Kaufhaus des Westens

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Kaufhaus des Westens, 2008
Blick auf die Fassade, 1907

Das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) wurde 1907 eröffnet und ist heute mit 60.000 m² Verkaufsfläche das größte Warenhaus Kontinentaleuropas. Es befindet sich in der Tauentzienstraße in Berlin-Schöneberg am Wittenbergplatz und ist das bekannteste Warenhaus Deutschlands. Eine besondere Attraktion ist die sogenannte „Feinschmeckeretage“, die größte Feinkostabteilung Europas. Das KaDeWe ist neben dem Brandenburger Tor, dem Reichstag, der Gedächtniskirche und dem Fernsehturm am Alexanderplatz eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Berlin.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Kaiserreich und Weimarer Republik: Die Ära Jandorf

Der jüdische Kaufmann Adolf Jandorf hatte mit seinem Unternehmen A. Jandorf & Co. bis 1905 sechs Kaufhäuser für den einfachen Bedarf in Berlin eröffnet.[1] Nun wollte er nach den Luxus-Warenhäusern wie dem „Wertheim Leipziger Straße“ (1894) und dem „Kaufhaus Tietz“ (1900), ebenfalls in der Leipziger Straße,[2] auch ein repräsentatives Angebot für die gehobenen und höchsten Konsumwünsche der wilhelminischen Elite machen. Jandorf errichtete ab 1905 seine siebente Filiale unter dem neuen Namen Kaufhaus des Westens und mit einer eigens dafür gegründeten GmbH, an der sich seine Partnerfirma M.J. Emden Söhne (Hamburg) mit vier Prozent symbolisch beteiligte. Die Bezeichnung „Kaufhaus“ sollte sich vom gewöhnlichen Warenhaus und En-gros-Lager absetzen.

Der Architekt Johann Emil Schaudt wurde mit der Konzeption und Durchführung beauftragt. Er entwarf ein fünfstöckiges Gebäude aus Eisenbeton und rund 24.000 m² Verkaufsfläche in einem sachlichen neoklassizistischen Stil. Die Fassade war fränkischer Muschelkalk aus Jandorfs Heimat. Wegen einer baupolizeilichen Einschränkung wurde die Fassade horizontal wie bei einem Wohnhaus gegliedert und nur durch zwei Mittelrisaliten hervorgehoben. Die Vorschrift zielte darauf ab, den Glanz von verglasten Fassaden wie beim Warenhaus Tietz in der Leipziger Straße[3] zu verhindern und war Teil einer von Kleinhändlern ausgehenden Kampagne gegen die neue Betriebsform „Warenhaus“.[4] Auf eine bei Jandorfs Warenhäusern übliche Eckrundung des Gebäudes wurde verzichtet, Beobachter schrieben von einem „ruhevollen Anblick einer schön gegliederten und trotz ihrer Größe recht behaglichen Hauptfront.“[5] Anstelle eines glasüberdachten Lichthofes über alle Etagen hinweg entschied sich Schaudt zu einer zweigeschossigen Halle in der Mitte des Gebäudes (22 × 23,5 m).

Vor der Eröffnung schaltete man in den Tageszeitungen erstmals technisch möglich gewordene Anzeigen mit großformatigen Grafiken von August Hajduk in Jugendstilmanier.[6]

Am 27. März 1907 fand die Eröffnung des Kaufhaus des Westens statt. Der Begriff „Westen“ bezog sich dabei auf die großen städtebaulichen Erweiterungen von Tiergarten, Charlottenburg und Wilmersdorf aus der Zeit nach der Gründung des Deutschen Reichs 1870/1871, die inoffiziell unter der Bezeichnung „Neuer Westen“ zusammengefasst wurden. Die verkehrstechnische Erschließung des damals noch abgelegenen Gebiets ab 1902 durch den U-Bahnhof Wittenbergplatz und durch Straßenbahnen war ein wichtiges Motiv für Jandorfs Standortwahl. Zwar kam es nicht zu einer offiziellen Aufwertung durch den Besuch eines Repräsentanten des wilhelminischen Kaiserhauses wie etwa beim Kaufhaus Wertheim in der Leipziger Straße durch Wilhelm II. im Januar 1910. Doch dafür machte im August 1907 ein zweitägiger Aufenthalt des siamesischen Königs Rama V. im KaDeWe den erwünschten Eindruck auf Adel und Bürgertum.

Jandorf konzipierte sein Warenhaus nach dem Vorbild amerikanischer Warenhäuser, indem er viele kleine Fachgeschäfte in 120 Abteilungen unter einem Dach vereinte. Innenarchitekt Franz Habich, der zuvor das Münchner Kaufhaus Oberpollinger ausgestattet hatte,[7] ließ die Eisenträger mit Naturstein ausbauen und mit australischem Hartholz täfeln. Das Interieur wurde „gediegen“ und „modern“ empfunden,[8] aber nicht überladen gestaltet und mit moderner Technik ausgerüstet. Ein Rohrpostsystem englischer Herkunft verband 150 verschiedene Zahlstellen im Haus mit der Zentralkasse. Aufgrund der hohen Reparaturanfälligkeit dieses Fabrikats wurde die Anlage mit 18 km Rohrleitungen schon nach wenigen Jahren durch Registrierkassen ersetzt. Elektrisches Licht und zusätzliche Kundendienstleistungen wie 20 Aufzüge, jeweils ein Frisiersalon für Damen und Herren, Wechselstube, Bankfiliale, Leihbibliothek, Fotoatelier und ein Teesalon erhöhten die Attraktivität. Die halbrund vorkragenden Risalite beiderseits des Haupteingangs enthielten Treppenräume, über dem Eingang platzierte Schaudt einen kleinen Balkon, über den wiederum eine Uhr aus Bronze mit einem Ziffernblatt von drei Metern Durchmesser hing.

Schon bald wurde das Warenhaus durch sein modernes und exquisites Angebot an Waren und Dienstleistungen zu einer der beliebtesten Kaufadressen Berlins. Die Tauentzienstraße wandelte sich von einer reinen Wohnstraße zu einem Einkaufsboulevard, immer mehr Ladengeschäfte mieteten sich im Erdgeschoss der Wohnhäuser ein. Zugleich wurde das Gebiet um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche für Ausländer interessant: „Zahlreiche Amerikaner, Engländer, Franzosen, Italiener, ja selbst Asiaten, haben sich hier niedergelassen und bevölkern die eleganten Boardinghouses und Pensionen. Theater werden gebaut. Alle Plätze bekommen Merkmale, die Ecksteine des Aufblühens ihrer Umgebung sind.“[9] Derselbe Prozess vom gehobenen Wohnviertel zum Dienstleistungszentrum vollzog sich in der Leipziger Straße und ab 1929 nach dem Neubau des Warenhauses Karstadt am Hermannplatz.[10] Mit dem Aufstieg des Neuen Westens, vor allem von Kleist-, Tauentzienstraße und Teilen des Kurfürstendamms, zu einem neuen Geschäftsschwerpunkt ging die anfängliche Bedeutung der Potsdamer Straße und ihrer Querstraßen zurück.[11] Der Kunsthistoriker Max Osborn äußerte 1928 über den Strukturwandel des Bezirks:

„Hier haben wir ein Beispiel über die umstürzlerische Wirkung, die der Neubau eines Warenhauses nach sich ziehen kann. Einmal die gebieterische Veränderung des städtischen Verkehrslebens. Denn erst von dem Augenblicke an, als das KaDeWe stand, begann der märchenhafte Aufschwung des Bezirks um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Folgen seiner Eröffnung sind kaum zu beschreiben und noch immer, nach zwanzig Jahren, nicht zu ermessen. Eine neue, moderne Verkehrsgegend, ein neues, modernes Stadtbild war geboren, das inzwischen zu Weltruhm aufgestiegen ist. Die gesamte weitere Entwicklung der Tauentzienstraße, deren Name schon vor dem Kriege zu einem Symbol wurde - denn ihren Chrakter als neumodische Spazier-, Bummel- und Flirtstraße konnte sie eben nur annehmen, weil sie eine 'Shoping'-Straße geworden -, die gesamte neuere Entwicklung des Kurfürstendamms, die heute noch kräftig in Fluß ist, ohne daß wir sagen können, wohin die Entwicklung sie noch führen wird, hat in jener mutigen Gründung eines einzelnen Kaufhauses ihre Wurzeln.“

Max Osborn [12]

Grundriss des Erdgeschosses, 1907
Grundriss des Erdgeschosses, 1930

Nachdem Hermann Tietz 1901 die „Weißen Wochen“, den Vorläufern der Sommer- und Winterschlussverkäufe, in seinem luxuriösen „Kaufhaus Tietz“ am Berliner Alexanderplatz eingeführt hatte,[13] um nach dem Weihnachtsgeschäft im Februar wieder Kunden in die Warenhäuser bringen,[14] stieß auch beim KaDeWe die Einführung von preisreduzierten Weißwaren auf großen Zuspruch. Das gesamte Kaufhaus wurde in hellen und weißen Tönen geschmückt, ebenso war das Warensortiment vorwiegend in Weiß gehalten. Zugleich kam das neue Reklamemittel der nächtlichen Beleuchtung mit Glühbirnenketten beim KaDeWe zur Geltung.

Jandorf verkaufte am 2. Dezember 1926 sein Unternehmen und ab 1927 gehörte die Firma A. Jandorf & Co. mit dem KaDeWe zum Warenhauskonzern Hermann Tietz. Von 1929 bis 1930 erfolgten Um- und Erweiterungsbauten mit zwei Vollgeschossen und zwei Dachgeschossen nach den Plänen der Architekten Schaudt und H. Ströming. Während des Umbaus wurde das Haus nicht geschlossen und der Verkauf lief weiter. Das bisherige Walmdach wurde durch ein Mansarddach ersetzt. Eine Neuheit war der Einbau einer Dachgartenterrasse,[15] wo man im Stil von Hochsee-Passagierschiffen Liegestühle zur Entspannung bereitgestellt hatte.[16] Mit dem Erweiterungsbau ab 1929 ließ Tietz die bis heute maßstabsetzende Feinkostabteilung mit Entlüftungsapparaturen einrichten. 1932 umfasste die Leihbibliothek des KaDeWe 60.000 Titel.[17]

[Bearbeiten] „Drittes Reich“: Enteignung von Tietz

Während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 geriet auch das Handelsunternehmen Hermann Tietz in Liquiditätsengpässe. Von einer Bankengruppe, an erster Stelle die seit 1932 staatlich beherrschte Dresdner Bank,[18] wurde nach der Machtübergabe an Hitler im Februar 1933 ein Kredit über 14 Mio. RM zurückgehalten, trotz einer informellen Zusage zu Beginn des Jahres 1933. Nur unter der Bedingung einer Einsetzung eines „arischen“ Geschäftsführers erklärten sich die Verantwortlichen bereit, an die Tietz-Gruppe den Kredit zu vergeben. In Abstimmung mit dem Reichswirtschaftsministerium luden die Banken im März 1933 die drei Geschäftsführer des Tietz-Konzerns vor. Hugo Zwillenberg sowie Georg und Martin Tietz wurden mit einem angeblichen Entschuldungsplan konfrontiert, der auf eine „kalte“ Enteignung hinauslief. Man traf sich im Hotel Adlon und nahm ihnen die Pässe ab, um den Verkaufsdruck zu Bedingungen der Banken zu erhöhen und um ihre Ausreise zu verhindern.[19] Im März 1933 stand die Hermann-Tietz-Gruppe vor dem Konkurs, woraufhin der Aktienkurs verfiel. Am 31. März 1933 trat der Vorstand von Tietz notgedrungen geschlossen zurück.[20]

Zunächst sah es nach einer Zerschlagung des Tietz-Konzerns aus, da Hitler aus ideologischen Gründen notleidende Warenhäuser nicht mit Krediten retten lassen wollte. Wirtschaftsminister Kurt Schmitt konnte ihn im Juli 1933 von dieser Ansicht abbringen,[21] da zu viele mittelständische Warenlieferanten davon abhingen. Daraufhin kauften die Gläubigerbanken für etwa ein Zehntel des früheren Wertes Tietz-Aktien auf[20] und gründeten die Hertie Waren- und Kaufhaus-Verwaltungs GmbH als Nachfolgefirma der Hermann Tietz OHG. Zugleich wandelten sie ihre Forderungen in Gesellschaftsanteile der neuen Firma um.[21] Die bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts bestehende Wortmarke Hertie aus den Anfangsbuchstaben des Namensgebers Hermann Tietz wurde weiterhin genutzt. Hertie war damit eines der wenigen Warenhaus-Unternehmen, das nach der „Arisierung“ seinen Namen behalten hatte.

Danach stieg der Leiter des zentralen Textil-Einkaufs bei Hermann Tietz, Georg Karg, mit 50.000 RM ein und bot mit dem Juristen Trabart von und zu der Tann sowie Wilhelm Hermsdorf die erwünschte Sicherstellung eines sogenannten „arischen Übergewichts in der Geschäftsleitung“.[22] Bereits im Sommer 1933 wurden fünfhundert „nicht-arische Mitarbeiter“ entlassen.[22] Im August 1933 musste Hugo Zwillenberg seine Position als Geschäftsführer aufgeben. Ein Jahr später wurden die Söhne von Oscar Tietz, Georg und Martin Tietz, mit der Androhung von Kreditkündigungen[23] zur Aufgabe gezwungen. Georg Karg kaufte die Anteile der Banken an der Hertie-Gruppe in zwei Raten auf, 1936 gegen Zahlung von 2,5 Mio. RM zum Teil auf Kredit und weitere 50 Prozent im Juni 1940. Zugleich übernahm Karg die Schulden des Hertie-Konzerns in Höhe von 129 Millionen RM.[24]

[Bearbeiten] Nach dem Zweiten Weltkrieg: Wiederaufbau und Erweiterungen

Mittelrisalit der KaDeWe-Fassade, 2007

Im Zweiten Weltkrieg stürzte am 23. November 1943 ein US-amerikanisches Kampfflugzeug in das Dachgeschoss, wodurch das Warenhaus weitgehend ausbrannte. Dabei wurde auch das hauseigene Archiv zerstört. Nur wenige der wertvollen Einrichtungsgegenstände wurden nicht ein Opfer der Flammen.[25] Bis zur Wiedereröffnung fand ein Notverkauf im Femina-Tanzpalast an der Nürnberger Straße statt. Karg entschädigte 1949 in einem Vergleich die Tietz-Erben mit den Filialen in München, Stuttgart und Karlsruhe, die sie gegen Zahlung einer Umsatzmiete[26] weiterhin dem Hertie-Konzern unterstellten. Später verkauften sie diese Häuser wieder an Karg zurück.[27]

Nach Kriegsende wurden 1950 die ersten beiden Etagen „in Anlehnung an alte Pläne, aber erheblich vereinfacht“ [28] unter der Leitung des Architekten Hans Soll wieder aufgebaut. Am Eröffnungstag, dem 3. Juli 1950, begehrten 180.000 Besucher Einlass. Während der Nachkriegszeit deckte das Kaufhaus vor allem den Grundversorgungsbedarf und bot erst wieder in den 1970er-Jahren vermehrt Luxuswaren an.[29] 1956 war der Wiederaufbau abgeschlossen und das Haus mit zwei kleinen durchgängigen Lichthöfen versehen. Von 1967 bis 1977 erfolgten weitere Um- und Ausbauten und das Warenhaus verfügte nun über 44.000 m² Verkaufsfläche. Unmittelbar nach der Wende erlebte der Einkaufsmagnet ab dem 10. November 1989 mehrere Tage lang einen weiteren großen Andrang. Bis zu 200.000 DDR-Bürger täglich bestaunten den bekannten Konsumtempel und legten den Verkauf weitgehend lahm.[30] In den 1990er-Jahren wurde das KaDeWe noch einmal um 16.000 m² mit einer siebenten Etage aufgestockt. Hier entstand nach Plänen der Architekten H. Ströming, Ernsting & Partner 1993 ein Restaurant mit einer T-förmigen Glaskuppel.[31] Ab 2004 bereitete sich das KaDeWe auf sein hundertjähriges Jubiläum vor, weshalb eine weitere Umbau- und Modernisierungsphase für das komplette Haus erfolgte, die im Herbst 2007 zum Abschluss kam.[32] Die Eigentümer investierten insgesamt 46 Mio. Euro. Die Hauptzielgruppe sind nun Kunden aus der Mittelschicht, die gern modern und exklusiv einkaufen[33] sowie zahlungskräftige Touristen, die 40 Prozent der Kundschaft ausmachen.[34] Mittlerweile (2009) ist nahezu jeder zweite Kunde Ausländer.[35] Das KaDeWe ist nach dem Reichstagsgebäude und dem Brandenburger Tor die am dritthäufigsten von Touristen besuchte Sehenswürdigkeit in Berlin.[36] Daher bietet das KaDeWe Führungen für Interessierte durch das Warenhaus an. Kinder im Alter zwischen zwei und zehn Jahren werden im Haus-Kindergarten bis zu drei Stunden kostenlos betreut.[37]

[Bearbeiten] Nach der Wiedervereinigung: Die Ära Karstadt

KaDeWe-Logo

Seit 1994 gehört das KaDeWe durch die Hertie-Übernahme der Karstadt Warenhaus AG an, ab 1999 KarstadtQuelle AG, seit 2007 Arcandor AG. Das KaDeWe ist das Aushängeschild der Karstadt Warenhaus GmbH. In mehreren Schritten sollten ursprünglich 13 der rund 90 Karstadt-Häuser zur Karstadt Premium Group zusammengefasst und unter Leitung von KaDeWe-Geschäftsführer Patrice Wagner auf das Niveau des KaDeWe umstrukturiert werden. Darunter befanden sich Wertheim am Berliner Kurfürstendamm und in der Steglitzer Schloßstraße, das Alsterhaus in Hamburg sowie Karstadt in Dresden, Düsseldorf, Limbecker Platz in Essen, Frankfurt-Zeil, Breite Straße in Köln, an der Lorenzkirche in Nürnberg sowie Karstadt Stuttgart und das Oberpollinger in München.[38][39] Diese Bestrebungen wurden 2008 nach einem schlechten Geschäftsjahr wieder ein Stück zurückgenommen, sodass die Häuser in Frankfurt am Main (Zeil) und Dresden nur noch als Anwärter zur Premium Group gezählt werden.[40] Der Einstieg von Karstadt in das Luxussegment mit Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior und Chanel im Jahr 2004 sollte mithelfen, den Umsatzrückgang seiner Häuser zu beenden.[41]

Patrice Wagner (* 1967) hatte seit Oktober 2002 das KaDeWe geleitet und erfolgreich modernisiert. Anlässlich der Feier zum 100jährigen Bestehen im Jahr 2007 fasste er seine Vorstellungen und Bemühungen zusammen:

„Wir wollten internationaler werden, weil Berlin die Hauptstadt ist, viele Diplomaten hat und internationale Besucher anzieht. Das zweite Ziel war mehr Luxus. Das ist inzwischen ganz deutlich wahrzunehmen, auch wenn das KaDeWe kein reines Luxus-Kaufhaus geworden ist. Wir machen unser Geld nicht mit Millionären oder nur mit reichen Menschen, sondern vor allem mit normalen Menschen. Denen bieten wir zusätzlich einen Traum an. Das dritte Ziel ist die Konzentration auf das Kerngeschäft. Wir haben einiges herausgenommen, etwa das Wiener Café oder die Sportabteilung. Das war teilweise schmerzhaft, aber absolut richtig. Zum Vierten sind wir eindeutig modischer geworden. Und fünftens sind wir jünger geworden. Heute kauft ein 60-Jähriger ganz anders ein als vor 20 Jahren. Der will nicht mehr als alt angesehen werden. Der fühlt sich jung, er hat Zeit und er hat Geld.“

Patrice Wagner, 2007, Geschäftsführer des KaDeWe 2002–2009 [42]

Im Januar 2009 wurde er von Ursula Vierkötter (* 1966) abgelöst, vormals Leiterin des Kölner Karstadt-Hauses.[43] Wagner stand auch nicht mehr als Leiter der Karstadt Premium Group zur Verfügung. Als Gründe für den Wechsel des Geschäftsführers wurde in den Medien zunächst eine allgemeine Gehaltskürzung vermutet. Im Oktober 2008 beschloss die Unternehmensleitung von Arcandor einen „Zukunftspakt“, bei dem drei Jahre lang alle Mitarbeiter auf zwölf Prozent ihres Jahreseinkommens verzichten sollen, bei Geschäftsführern dagegen sollen es 20 Prozent sein.[44] Nach Angaben der Financial Times Deutschland war Wagner seinem neuen Vorgesetzten und Einkaufsleiter Stefan Herzberg (* 1965) „zu eigenständig“ und hatte auch keine Protektion mehr von Arcandor-Chef Thomas Middelhoff erhalten, da dieser ebenfalls Arcandor verließ.[40] Branchenkennern zufolge wird es nun für die Karstadt Premium Group schwieriger werden, mit internationalen Luxusherstellern zu kooperieren.[40]

[Bearbeiten] Verkaufsbereiche

Gitter am Haupteingang
Hauptfront an der Tauentzienstraße, 2005
Lichthof, 2009

Die Geschäftsleitung setzt auf eine attraktive Mischung aus gehobenem Angebot und reinen Luxuswaren. Daher sollen die Luxusartikel höchstens 10 bis 15 Prozent am Gesamtumsatz einnehmen.[33] Für den Umgang mit vermögenden Kunden hat das Verkaufspersonal eine Schulung erhalten.[38] Eine eigene Abteilung für Aus- und Weiterbildung ist für die Qualifizierungsmaßnahmen der Belegschaft zuständig.[45] Neben der Warenkunde, die auf Wunsch des KaDeWe die Hersteller durchführen, werden die Mitarbeiter in Rhetorik und Verkauf, betriebswirtschaftlichen Grundlagen, Warenpräsentation und in der Farb- und Stilberatung ausgebildet.[46] Die Kunden nehmen die Verkäufer des KaDeWe als überdurchschnittlich engagiert,[22] qualifiziert[29] und freundlich wahr.[47] Eine Verbundenheit der Verkäufer mit ihrem Unternehmen zeigt sich an der langen Beschäftigungsdauer von durchschnittlich 14,5 Jahren,[45] wovon 70 Prozent Frauen sind (Stand: 2005).[46] Im Gegensatz zu den meisten anderen Abteilungsleitern im deutschen Einzelhandel sind diese im KaDeWe nicht nur Verkäufer, sondern zugleich eigenverantwortliche Einkäufer.[48]

Im Untergeschoss oder der sogenannten „Achten Etage“ können nicht nur Autos geparkt, sondern auch Hunde in speziellen Boxen untergebracht werden. Dieses Angebot für Hunde gibt es beim KaDeWe seit Anbeginn.[49] Seit 2009 befindet sich hier die Papierwarenabteilung („Kreativmarkt“). Das historische, kunstvoll geschmiedete Gitter aus dem Jahr 1907 vor dem Hauptportal senkt sich zu Geschäftsbeginn in den Boden.[50] Im Vorhof des Haupteingangs begrüßt ein livrierter Portier mit grauem Zylinder[51] Kunden und gibt Auskunft in sieben Sprachen über den Standort von gesuchten Waren.[52] [53]

[Bearbeiten] Erdgeschoss

In einer hellen, 400 m² großen Ausstellungshalle im Eingangsbereich bilden aufwändig gestaltete Produktpräsentationen oder Dekorationen den ersten Blickfang. Eine weitere Möglichkeit von Produktpromotionen bietet der zentrale Lichthof, der von gläsernen Aufzügen flankiert wird. Zu Beginn des 100jährigen Firmenjubiläums am 1. März 2007 wurde im Lichthof eine über sechseinhalb Meter hohe, siebenstufige Torte als Symbol für das KaDeWe präsentiert. Alle Kunden dieses Tages konnten ein Stück davon mit einem Glas Prosecco kostenlos erhalten.[54] Den Abschluss und Höhepunkt der KaDeWe-Jubiläumsfeierlichkeiten bildete eine Galanacht mit über 1500 Prominenten aus den Bereichen Politik, Medien und Kultur am 12. Oktober 2007, darunter die Familie der damaligen Arcandor-Mehrheitsaktionärin Madeleine Schickedanz.[55]

Im Zusammenhang mit den Umbauarbeiten wurde 2004 im Erdgeschoss die Parfümerie- und Kosmetikabteilung neu gestaltet. Auf 3000 m² Fläche für Kosmetika werden unter anderem über 1500 Duftflakons angeboten. Weiterhin werden im Erdgeschoss auf einem sogenannten Luxusboulevard Schmuck und Uhren präsentiert. Da die Hersteller von Luxusgütern fast nie in Warenhäusern ihre Waren zum Verkauf anbieten, konnte ihre Beteiligung nur durch diese räumliche Exklusivität innerhalb des KaDeWe erlangt werden.[56] Die Geschäftsleitung setzt auch weiterhin auf eine Vergrößerung des Anteils der Luxuswaren im Gesamtsortiment.[57] So wurde 2008 der Luxusboulevard im Erdgeschoss durch Angebote von Tiffany, Chopard oder Prada und Fendi weiter aufgewertet.[58]

[Bearbeiten] Mode

2005 erhielt das Kaufhaus des Westens drei neue Mode-Etagen mit insgesamt 20.000 m² Verkaufsfläche, angelegt in schachbrettartigen Segmenten. Ein Teil dieser Bereiche ist exklusiv nur für Ware der Premiummarken reserviert. So verfügt das KaDeWe als einziges Warenhaus Deutschlands über eine Abteilung der Designermarke Dolce & Gabbana. Nun wird auf etwa 40 Prozent seiner Fläche nur noch Mode der gehobenen bis zur höchsten Qualitätskategorie angeboten. Die Ausweitung des Modeangebots ging mit einer Konzentration auf das Kerngeschäft einher. Einige Abteilungen wie das Wiener Café oder die Sportartikel-Abteilung wurden herausgenommen.[42] Auf der ersten Etage befindet sich seit 2007 unter anderem auch eine Boutique von Dior Homme.

[Bearbeiten] Feinschmeckeretage

Feinschmeckeretage, 2006
Wintergarten, 2005

Besonders bekannt ist die sechste der insgesamt sieben Etagen, die sogenannte „Feinschmeckeretage“, mit einem riesigen Angebot an internationalen Delikatessen und exklusiven Imbissmöglichkeiten. Sie ist gegenwärtig (2009) mit 34.000 Artikeln und 7.000 m² die größte Feinkostabteilung Europas. 500 Angestellte sind hier beschäftigt, davon bereiten etwa 110 Köche, 40 Konditoren und Bäcker Gerichte und Backwerk für die Kunden zu. Die Torten werden seit 1975 nach den Rezepten der französischen Feinbäcker-Firma Lenôtre hergestellt.[59] Das Mehl für die Bäckerei und Konditorei Lenôtre pumpt man vom Keller aus durch Rohre in den siebten Stock, was einmalig in Deutschland ist.[59] Dort befinden sich drei Silos für insgesamt 12 Tonnen Mehl und im Keller lagern weitere vier Tonnen. Die Bäckerei stellt am Tag rund 1000 Brötchen, 300 Baguette-Stangen und 600 Brote her, übrig gebliebenes Brot gibt man an die Berliner Tafel ab.[59] Im „Schokoladenatelier“ stellen Chocolatiers vor den Kunden Schokoladen- und Pralinenspezialitäten her. An mehr als 30 Kochständen („Gourmetständen“) werden kulinarische Spezialitäten aus aller Welt zubereitet. Ein besonderer Anziehungspunkt ist die „Austern-Bar“. Mit mehr als 1000 Sitzplätzen auf dieser Etage ist das KaDeWe das größte Restaurant der Stadt.[60]

Die Weinabteilung bietet über 3400 Weine der weltweit bedeutendsten Weingüter an, die von einem Sommelier ausgewählt und eingekauft werden. Jedes Jahr werden 60.000 Flaschen Champagner verkauft, davon etwa 12.000 Flaschen vor Weihnachten,[61] etwa 223.000 Gläser Champagner trinken die Kunden im Jahr an den Gourmetständen.[22] Die Käseabteilung hat 1300 internationale Käsesorten im Angebot, davon allein 400 Sorten aus Frankreich, 200 aus Deutschland und 100 vom Feinkosthaus Peck in Mailand. Weiterhin hat das KaDeWe 1200 verschiedene Wurst- und Schinkenspezialitäten zur Auswahl. Die Fischabteilung erhält viermal pro Woche frischen Fisch (circa 100 Sorten) und andere Meerestiere aus Übersee in direktem Bezug. Unsichtbare Luftabsaugvorrichtungen verhindern eine ungehinderte Geruchsentfaltung der verschiedenen Lebensmitteltheken. Über 70 Waagen in der Feinschmecker-Etage sind PC-basierte Waagen, die per Funk ihre Daten an die Kasse senden.[62] Seit Ende der 1980er-Jahre leitet der Kaufmann und Gourmet Norbert Könnecke die Lebensmittelabteilung des KaDeWe.[36]

[Bearbeiten] Siebente Etage

In der siebten Etage wurde 2006 der Restaurantbereich mit seiner Glaskuppel („Wintergarten“) für 2,5 Mio. Euro renoviert. Gäste können nun bei der Zubereitung ihres Gerichtes aus frischen Zutaten zusehen, für eilige Kunden werden vorbereitete Menüs angeboten.[63] Weiterhin befinden sich auf dieser Ebene die Warenannahme, das Lager für die Lebensmittel, eine Feuermelde- und Krankenstation[58] und die Verwaltung. Da das Lager nur wenig Platz bietet, wurde ein Zwischenlager in Brieselang eingerichtet, von dem aus drei- bis fünf Mal täglich ein Sattelzug das KaDeWe beliefert.[56]

[Bearbeiten] Daten

Das Warenhaus hat gegenwärtig 60.000 m² Verkaufsfläche, was rund neun Fußballfeldern entspricht, und über 380.000 verschiedene Artikel, insbesondere im gehobenen und Luxussegment. Es ist damit nach Harrods in London mit 92.000 m² das zweitgrößte Warenhaus Europas. Täglich besuchen zwischen 40.000 und 50.000 Gäste das exklusive Warenhaus, in der Vorweihnachtszeit sind es bis zu 100.000 Kunden. Zwischen den Etagen fahren 64 Rolltreppen und 26 Aufzüge.[64] Entgegen den anderen Warenhäusern im Berliner Zentrum hat das KaDeWe nur freitags längere Öffnungszeiten bis 21 Uhr. Jeder Kunde verbringt durchschnittlich dreieinhalb Stunden im Kaufhaus des Westens [65] und davon eine Stunde in der Feinschmeckeretage.[66] 2007 besuchten im Durchschnitt 50.000 Kunden täglich das KaDeWe.[67] Das KaDeWe beschäftigte im Geschäftsjahr 2008 rund 2000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von 300 Mio. Euro.[68]

[Bearbeiten] Historischer Kontext

Kaufhaus Tietz, Alexanderplatz, Lichthof im 2. Erweiterungsbau, 1911

Das Kaufhaus des Westens ist das einzig verbliebene Luxuswarenhaus aus der Berliner Gründerzeit der Warenhäuser in den beiden Dekaden vor und nach 1900. Kaufmannsfamilien aus der Provinz investierten in den deutschen Metropolen in mehrgeschossige Verkaufszentren, wovon die architektonisch anspruchsvollsten Gebäude mit einem durchgängigen Lichthof aufwarteten. Sie übersprangen damit die Entwicklung vom einzelnen Ladengeschäft zu mehreren Ladenlokalen in einer glasüberdachten Passage wie in Paris oder in einem Basar in Vorderasien. Der Berliner Philosoph und Kulturkritiker Walter Benjamin hielt diese Entwicklung des Handelssektors auch für soziologisch bedeutsam, da er darin den neuen Sozialtypus des Flaneurs ausmachte, einen leicht ablenkbaren Müssiggänger mit geringer Fähigkeit zur sozialen Bindung.[69] Andere Autoren hingegen betonten die Demokratisierung durch den Verkauf, welche die Kunden aus der Ober- wie Unterschicht vor der Ladentheke gleich behandelte:

„Und zwar spüren die Frauen der verschiedenen Gesellschaftsklassen gleichmäßig die Anziehungskraft, welche das Warenhaus gerade in dieser Hinsicht ausübt; die vornehmen Beamtenfrauen aus dem Westen Berlins oder aus Charlottenburg geben sich dem Trubel ebenso willig hin, wie die Handwerker- oder Arbeiterfrauen des Ostens und des Nordens, die stets ihr sonst für die Festtage aufgespartes ′gutes Kleid′ anziehen, wenn sie zu Wertheim gehen.“

Gustav Stresemann, 1900 [70]

Die expandierende Wirtschaftskraft des Deutschen Reiches nach seiner Gründung 1871 dokumentierte sich im Handelssektor in der räumlichen Konzentration des Verkaufs in mehrgeschossigen, hallenförmigen Gebäuden mit mehreren tausend bis zu zehntausenden Quadratmetern Verkaufsfläche mitten in Wohnbezirken. Die außen- und innenarchitektonische Ausstattung übertraf teilweise den Aufwand sakraler Bauten. Das Schlagwort von den „Kathedralen“ [71] des Konsums oder Kommerzes setzte sich durch, da vor allem die Berliner Luxuswarenhäuser auf eine Ästhetik der Überwältigung setzten. „Über dem Eingang [des Warenhauses Tietz in der Leipziger Straße] reichte ein Bogenfenster, von Balkonen unterbrochen, 26 Meter hoch. Vier gigantische Figuren, die «Jahreszeiten», streckten ihre Knie weit in den Straßenraum. Über allem strahlte eine viereinhalb Meter dicke Weltkugel mit der Äquatoraufschrift «Tietz».“[72]

Zwar ist das KaDeWe nach dem Kriegsende in architektonischer Hinsicht unauffällig geworden, doch dafür birgt es im Inneren seit den 1970er-Jahren wieder ein Warenangebot, das im internationalen Vergleich von hoher bis höchster Qualität ist.[29] Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg Nils Busch-Petersen zählte 2007 das Haus zu den besten der Welt, „noch vor Harrods in London“.[29]

„Es ist die alte Mischung aus Ehrfurcht und Verlorenheit, die in den Gesichtern der Käufer steht, und die Tafeln beiderseits der Rolltreppen, auf denen die Spezialabteilungen des Hauses verzeichnet sind, zerstreuen dieses Gefühl nicht wirklich. Sie dienen nicht, jedenfalls nicht allein, der Orientierung. Sie lassen sich auch als Enzyklopädien der Warenwelt lesen, als das Versprechen, auf sechs Etagen alle Schätze der Erde zu finden. Der graue Sandsteinbau mit der wuchtigen Glastonne im Dach ist eine Wunderkammer, vollgestopft mit Kunst und Krempel, Kuriosa und Kalorien, halb Marktplatz, halb Museum. […] Immer waren die Warenhäuser auch Ausstellungshallen, in denen die bürgerliche Welt sich selbst mit ihrer schier grenzenlosen Potenz zu überwältigen suchte.“

Heinrich Wefing, FAZ, 24. Februar 2007 [73]

[Bearbeiten] Besucher und Ereignisse

  • Der russische Schriftsteller Vladimir Nabokov lebte mit seiner Frau Véra in den 1920er- und 1930er-Jahren in Berlin.[74] In seinem zweiten Roman König, Dame, Bube (original: Korol, Dama, Valet, 1928) steht ein exklusives Berliner Kaufhaus im Zentrum des Geschehens. Die Initialen KDV im russischen Buchtitel spielen auf das KaDeWe an.[75] Im Roman Die Gabe (1937/1952) findet das KaDeWe eine erneute Erwähnung.
  • Der britische Historiker Eric Hobsbawm verbrachte zwischen 1931 und 1933 in Berlin die nach eigener Aussage entscheidenden Jahre seines Lebens. Hobsbawm suchte vor seiner Emigration 1933 nach England oft die „Bücher-Abteilung“ im KaDeWe auf, wo alle Bücher offen zugänglich auslagen und nicht in Schränken und Regalen hinter einer Theke aufbewahrt wurden.[76]
  • Die Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Autorin Lotti Huber feierte das 90. Jubiläumsjahr des KaDeWe (1997) mit einer Lesung und einer Davidoff-Zigarre.[77]
  • Im Juli 2000 besuchte die britische Königin Elisabeth II. mit Diplomaten das KaDeWe.[78]
  • In der Nacht zum 26. Januar 2009 brachen drei Diebe in das KaDeWe ein und entwendeten Schmuck und Uhren der im KaDeWe ansässigen Juwelier-Handelskette Christ im Wert von über vier Millionen Euro. Die Täter waren über die Sicherheitsvorkehrungen des KaDeWe sehr gut informiert. Über ein vermutlich von innen geöffnetes Fenster an der Ansbacher Straße brachen sie im ersten Stock ein und umgingen durch ein Abseilen im Lichthof die Lichtschranken oder Bewegungsmelder, die an allen Rolltreppen und bestimmten Passagen angebracht sind.[79] Zwei der mutmaßlichen Einbrecher wurden gefasst, da es sich jedoch um eineiige Zwillinge handelt, konnten die am Tatort gefundenen DNS-Spuren ihnen nicht eindeutig zugeordnet werden.[80] Die Haftbefehle mussten daher aufgehoben werden.[81] Das KaDeWe gilt als eines der am besten geschützten Warenhäuser Europas.[82] Die Mitarbeiter des KaDeWe unterliegen ebenfalls den Schutzvorkehrungen. Bei Arbeitsende verlassen sie das Haus durch die Überführung über der Passauer Straße. Sie passieren dabei einen Zufallsgenerator, auf dessen Signal hin die mitgeführten Taschen und Tüten kontrolliert werden.[22]

[Bearbeiten] Literatur

  • Fritz Wolff: Kaufhaus des Westens, Berlin. In: Deutsche Kunst und Dekoration, Juli 1907. Koch, Darmstadt, 58 S.
  • Max Creutz: Das Kaufhaus des Westens. In: Berliner Architekturwelt, 1908, S. 82–106, mit zahlreichen Abb., Digitalisat, PDF, 11,8 MB
  • Max Osborn, Franz Arnholz: Kaufhaus des Westens – KaDeWe 1907–1932. (Jubiläumsschrift, 25 Jahre), Berlin 1932, 208 S., s/w-Fotos
  • Eckart Hahn: Studien zur Kunst- und Baugeschichte des Kaufhaus des Westens in Berlin, Technische Universität Berlin, Magisterarbeit, 1973, 116 S.
  • Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Bautypus, Element der Stadtorganisation, Raumsphäre der Warenwelt. Archibook, Berlin 1979, 208 S., ISBN 978-3-88531-000-6, Dissertation der TU Berlin
  • Urte Janus: Das Kaufhaus des Westens („KaDeWe“) in Berlin. Technische Universität Berlin, Magisterarbeit, 1995, 110 S., Illustrationen und grafische Darstellungen
  • Kaufhaus des Westens. Illustrierter Hauptkatalog 1913. (Nachdruck), Edition Olms, Göttingen 1998, 240 S.
  • Hans Aschenbrenner: 3. Juli 1950: Das KaDeWe meldet sich zurück, Berlinische Monatsschrift, Heft 3, 2001, S. 126–129.
  • Antonia Meiners: 100 Jahre KaDeWe. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2007, 168 S., 80 farbige Abb., 80 s/w-Abb., Leinen, ISBN 3-89479-386-4, Inhaltsangabe
  • Nils Busch-Petersen: Adolf Jandorf – Vom Volkswarenhaus zum KaDeWe, Hentrich & Hentrich, Berlin 2007, 80 S., ISBN 978-3-938485-10-1, Inhaltsangabe
  • Inge Braun und Helmut Huber: Verführung auf sieben Etagen – Das Kaufhaus des Westens und seine Geschichte. Radio-Feature, Ko-Produktion: RBB, DLF, August 2007, 27 S., Manuskript
  • 100 Jahre KaDeWe. In: Welt am Sonntag, 14. Oktober 2007, Nr. 41, Sonderbeilage, 11 S.

[Bearbeiten] Filmische Rezeptionen

  • Kaufhaus des Westens. Chronik eines Warenhauses. Dokumentation, ein Film von Sabine Degebrodt (Buch und Regie) und Hanne Schön-Muanda (Buch), Produktion: Deutsche Welle TV, Ausstrahlung: 17. Januar 1995
  • Willkommen, bienvenue, welcome: Das Kaufhaus des Westens in Berlin, Reihe: Kathedralen des Konsums, Dokumentation, Buch und Regie: Daniela Schmidt, Produktion: ZDF, Erstausstrahlung: arte, 10. Dezember 1995
  • 100 Jahre KaDeWe. RBB, zibb, 1. März 2007, 5:58 Min. (mit Wochenschau-Ausschnitten)
  • Noble Adressen. Das KaDeWe – 100 Jahre Kaufrausch. Dokumentation, 45 Min., ein Film von Stephan Düfel, Produktion: RBB, Erstausstrahlung 29. März 2007, Inhaltsangabe
  • Offizielles Präsentationsvideo des KaDeWe, 2007
  • „100 Jahre KaDeWe“, Welt-TV, 28. Februar 2007, Tortenanschnitt, 1:50 Min.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Artikel

Bilder

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Berlin 1979, S. 84–85.
  2. Bilder: Warenhaus Tietz, Leipziger Straße
  3. Bild: Warenhaus Tietz, 1900, Berlin, Leipziger Straße
  4. Nils Busch-Petersen, Adolf Jandorf. Vom Volkswarenhaus zum KaDeWe, Hentrich & Hentrich, Berlin 2008, S. 48.
  5. zitiert nach Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 35.
  6. Großes Bildinserat von August Hajduk, Berlinische Monatsschrift, Heft 3, 2001, S. 127. (archiviert)
  7. Fotos: Oberpollinger Lichthof um 1900, oberpollinger.de.
  8. In: Antonia Meiners, 100 Jahre KaDeWe, Nicolai, Berlin 2007, S. 37
  9. Leo Colze, Berliner Warenhäuser, in: Großstadtdokumente, Band 47, Verlag Hermann Seemann Nachf., Berlin & Leipzig 1908, S. 12, zitiert nach Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 35.
  10. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 49.
  11. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 19.
  12. Max Osborn: Probleme des Warenhauses, Berlin 1928, S. 9, zitiert nach Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 49.
  13. Dagmar Rosenfeld: „Weiße Wochen der Moderne“, Tagesspiegel, 22. Mai 2005
       Cay Dobberke: „Mit Luxus aus der Krise“, Tagesspiegel, 6. August 2008.
  14. In: A. Meiners: 100 Jahre KaDeWe. Nicolai, Berlin 2007, S. 59.
  15. „Kaufhaus des Westens“, Berliner Bezirkslexikon, Charlottenburg-Wilmersdorf, 11. März 2005.
  16. Foto: Dachgarten, 1932
  17. Max Osborn, Kaufhaus des Westens – KaDeWe 1907–1932, S. 108.
  18. „Ein braunes Band der Sympathie“, Dokumentation, 45 Min., Buch und Regie: Dagmar Christmann, Thomas Rautenberg, Produktion: hr, Erstsendung: 5. März 2004, archiviert auf archive.org
  19. Simone Ladwig-Winters zitiert in: Helmut Frei: Braune Schatten im Herzen Berlins – Karstadt und das Lehrstück Wertheim, SWR2, Radio-Feature, 28. September 2006, S. 7.
  20. a b Die Enteignung der Kaufhauses Hermann Tietz „HER-TIE“, Manuskript der Film-Dokumentation „Ein braunes Band der Sympathie“.
  21. a b Hans Otto Eglau: Georg Karg. Der Herr von Hertie, in: ders., Die Kasse muß stimmen. So hatten sie Erfolg im Handel, Econ-Verlag, Düsseldorf 1972, S. 41.
  22. a b c d e Inge Braun und Helmut Huber: „Verführung auf sieben Etagen – Das Kaufhaus des Westens und seine Geschichte“, RBB, DLF, Radio-Feature, August 2007.
  23. Friedrich W. Köhler: Zur Geschichte der Warenhäuser. Seenot und Untergang des Hertie-Konzerns. Haag + Herchen, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-86137-544-3, S. 22.
  24. H. O. Eglau, Georg Karg. Der Herr von Hertie, S. 43.
  25. „Gut im Bilde. Antonia Meiners hat die KaDeWe-Geschichte erforscht und daraus ein Buch gemacht“, Der Tagesspiegel, 28. März 2007.
  26. „Umsatzmiete“, handelswissen.de
  27. H. O. Eglau, Georg Karg. Der Herr von Hertie, S. 45.
  28. Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus. Berlin 1979, S. 36.
  29. a b c d Thorkit Treichel: „Symbol des Westens“, Berliner Zeitung, 27. Februar 2007.
  30. „Zeittunnel in die Konsumgeschichte“, Tagesspiegel, September 2007.
  31. Wintergarten des KaDeWe, Structurae.de
  32. „100 Jahre KaDeWe. Purer Luxus auf 60.000 Quadratmetern“, AP / stern, 1. März 2007.
  33. a b Lorenz Maroldt und Moritz Döbler: „Wir demokratisieren den Luxus“, Tagesspiegel, 22. September 2005.
  34. Antje Hildebrandt: „Großes Kino in der Austernbar“, Rheinischer Merkur, 22. März 2007.
  35. Konrad Mrusek: „Weihnachtseinkäufe im KaDeWe. Trutzburg des Konsums“, FAZ, 20. Dezember 2008.
  36. a b Franz Michael Rohm: „100 Jahre KaDeWe. Die Geschichte einer Berliner Institution“, Deutschlandradio, 27. März 2007, auch als Audio-Datei, 20 Min.
  37. „Kundenservice“, kadewe.de
  38. a b Hagen Seidel: „Luxus-Häuser sollen Karstadt retten“, Die Welt, 18. April 2006.
  39. „Karstadt fehlt noch internationales Publikum“, Kölner Stadt-Anzeiger, 5. Oktober 2006.
  40. a b c Katja Wilke: „Machtkampf. Chef von Karstadts Luxushäusern tritt ab“, Financial Times Deutschland, 17. Januar 2009.
  41. „Mit dem KaDeWe testet Karstadt in Deutschland Wiedereinstieg ins Geschäft mit Hochwertigem“, Wirtschaftswoche, 1. November 2004
    Heik Afheldt: „KaDeWe-Kapitän Patrice Wagner“, Tagesspiegel, 18. August 2005.
  42. a b „Das KaDeWe gehört zur Geschichte Berlins“, Der Tagesspiegel, 28. Februar 2007, Interview mit dem damaligen Geschäftsführer Patrice Wagner.
  43. Bernd Matthies: „KaDeWe-Chef geht“, Tagesspiegel, 15. Januar 2009.
  44. Alexandra Maschewski: „Wagner geht: Chefwechsel im KaDeWe“, Berliner Morgenpost, 15. Januar 2009.
  45. a b „Supermarkt – Umworbene Kundschaft. Filmtext“, NZZ Format, 2005, 35 Min.
  46. a b Michael Hutner: „KaDeWe vollendet Metamorphose. Berliner Traditionskaufhaus setzt auf Premium-Berater“, Hutner Journal, Nr. 2, 2007, S. 4–5.
  47. „O du KaDeWe!“ Die Zeit, 15. Dezember 2005.
  48. Thorsten Denkler: „100 Jahre KaDeWe – ein Portrait. Kriegers Spielzeug“, Süddeutsche Zeitung, 27. März 2007.
  49. Max Osborn, Kaufhaus des Westens – KaDeWe 1907–1932, S. 185.
  50. KaDeWe Hauptportal, Tagesspiegel.
  51. Portier-Portrait
  52. „Das KaDeWe – 100 Jahre Kaufrausch“, RBB, 1. März 2007.
  53. „Empfangschef im KaDeWe“, WirtschaftsWoche, 30. März 2007.
  54. Elisabeth Binder: „Zum Geburtstag eine Torte – sechs Meter hoch“, Tagesspiegel, 28. Februar 2007.
  55. F. v. Mutius; B. Jänichen: „1500 Gäste feiern Gala-Nacht im KaDeWe“, Die Welt, 12. Oktober 2007.
  56. a b Thorkit Treichel: „Eine Stadt für sich“, Berliner Morgenpost, 10. Oktober 2007.
  57. „Wir wollen die Kunden überraschen“, Tagesspiegel, 9. April 2008.
  58. a b Alexandra Maschewski: „KaDeWe will noch mehr Luxus und Service bieten“, Die Welt, 9. April 2008, Interview mit Patrice Wagner.
  59. a b c Alexandra Maschewski: „Wie ein Uhrwerk – hinter den Kulissen des KaDeWe“, Berliner Morgenpost, 28. Februar 2007.
  60. Gastronomie, KaDeWe, 2009.
  61. Roger Boyes: „O du KaDeWe!“ Die Zeit, 15. Dezember 2005.
  62. „KaDeWe setzt technologischen Meilenstein in Feinschmecker-Etage“, September 2001.
  63. „KaDeWe: Alles frisch im 7. Stock“, Der Tagesspiegel, 14. September 2006.
  64. KaDeWe in Zahlen, Tagesspiegel, 28. Februar 2007.
  65. Dirk Krampitz: „Berliner Höhenflüge“, Welt am Sonntag, 3. November 2002
    SAD: „Die Queen in Berlin: Kaufhaus der Diplomaten - Wo der Tross der Königin einkauft“, Tagesspiegel, 17. Juli 2000
    Kaufhaus des Westens, „Elégance gehört seit 1989 zur Arcandor AG“.
  66. „Supermarkt – Umworbene Kundschaft. Filmtext“, NZZ Format, 2005, 35 Min.
  67. Specials, KaDeWe, 2007, S. 5.
  68. „KaDeWe soll eine neue Chefin bekommen“, Berliner Morgenpost, 14. Januar 2009.
  69. Walter Benjamin, Gesammelte Schriften - Band V: Das Passagen-Werk. 2 Teilbände, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982, ISBN 978-3-518-28535-0.
  70. Gustav Stresemann, Die Warenhäuser, Berlin 1900, S. 714, zitiert nach Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 21.
  71. Werner Hegemann, Das steinerne Berlin, Berlin 1930, S. 252, zitiert nach Peter Stürzebecher: Das Berliner Warenhaus, Berlin 1979, S. 25.
  72. „Kathedralen des Konsums“, Der Spiegel, 17. Dezember 1979, Nr. 51, S. 166–170.
  73. Heinrich Wefing: „Mehr Vegas, weniger Wilmersdorf“, FAZ, 24. Februar 2007, S. Z4.
  74. Maximilian Wladarz: „Berlins durftige Zartheit“ – eine Chronik von Nabokovs deutscher Biographie.
  75. Harald Olkus: „Ungeliebte, inspirierende Stadt“, Tagesspiegel, 28. April 2005.
  76. Malte Herwig: „Ich bin ein Reiseführer in die Geschichte“, einestages, Interview mit Eric Hobsbawm.
  77. Bild: Lotti Huber raucht eine Davidoff-Zigarre
    Andreas Kurtz: „Stadtgeflüster. Keine Tantenvergleiche mit Lotti Huber!“ Berliner Zeitung, 9. April 1997.
  78. SAD: „Die Queen in Berlin: Kaufhaus der Diplomaten - Wo der Tross der Königin einkauft“, Tagesspiegel, 17. Juli 2000.
  79. Jörn Hasselmann und Stefan Jacobs: „KaDeWe-Einbruch. Der Coup“, Tagesspiegel, 28. Januar 2009 und „Die Juwelendiebe kamen sogar zwei Mal“, Tagesspiegel, 29. Januar 2009.
  80. Hans Nibbrig: „Juwelenraub. KaDeWe-Zwillinge zu schlicht für Einbruchsplanung“, Berliner Morgenpost, 18. Februar 2009.
  81. Stefan Berg: „Die Rätsel des Millionenbruchs“, Der Spiegel, 27. April 2009, Nr. 18, Seite 68-71.
  82. „KaDeWe-Diebe hatten die Ruhe weg“, dpa / Netzeitung, 28. Januar 2009.

52.50166666666713.341111111111Koordinaten: 52° 30′ 6″ N, 13° 20′ 28″ O

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