Kunstmarkt

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Als Kunstmarkt wird heute die Gesamtheit aller Galerien, Sammlerbörsen oder Auktionen bezeichnet, bei denen Kunstwerke gehandelt werden. Der internationale Kunstmarkt hat ein Volumen von ca. 20 Milliarden Euro pro Jahr.

Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise, wobei der Wert eines Künstlers sich aber auch nach dem Renommee seiner Ausstellungsorte oder Ehrungen richtet. Es kann in Kunst investiert werden wie in Aktien, und manche Blitzkarriere junger Künstler gleicht einer Aktienemission der New Economy.

Der Kunstmarkt ist hauptsächlich bestimmt von folgenden Protagonisten oder Instituitionen, in denen oder für die er tätig ist:

  • Der Künstler: er entdeckt Marktlücken und nutzt Strategien der Selbstvermarktung.
  • Der Kunstkritiker: in den vierziger, fünfziger und den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts konnte seine in öffentlichen Medien geäußerte Kritik zu Werken oder Ausstellungen eines Künstlers diesen auf dem Markt durchsetzen oder aus dem Markt werfen; Ende des 20. Jahrhunderts und Anfang des 21. Jahrhunderts ist die Macht des Kunstkritikers geschwunden. Die heutigen Kritiken helfen allerdings immer noch Sammlern, ihr Geld sinnvoll einzusetzen, bei Schwindel und Nachahmungen vorsichtig zu sein und oberflächliche, effekthascherische Strömungen und kurzlebige Moden von substanzhaltigen Werken zu unterscheiden.
  • Der Galerist: er entwickelt ein bestimmtes Konzept und Galerie-Programm, unter dem er meist neue, junge Künstler betreut, präsentiert und sie vermarktet (1. Markt). Er betreut gleichermaßen Sammler beim Aufbau ihrer Sammlung.
  • Der Kunstberater: er ist Mittler zwischen Sammler und Galerie oder Sammlern untereinander. Da er selbst nicht unbedingt galeriegebunden ist, verschafft er dem Sammler beim Einstieg einen Überblick über den Markt, berät ihn vor und bei Kaufentscheidungen sowie bei der Zusammenstellung seiner Sammlung.
  • Der private Sammler: er spezialisiert sich oder fördert gezielt durch Ankäufe bestimmte Tendenzen.
  • Der Auktionsexperte von Auktionshäusern: er beobachtet intensiv den Markt, taxiert die ihm von Sammlern oder - in seltenen Fällen - von Museen angebotenen Kunstwerke und stellt sie zu den wenigen im Jahr stattfindenden Auktionen (2.Markt) seines Hauses zusammen. Im Gegensatz zum Galeristen ist es nicht Aufgabe von Auktionshäusern, junge, unbekannte Künstler zu fördern.
  • Der Direktor und der Kurator von Museen und Stiftungen oder Ausstellungen: diese Museumsfachleute entscheiden über Schwerpunkte einer (öffentlichen) Sammlung, über Ausstellungskonzepte, Ankäufe von Kunstwerken und ihre Eingliederung in Museums- und Werkbestände. Diese Kunstwerke erhalten dadurch öffentliche Akzeptanz; die Arbeiten des entsprechenden Künstlers steigen i.a. dadurch im Wert.

Kunst wird zum Statussymbol, durch dessen Besitz man überlegenen Geschmack oder Stil demonstriert (wie beim berühmten Bild über dem Schreibtisch des Chefs). Die Kräfte des Marktes übernehmen dabei die Aufgabe, den Wert eines Kunstwerks festzulegen.

In Folge einer wachsenden Tendenz zur Privatisierung geraten zunehmend Orte und Institutionen, an denen Kunst ausgestellt, gesammelt, diskutiert oder produziert wird, von öffentlichen in private Hände. Der Wandel vom Kunst- zum Spekulations- und Investitionsobjekt verteuern Kunstwerke für öffentlich subventionierte Museen, private Sammler bestimmen als Leihgeber oder Stifter von ganzen Sammlungen zunehmend, welche Kunst in den Museen zu sehen ist.

Bedingungen und Folgen des Kunstmarktes werden in Kunstkritik oder Kunsttheorie diskutiert und sind auch Teil künstlerischer Gegenstrategien, beispielsweise durch Arbeiten, die flüchtig sind und an Vergänglichkeit erinnern; die sich auflösen, verschimmeln oder verrotten wie bei Beuys oder Dieter Roth - zwei Künstlern, die allerdings heute selbst hoch gehandelt werden.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literaturhinweise

  • Beckert, Jens und Rössel, Jörg, 2004: Kunst und Preise. Reputation als Mechanismus der Reduktion von Ungewissheit auf dem Kunstmarkt in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Nr.56: S. 32 - 50.
  • Dossi, Piroschka:Hype! Kunst und Geld, dtv premium 24612, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007, 259 S., ISBN 978-3-423-24612-5
  • Lindemann, Adam: Collecting Contemporary, Taschen Verlag, Köln 2006, 299 S., ISBN 978-3-8228-4938-5
  • Pues/Quadt/Rissa: ArtInvestor - Handbuch für Kunst und Investment; Finanzbuchverlag, München, ISBN 3-932114-74-4
  • Watson, Peter: From Manet to Manhattan, The Rise of the Modern Art Market London 1992, ISBN 0-09-174004-5
  • Zembylas, Tasos: Kunst oder Nichtkunst. Über Bedingungen und Instanzen ästhetischer Beurteilung. Wien, 1997, ISBN 3-85114-315-9


[Bearbeiten] Weblinks

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