Jotapata

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Koordinaten: 32° 49′ 55″ N, 35° 16′ 41″ O

Karte: Israel
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Jotapata
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Israel

Jotapata (auch Iotapata, hebr. Yodefat)[1] war ein antiker Ort in Galiläa (Untergaliläa), westlich vom See Genezareth, 15 km nördlich von Nazaret, südlich von Karmiel, nahe der heutigen Stadt Yodfat.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die antike Stätte liegt etwa 1 km südöstlich vom modernen Yodfat entfernt auf einem über 400 m hohen Gelände (Tell Jafat, auch Dschebel Dschefat oder Khirbet Djefat), das sich ca. 100 m über den Tälern erhebt. In der Nähe steht der Berg Atzmon (547 m). Flavius Josephus beschreibt die Lage im 7. Kapitel des 3. Buches seiner Geschichte des jüdischen Krieges (GJK, vgl. Quellen). Danach liegt Jotapata auf einem von Schluchten umgebenen Felsen, den andere Berge überragen, so dass sich der befestigte Ort nicht leicht entdecken lässt. Nur im Norden senkt sich der Bergrücken flacher als in anderen Richtungen. Hier war der Ort am besten zugänglich und Angriffen am meisten ausgesetzt. Auguste Parent, der den Ort besucht hat, schreibt im Vorwort seines Buches Belagerung von Jotapata (vgl. Literatur): „Das Tell Jafat (le tell Djephtah) entspricht exakt der Beschreibung, die Josephus gab; es ist ein felsiger Hügel, gänzlich isoliert, allseits umgeben von hohen Bergen, welche die Sicht auf ihn versperren. Man muss wirklich ganz nahe sein, um ihn zu sehen.“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tell Jafat

Jotapata ist berühmt als befestigter Ort des Widerstandes im Jüdischen Krieg, dem ersten jüdischen Aufstand gegen die Römer. Flavius Josephus, Befehlshaber der Insurgenten in Galiläa, ließ dort die Städte befestigen und leitete selbst die Verteidigung Jotapatas, der am stärksten befestigten Stadt. Nero übertrug Vespasian das Oberkommando in Syrien und befahl die Niederschlagung des Aufstandes in Galiläa. Vespasian und sein Sohn Titus belagerten Jotapata im Sommer 67 (im 13. Regierungsjahr Neros) und eroberten die Stadt nach 47 Tagen. Zum Heeresaufgebot Vespasians gehörte die 15. Legion (Legio XV Apollinaris), die Titus kommandierte, und die 10. (Legio X Fretensis) unter dem Befehl von Marcus Ulpius Traianus, dem Vater des späteren Kaisers Trajan. Josephus schildert die Belagerung, Angriffe und Ausfälle, Taktik und Waffentechnik im 7. Kapitel des 3. Buches seines Werks Jüdischer Krieg. Das 8. Kapitel handelt von den Umständen seiner Gefangennahme und dem Wohlwollen, das ihm Titus entgegenbrachte. Josephus berichtet, wie er nach der Erstürmung der Wälle durch die Römer und ihre mazedonischen Hilfstruppen in eine Zisterne springt, um sich zu verstecken. In der Höhle trifft er 40 Aufständische, die sich in einer scheinbar hoffnungslosen Lage gegenseitig umbringen wollen. Das Los soll über die Reihenfolge der Todeskandidaten entscheiden. Josephus willigt widerwillig in das Verfahren ein. Als einziger zieht er kein Todeslos. Er und jemand, den er vereinbarungsgemäß umbringen müsste, lassen sich gefangen nehmen.[2] Nach der Schleifung Jotapatas wurde die Stadt teilweise wieder aufgebaut und besiedelt. Sie nahm Flüchtlinge aus dem im Jahre 70 zerstörten Jerusalem auf. Während des Bar-Kochba-Aufstandes soll die Priesterfamilie Mijamin[3] in Jotapata gelebt haben.

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen belegen, dass Tell Jafat bereits in der späten Bronzezeit bewohnt war. Die Mischna (Traktat Arakin – „Schätzungen“ – in der 5. Ordnung) enthält eine Liste befestigter Orte in Galiläa aus der Zeit Josuas, darunter auch Jotapata. Das in der Bibel (2 Kön 21,19 EU) erwähnte Jotba als Herkunftsort des Großvaters von Amon, dem König des Reiches Juda (7. Jahrhundert v. Chr.), wird mit Jotapata identifiziert. Im Jahr 1847 hat Ernst Gustav Schultz (1811–1851),[4] preußischer Konsul in Jerusalem (damals zum Osmanischen Reich gehörig), die Reste Jotapatas wiederentdeckt. Bei Grabungen in den 1990er Jahren unter der Leitung Mordechai Aviams von der israelischen Behörde für Altertümer sind Reste der Stadtmauer aus hasmonäischer Zeit freigelegt sowie Pfeilspitzen, Katapultgeschosse, Reste einer Belagerungsrampe und Bruchstücke von Fresken entdeckt worden.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flavius Josephus: Geschichte des Jüdischen Krieges, Übersetzung aus dem Griechischen von Heinrich Clementz, Fourier-Verlag, Dreieich 1977

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Matthias Schröckh: Allgemeine Biographie, Teil 2, Kapitel I: Leben des Kaysers Titus, Verlag August Mylius, Berlin 1769
  • Ernst Gustav Schultz: Mittheilungen über eine Reise durch Samarien und Galiläa, nebst Anmerkungen von H. Groß, Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Band III, 1849
  • Carl Ritter: Vergleichende Erdkunde der Sinai-Halbinsel, von Palästina und Syrien, Verlag von G. Reimer, Berlin 1852
  • Auguste Parent: Siège de Jotapata, épisode de la révolte des juifs, Librairie Académique, Paris 1866
  • Isidore Singer (Hrsg.), The Jewish Encyclopedia, Band VII, Funk and Wagnells Company, New York und London 1904
  • Georg Beer: Jotapata. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX,2, Stuttgart 1916, Sp. 2002.
  • Abraham Negev (Hrsg.): Archäologisches Lexikon zur Bibel, Edition Praeger, München, Wien, Zürich 1972
  • David Adan-Bayevitz und Mordechai Aviam, Iotapata, Josephus, and the Siege 67. In: Journal of Roman Archaeology 10, 1997.
  • Mark A. Chancey: The myth of a Gentile Galilee, Cambridge University Press, Cambridge (UK) 2002
  • Haim Goren: Zieht hin und erforscht das Land, die deutsche Palästinaforschung im 19. Jahrhundert, Wallstein-Verlag, Göttingen 2003
  • Mordechai Aviam: Jews, Pagans and Christians in the Galilee, University of Rochester Press, Rochester (New York) 2004

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nicht zu verwechseln mit Jotbata, das in 4 Mos 33,33 EU und 5 Mos 10,7 EU genannt wird.
  2. Diese Geschichte, deren einziger Zeuge Josephus ist, dient als Einkleidung für ein mathematisches Rätsel, das nach Cardano als Josephsspiel (Ludus Josephi) oder Josephus-Problem bezeichnet wird.
  3. Priester des Namens Mijamin werden einige Male in der Bibel erwähnt: im ersten Buch der Chronik sowie in den Büchern Esra und Nehemia.
  4. Kurze Biografie bei Haim Goren, vgl. Literatur.