Keep

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Dieser Artikel behandelt Keep im Sinne eines Wehrturms. Zu anderen Bedeutungen von „KEEP“ siehe Keep (Begriffsklärung)
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Der Keep von Orford Castle

Der Keep ist der Hauptturm einer mittelalterlichen Burg des englischen Kulturkreises, der Wohn- und Wehrfunktion miteinander vereinigt. Seine kontinentale Entsprechung ist der französische Donjon. Im Mittelalter wurden die großen Haupttürme der englischen Burgen schlicht als "Tower" bezeichnet, der Begriff Keep wurde erst später auf diesen Bautypus angewandt.

Während der normannischen Invasion des angelsächsischen Englands ab 1066 wurden neben zahlreichen hölzernen Turmhügelburgen, den sogenannten Motten, auch die ersten großen steinernen Wohn- und Wehrtürme des französischen Donjontyps auf der Insel errichtet. Da auch die weitere Entwicklung des englischen Lehnswesens große Gemeinsamkeiten mit französischen Verhältnissen aufwies, kam es hier wie dort zu einer ähnlichen Entwicklung der Adelsburg. Die großen Burganlagen waren fast immer ungeteilt in der Hand einzelner, mächtiger Feudalherren oder des Königs. Die Anlagen dienten meist als Garnisonsburgen, hatten also eine relativ zahlreiche Besatzung und dementsprechende Ausmaße. Kern dieser „Ritterkasernen“ war meist der Keep. Das Innere des Turmbaus beherbergte eine repräsentative, oft zweistöckige Halle, die dem Burgherrn und seinen Rittern als komfortabler Wohnraum diente. Die aufwändige Innenausstattung und seine monumentalen Außenwirkung machten den Keep zu einem wichtigen Statussymbol.

Es kommen sowohl rechteckige als auch runde Grundrissformen vor. Eine für den englischen Keep besonders charakteristische Form hat einen gedrungenen, kubischen Baukörper über quadratischem Grundriss und wird von vier schlanken Ecktürmen flankiert (beispielsweise in Rochester Castle). Die Ausmaße dieser Haupttürme übertreffen – entsprechend ihrer französischen Vorbilder – die der mitteleuropäischen Bergfriede häufig. Vor allem nehmen sie in der Regel aufgrund ihres Innenausbaus eine wesentlich größere Grundfläche ein. Der fortifikatorische Wert der Keeps und Donjons wird in der modernen Burgenforschung unterschiedlich bewertet.

Eine besondere Form des Keeps ist der Shell Keep (eng. shell = Hülle), ein Keep mit einem offenen kleinen Innenhof, vergleichbar den mitteleuropäischen Mantelmauerburgen. Ein solcher Shell Keep ist beispielsweise der Kernbau der riesigen Königsburg Windsor Castle. Wie die meisten anderen "Shell Keeps" wurde auch dieser Wehrbau auf einem älteren Turmhügel errichtet. Solche Anlagen wurden ursprünglich nur selten dauerhaft bewohnt, sie dienten eher als Zitadellen innerhalb einer Burganlage. Während die Shell Keeps in Windsor und Durham später weitgehend verändert wurden, haben sich besonders in Restormel (Cornwall), Carisbrooke (Isle of Wight) und Berkeley (Gloucestershire) typische Vertreter dieser Sonderform erhalten.

Die in den White Tower zu London integrierte St-Johns-Kapelle

Der bekannteste englische Keep ist der, allerdings in späterer Zeit stark veränderte, White Tower in London. Die regionale Sonderentwicklung des normannischen Donjontyps zeigt sich hier besonders deutlich. In den Turm ist als besonderer Bauteil die "St.-Johns-Kapelle" einbezogen. Der Keep vereinigt also im Gegensatz zur Einraumdisposition der meisten französischen Donjons eine repräsentative Halle, Wohnräume und die Kapelle in einem Baukörper. Eine ähnliche Konzeption zeigt etwa auch der größere, um 1090 entstandene Keep in Colchester (Essex). Hier wurden mehrere große Zimmer um die zentrale Halle gruppiert.

Da die Halle und die Gemächer meist im selben Geschoss lagen, entwickelte sich der sogenannte Hall-Keep, ein breit ausladender und relativ niedriger Wohnturm. Hierdurch konnten alle Ansprüche einer repräsentativen adeligen Palastwohnung mit den notwendigen wehrtechnischen Erfordernissen vereint werden.

Beispiele bedeutender englischer Keeps:

  • Conisborough Castle
  • Corfe Castle
  • Dover Castle
  • Durham Castle
  • Guildford Castle
  • Hedingham Castle
  • Helmsley Castle
  • Kenilworth Castle
  • Orford Castle
  • Richmond Castle
  • Rising Castle
  • Rochester Castle
  • Scarborough Castle

[Bearbeiten] Bilder

[Bearbeiten] Literatur

Armin Tuulse: Burgen des Abendlandes. Wien, München, 1958

[Bearbeiten] Weblinks

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