Justizvollzugsanstalt Heimsheim

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Justizvollzugsanstalt Heimsheim
Luftbild
Justizvollzugsanstalts-Information
Name Justizvollzugsanstalt Heimsheim
Bezugsjahr 1990
Haftplätze 441
Mitarbeiter 220 (Dezember 2016)
Anstaltsleitung Dr. Claudia Dorsch
Franziska Heermann
Teresa Demel

Die Justizvollzugsanstalt Heimsheim liegt südlich der A 8 nahe der Ausfahrt Heimsheim zwischen Rutesheim und Pforzheim. Die Anstalt wurde im Jahr 1990 in Betrieb genommen und dient der Unterbringung von erwachsenen männlichen Straftätern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Land Baden-Württemberg teilte der Stadt Heimsheim im Herbst 1978 seine Absicht mit, ein nahe der Autobahn Stuttgart-Karlsruhe in einem Wald gelegenes Grundstück zur Einrichtung einer Justizvollzugsanstalt zu kaufen. Diese Kaufabsicht stieß bei der Stadt und bei Teilen der Bürger auf Ablehnung.

Während im Jahre 1978 davon die Rede war, bei Heimsheim eine Einweisungs- und Transportanstalt mit 400 Haftplätzen zu bauen, in der die Gefangenen auf Grund der besonderen Zweckbestimmung längstens 3 Monate verbleiben sollten, wurde im Jahre 1985 mitgeteilt, dass in Heimsheim ein Gefängnis gebaut werden sollte und zwar als Ersatz für das aufzulösende Ludwigsburger Gefängnis.[1]

Die dem Neubau zugrunde liegende architektonische Konzeption sieht innerhalb einer knapp einen Kilometer langen Umfassungsmauer auf dem etwa 6 Hektar großen Gelände zwei kreuzförmige Gefängnisunterkunftsgebäude, ein Werkstattgebäude für verschiedene Betriebe, ein Versorgungs- und Verwaltungsgebäude und eine Sporthalle mit einer Außensportanlage vor. Baubeginn war im Herbst 1986, im Mai 1990 wurde die Anstalt bezogen. Im Jahre 1996 war der zusätzliche Ausbau eines Luftgeschosses zu einem Gefangenenunterkunftsbereich abgeschlossen. Das erweiterte Garagen- und Lagergebäude konnte im Herbst 2000 bezogen werden. Durch einen Anbau an ein Unterkunftsgebäude wurden zum Februar 2004 weitere 26 Haftplätze und Wohnküchen geschaffen. Im Jahr 2010 konnten die baulich erweiterten Besuchsräumlichkeiten in Betrieb genommen werden.

Die Justizvollzugsanstalt auf dem Mittelberg bei Heimsheim ist allerdings nicht das erste Gefängnis, das sich auf dem Gebiet der Stadt Heimsheim befindet. Bereits im 19. Jahrhundert beherbergte das Graevenitz´sche Schloss in Heimsheim, das „örtliche Gefängniß zugleich als Stations Gefängniß“, das „hierzu die erforderliche Sicherheit“ gewährte, so die Oberamtsbeschreibung Leonberg 1843.

Im Mai 2005 wurde das 15-jährige Bestehen der Justizvollzugsanstalt Heimsheim gefeiert. Der Heimsheimer Bürgermeister Pfisterer meinte beim Festakt: „Es ist gelungen die Anstalt in das öffentliche Leben der Stadt Heimsheim zu integrieren“.

Eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Heimsheim ist das seit 1983 in Ludwigsburg betriebene Freigängerheim. Die Jugendstrafanstalt Pforzheim war ab 1. September 2006 ebenfalls der Justizvollzugsanstalt Heimsheim angeschlossen. Seit 1. Januar 2016 ist die Außenstelle Pforzheim geschlossen und wurde nach Umbauarbeiten als Abschiebehaftanstalt wiedereröffnet.[2]

Die Außenstelle Sachsenheim (Kelterle), in der vor allem männliche Straßenverkehrstäter untergebracht waren, wurde zum 1. Mai 2015 geschlossen.[3]

Zuständigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zuständigkeiten der Justizvollzugsanstalten in Baden-Württemberg sind im Vollstreckungsplan des Landes geregelt.[4]

Zentrale Heimsheim und Außenstelle Ludwigsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sachliche Zuständigkeit örtliche Zuständigkeit
Freiheitsstrafen von mehr als 6 Monaten bis 1 Jahr 3 Monate LG Karlsruhe (AG Bretten, AG Leonberg, AG Stuttgart, AG Stuttgart-BadCannstatt), LG Ulm
Freiheitsstrafen von mehr als 1 Jahr und 3 Monaten LG Stuttgart (AG Böblingen, AG Leonberg, AG Stuttgart, AG Stuttgart-Bad Cannstatt), LG Ulm

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe des Strafvollzuges ist bei erwachsenen Straftätern das vom Gesetzgeber, dem Landtag Baden-Württemberg, in § 1 JVollzGB III verbindlich formulierte Anliegen, nämlich die Gefangenen zu befähigen, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Der Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten ist die weitere Aufgabe des Strafvollzugs (§ 2 Abs. 1 JVollzGB I).

Bei Jugendstrafgefangenen hat der Vollzug die kriminalpräventive Aufgabe des Schutzes der Bürger vor Straftaten junger Leute, so § 2 Abs. 1 JVollzGB I. Die jungen Gefangenen sollen zu einem Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten erzogen werden (§ 1 JVollzGB IV).

Die Vernachlässigung des Arbeits- und Leistungsbereiches sowie familiärer und sonstiger sozialer Pflichten, Verhältnis zu Geld und Eigentum, ein unstrukturiertes Freizeitverhalten und eine fehlende Lebensplanung sind Indikatoren, die eine unmittelbare kriminelle Gefährdung eines Menschen anzeigen. Umgekehrt ist eine sogenannte „kriminoresistente Konstellation“ charakterisiert durch Erfüllung der sozialen Pflichten, zu denen zentral eine geordnete Berufstätigkeit gehört, im weiteren durch ein adäquates Anspruchsniveau, die Gebundenheit an eine geordnete Häuslichkeit und an ein Familienleben und ein realistisches Verhältnis zu Geld und Eigentum. Folglich hat der Vollzug die Aufgabe Behandlungsmaßnahmen anzubieten: Training für konstantes Arbeitsverhalten, Umgang mit Geld, Aufbau tragfähiger Beziehungen, rücksichtsvolles Leben mit anderen, Leben mit sich selbst in Zufriedenheit, sinnvolle Freizeitgestaltung, gekonnter Umgang mit Aggressionen, Abbau von delinquentem Verhalten, Abbau von Suchtverhalten.

Als Grundsatz für die Gestaltung des Vollzugs hat der Gesetzgeber im § 2 Abs. 2 JVollGB III und § 2 Abs. 3 JVollzGB IV bestimmt, dass das Leben im Vollzug den allgemeinen Lebensverhältnissen so weit wie möglich angeglichen werden soll. Ferner ist der Vollzug darauf einzurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.

Daten und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ort Belegungsfähigkeit Durchschnittliche Belegung Januar 2016
Heimsheim 324 354
Durchgangshaft Transportzentrale 39 27
Außenstelle Ludwigsburg 78 29

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heimatbuch der Stadt Heimsheim
  2. Stuttgarter Nachrichten vom 27. Oktober 2015: Jugendknast in Pforzheim soll umgebaut werden, abgerufen am 26. Januar 2016
  3. Bietigheimer Zeitung vom 3. Februar 2015: JVA-Außenstelle "Kelterle" schließt, abgerufen am 26. Januar 2016
  4. Online-Vollstreckungsplan für das Land Baden-Württemberg, abgerufen am 26. Januar 2016

Koordinaten: 48° 49′ 32″ N, 8° 51′ 39″ O