Kongokrieg

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Der Kongokrieg wurde von 1996 bis 2008 auf dem Territorium der Demokratischen Republik Kongo ausgetragen. Vom Kongokrieg sind die Kongo-Wirren mit dem anschließenden Sezessionskrieg und dem Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit des Landes zwischen 1960 und 1965 zu unterscheiden.

Der Kongokrieg wird oft in den ersten Kongokrieg von 1996 bis 1997 und den zweiten Kongokrieg von 1998 bis 2008 eingeteilt, der manchmal auch Afrikanischer Weltkrieg[1] genannt wird, obwohl man beide Kriege auch als zwei Phasen eines einzigen Konflikts betrachten kann. Der Konflikt wurde zwar im Jahre 2003 für beendet erklärt, ethnische Konflikte ließen aber immer wieder neue Kämpfe aufflammen, an deren Begrenzung wenig internationales Interesse bestand.

Während der Friedensverhandlungen gab das International Rescue Committee bekannt, dass einer Untersuchung zufolge der Kongokrieg seit Ausbruch bereits 5,4 Mio. Todesopfer forderte – mehr als jeder andere Konflikt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Erster Kongokrieg

Ein Flüchtlingslager am 15. November 1996

Die Ursachen für den Krieg im Kongo sind vielfältig. Hauptauslöser des Krieges waren die nach dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda 1994 entstandenen Flüchtlingslager im Osten des damals noch Zaire genannten Kongo, wo sich viele der für den Völkermord verantwortlichen Génocidaires und Angehörige der früheren ruandischen Armee FAR aufhielten.

Der harte Kern der am Völkermord beteiligten Hutu begann bald von Zaire aus Angriffe auf Ruanda zu verüben, um die zwischenzeitlich gebildete neue Regierung wieder zu stürzen. Der zairische Präsident Mobutu Sese Seko, dessen Macht damals schon sehr angeschlagen war, sah diesen Konflikt als Mittel wieder zu einem wichtigen Faktor im Weltgeschehen zu werden, indem er das Flüchtlingselend und die internationale Aufmerksamkeit ausnutzte und sich auf die Seite der Hutu stellte. Dies führte zum Einmarsch der militärisch weit überlegenen RPF aus Ruanda nach Zaire, um die Lager aufzulösen und die Beteiligten am Völkermord zur Rechenschaft zu ziehen. Gleichzeitig bildeten sie dort eine Koalition um Laurent-Désiré Kabila zum Sturz Mobutus. Diese Koalition wurde auch von den USA und Uganda gestützt.

[Bearbeiten] Zweiter Kongokrieg

Machtbereiche im Kongo im Juni 2003
Blauhelm-Soldaten im März 2005

Nach dieser ersten Phase kam es 1998 zu einer zweiten Auseinandersetzung, in die diesmal neben dem Kongo und Ruanda auch Uganda, Namibia, Angola, Burundi, Simbabwe, Tschad, der Sudan sowie indirekt auch die USA, Frankreich, Libyen, Tansania, Sambia und Südafrika verwickelt waren, daher auch die Bezeichnung „afrikanischer Weltkrieg“. Auch Söldner aus Serbien, Rumänien, der Ukraine, Belgien, Frankreich und Südafrika beteiligten sich, sogar ein Korps aus Nordkorea. Dabei wandten sich die vormaligen Unterstützer Kabilas gegen ihn, worauf mehrere südliche Nachbarländer des Kongo Kontingente zur Unterstützung der Regierung Kabilas entsandten.

Gründe für diesen zweiten Krieg waren hauptsächlich die im Osten der Demokratischen Republik Kongo reichlich vorhandenen Bodenschätze wie Diamanten, Gold, Erdöl und das strategisch überaus wichtige Coltan, deren Ausbeutung viele Begehrlichkeiten weckte. Die in den Krieg verwickelten Staaten verfolgten zumeist wirtschaftliche und strategische Interessen oder versuchten von heimischen Problemen abzulenken.

Im Juli 1999 wurde in Lusaka das Waffenstillstands- bzw. Friedensabkommen von Lusaka geschlossen; welches zunächst jedoch nicht eingehalten wurde. Formell wurde der Krieg im großen Stil 2002 und de facto 2003 beendet, im Osten dauert er in kleinerem Maße bis zum heutigen Tag an (siehe Kivu-Krieg).

[Bearbeiten] UNO-Mission (MONUC)

Die Vereinten Nationen bildeten im Jahr 2000 die Mission der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo (MONUC), die seitdem versucht, im Konflikt zu vermitteln. Am 16. Januar 2001 fiel Laurent-Désiré Kabila einem Attentat durch einen seiner Leibwächter zum Opfer, worauf sein Sohn Joseph Kabila das Amt des Präsidenten übernahm. Ihm gelang es mit Unterstützung der UNO, zeitweise die Verhandlungen mit den abtrünnigen Provinzen wieder aufzunehmen und im Juli 2003 eine neue Regierung mit Vertretern der verschiedenen Rebellengruppen zu bilden.

Vor allem die Provinzen im Osten des Landes stellten jedoch weiterhin einen Unruheherd dar. Bis Ende 2007 fanden in östlichen Landesteilen noch regelmäßig Kämpfe statt, deren angeblich ethnische Gründe eher wirtschaftliche Interessen verbergen sollten. Außer versprengten Rebellengruppen waren auch unbezahlte Regierungstruppen daran beteiligt, wobei letztere oft Dörfer auch nur angriffen, um sich selbst zu verpflegen. Gemäß dem amerikanischen Time Magazine (Mai 2006) wurden mindestens 3,2 Millionen Dollar des Acht-Millionen-Monatsbudgets der kongolesischen Streitkräfte gestohlen und nicht als Sold ausbezahlt, was einen großen Risikofaktor darstellte.

[Bearbeiten] Kivu-Krieg

Die Region Kivu im Kongo

In Kivu, insbesondere in Nordkivu, dauert der Krieg auch nach 2003 weiter an. Angeführt werden die Rebellengruppen des Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes (französisch: Congrès National pour la Défense du Peuple, CNDP) von Laurent Nkunda, der 2004 die kongolesische Übergangsregierung abgelehnt und sich daraufhin in die Provinz Kivu zurückgezogen hatte. Im Dezember 2007 erklärte Nkunda sich zu Friedensgesprächen bereit; am 23. Januar 2008 wurde in Goma ein Waffenstillstandsabkommen zwischen Nkunda, der Regierung des Kongo und Vertretern regionaler Gruppen unterzeichnet. [3] Der Waffenstillstand erwies sich aber als brüchig, Kämpfe flammten in den folgenden Monaten immer wieder auf.

Im Oktober 2008 verschärfte sich der Konflikt. Vermutungen gehen dahin, dass die Aufständischen erneut von Ruanda unterstützt werden, da sie unerwartet über Panzer und schwere Waffen verfügen. Trotz Luftunterstützung durch die MONUC mussten sich die Regierungstruppen aus mehreren Städten zurückziehen und Goma sowie die Flüchtlingslager nördlich der Stadt fielen an die Rebellen.[4] Nach dem Rückzug der Regierungstruppen kündigte Nkunda eine einseitige Waffenruhe an, um den Hilfsorganisationen die Versorgung der Flüchtlinge zu ermöglichen.[5]

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden durch die Kämpfe im Herbst 2008 mehrere hunderttausend Menschen in der Krisenregion vertrieben. Anfang November 2008 war die Versorgungslage für die Flüchtlinge so bedrohlich, dass vor Choleraepidemien gewarnt wurde. Für rund eine Million Menschen könne die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln nicht mehr gewährleistet werden.[6]

Die Vereinten Nationen warnten vor einem Völkermord in der Region. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte die Erreichung der Leistungsgrenze der UN-Mission im Kongo ein[7] und forderte angesichts von Berichten über Übergriffe der Regierungstruppen auf die Zivilbevölkerung die personelle Aufstockung der MONUC-Mission.[8] Kongos Nachbarland Angola hat daraufhin die Entsendung von Truppen angekündigt. Die Europäische Union lehnte dagegen ein militärisches Eingreifen ab.[9] Am 20. November 2008 hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Entsendung weiterer 3100 Soldaten im Rahmen der MONUC-Mission beschlossen.[10]

Am 18. November 2008 zogen sich Regierungstruppen ungeordnet aus der Provinz zurück. Dabei kam es zu Kämpfen mit Mai-Mai-Milizen, die die Truppen am Rückzug hindern wollten. [11]

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Kongokrieg – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.bpb.de/popup/popup_druckversion.html?guid=V2YYSY
  2. IRC Study Shows Congo’s Neglected Crisis Leaves 5.4 Million Dead auf http://www.theirc.org, vom 22. Januar 2008
  3. die tageszeitung: Friedensabkommen doch noch gerettet vom 23. Januar 2008.
  4. Neue Zürcher Zeitung: Regierungstruppen flüchten aus Goma vom 29. Oktober 2008.
  5. Neue Zürcher Zeitung: Rebellenführer im Kongo für Gespräche mit Regierung vom 30. Oktober 2008.
  6. Die Welt: UN: Armee des Kongo plündert und misshandelt Zivilisten vom 12. November 2008.
  7. http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/17/0,3672,7401393,00.html
  8. Neue Zürcher Zeitung: Angola kündigt Truppenentsendung in den Kongo an vom 12. November 2008.
  9. Die Presse: Kongo: Regierungssoldaten misshandeln und plündern vom 11. November 2008.
  10. Spiegel Online: Uno stockt Friedenstruppe im Kongo auf vom 20. November 2008.
  11. UN-Truppe soll aufgestockt werden. Der Standard, 18. November 2008 14:58. Abgerufen am 18. November 2008 17:30. (deutsch)

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