Lorbeerkirsche
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Lorbeerkirsche | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Systematik | ||||||||||||
|
||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Prunus laurocerasus | ||||||||||||
| L. |
Die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) ist ein immergrüner, weitgehend frostharter Zierstrauch aus der Familie der Rosengewächse, der ursprünglich aus Kleinasien stammt. Die 8 bis 15 cm langen Blätter ähneln in ihrer Form dem Echten Lorbeer (Laurus nobilis), worauf die inkorrekte Bezeichnung als „Kirschlorbeer“ zurückgeht. Die angenehm duftenden Blüten erscheinen zwischen April und Juni und stehen in endständigen Trauben. Die anfangs grünen kugeligen Früchte sind in der Reife schwarz. Der Strauch eignet sich als Heckenpflanze.
Bei Temperaturen im Bereich von -20 °C erfrieren alle Blätter und ein ein großer Teil der Äste, so wie es nach dem Winter 2008/2009 häufig zu beobachten war. Wenn die Zeit dieser tiefen Temperaturen nicht zu lang andauert, treibt die Pflanze wieder neu aus, was allerdings auch erst einige Monate nach dem Frost wieder geschehen kann.
Alle Pflanzenteile, besonders die Blätter und Samen, enthalten sehr giftige blausäurehaltige Glycoside, das Fruchtfleisch ist allerdings nahezu giftfrei. In der Türkei beispielsweise wird die Lorbeerkirsche kultiviert und die Früchte zu Marmelade verarbeitet oder als Trockenfrüchte verzehrt. Seinen Namen erhielt der Strauch einerseits aufgrund seiner kirschartigen Steinfrüchte, andererseits wegen der lorbeerähnlichen Blätter.
Das Gehölz ist aufgrund seiner ausgeprägten Wuchsfreudigkeit jedoch ungeeignet für kleine Gärten, da es in kurzer Zeit einen großen Standraum belegt und sich zudem durch Selbstaussaat bei günstigen Standortbedingungen schnell zu einer Art Unkraut entwickeln kann. Dies ist besonders problematisch, wenn sich die Pflanze im Unterholz der Wälder ausbreitet und so die einheimische natürliche Vegetation verdrängt. Darum ist die Lorbeerkirsche in vielen Gegenden auf der Schwarzen Liste der Neophyten aufgeführt und sollte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets nicht mehr angepflanzt werden. An Standorten, wo sonst fast nichts gedeiht (Nordseiten, Sandboden), stellt sie eine Möglichkeit dar.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Nutzung
Neben der Nutzung als Zierpflanze in Gärten hat die Lorbeerkirsche inzwischen auch eine wichtige Funktion in der Restaurierung und Präparation erlangt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts dienen die Blätter mit einem möglichst hohen Anteil an Blausäure dem Aufweichen oder Geschmeidigmachen organischer Materialien – ohne dabei Wasserschäden zu verursachen. Beispielsweise kann man getrocknete Insekten wieder beweglich bekommen, wenn man sie einige Tage über den zerschnittenen Blättern in einem geschlossenen Gefäß aufbewahrt (Blätter täglich austauschen und direkten Kontakt vermeiden). Auch lange gefaltete Stoffe, wie man sie aus Gräbern kennt, lassen sich mit dieser Methode wieder geschmeidig machen. Wiederentdeckt wurde die Methode in den 1990er Jahren von Klaus Wechsler (Überseemuseum).
[Bearbeiten] Giftigkeit
Die gesamte Pflanze ist giftig. Dabei enthalten die Früchte eher geringe, die Blätter und Samen dagegen deutlich größere Mengen des Giftstoffes Prunasin, einem cyanogenen Glykosid. Die Giftwirkung beruht auf der von den Glycosiden im Körper entwickelten Blausäure.
Als Vergiftungserscheinungen werden Erregung, Rötung im Gesicht, Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Herz- und Atemstillstand angegeben. Beim Verdacht des Verzehrs sollte sofort medizinische Hilfe gesucht werden.
[Bearbeiten] Sorten (Auswahl)
| Sorte | Wachstum | Höhe | Breite | Blatt | Eigenschaften |
|---|---|---|---|---|---|
| Caucasica | stark | 2–4 m | 2 m | 14×5 cm | winterhart |
| Cherry Brandy | stark | 1 m | 3 m | 11×6 cm | |
| Etna (Anbri) | mittelstark | 2 m | 2 m | 10×7 cm | roter Austrieb |
| Green Survival | sehr stark | 2–3 m | 2–3 m | 15×6 cm | |
| Herbergii | stark | 2–3 m | 2 m | 12×5 cm | sehr winterhart |
| Leander | stark | 2 m | 2 m | 15×3 cm | |
| Low’n Green | schwach | 50 cm | 1–2 m | kerzenartig | |
| Mano | mittelstark | 1–2 m | 2 m | 10×5 cm | |
| Macrophylla | sehr stark | 3–4 m | |||
| Miky | stark | 2 m | 2 m | 12×2 cm | |
| Mischeana | sehr stark | 1–3 m | 2–3 m | 12×5 cm | |
| Mount Vernon | sehr gering | 35 cm | 1 m | 11×4 cm | |
| Novitas | sehr stark | 2–3 m | 2–3 m | 15×7 cm | ähnlich Rotundifolia, besser frosthart |
| Otto Luyken | mittelstark | 1 m | 1–2 m | 11×3 cm | frosthart |
| Paradise | stark | 1–2 m | 2–3 m | 12×5 cm | |
| Reynvaanii | sehr stark | 2 m | 2 m | 14×5 cm | |
| Rotundifolia | sehr stark | 2–3 m | 2–3 m | 15×7 cm | frostgefährdet |
| Rudolf Billeter | sehr stark | 2–3 m | 2–3 m | 11×3 cm | |
| Schipka Holland | stark | 2 m | 2–3 m | 11×5 cm | |
| Schipkaensis | stark | 2 m | 2 m | 11×4 cm | |
| Schipkaensis Macropylla | stark | 2 m | 2 m | 16×7 cm | |
| Van Nes | mittelstark | 1–2 m | 2 m | 11×5 cm | |
| Zabeliana | mittelstark | 1–2 m | 2–3 m | 12×3 cm |
[Bearbeiten] Literatur
- L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Nikol, Hamburg 2006.

