. In einigen Fällen wurden Kartoffeln „gefriergetrocknet“.[15][16] Auf den hochgelegenen Terrassen wurden 20 Maissorten (sara), 240 Kartoffelarten, Bohnen, Quinoa, Amarant, Kürbis, Tomaten, Maniok, Paprika, Kakaobohnen, Avocados, Papayas, Erd- und Cashewnüsse sowie Maulbeerenpflanzen angebaut.[17] Als Haustiere und Lasttiere hielten sie Lamas, Enten, Alpacas und das Meerschweinchen, letzteres hauptsächlich zum Verzehr (quechua: quwi, daraus spanisch cuy).
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Herkunft
Die Inka stammen entgegen ihrem eigenen Herkunftsmythos möglicherweise aus dem Amazonastiefland, was u. a. aus dem Anbau der ursprünglich in den Waldgebieten angebauten Kartoffeln und Maniok und aus häufigen Darstellungen des nur in der tropischen Tiefebene vorkommenden Jaguars geschlossen wird.[18][19] Zwar war der Kondor den Inka als Bote der Sonne ebenso heilig wie allen Vorgängerkulturen, aber im Gegensatz zu ihnen stellten sie ihn niemals bildlich dar.[20] Auch die Tatsache, dass sie vor ihrer Ankunft im Cusco-Becken ein eigenes Idiom sprachen, das dem der Uru und Chipaya verwandt gewesen sein soll[21] und dessen Merkmale mehrere Fachleute mit dem peruanischen Amazonasgebiet in Zusammenhang bringen, spricht für diese These.[22]
Die Inka steigerten die Bedeutung ihrer eigenen Kultur durch die bewusste Zerstörung jedes Beweises der Leistungen ihrer Vorgängerkulturen[23][24] und die Herabsetzung ihrer Feinde als kulturfeindliche Barbaren, wie es später die Spanier mit der Inkareligion vollzogen.[25] Anfangs förderten sie das Aymará als Verkehrssprache, bis sie später das Quechua als allgemeine Sprache durchsetzten.[21]
In der Mythologie der Inka gibt es mehrere Legenden über die Entstehung der Inka. Die bekannteste stammt vom Chronisten Garcilaso Inca de la Vega. Ihr zufolge sollen der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Mama Ocllo vom Sonnengott Inti gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee, nach anderen Mythen in der Höhle Paritambo, gelangten sie in die Welt. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit; Sie sollten ihren Wohnsitz dort gründen, wo es ihnen gelang, den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben. Nach einer langen Wanderung fanden sie eine Stelle und gründeten dort um das Jahr 1200 die Stadt Qusqu (Cusco), die nach ihrem Verständnis der „Nabel der Welt“ war.
Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 km², in der mehrere Inseln liegen, u. a. die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titiqaqa liegt, betrachten die Quechua sprechenden Inka und die Aymará sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig. Zwei Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln: Das Wort „titi“ bedeutet in der Aymará-Sprache „Bergkatze“, „qaqa“ in Quechua „Felsen“.
Der Überlieferung nach hatte das Inkareich 13 bzw. 14 Herrscher. Die ersten 8 sind halb geschichtliche, halb mythologische Gestalten. Die letzten 5 Inka sind geschichtlich erwiesen.
Die Stadt Cusco war in zwei Stadthälften gegliedert, Ober-Cusco (Hanan Qusqu bzw. Hunan Qusqu) und Unter-Cusco (Urin Qusqu bzw. Hurin Qusqu). Zu Unter-Cusco gehörten die ersten fünf Inka-Herrscher, die den Titel Sinchi (quechua, „Kriegsherr“, eigentlich „stark“)[22] trugen, ab dem sechsten waren es Herrscher von Ober-Cusco mit dem Titel Sapa Inka.
[Bearbeiten] Aufstieg und Expansion
Die ersten spanischen Chronisten zeichneten bei ihrer Ankunft in Cusco die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Noch wichtiger sind die umfangreichen Werke zweier peruanischer Chronisten wenige Jahrzehnte später, Garcilaso Inca de la Vega und Waman Puma de Ayala. Diese Aufzeichnungen sind geschichtlich nicht erwiesen, ergeben aber das von den Inka favorisierte Bild, nach dem sie durch Taktik und Eroberungen zum dominanten Stamm in den Anden aufstiegen. Auch die bereits im Inkareich praktizierte Unterdrückung der Erinnerung an die andinen Vorgängerkulturen wird in diesen Chroniken nachvollzogen.
Als die Inka im Gebiet von Cuzco eintrafen, lebten hier noch verschiedene andere Stämme, darunter die Gualla und die Sauasera. Die Gualla wurden von dem relativ kleinen Volk der Inka angegriffen und allesamt getötet. Daraufhin schlossen sich die Sauasera mit einem anderen Stamm zusammen und versuchten sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Die Inka besiegten auch diesen Stammesverbund und machten sich daran, die übrigen Stämme zu unterwerfen. Durch die Besetzung der Bewässerungssysteme der Alcabiza und der Tributverpflichtung, die sie den Culunchima auferlegten, brachten sie das Gebiet zwischen den beiden Flüssen Watanay und Tullumayu unter ihre Kontrolle.
Bei den Eroberungen spielte Inti als Kultobjekt eine große Rolle. Es wurde in einem Kasten aus Stroh aufbewahrt und als Heiligtum verehrt. Die Nachfahren des ersten Inka Manco Cápac wagten nicht, den Kasten zu öffnen. Erst der vierte Inka Mayta Cápac brachte den Mut dazu auf. In der Legende heißt es, das heilige Objekt Inti habe sprechen können und Ratschläge für die Eroberungen gegeben.
Der zweite Inka Sinchi Roca, der als Späher bezeichnet wurde, begann eine friedliche Expansion in Richtung auf den Titicacasee durch die freiwillige Integration der Dörfer der Puchina und Canchi, denen sich andere anschlossen.[26]
Sein Nachfolger, Lloque Yupanqui als der dritte Inka brach bereits mit einem Heer von sechs- bis siebentausend Mann zu Eroberungen am Titicacasee auf. Die Ayahuiri setzten dieser Expansion entschlossenen militärischen Widerstand entgegen, den der Inka letztlich durch Verstärkungen brach. Um von dort gegen die Colla (ein Aymara sprechender Bergstamm nahe dem Titicacasee) Krieg führen zu können, ließ er als Expeditionsbasis die Festung Pucará errichten und eine Truppe von zehntausend Mann unter dem Kommando seines Bruders Manco Cápac aufstellen, bevor er nach Callao umsiedelte, dem heutigen Hafen Limas. An der Spitze eines Heeres eroberte er die Provinz Hurin Pacassa bis zu den Abhängen der Sierra Nevada in der Zentralkordillere.[26]
Nach seiner Heirat mit Mama Caba zeugte er drei Söhne, dessen Ältester, Mayta Cápac vierter Inka wurde. In einem langanhaltenden Krieg gegen die Alcabiza teilte er die Armee in vier Teile auf, die er vier Kommandeuren unterstellt und seine Feinde zum Rückzug auf einer Anhöhe zwang. Dort belagerten die Inka ihre Gegner fünfzig Tage und sperrte ihre Bewässerungssysteme, bis sich diese ergaben und anschließend von den Siegern gut behandelt wurden. Mayta Cápac bestand weitere Schlachten und heiratete schließlich Mama Taoca Ray, mit der er die beiden Söhne Cápac Yupanqui und Apo Tarco Huaman (waman = „Falke“) zeugte.[27]
Der fünfte Inka Cápac Yupanqui führte erstmals Feldzüge gegen weiter entfernte Völker: Um Unruhen im Land der Colla niederzuwerfen, brach er mit einem Heer auf. Die Häuptlinge der Cari und der Chipana, die durch eine Dauerfehde gegeneinander geschwächt waren und nichts mehr fürchteten, als dass sich ihr Gegner mit Cápac Yupanqui verbünden könnte, buhlten beide um ein Bündnis, das der Inka dazu nutzte, beide Stämme seinem Machtbereich einzugliedern. Seine Frau Mama Curihilpay (Qorihillpay bzw. Chuqui Yllpay) war eine Tochter des Häuptlings der zuvor mit den Inka verfeindeten Anta. Nach dem Chronisten Vaca de Castro war sie Tochter des Curaca der mächtigen Ayarmaca.[27] Ab diesem Zeitpunkt gewannen die Inka regionale Bedeutung.
Der sechste Inka Inca Roca heiratete die Tochter des Herrschers der Wallakan (Guayllacan bzw. Huallacan). Aus dieser Verbindung ging der siebte Inka Yáhuar Huácac hervor. Die Tatsache, dass einer seiner Söhne während seiner Jugend von einem benachbarten Stamm über Jahre als Geisel genommen wurde, relativiert die Macht der Inka zu diesem Zeitpunkt.[2] Das Verhältnis zu den benachbarten Ayarmaca, die bis dahin mit den Inka gleichberechtigt gewesen waren, wandelte sich zu dieser Zeit. Durch die zunehmende Dominanz der Inka kam es zu Konflikten. Schließlich wurden die Ayarmaca durch die Heirat der Tochter des Herrschers Tocay Cápac (Tuqay Qhapaq) mit Yahuar Huacac gewonnen. Mit dieser Verbindung erfolgte auch ein militärischer Zusammenschluss.
Unter dem achten Inka Huiracocha Inca, der seinen Machtbereich bis nach Pisac (von P'isaq = „Tinamu“) im Urubamba-Tal („Ebene der Spinnen“) ausdehnte, begann die eigentliche Expansion des Inkareiches. Mit dem Volk der Quechua hatten die Inka gute wirtschaftliche Beziehungen, die durch Heirat von Huiracocha Inca und der Tochter des Häuptlings noch gestärkt wurden. Deren Feinde, die Chanca, stellten auch für die Inka und Cuzco eine Bedrohung dar. Der Sohn Huiracocha Incas, Cusi Yupanqui, suchte Verbündete gegen die Chanca und fand sie in den beiden Stämmen Cana und Canchi. 1438 wurde Cuzco von den Chanca belagert. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit gelang es ihnen nicht, die Stadt einzunehmen. Schließlich wurden sie von Cusi Yupanqui besiegt. Seitdem wurde das Schlachtfeld Yawarpampa (quechua: Blutebene) genannt. Noch im selben Jahr wurde aus Cusi Yupanqui der neunte Sapa Inka, der den Namen Pachacútec (quechua = Reformator der Welt, Veränderer der Welt, Retter der Erde) annahm. Ab diesem Zeitpunkt gibt es genaue geschichtliche Aufzeichnungen.
[Bearbeiten] Blütezeit des Inkareiches
Während der Regierungszeit Pachacútecs von 1438 bis 1471 erweiterte er seine Herrschaft in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín, Arequipa und zur Küste. Das Reich Tawantinsuyu (Quechua: „vier zusammengehörige Gebiete“, tawa „vier“, tawantin „Vierheit“, suyu „Land“; hispanisiert: Tahuantinsuyo) wurde nach den vier Himmelsrichtungen aufgeteilt, seine Flagge war die Regenbogenfahne und Cuzco entwickelte sich ab 1438 zum rituellen, politischen und kulturellen Zentrum.
Pachacútec ließ in der Umgebung landwirtschaftliche Terrassen zum Anbau von Mais anlegen, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Saphi und Tullumayu, die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten sie sauber.
Túpac Yupanqui übernahm 1471 als zehnter Sapa Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater. Unter seiner Führung errang das Inkareich die größte Ausdehnung. Durch Eroberungszüge konnte er das Gebiet zwischen Quito im heutigen Ecuador und Santiago im heutigen Chile dem Tahuantinsuyo einverleiben. Einer seiner Generäle unternahm etwa 1473 einen Feldzug gegen feindliche Tieflandvölker östlich der Anden im Montaña-Dschungel mit der Absicht, Amazonien zu erobern. Nachdem er jedoch in dem unwegsamen Gelände umgeben von feindlichen Völkern stecken blieb, kehrte er in großer Eile nach Cuzco zurück, um eine Rebellion niederzuschlagen.[28] Unter seiner Herrschaft wurden die Osthänge der Anden befestigt.[29] Der Inkaherzog Guacane, ein Nachkomme des Inka Huayna Cápac, errichtete auf dessen Befehl am Osthang der Anden die Festung Fuerte de Samaipata, in der er einige seiner Frauen unterbrachte, die er von Eunuchen und Soldaten schützen ließ. Dennoch gelang es den Chiriguano unter der Führung ihres Häuptlings Grigotá, die Inka in die Flucht zu schlagen, die Eunuchen zu töten, die Festung niederzubrennen und die Konkubinen und Sonnenjungfrauen zu verschleppen. Die Inka rächten sich durch die Entsendung einer Armee, die Samaipata zurückeroberte, die Festung wiederaufbaute und zum Bestandteil ihrer „Maginot-Linie“ an den Ostabhängen der Anden machte, um sich gegen Einfälle der Tieflandstämme zu schützen.[30]
Hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme behielten anfangs wichtige Verwaltungsfunktionen. Ihre Söhne mussten sie allerdings nach Cuzco schicken, wo sie eine Ausbildung und Indoktrination im Sinne der Inka erhielten und ihnen auch als Geisel dienten.[31][32] So sorgten die Inka für innere Ruhe, und durch eine wiederholte Propaganda wurden alle den Unterlegenen erbrachten Vorteile nachdrücklich vor Augen geführt. Túpac Yupanqui ließ die vier Reichsprovinzen in Unterprovinzen von je 10.000 Haushalten (Hunu) gliedern, die in Gruppen zu je 5.000, 1.000, 500, 100 und 50 tributpflichtigen Haushalten aufgeteilt waren, die ihrerseits wieder in Zehnereinheiten (Chunka) unterteilt waren. Die größeren Einheiten wurden von Beamten der Inka-Bürokratie geleitet, während den kleineren der einheimische Adel vorstand.[33] Diese Perfektion des Dezimalsystems straffte in einer durch extreme ethnische, linguistische und kulturelle Differenzierung gekennzeichneten Bevölkerung mit einem komplizierten Mosaik politischer Ansprüche den zentralen Durchgriff, reduzierte andererseits auch die Privilegien des alteingesessenen Adels, was allmählich ein System von Beamten etablierte und gelegentlich zu massivem Widerstand verärgerter „natürlicher Provinzherren“ führte.[34]
Nach der Ermordung Túpac Yupanquis entbrannte zwischen seinen beiden engsten Witwen eine erbitterte Rivalität um die Nachfolge ihrer Söhne, die mit allen Mitteln der Hofintrige bis hin zum Bürgerkrieg ausgetragen wurde, bis Huayna Cápac als elfter Sapa Inka 1493 das Reich übernahm.[35] Er verlegte seinen Hauptsitz nach Tomibamba, (Cuenca (Ecuador))[36] [37][38], wo er insgesamt über 200 Söhne und Töchter zeugte. Um den Aufständen in den Grenzgebieten näher zu sein, bemühte er sich um weitere Expansion im Norden bis hin zum Río Ancasmayo. Da die kriegerischen Cara- bzw. Caragui-Stämme im nördlichen Ecuador hinhaltenden Widerstand übten, wurden gewaltige Höhenfestungen mit steinernen Schutzwällen als Operationsbasis errichtet.[32] In seinen letzten Jahren erreichte ihn noch die Meldung von bärtigen, weißen Männern an Bord von Schiffen.[37]
Huayna Cápacs Wunschnachfolger war sein Sohn Ninan Cuyochi, der stets an der Seite seines Vaters gelebt und ihn auf seinen Kriegszügen begleitet hatte. Doch der erlag zusammen mit einer Viertelmillion Menschen kurz vor dem Tod seines Vaters einer Epidemie. Zuletzt entschied sich Huayna Cápac, das Reich zwischen seinen beiden Söhnen aufzuteilen. Atahualpa erhielt die nördliche Region, er residierte in Cajamarca während Huáscar den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz erhielt. 1527 starb Huayna Cápac.
Obwohl die Brüder ihrem Vater am Totenbett versicherten, das Reich zu teilen, führten sie bald einen mörderischen Bürgerkrieg. Atahualpa, der bereits in Tomibamba zur Welt gekommen war, entstammte der Ehe seines Vaters mit Tocto Koka, der letzten lebenden Prinzessin aus der Dynastie der Scyrs aus dem ecuadorianischen Quito. Bis dahin hatte er mit seinem Vater immer im Norden gelebt.[39] Huáscar, der sein Leben in Cuzco verbracht hatte und dessen Mutter Ruahua Occlo eine Schwester Huayna Cápacs und Tochter Túpac Yupanquis war, sah sich nach dem Tode Ninan Cuyochis als einzigen legitimen Sohn der Inka an. Huáscar wollte die Gunst der Stunde nutzen, verteilte reichlich kostbare Geschenke an den Adel, verschenkte schöne Acllas, ließ seine potentiellen politischen Gegner töten, foltern oder in Kerker werfen, setzte einen neuen Hohepriester ein (der amtierende Villac Umu kannte ja die Verfügungen Huayna Cápacs, in dessen Nähe er sich immer befand) und bat, der Tradition folgend, seine Mutter um die Hand seiner Schwester Chuqui Huipa, da nach Sitte der Inka die Inthronisation auch immer mit der Vermählung der Herrschers mit seiner Schwester verbunden war. Doch seiner Mutter missfielen seine Methoden, weshalb sie Huáscars Werbung abwies. Mit Unterstützung der Priesterschaft gelang es Huáscar jedoch, die Brautwerbung als Befehl der Götter darzustellen, so dass sich seine Mutter nicht mehr verweigern konnte.[40] Atahualpa sonnte sich derweil in der mehrheitlichen Unterstützung der Generäle.[36] Anders als Huáscar hatte er nicht einen vornehmen Inka-Adeligen zum General ernannt, sondern mit Challconchime und Quisquis sowie ihren Feldkommandeuren Rumiñawi und Ukumari fanatische Krieger aus den Norden, die mit ihm gemeinsam die Herrschaft über das ganze Tahuantinsuyu anstrebten.[41]
Nach heftigem Kampf unterlag Huáscars Armee den kampferprobten Truppen aus dem nördlichen Territorium im Jahr 1532. Er wurde dabei gefangen genommen, viele seiner engsten Verwandten bestialisch ermordet und ihre Leichen an Pfählen auf den Straßen zur Schau gestellt.[42] Atahualpas Generalität verfolgte die gesamte Aristokratie der Inka mit unglaublich kalter Grausamkeit. Nicht allein die fast vollständige Auslöschung des königlichen Ayllu samt Ehefrauen und Säuglingen, sondern auch der Priesterschaft, der höchsten Beamten, der Amautu (inkaische Gelehrte), ja selbst der Quipucamayoc (Knotenschriftkundige), ließ er mit einer Präzision durchführen, die Erinnerungen an einen anderen Genozid der jüngeren Vergangenheit aufkommen lässt.[43] Nachdem Atahualpa bereits in Pizarros Gefangenschaft geraten war, ließ Atahualpa seinen Bruder Huáscar hinrichten. Als Demonstration seiner Macht benutzte Atahualpa die Hirnschale seines Bruders als Trinkgefäß. Dadurch war er zwar unumschränkter Herrscher über das gesamte Inkareich, hatte aber der absoluten Autorität der Inka einen irreparablen Schaden zugefügt.
[Bearbeiten] Untergang
Hauptartikel: Spanische Eroberung Perus
Im April 1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste und marschierte unter Beobachtung durch Inka-Kundschafter tief ins Innere des Inkareiches ein. Bereits einige Jahre zuvor wurden die Inka von für sie neuartigen Krankheiten (Pocken und Masern) heimgesucht, die sich über Mittelamerika nach Süden ausgebreitet hatten und tödlich verliefen. Pizarro fand ein Reich vor, das in einen Bruderkrieg zwischen den Brüdern Atahualpa und Huáscar verstrickt war. Die schnelle Expansion der Inka und deren Zwangsregime mit Deportationen hatten eine enorme Unzufriedenheit unter den unterworfenen Völkern hervorgerufen, die zur Instabilität des Reiches beitrug und zu Aufständen der Völker, die nun eine Chance zur Befreiung erkannten, was Pizarro systematisch nutzte.
Atahualpa unterschätzte bei der Ankunft der Spanier die von ihnen ausgehende Gefahr. Am 15. November 1532 wurden sie von Atahualpa in Cajamarca, welches weiträumig von ca. 40.000 Inkasoldaten gesichert war, freundlich zu Verhandlungen empfangen. Der Inka erschien mit etwa 8.000 Bewaffneten zur Verhandlung und ließ, im Bewußtsein seiner riesigen Übermacht am Platz und ringsum, auf Wunsch von Pizarro die Waffen ablegen. Dies nutzten Pizarro sowie seine 159 Gefährten für einen Hinterhalt und nahmen Atahualpa gefangen, schlugen die unbewaffnete Armee der Inka vernichtend (Schlacht von Cajamarca) und metzelten neben dem indigenen Adel auch viele Generäle der Inka nieder. Die Inka waren mit europäischer Waffentechnik und Taktik nicht vertraut, was den spanischen Eroberern einen doppelten Vorteil bot. Den Feuerwaffen, Rüstungen und Blankwaffen aus Stahl sowie den laut Berichten 3 Kanonen hatten sie mit ihrer früh-bronzezeitlichen Bewaffnung, Rüstungen aus Leder und Baumwolle, Bögen, Wurfspeeren, Lanzen, hölzernen maqana (beidseitig geschärften Schwertern aus Palmholz), sternbesetzten Streitkeulen, Äxten aus Kupfer und warak'a (Stein- und Pfeilschleudern an drei Schnüren) nichts Adäquates entgegenzusetzen. Zwar verfügten sie über das Lasso und die liwi (boleadora) – Riemen mit eingeknoteten Steinen, die geworfen, sich um die Beine von Mensch und Tier schlingen, so dass sie stürzen – aber sie kannten keine Pferde, auf denen die Angreifer ritten und die ihnen Angst einflössten noch Kampfhunde, von denen die Spanier zahlreiche mitgeführt haben sollen.
Atahualpa wollte sich gegen einen 50 m² großen Raum voller Gold und Silber freikaufen. Dazu wurden alle Tempel und Schatzkammern des Reiches geplündert. Lamakarawanen trafen aus allen Reichsteilen ein und lieferten vielfach die Kultgegenstände ganzer Stämme und Orte ab, die heute auf einen Wert zwischen 25 und 45 Millionen Euro geschätzt werden. Um den Gold- und Silberschmuck der Inkas einzuschmelzen, brannten die Schmelzöfen 34 Tage lang. Die Spanier raubten von den Inkas ca. 180.000 kg Gold sowie ca. 16 Millionen kg Silber. Obwohl Atahualpa in der Hand der Spanier war, hatte er noch immer Befehlsgewalt inne und gab u. a. den Befehl, seinen Bruder zu töten,[44] der in Cuzco gefangen war, aus Sorge, der könne gegen ihn mit den Spaniern konspirieren. Er wurde in einem Schauprozess aufgrund einer fingierten Anklage auf Vielweiberei, Brudermord und Götzenanbetung von Diego de Almagro zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt, welcher sich und seinen 150 Kumpanen so einen Anteil an der Beute sicherte. Pizarro unterzeichnete das von vornherein feststehende Urteil.[45][46] Weil Atahualpa seine eigene „Unsterblichkeit“ als Mumie sichern wollte, ließ er eine Taufe über sich ergehen und wurde statt durch Verbrennen am 26. Juli 1533 durch Erdrosselung mit der Garotte, der spanischen Würgeschlinge, hingerichtet. Der Widerstand der Inka nahm daraufhin stetig ab. Die früher von den Inka unterworfenen Stämme schlugen sich auf die Seite der Eroberer, in der Hoffnung, dadurch ihre Unabhängigkeit zu erreichen. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die er ohne nennenswerten Widerstand einnehmen konnte.
Pizarro setzte 1533 den Halbbruder Atahualpas, Manco Cápac II., als Marionette der Spanier zum Sapa Inka ein. Aus Furcht vor den Truppen Atahualpas, insbesondere seines Generals Quisquis verbündete sich Manco Cápac II. anfangs mit Pizarro. Doch bereits 1536 belagerte er die Spanier in Cuzco mit einer Truppe von 200.000 Mann. Da seine Armee jedoch vom Proviant in den Lebensmitteldepots abgeschnitten war, hielt sie die Belagerung nicht durch.[47] Während der Kampfhandlungen wurden fast alle Gebäude in Cuzco zerstört. Bei Zwistigkeiten zwischen Pizarro und Diego de Almagro schlug er sich auf die Seite von Almagro. Nachdem Almagro in der Schlacht von Las Salinas am 26. April 1538 von Hernando Pizarro geschlagen und im Juli des gleichen Jahres hingerichtet wurde, zog sich Manco Cápac II. mit seinen Anhängern an den Osthang der Anden zurück, ließ alle Brücken hinter sich zerstören und versuchte, den spanischen Eindringlingen durch eine Art Guerillakrieg vom sagenumwobenen Vilcabamba aus Widerstand zu leisten. Überlebende Anhänger Almagros, die sich auf der Flucht vor Pizarro zu Manco Cápac II. durchgeschlagen hatten und von diesem versorgt und bewirtet wurden, ermordeten schließlich 1544 im Streit den Inka-Herrscher. Pizarro wurde dann von Anhängern Almagros am 26. Juni 1541 ebenfalls ermordet. Seine Söhne Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui führten den Kampf weiter fort.
Nach deren Tod gelangte ihr Halbbruder Túpac Amaru zur Herrschaft. Bei einer Expedition besetzten die Spanier am 24. Juli 1572 das erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckte Vilcabamba. Túpac Amaru war zwar bereits geflüchtet, aber sein Aufenthaltsort wurde verraten und der letzte Inka festgenommen. Am 24. September 1572 wurde er in Cuzco durch Enthauptung hingerichtet. Der Legende nach soll der Inka-Adel entkommen sein und sich in die verlorene Stadt Paititi zurückgezogen haben.
[Bearbeiten] Verwaltung und Struktur
[Bearbeiten] Doppelherrschaft
Zur effizienten Verwaltung dieses riesigen Reiches benötigten die Inka mehr als die größte Armee des präkolumbischen Amerika und deren militärische Potenz: Die Fähigkeit, die Ressourcen nutzbringend einzusetzen. Darin sind die Inka vergleichbar mit den Alten Ägyptern oder dem Römischen Reich. Die Inka wandten ein System der dualen Macht an, nachdem jeder Herrschaftsbereich, jedes señorío (Herrschaftsgebiete aus präkolumbischer Zeit) meist nach topographischen Gesichtspunkten in zwei Hälften, „Saya“ genannt,[48] in der Literatur auch als „Moietie“ (von französisch moitié „Hälfte“) bezeichnet, geteilt wurde. Doppelherrschaft war bereits in den den Inka vorangegangenen Andenkulturen anzutreffen.
Auch die Stadt Cuzco war beispielsweise in zwei Stadthälften gegliedert, Ober-Cuzco (Hanan Qusqu bzw. Hunan Qusqu) und Unter-Cuzco (Urin Qusqu bzw. Hurin Qusqu), die zwei Doppelherrscher verwalteten, bei denen der eine dem anderen untergeordnet war. Die beiden Stadtoberhäupter regierten zusammen und waren zwar im Prinzip gleichberechtigt, aber der Hanan-Regent hatte ein größeres Prestige und dominierte damit den Hunan-Regenten.[49] Die beiden Stadthälften waren ihrerseits jeweils wieder in Suyuos (Viertel) gegliedert.[50] Bevor aus dem Dorf Acamama das imperiale Cuzco geworden war, war es in vier Quartiere aufgeteilt, in Qintikancha (kancha „Hof, Platz, Gehege“): das Chumpikancha („Quartier des Kolibris“), das „Sayrikancha“ („Quartier des gewebten Gürtels“), das „Quartier des Tabaks“ und das Yarampuykancha“ (yaruntutha aymara „vermischen“). Deren vier Kaziken hießen nach Garcilaso de la Vega Manco Cápac, Tocay, Pinahua und Colla. Auf diese Weise haben wir es mit einer vierfachen Machtaufteilung zu tun. Innerhalb der Stadthälfte hatte der Curaca einen yanapaq, einen Mitarbeiter, der einer niedrigeren sozialen Klasse angehörte und ihm untergeben war. Auch in einer der Herkunftsmythen der Inka spielt die Zahl vier eine zentrale Rolle.[51]
Dieses System der Vierteilung fand bei der Einteilung des Inka-Reichs seine Entsprechung. Die Herrscher der vier Reichsteile hatten den Titel „Apukuna“ („Herren“).[52] An der Spitze einer Provinz standen zwei Provinzgouverneure, die dem Inka-Adel entstammten. Die Tukuyrikuq („der alles sieht“) reisten in Sänften durch das Land, registrierten mit Hilfe der Quipus exakt die Bevölkerung und ihre Altersstruktur, ihr Vieh, die bewirtschaftete Fläche, die Güte des Bodens und die Menge des zur Verfügung stehenden Wassers und schufen durch dieses Wissen die Voraussetzung für weitere Baumaßnahmen. Die besten Künstler und Handwerker des Reiches, wie die Goldschmiede der Chimú, wurden mit der Herstellung von wertvollen Kunstgegenständen, Textilien sowie Ton- und Metallwaren beschäftigt. Zu Unterstützung der Tucuyrícuc diente ein ganzes Heer von professionellen Beamten, „Vertretern“ und „Statthaltern“. Eine besondere Stellung unter diesen Beamten nahmen die Quipucamayoc ein, die ihren Beruf vererbten. Dank eines lange geschulten außerordentlichen Gedächtnisses konnten sie die durch ein System farbiger Wollschnüre mit Knoten kodierten fiskalischen, ökonomischen, sozialen, politischen, historischen und rituellen Informationen „lesen“.[53][54]
Es gibt deshalb begründete Überlegungen, z. B. von Tom Zuidema und Pierre Duviols, dass die Zahl der 13 bzw. 14 überlieferten Inka-Herrscher nicht eine lineare, chronologische Reihenfolge darstellt,[55] sondern auf dem Missverständnis der Conquistadoren beruht, weil sie die ihnen selbstverständlichen europäische Linearitätsvorstellung auf die inkaischen Verhältnisse übertrugen. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Geschichte der Inka-Herrschaft als religiöse Vorstellungen oder symbolische Organisationsprinzipien zu deuten sind.[56] Wenn tatsächlich die beiden Inka-Linien nicht nacheinander, sondern gleichzeitig regiert hätten, würde sich der tatsächlich überschaubare Zeitraum der Inka-Geschichte noch einmal erstaunlich verkürzen.[57]
[Bearbeiten] Reziprozität
Da die Inka und ihre Nachbarn Geld nicht kannten, beruhte der Handel, aber auch militärische Allianzen auf dem System der Reziprozität. Nach dem Sieg über die Chanca versammelte Pachacútec Yupanquí die benachbarten señoríos um sich, überhäufte sie mit Geschenken und verteilte die Beute aus dem Sieg über die Chanca unter ihnen, feierte mit ihnen ausgiebig den Sieg und zeigte sich ihnen gegenüber äußerst großzügig, bevor er im Gegenzug die Bitte an seine Nachbarn und Verbündeten formulierte, Lebensmittelspeicher anzulegen und zu füllen, die zusammen mit einer geregelten Wasserversorgung erst den Wiederaufbau Cuzcos ermöglichten. Bevor das Inkaheer in ein señorío eines Nachbarn einfiel, präsentierte es zunächst seine Stärke und überbrachte dem Fürsten reiche Geschenke verbunden mit der Bitte, sich dem Inkastaat anzuschließen. Die Bejahung wurde mit ausgiebigen Festen gefeiert. Erst bei Ablehnung kam es zur Schlacht, die das Inkaheer in der Regel gewann. Der besiegte Herrscher wurde dann als Gefangener nach Cuzco verschleppt, wo er nach vorausgegangenem, allzu heftigem Widerstand getötet wurde.[58] Im Unterschied zu den bis dahin gepflegten eher lockeren Bündnissen von Häuptlingstümern bestanden die Inka jedoch auf der völligen Unterwerfung unter ihre zentrale Administration.[32]
Typisch für die Inka-Herrschaft war jedoch nicht die Beseitigung der lokalen Autoritäten, in den Anden „Curacas“ genannt, sondern die Installation einer kunstvoll ausgefeilten Kolonialherrschaft der Inka, bei der die lokalen Autoritäten nicht ihrer Macht entkleidet, sondern durch die Aufrechterhaltung der Illusion von Autarkie und Selbstbestimmung im Gegenteil zur Kooperation gestärkt wurden: Wurde ein lokaler Adeliger entmachtet, so wurde seine Autorität auf seinen Sohn oder Bruder übertragen.[59] Ähnlich den Römern siedelten die Inka hohe Würdenträger der unterworfenen Stämme nach Cuzco um, wo ihre Kinder als Inka erzogen wurden.
Als Kompensation für die eigene Unterwerfung und um sie für die neuen Machthaber einzunehmen, wurden die besten Soldaten des Besiegten zur Entschädigung eigener Verluste mit nützlichen Geschenken überhäuft. Nach dem Prinzip der Reziprozität wurde der verfeindete Nachbar des Unterworfenen häufig als nächstes bekriegt. Ein Sieg verpflichtete daher zur nächsten Schlacht.[31] Folge war ein Kreislauf der Kriege. Auch hierdurch ist die erstaunliche Geschwindigkeit zu erklären, mit der die Inka ihr Reich ausdehnten. Sie nutzten das Prinzip der Reziprozität, um die traditionelle Loyalität der jeweiligen ethnischen Gruppen und Siedlungen zu ihren lokalen und regionalen Machthabern zu nutzen. Durch öffentliche Demonstrationen staatlicher Großzügigkeit und kleine Geschenke für erwiesene Loyalität wurde dieses Prinzip propagandistisch gestärkt. Die Kriegszüge Pachacútecs und Túpac Yupanquis schienen sogar dem Bedürfnis zu entsprechen, die Geographie der Hauptstadt im Verhältnis zu den Provinzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.[60]
Hinzu kam das traditionelle diplomatische Mittel strategischer Heirat zwischen Mitgliedern der imperialen Monarchie und provinzieller Dynastie: die dynastische Verbindung. Sie war von den Inka insofern genial verfeinert worden, als ihnen praktisch auf jeder sozialen Stufe der Machthierarchie durch die akllawasi eine adäquate und prestigeträchtige Möglichkeit zur Heiratsvermittlung zur Verfügung stand. Wurden die Stammeskönige mit den Prinzen und Prinzessinnen der Inka verheiratet, so identifizierten sich die lokalen Curacas mit der Macht und Autorität des Zentralstaats dank der ihnen vermittelten Aclla.[61]
Gleichzeitig diente diese Methode indirekter Herrschaft dazu, die eigentliche Arbeitsverteilung des Mitimae-Systems auf die einzelnen Ayllus den politischen Herrschern der einzelnen Ethnien zu überlassen. Der offensichtliche Eingriff des Zentralstaats in das Alltagsleben der Dörfer und Provinzen und die erforderliche Bürokratie wurde dadurch geringer, Ungerechtigkeiten als Ausgangspunkt für mögliche Rebellionen wurde den regionalen und lokalen Machthabern zugewiesen und die Durchsetzung des Willens der Zentralmacht durch die beiden Provinzgouverneure, die dem Inka-Adel entstammten und den scheinbar autonomen Provinzadel kontrollierten, sichergestellt.[62] Gleichzeitig stärkte dieses System indirekter Herrschaft die Effizienz und Flexibilität des Gesamtsystems. Statt eines aufgeblähten bürokratischen Apparats, der mangels Schrift in Permanenz tagen müsste, um alle Ressourcen und Produktionspläne aufeinander abzustimmen, wurde auf jeder lokalen und regionalen Ebene die erforderliche Entscheidung schnell getroffen und durchgesetzt.
Das komplexe Prinzip der Reziprozität fand auch dabei Anwendung, wenn der Inkastaat im Gegenzug zu den Verpflichtungen der mit'a und mitmay für die Ernährung, Kleidung, Wohnraum und Werkzeuge der Dienstverpflichteten sorgte und große religiöse und zeremonielle Feste veranstaltete, bei denen nicht nur die Provinzadeligen, sondern auch die Gemeindemitglieder bewirtet wurden.[63]
[Bearbeiten] Mitma und Mit'a
Im Mittelpunkt der andinen Lebensweise stand die Landarbeit des Ayllu („Stamm, Clan, Sippe, Hausgemeinschaft, Familie“), die im Einklang mit der Natur gemeinsam verrichtet wurde und in der es kollektives Eigentum der Freien an Land, Nutztieren und Ernte gab. Der Ayllu, nicht die Familie, war die Basiseinheit der Gesellschaftsstruktur. In vorinkaischer Zeit bestand er ausschließlich aus Blutsverwandten. In inkaischer Zeit wurde die blutsverwandte Bindung abgemildert, insofern dem Ayllu alle einer territorialen Einheit, einem Wohnort angehörten.[64] Die gegenseitige Unterstützung bei der Feldarbeit, Ayni, überstand in ländlichen Gebieten die Kolonialzeit.[65] Heiraten fanden tendenziell meist innerhalb des Ayllu statt. Es kam zur Bildung paralleler väterlicher und mütterlicher Abstammungslinien, nach denen Männer von der väterlichen, Frauen von der mütterlichen Seite abstammten.[66]
Typisch für andine Traditionen bereits weit vor den Inka war eine vertikale Wirtschaftsweise. Jede ökologisch-klimatische vertikale und horizontale Zone der Anden beschränkt die Bewohner auf die Nutzung bestimmter latitudinal geschichteter Ressourcen, wie z. B. bestimmter anbaubarer Nutzpflanzen, Weideflächen, Nutztiere, Salze, Metalle und Erze, Brenn- und Bauholz, Honig und Obst. Das Problem unterschiedlicher Verteilung dieser Ressourcen, das in den meisten Teilen der Welt auch in vorindustrieller Zeit durch Handelsbeziehungen gelöst wurde, ermöglicht einer Händlerklasse die Aneignung von Ressourcen, der Bildung von Kapital und der Ungleichverteilung von Kapital und Ressourcen. Die andinen Gemeinschaften lösten dieses Problem durch autonome Produktion in den verschiedenen „Stockwerken“. Ein Ayllu oder eine ethnische Gruppe unterhielt in den vertikal angeordneten, ökologischen Zonen je nach Jahreszeit und land- und weidewirtschaftlichen Zyklen verschiedene Produktionsstandorte von der Pazifikküste über die kalten Bergwiesen des Altiplano bis hin zu den tropischen Wäldern am Osthang der Anden, die gemeinsam bewirtschaftet wurden und einen „Archipel“ bildeten. In diesem Wirtschaftssystem zirkulierten neben Rohstoffen und Nahrungsmitteln auch Menschen, die sich z. B. durch verwandtschaftliche Beziehungen zu gegenseitiger Solidarität verpflichtet sahen. Besonders ausgeprägt war diese komplexe Archipel-Wirtschaft bei den Königreichen der Aymará.[67]
Fernab des Dorfes gelegene Produktionsstandorte wurden dabei bereits in vorinkaischer Zeit durch die mitmaqkuna („Umsiedler“) als einer Art dörflicher Arbeitsteilung bewirtschaftet.[68] Nicht hiermit zu verwechseln ist die von den Inka mit der zunehmenden Zahl der in ihr Reich zu integrierenden Völker entwickelte allgemeine Arbeitspflicht mit'a, ein Frondienst zugunsten des Sonnengottes Inti und des Inka.
Mit der Integration eines señoríos ging nämlich die Neuverteilung der landwirtschaftlichen Fläche einher, die in regelmäßigen Abständen aktualisiert wurde: Etwa ein Drittel der Fläche wurde für den Staat und die Inka-Adeligen bzw. ihre Bürokratie beansprucht, ein weiteres Drittel für den Sonnenkult bzw. den Klerus. Das letzte Drittel stand zur kollektiven Subsistenz zur Verfügung.[32] Einzelpersonen war es nicht erlaubt, Land als persönliches Eigentum zu besitzen, so dass es ihnen auch nicht möglich war, aus Überschüssen Gewinne zu erwirtschaften.[69] Je nach Familienstand, individuellem Alter und Kinderzahl und -alter variierte die Zahl der Tupu, dem festen Maß für die Größe der landwirtschaftlichen Fläche.[33][70] Saat, Feldarbeit und Ernte auf den Krongütern stellten traditionell den Tribut dar, der anstelle von Steuern an den Herrscher zu entrichten war. Die Inka dehnten dieses System auf die neuverteilten Flächen aus. Gleichzeitig erhöhten sie durch die Terrassierung und Bewässerung die gesamte Anbaufläche. Auch mit der Einführung von Lama- und Alpaca-Herden in solche Gebirgsregionen, in denen sie bisher nicht heimisch waren und mit der Einflussnahme auf die angebauten Feldfrüchte erhöhten die Inka die Effizienz. Mit den so erwirtschafteten Überschüssen wurden Vorräte in separaten Speichern (qullqa) des Inka und der Tempel gesammelt.[71] Diese Vorräte ermöglichten den Einsatz einer großen Zahl von Menschen als Mitmak für den Bau von Terrassen, Festungen, Tempeln, Palästen, Straßen, Brücken, Bewässerungskanälen und in Bergwerken. Zur Anlage von Terrassen, Kanälen und Wasserspeicher, ja sogar ganz Cuzcos und des Tahuantinsuyu schufen die Architekten dreidimensionale, flächen- und winkelgetreue steinerne „Baupläne“ aus Fels, von denen sich mehrere im Colca Cañon noch heute erhalten haben.[72]
Darüber hinaus praktizierten die Inka eine Institution, die eine ganz besondere Faszination auf die Spanier ausübte: mitmay. Der Chronist Pedro Cieza de León unterschied die politische, wirtschaftliche und militärische Mitimae.[73] Mit der Eroberung einer Provinz wurden zur Grenzsicherung Garnisonen militärischer mitmay eingerichtet. Die Krieger der unterworfenen Völker, wie beispielsweise die Chanca oder die Cañari, wurden in die Berufsarmee[74][75] der Inka integriert. Die Besiegten hatten für den neuen Feldzug ein Kontingent von Soldaten zu stellen.[2] Zur politischen Sicherung wurde ein Teil des unterworfenen Volkes, wie beispielsweise 30.000 bis 40.000 Chachapoyas, in eine vergleichbare Klimazone im Reichsinneren zwangsweise umgesiedelt. (Später stellten ausgerechnet die Chachapoya die Königsgarde.[76]) Andere Stämme, die den Inka treu ergeben waren und über die entsprechenden Kenntnisse zur Besiedlung dieser Zone verfügten, wie z. B. die Bewohner des Cochabamba-Tals, wurden in die eroberte Provinz an der Peripherie umgesiedelt.[77] Das strategische Ziel dieser Deportationen bestand darin, die dem Reich eingegliederten Völker kulturell und ethnisch von ihren Wurzeln zu trennen und statt einer einheitlichen Bevölkerung mit gemeinsamer Sprache, Tradition und Identität eine multi-ethnische Besiedlung zu schaffen, um Aufständen vorzubeugen. Angesiedelte Mitimae und einheimische Bevölkerung beobachteten einander mit Misstrauen und reduzierten so das Risiko subversiver politischer Auflehnung für die Inka.[73] Die verschiedenen Ethnien waren verpflichtet, ihre traditionelle Kleidung, Haartracht und Lebensweise zu behalten, so dass sie als Angehörige ihres Stammes leicht erkennbar blieben.[78]
Gleichzeitig änderten die Inka zusammen mit der Ansiedlung und Neuverteilung die Nutzung des Agrarlands. So erfüllte die Mitimae auch eine ökonomische Funktion, die zur Vorratsbildung beitrug.[79] Mit der Eroberung des Königreichs der Chimú 1476 übernahmen die Inka auch deren Massenproduktionsmethoden von Keramik, Textilien und Metallverarbeitung in Manufakturen.[74]
Die Spanier machten daraus die Mita, bei der anfangs alle nicht zu einer encomienda gehörenden männlichen Indígenas im Alter zwischen 18 und 50 Jahren alle sieben Jahre für ein Jahr gegen Bezahlung eine Sechstagewoche im Bergwerk des Cerro Rico in Potosí leisten.[80]
[Bearbeiten] Yanacona und Camayos
Neben der „landwirtschaftlichen Arbeitssteuer“ und der Mitimae entwickelten die Inka eine weitere Arbeitsbeziehung, die yanakuna (yanas) (yana = „schwarz“, auch „komplementär“), die einen speziellen, erblichen Status der einzelnen Person und ihrer Familie zum Staat oder einem einzelnen Repräsentanten beinhaltete. Dieser Status wird in der Literatur mal als Staatssklaven, mal als Leibeigene oder als persönlicher Diener abgehandelt. Man könnte ihn als „persönlichen Gefolgsmann“ bezeichnen. Die Yanacona gehörten zum Haushalt bestimmter Inkaherren, denen sie zeitlebens zu persönlicher Treue verpflichtet waren. Im Gegenzug waren sie allgemein von der landwirtschaftlichen Arbeitssteuer und der Mitimae ausgenommen. Ihre Arbeitsleistungen waren vielfältig: Sie konnten im Sammeln von Brennholz, im Hüten einer Lamaherde, im Weben von Stoffen, der Ernte von Cocablättern, in einer kunsthandwerklichen Tätigkeit, als Träger beim Heer, als Wächter eines Depots des Inka oder als Beamter eines Provinzgouverneurs in der Beaufsichtigung von Mitimae-Kolonisten bestehen. Das Drittel der landwirtschaftlichen Fläche, die der Inka beanspruchte, wurde gelegentlich durch Yanaconas bewirtschaftet. Ihre Loyalität gegenüber ihrem Inkaherrn übertraf die gegenüber der heimischen ethnischen Gruppe oder dem Ayllu.[81] Es gibt Aufzeichnungen z. B. des Chronisten Pedro Sarmiento de Gamboa, nach denen der Sapa Inka Túpac Yupanqui der Begründer der Institution der Yanacona war, der eine Gruppe von Indígenas mit dem Tode bestrafen wollte, die sich gegen seine Herrschaft aufgelehnt hatten. Seine Gemahlin soll sich für die Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Zwangsarbeit verwendet haben.[82] Die meisten Yanaconas waren wohl ursprünglich Kriegsgefangene, die ihren Dienst im Palast des Inka oder in den Tempeln versahen.[66]
Eine weitere Gruppe, die einen speziellen bürgerlichen Status innerhalb der Inka-Kultur genoss, waren die Camayos. Wie die Yanaconas arbeiteten sie in den kaiserlichen Haushalten in Cuzco und der Provinz, waren von der landwirtschaftlichen Arbeitssteuer befreit, erlangten aber nicht die Vertrauens- und Machtstellungen der Yanaconas. Die Camayos waren spezialisierte Handwerker, die auf ihren Beruf lebenslang festgelegt waren: Sie waren als Steinmetze, Zimmerleute, Töpfer, Färber, Weber hochwertiger Textilien, Silber- bzw. Goldschmiede, Honigsammler, Kräuterkundige, Sänftenträger, Gladiatoren, Leibwächter tätig, waren spezialisiert auf Feder-, Holz-, Knochen- und Muschelarbeiten, den Abbau kostbarer Erze oder die Arbeit in Salzminen. Nicht selten waren ganze Dörfer als Handwerks-Camayos auf ein bestimmtes Handwerk spezialisiert und konnten, wie die Mitimae, umgesiedelt oder einem Provinzfürsten zum Geschenk gemacht werden. Der Inkastaat stellte ihre Reproduktion durch Nahrungsmittel im Tausch gegen ihre Handwerkserzeugnisse oder durch Felder sicher, die er ihnen zur Verfügung stellte. Der Status des Camayo war erblich; besondere Leistungen brachten Ehre und Prestige bis zur Berufung an den Hof in Cuzco ein und wurden auch materiell reich belohnt. Sozialer Aufstieg erlaubte der Status des Camayos aber nicht.[83]
[Bearbeiten] Hauptstadt
Aus der Hauptstadt Cuzco, dem rituellen und politischem Zentrum, machten sie ein architektonisches Vorzeigeobjekt, das jeden Besucher zum Staunen bringen sollte. Cuzco war für die Inka Symbol ihrer Macht, Mittelpunkt ihres Reiches, Schnittpunkt ihrer Straßen, „axis mundi“, Schnittpunkt der Universa des Weltlichen und des Heiligen, Ausdruck ihrer Vorstellung einer kosmischen Ordnung. Zu seinem Bau wurde zuvor ein maßstabsgerechtes Modell geschaffen; übrigens gab es bereits zum Kalasaya-Palast im sehr viel älteren Tiahuanaco ein maßstabsgerechtes Modell.[84]
Stil und Bauweise setzten sich schnell überall im Reich durch. Dabei berücksichtigten sie bei den Bauten immer die Umgebung und versuchten sie miteinander zu kombinieren. Bestes Beispiel dafür ist Machu Picchu, dessen Planer die Architektur mit der geographischen Umgebung verschmelzen ließ. Cuzco wurde städtebauliches Vorbild, als zum Angriff auf Chiquimancu ein großes Militärlager angelegt wurde. Dies wiederholte sich am Eingang zum Cañete-Tal und in Coyor und Chuquilin.[85] Zur effizienten Verwaltung der natürlichen und menschlichen Ressourcen in den eroberten Provinzen wurden aus bestehenden Provinzstädten, wie Jauja, Cajamarca oder Pachacámac Provinzhauptstädte. In Regionen, in denen noch keine entsprechende städtischen Zentren existierten, errichteten die Inka Städte, wie Huanuco Pampa.[86] Allein seine Speicher fassten 36 Mio. Liter Mais.[74]
Die gewaltigen Bauten aus Granit hatten nicht allein praktischen Wert, sondern dienten – wie jede Herrschaftsarchitektur – auch als sichtbare Demonstration der Macht. Potentielle Feinde sollten damit beeindruckt werden. Im Gegensatz zu den übrigen Andenkulturen bevorzugten die Inkas steinerne Gebäude selbst an der Küste, wo Stein schwer zu beschaffen war. In den Steinbrüchen ließ sich rekonstruieren, dass in Granitblöcke reihenweise Löcher gebohrt wurden, in die Holzkeile versenkt wurden. Diese wurden mit Wasser getränkt, bis sie quollen und das Gestein sprengten. Über Rampen wurden die Gesteinsblöcke auf Rollen und Schlitten mit Tauen gezogen. Mit Werkzeugen aus Bronze, Hämatit, Stein und Holz wurden sie bearbeitet, mit feuchtem Sand geschliffen und entgegen weitverbreiteter Ansicht mit einem Mörtel zusammengesetzt, den man nicht sieht.[87] Die Inkas benutzten bereits das Lotblei, setzten bronzene und hölzerne Brechstangen ein, benutzten Hebebäume und verfügten sogar über eine Art Rechenschieber, der aus zwei gegeneinander verschiebbaren Rechenstäben bestand.[88]
[Bearbeiten] Inka-Straßen
Die zwei längsten der Inka-Straßen, die sich quer durch das gesamte Land zogen, bildeten das Rückgrat des Reiches. Die eine, Qhapaq ñan („königliche Straße“) genannt, zog sich durch die Anden von Cuzco nach Quito, die andere, die Wayna qhapaq ñan entlang der Pazifikküste. Während sie im Flachland als eine gepflasterte Straße von einer Breite von sechs bis sieben Metern ausgebaut waren, überwanden sie die steilsten Andenpässe manchmal als schmale, in Stein gehauene Treppen. Diese Inka-Straßen verfügten über eine tiefe Tragschicht und waren mit schwarz-braunem Trapp-Porphyr gepflastert. [89] Dort, wo an der nackten Felswand kein Weg zu bauen war, wurden Tunnel in den Fels geschlagen. Brücken, aus Ichu-Gras zu langen Tauen geflochten, überwanden Schluchten und reißende Flüsse, wie den Río Apurímac. Niedrige Mauern in der Atacama-Wüste entlang der schnurgeraden Inka-Wege verhinderten Sandverwehungen.[90] In Sumpflandschaften wurden die Straßen durch Deiche oder Dämme gegen Überschwemmungen und Hochwasser geschützt. [91] Gemeinsam mit den Querverbindungen dienten sie dem schnellen Verschieben von Truppen, Nachschub und Warentransport. Sie waren auch maßgebend für die Überbringung von Nachrichten in kurzer Zeit.
Obwohl die Inkastraßen z. T. auf älteren Straßen der Huari und Chimú in deren jeweiligen Einflussgebieten beruhten,[92] bauten die Inkas das Straßensystem im Zusammenhang mit Truppenbewegungen als Heerstraßen systematisch aus. Der Abstand von 4,5 Meilen (tupu) wurde durch Marksteine entlang der Straßen angezeigt. In regelmäßigen Abständen von elf Meilen[93] waren normierte tampu (span. tambo) angelegt, die als Rasthaus den Chaskis, Beamten und Kriegern Proviant und Herberge boten. In angrenzenden Magazinen waren Waffen, Kleidung und Ausrüstung für die Inka-Armee eingelagert. [94]
[Bearbeiten] Versorgung
Zur Versorgung des riesigen Reiches siedelten die Inka im ganzen Lande Bauern um, teils zur Befriedung (politische mitimae), teils zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung (ökonomische mitimae). Sie förderten den Austausch von Waren zwischen den verschiedenen Lebensräumen der Anden. Der Austausch vollzog sich jedoch nicht durch Handel,[33] sondern durch die bereits erwähnten Mitmaq im Gegenzug beispielsweise zu Salz, Fischen, Kelp, Guano, Stachelaustern (Spondylus-Muscheln: mullu) und Fechterschnecken (Strombus: wayllaqipa, für Schneckenhörner pututu), Mais, Wolle oder Coca. An steppenartigen Stellen ließen sie Bewässerungskanäle errichten. Damit machten sie brachliegende Wüsten und Hochtäler fruchtbar. Jeder noch so steile Hang, der aufgrund des Klimas landwirtschaftlich nutzbar war, wurde terrassiert. Angebaut wurden zumeist Kartoffeln und Mais. Aus Mais erzeugten sie auch die für rituelle Zwecke verwendete Chicha. An den Ufern des Titicacasees entwickelten sie ein Entwässerungssystem, das selbst Feuchtgebiete bebaubar machte und die Auswirkungen von Frostschäden minderte.
[Bearbeiten] Tawantinsuyu – Reich aus vier Reichen
Die Inka bezeichneten ihr Reich als Tawantinsuyu („vier zusammengehörige Gebiete, Land der vier Teile, Reich der vier Weltgegenden oder Himmelrichtungen“, von tawa „vier“, tawantin „Vierheit“, suyu „Land“). Das Reich bestand aus vier Teilen, die im Zentrum Qusqu (Cusco) aufeinandertrafen:
| Name | Karte | Lage | Flagge |
|---|---|---|---|
| Antisuyu | Ostgebiet. Heute wird der Begriff auch generell für das östliche Tiefland Perus (Amazonien) verwendet | ||
| Chinchaysuyu (auch: Chinchasuyu oder Chinchasuyo) | Der Nordteil reichte bis in das heutige Kolumbien hinein | ||
| Quntisuyu (auch: Contisuyu, Kuntisuyu oder Contisuyo) | Das kleinste Teilreich im Westen lag an der Küste des Pazifiks | ||
| Qullasuyu (auch: Qollasuyu, Collasuyu oder Collasuyo) | Der Südteil reichte bis in das heutige Argentinien hinein. Der Name stammt von der Bezeichnung des Volkes der Qulla. Heute wird der Begriff im Quechua und Aymara auch als Bezeichnung für Bolivien verwendet. |
[Bearbeiten] Rechtsprechung
Sünden und Verbrechen wurden im Tawantinsuyu von Richtern (huchakamayuq) nach eigenem Gutdünken (die Inka kannten keine Schrift) gerichtet. Pachacútec kodifizierte die Gesetze in seinem Reich. [21] Die Rechtsprechung der Inka unterschied Straftaten gegen den Staat und seine Institutionen sowie Verbrechen gegen Individuen und die soziale Ordnung. Das Verfahren bestand aus Zeugenaussage, Vernehmung, gelegentlich Folter oder „Gottesurteil“ und danach Urteilsspruch ohne Einspruchmöglichkeit.
Die Tötung als eines der schlimmsten Verbrechen wurde nach sozialen Gesichtspunkten abgestraft: Der Mord an einem Kuraka wurde mit Vierteilung geahndet, der Mord an einem gewöhnlichen Bauern nur mit Auspeitschen. Vorsätzlicher Mord wurde ebenfalls härter bestraft als Totschlag aus Eifersucht oder im Streit. Die nachhaltige Verletzung einer Person, die sich danach nicht mehr selbst unterhalten konnte, wurde damit bestraft, dass der Straftäter sein Opfer zu ernähren hatte. War ihm dies nicht möglich, wurde seine Strafe erheblich schwerer, während der Inka die Versorgung des Opfers übernahm.[95]
Die verhängten Strafen für Ehebruch waren drastisch: Nicht allein das Liebespaar, sondern auch alle Nachkommen bis zum Alter von zehn Jahren wurden in Sippenhaft genommen und von Felsen gestossen oder gesteinigt. [96] Eine Liebesbeziehung mit einer Aclla führte nicht allein zu einem Todesurteil gegen das Liebespaar und ihre Nachkommen, sondern auch gegen alle Lebewesen des Dorfes, ja sogar gegen die Natur: Sogar Tiere und Pflanzen wurden hingerichtet.[97] Auch auf Einbruch, Faulheit, Beschädigung von Brücken oder Töten von Seevögeln stand die Todesstrafe. Mit der Höhe der Gesellschaftsschicht und im Wiederholungsfall stieg auch die Härte der Strafen.[98][95]
Kommunales Eigentum hatte einen höheren Wert als Privateigentum, was auch in der Abstufung der mit seiner Verletzung verbundenen Strafen zum Ausdruck kam. Sie konnten aus einer Verwarnung, einem Abschneiden der Haare, Zerreißen des Mantels, Auspeitschen oder Abschneiden von Nase, Ohren oder Händen bestehen. Die Wasserentnahme aus einem öffentlichen Brunnen, die Jagd auf kommunalem Land ohne Erlaubnis oder die Beschädigung bzw. das Anzünden von Brücken wurde streng bestraft. Das oben erwähnte „Gottesurteil“ bestand darin, einen Verdächtigten in eine Zelle mit wilden Tieren einzusperren. Überlebte er dies zwei Tage, war seine Unschuld bewiesen. [95]
Dem Sapa Inka unterstand der „Gerichtshof der Zwölf“, dem die zivile Gerichtsbarkeit unterstellt war. [99][95]
[Bearbeiten] Bildung
Aus der dem Inkastaat eigenen Ideologie besaß Bildung bereits eine besondere Bedeutung, nahmen die Inkas doch für sich in Anspruch, den „Barbaren“ ihrer Umgebung die Kultur gebracht zu haben. Bereits in seiner „Thronrede“ soll Inca Roca (um 1350 u.Z.) deshalb die Gründung einer Schule konzipiert haben. Allerdings war er laut Garcilaso de la Vega der Meinung: „Es ist nicht ratsam, dass die Kinder der gewöhnlichen Leute die Wissenschaften, die allein den Adeligen gehören, lernen, damit sie nicht hochmütig werden und den Staat gefährden. Lasst sie die Arbeiten ihrer Väter lernen; das genügt für sie.“ [100]
Bildung wurde nur den jungen, männlichen Adeligen in Cuzco vermittelt. Dort konzentrierten sich in einem Quartier die Schulen, in dem auch die amawta, die Gelehrten und die harawiq, die Dichter wohnten. Dieses Quartier wurde als yachaywasi („Haus des Wissens, Haus des Lernens“) bezeichnet und ist in seiner Bedeutung für das Tahuantinsuyu mit einer Universität verglichen. Zu den vier wichtigsten Studienfächern gehörte die Sprache Runa Simi bzw. Quechua, die Religion Intis, die Quipu-Knotenschrift und die Kriegskunst. Zum Sprachstudium gehörte die Poesie und Musik, zur Religion die Kenntnis der Astronomie und Astrologie, der inkaische Kalender, aber auch eine nicht sehr weit entwickelte Philosophie, zur Schrift die Mathematik und Grundlagen der Statistik und schließlich zur Kriegswissenschaft auch die Geschichtsschreibung der Inka und die Geographie. Der Kalender der Inkas bestand aus einem 365 Tage Sonnenjahr (wata), das zwölf Monate mit je dreißig Tagen umfasste. Zum Ausgleich des Mond- und Sonnenjahrs folgten den zwölf Monaten fünf bzw. sechs arbeitsfreie Tage.[101]
Den schönsten Mädchen des Reiches standen die Akllawasi offen, die von den Spaniern für Klöster gehalten wurden. Hier erhielten sie von den Mamakuna eine intensive und methodische Erziehung in gutem Benehmen, Hausarbeit, Weben und der Sonnenreligion.
In der Einführung wurde gesagt, die Inkas hätten keine Schrift gekannt. Dies muss relativiert werden: Bereits der Chronist Pedro Sarmiento de Gamboa versicherte, Pachacútec habe in der Coricancha große, goldgerahmte Leinwände aufhängen lassen, auf denen die Inka-Geschichte aufgezeichnet wurde, die später in der angrenzenden Puquincancha, dem „Reichsarchiv“, aufbewahrt wurden und beim Sturm auf Cuzco zusammen mit der Stadt in Brand gerieten. Auch wäre es höchst seltsam, wenn ein Volk, dass keine Schrift kennt, in seiner Sprache Worte für Schrift (qillqa), schreiben und lesen besitzt. Nicht zuletzt die weit zurückreichenden astronomischen Kenntnisse, die die Inkas beherrschten und die nur mittels komplizierter Mathematik und Geometrie erklärbar ist, lassen sich nicht allein mit Hilfe von Quipús und „oral tradition“ erklären. Prof. Dr. Thomas Barthel von der Universität Tübingen gelang es, auf Grundlage der jahrelangen Forschung der peruanischen Archäologin Victoria de la Jarra, ca. 400 rechteckige geometrische Bilder, „Tocapu“ genannt, die auf Textilien und „Kero“ genannten Zeremonialbechern wiederkehren, als eine Art Bilderschrift zu identifizieren, die in enger Beziehung zum Kalendersystem und zur Astronomie stand, jedoch im Alltag der Bevölkerung keine Anwendung fand. Tocapu, wie Astronomie und Kalendersystem, sind in den Anden Kulturelemente, die wahrscheinlich bereits weit vor den Inka entwickelt und nur von einer kleinen Schicht von Gelehrten beherrscht wurden. [102]
[Bearbeiten] Religion
[Bearbeiten] Sonnenkult
In den Anden besaß jede Gemeinschaft, jed