Lahn

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Dieser Artikel beschreibt den Fluss Lahn. Artikel zu weiteren Objekten dieses Namens finden Sie unter Lahn (Begriffsklärung).

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Lahn
Daten
Lage Deutschland (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz)
Länge 245,6 km[1]dep1
Quelle südöstl. Rothaargebirge
nahe dem Lahnkopf bei Lahnhof
50° 53′ 32,11″ N, 8° 14′ 29,7″ O50.8922527777788.2415833333333602
Quellhöhe ca. 602 m ü. NN [2]
Mündung Rhein bei Lahnstein50.3088888888897.59561Koordinaten: 50° 18′ 32″ N, 7° 35′ 42″ O
50° 18′ 32″ N, 7° 35′ 42″ O50.3088888888897.59561
Mündungshöhe 61 m ü. NN [3]
Höhenunterschied ca. 541 m
Flusssystem Rhein
Einzugsgebiet 5.924,525 km²[4]dep1
Abflussmenge MQ: 54 m³/s[5]dep1
Rechte Nebenflüsse Siehe unten
Linke Nebenflüsse Siehe unten
Mittelstädte Marburg, Gießen, Wetzlar, Limburg
Kleinstädte Bad Laasphe, Biedenkopf, Lollar Solms, Leun, Weilburg, Runkel, Diez, Nassau, Bad Ems, Lahnstein
Gemeinden Dautphetal, Lahntal, Cölbe, Weimar (Lahn), Fronhausen, Wettenberg, Heuchelheim (Hessen), Lahnau, Löhnberg, Weinbach, Villmar
Schiffbar 148 km

Die Lahn ist ein 245,6 km langer, rechter bzw. östlicher Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen (23,0 km im Quellbereich), Hessen (165,6 km) und Rheinland-Pfalz (57,0 km im Mündungsbereich) (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Quellgebiet

Die Lahn entspringt im südöstlichen Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen im südöstlichen Rothaargebirge auf dem Höhenzug/Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken (333.01), auf dem die Rhein-Weser-Wasserscheide auf die Rheinsystem-interne Wasserscheide zwischen Lahn und Sieg trifft.

Ihre Quelle befindet sich auf gut 600 m Höhe südwestlich des 624 m hohen Lahnkopfs bei Lahnhof, einem Ortsteil von Nenkersdorf, das wiederum ein Stadtteil von Netphen ist. In der näheren Umgebung entspringen außerdem die Eder (5,5 km nordwestlich der Lahnquelle) und die Sieg (3 km nördlich derselben). Direkt am Lahnursprung vorbei führen Abschnitte des Rothaarsteigs und der Eisenstraße.

Während die Sieg den kürzesten Weg zum Rhein (Richtung Westen) nimmt, verläuft die Lahn zunächst für viele Kilometer parallel in weniger als 10 km Abstand zur ebenfalls im gleichen Quellgebiet entspringenden Eder in die entgegengesetzte Richtung.

[Bearbeiten] Verlauf

Zunächst fließt die Lahn in nordöstlicher Richtung durch das Rothaargebirge und dessen südöstliche Ausläufer. Etwa ab dem Bad Laaspher Ortsteil Feudingen wendet sie sich vorwiegend nach Osten.

[Bearbeiten] Oberes Lahntal und Wetschaft-Senke

Der Lahnabschnitt ab der Stadt Bad Laasphe wird naturräumlich als Oberes Lahntal bezeichnet. Fortan bildet das Tal der Lahn die Nahtstelle zwischen Rothaargebirge (Norden=links) und Gladenbacher Bergland (Süden) und wird dem zweitgenannten Gebirge zugerechnet.

Zwischen Niederlaasphe und Wallau wird die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen nach Hessen überquert. Die Lahn fließt weiter über einige Ortsteile Biedenkopfs (nebst Kernstadt), Dautphetals und schließlich Lahntals in östliche Richtungen. Dabei fließen ihr von rechts in Wallau die Perf, in Dautphetal-Friedensdorf die Dautphe, die über ein ausladendes Nebental nach Süden verfügt, zu.

Kurz nach dem Ortsteil Caldern enden sowohl mit dem Wollenberg die Höhenzüge des Rothaargebirges im Norden als auch mit dem Hungert die des Gladenbacher Berglandes im Süden. Die Lahn verlässt für eine längere Strecke das Rheinische Schiefergebirge und erreicht das Westhessische Bergland, wo sie zunächst den äußersten Süden der Wetschaft-Senke, nördlich des sich bald anschließenden Marburger Rückens, durchfließt. Vom Burgwald im Norden fließt ihr die Wetschaft zu, unmittelbar bevor sie ihre mittlere Fließrichtung um 90° ändert.

[Bearbeiten] Marburg-Gießener Lahntal

Die nunmehr südwärts verlaufende Lahn passiert das Marburg-Gießener Lahntal, wo ihr kurz vor Cölbe mit der vom Vogelsberg kommenden Ohm von links ihr längster Nebenfluss zufließt.

Der Fluss durchbricht eine Buntsandstein-Tafel (Marburger Rücken im Westen und Lahnberge im Osten), die ihr Tal im gesamten Gebiet der Stadt Marburg und ihrer Ortsteile begrenzen. Nach dem Abflachen des Marburger Rückens bei Niederweimar fließt ihr von rechts die Allna zu, einige km weiter enden mit der von links zufließenden Zwester Ohm auch die Lahnberge. Rechts des Tales begleitet fortan wieder das Gladenbacher Bergland den Fluss (u.a. Zufluss der Salzböde), links erhebt sich das Lumda-Plateau, von wo ihr bei Lollar der namensgebende Fluss Lumda zufließt. Allmählich weitet sich das Tal zum Gießener Becken.

In Gießen ändert die Lahn nach dem Zufließen der Wieseck von links erneut deutlich ihre Fließrichtung von Süden nach Westen. Das Gießener Becken reicht noch einige Kilometer lahnabwärts bis nach Atzbach, einem Ortsteil von Lahnau. Von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre fand hier umfangreicher Kiesabbau statt. Das Gebiet zwischen Heuchelheim, Lahnau und dem Wetzlarer Stadtteil Dutenhofen sollte komplett ausgekiest werden und ein olympiataugliches Wassersportzentrum mit Ruderregattastrecke entstehen. Zum Teil wurde dies realisiert, die Heuchelheimer Seen und der Dutenhofener See sind heute begehrte Freizeitziele über die Region hinaus. Die Naturschutzverbände haben jedoch die weitere Auskiesung erfolgreich verhindert, so ist das Gebiet heute eines der größten Naturschutzgebiete in Hessen.

Rund um das Gießener Becken ragen der Gleiberg, der Vetzberg, der Dünsberg und der Schiffenberg heraus. Am Dutenhofener See beginnt auch der Kilometer 0 der Lahn als Bundeswasserstraße. In Wetzlar nimmt die Lahn ihren zweitlängsten Zufluss, die Dill (ca. 55 km lang) auf. An dieser Stelle bei Wetzlar trennen die Täler von Lahn und Dill drei Teile des Rheinischen Schiefergebirges voneinander: Taunus (Süd), Westerwald (Nordwest) und das Gladenbacher Bergland (Naturpark Lahn-Dill-Bergland).

[Bearbeiten] Weilburger Lahntalgebiet

Hinter Wetzlar verengt sich das Tal der Lahn allmählich und geht bei Leun in das Weilburger Lahntalgebiet über. Ab hier wird das Tal der Lahn auch mit einer naturräumlichen Haupteinheitengruppe (Gießen-Koblenzer Lahntal) geführt und wieder zum Rheinischen Schiefergebirge gezählt.

Im oberem Bereich des Weilburger Lahntalgebietes (Löhnberger Becken) treten Mineralquellen, z. B. die berühmte Selters Mineralquelle zutage, im unteren Bereich wendet sich der Fluss erneut nach Süden und ist cañonartig in die flachwellige Trogfläche eingetieft. Die Stadt Weilburg wird in einer markanten Flussschleife umflossen, wobei ein in Deutschland einmaliger Schiffstunnel den Schlingenhals durchsticht. Etwas unterhalb mündet die vom Hochtaunus her kommende Weil in die Lahn.

[Bearbeiten] Limburger Becken

Bei Aumenau kehrt sich der Verlauf der Lahn wieder nach Westen und sie passiert das fruchtbare Limburger Becken, in dessen Sohle sich der Fluss etwa 50 m tief eingeschnitten hat und wo zwei Zuflüsse die Lahn ergänzen: der Emsbach aus dem Taunus und der Elbbach aus dem Westerwald kommend. Hier tritt oft devonischer Massenkalk (Lahnmarmor) als Fels hervor, so auch in Limburg an der Lahn, wo ein solcher Kalkfels vom Limburger Dom gekrönt wird. Auch treten hier wieder größere Talweitungen auf.

[Bearbeiten] Unteres Lahntal

Hinter Diez, wo der Fluss von Süden her die Aar aufnimmt, verlässt er bei Fachingen das Becken und ist im nun folgenden Unteren Lahntal bis über 200 m tief in das Schiefergebirge eingeschnitten.

Bei Obernhof mündet der Gelbach gegenüber von Kloster Arnstein in die Lahn. Dann, vorbei an Nassau, wo der Mühlbach einmündet, und Bad Ems, wo sich, wie schon in Fachingen, Mineralquellen (Emser Salz) finden, mündet sie nach 242 km Lauf auf 61 m Höhe bei Lahnstein, fünf Kilometer südlich von Koblenz, in den Rhein.

Lahnmündung in Niederlahnstein
Lahnmündung in Niederlahnstein

[Bearbeiten] Geschichte

Liste der Hochwässer am Domfelsen Limburg
  • Das Lahngebiet war schon in der Steinzeit besiedelt, wie z. B. Funde nahe Diez, in Steeden und in Wetzlar belegen. Neuere Funde in Wetzlar-Dalheim an der westlichen Stadtgrenze zeigen eine rd. 7000 Jahre alte Bandkeramik-Siedlung sowie Reste einer Germanischen Siedlung etwa aus der Zeitenwende, oberhalb einer Lahnschleife.
  • Römisches Reich: Vermutlich wurde die Lahn schon durch die Römer zur Versorgung des Kastells Ems benutzt. Hier kreuzte der Obergermanisch-Raetischer Limes die Lahn.
  • Archäologische Funde sind von Niederlahnstein bekannt. Weitere Funde gibt es in Lahnau. Hier entdeckte man in den 1990er Jahren im Ortsteil Waldgirmes eine römische Stadtanlage und im Ortsteil Dorlar ein römisches Marschlager, wodurch sich die Geschichtsschreibung über die Römer östlich des Rheins und nördlich des Limes erheblich veränderte.
  • Während der Völkerwanderung siedelten Alamannen im unteren Lahntal. Sie wurden aber durch die Franken verdrängt.
  • Vor 600 waren Bezeichnungen wie Laugona, Logana, Logene oder Loyn üblich. Der Name wandelt sich im Laufe der Zeit mehrmals. Die Bedeutung ist ungewiss. Eine vorgermanische Herkunft ist möglich.
  • frühes 14. Jahrhundert: Die älteste Erwähnung des Stapelrechtes von Diez bezeugt eine nennenswerte Schifffahrt
  • 1365: erstmalige Verwendung der heutigen Schreibweise des Namens

1559 ließ Johann VI. von Nassau-Dillenburg an der unteren Lahn Leinpfade angelegen. 1606 wurde die Lahn erstmals für die Schifffahrt im kleineren Umfang vertieft. Vier bis fünf Monate im Jahr war der Fluss im Unterlauf schiffbar. Allerdings gab es zahlreiche Wehre mit nur schmalen Lücken, so dass der Verkehr auf kleine Boote beschränkt blieb. Im 17. und frühen 18. Jahrhundert gab es mehrere Initiativen von anliegenden Fürsten, die Lahn weiter als Wasserstraße auszubauen, die jedoch alle in der Abstimmungsphase scheiterten. 1740 begann Kurtrier mit Bauarbeiten, die die Lahnmündung für größere Schiffe befahrbar machten. Im Winter 1753/54 wurden auf der gesamten Flusslänge Uferbefestigungen mit Treidelpfaden angelegt. Danach war der Fluss für Schiffe mit bis zu 240 Zentnern Ladung lahnab und mit bis zu 160 Zentnern lahnauf befahrbar.

Während der französischen Besatzung begannen 1796 Inspektionen des Flusses, denen ein umfassender Ausbau folgen sollte, zu dem es wegen der politischen Entwicklung jedoch nicht kam. Das neu gegründete Herzogtum Nassau ließ die Lahn schließlich ab 1808 unter Oberbauinspektor von Kirn schiffbar machen. Im ersten Winter wurde der Uferabschnitt von der Mündung bis Limburg befestigt, wodurch der Lauf insbesondere an seichten Stellen verschmälert werden sollte. Auf lange Sicht war geplant, die Lahn bis Marburg schiffbar zu machen und von dort einen Kanal zur Fulda und damit zur Weser anzulegen. Dadurch sollte ein Wasserweg von Frankreich über die Rheinbundstaaten bis zur Nordsee entstehen. Flussauf von Limburg gingen die Arbeiten aber nur schleppend voran, auch weil die zu Hilfsdiensten herangezogene Bevölkerung nur widerwillig kooperierten. Große Teile des Ufers wurden nur mit Faschinen gesichert, die schon kurz darauf verrottet waren.

1816 vereinbarten das Herzogtum Nassau und das Königreich Preußen, die Lahn bis nach Gießen, wo sich das Großherzogtum Hessen anschloss, auszubauen. Über die folgenden Arbeiten ist wenig bekannt, allerdings richteten 1825 die Lahnschiffer, die die Mineralwasserquellen in Selters und Fachingen anfuhren, eine Dankadresse wegen der Instandsetzung der Flussanlagen an die nassauische Regierung in Wiesbaden. Insgesamt scheint es bis in die 1830er Jahre jedoch nur zu Reparaturen und provisorischen Arbeiten gekommen zu sein.

Die frühesten Versuche, den Schiffsverkehr auf der Lahn zu erfassen, datieren auf 1827. An der Runkeler Schleuse wurden in diesem Jahr 278 Schiffe gezählt, wobei die nassauische Landesregierung ausdrücklich darauf hinwies, dass der meiste Verkehr von der Mündung nach Limburg oder mit kleineren Booten vom Oberlauf nach Weilburg unterwegs sei und nur ein kleiner Teil Runkel passiere. 1833 wurden dort 464 Schiffe gezählt. Wichtigster Grund für die Zunahme dürfte der zunehmende Eisenerzabbau im Weilburger Umland gewesen sein. Eine Schätzung aus dem Jahr 1840 geht davon aus, dass die gesamte auf dem Fluss beförderte Eisenerzmenge rund 2000 Bootsladungen ausmachte, obwohl der Fluss nur von der Mündung bis nach Weilburg schiffbar war. Daneben wurde vor allem Getreide und Mineralwasser lahnab transportiert. Lahnauf befanden sich in den Booten vor allem Steinkohle, Holzkohle, Gips und Kolonialwaren. Um 1835 waren rund 80 größere Boote mit geringem Tiefgang auf der Lahn im Betrieb.

Angesichts der weiter ansteigenden Erzförderung an der Lahn kam es 1841 zu einer Inspektionsfahrt preußischer und nassauischer Beamter von Marburg bis zur Mündung. Vor allem Preußen trieb das Vorhaben voran, um eine Verbindung zwischen Wetzlar und seiner Rheinprovinz zu schaffen und die Eisenerzversorgung für die wachsende Industrie im Ruhrgebiet zu sichern. Bis 1844 schloss sich auch Hessen-Darmstadt den Ausbaubemühungen an, während Hessen-Kassel eine Beteiligung ablehnte. Vertraglich legten die beteiligten Regierungen fest, den Fluss bis Gießen für Boote befahrbar zu machen, die deutlich größer als die bisherigen Fahrzeuge auf der Lahn sein sollten. Auf preußischem Gebiet waren die Arbeiten bis 1847 weitgehend abgeschlossen. Bei Dorlar, Wetzlar, Wetzlar-Blechwalze, Oberbiel und Niederbiel waren Schleusen angelegt worden. Auf nassauischem Gebiet entstanden bei Löhnberg, Villmar und Balduinstein Schleusen sowie als größte technische Leistung der Weilburger Schiffstunnel. Die Uferbefestigung und Flussvertiefung ging im nassauischen Streckenabschnitt der Lahn jedoch nur schleppend voran. Zudem erreichte die Limburger Schleuse nicht die vertraglich vereinbarte Breite, Nassau verweigerte sich aber einem Ausbau. Darüber kam es in den folgenden Jahren mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Nassau und Preußen, bis Nassau schließlich 1855 seine Verpflichtungen erfüllt hatte.

Trotz des Ausbaus konnten die Lahnboote nur von Gießen bis Löhnberg voll beladen fahren. Dort mussten sie einen Teil ihrer Ladung leichtern, um ihren Tiefgang zu verringern und die Fahrt fortzusetzen. Auch dies war nur während zwei bis drei Monaten möglich. In weiteren vier bis fünf Monaten pro Jahr musste die Beladung wegen des niedrigen Wasserstands bereits früher verringert werden. Den Rest des Jahres war die Lahn überhaupt nicht befahrbar. Von Wetzlar bis Lahnstein, wo die Fracht auf die großen Rheinkähne umgeladen wurde, brauchten die Boote drei bis vier Tage. Eine Fahrt von Wetzlar zur Mündung und anschließend mit Pferdekraft getreidelt wieder zurück dauerte bei guten Bedingungen rund 14 Tage. Zu dieser Zeit waren vor allem zwei Typen von Transportbooten im Einsatz: solche mit 350 Zentnern Ladekapazität und eine größere Variante mit 1300 Zentnern.

Nachdem 1857 bis 1863 die Lahntalbahn mit neun großen Brücken und 18 Tunneln entlang des Flusses gebaut wurde, versuchten Preußen und Nassau durch das Senken von Zöllen die Lahnschifffahrt am Leben zu erhalten. Letztlich setzte sich die Eisenbahn jedoch als Transportmittel durch und die Frachtschifffahrt auf der Lahn nahm immer weiter ab. Mehrere Vorhaben, Dampfschiffe auf der Lahn zu betreiben blieben ab 1854 in ihren Anfängen stecken. 1875, 1885 und 1897 erörterte die preußische Regierung Pläne für die Umwandlung der Lahn in einen Kanal, was das Befahren mit größeren Schiffen ermöglicht hätte. Umgesetzt wurden diese Pläne jedoch nie. Lediglich punktuell wurde das Flussbett ausgebaggert, so um 1880 bei Runkel, von 1905 bis 1907 von der Mündung bis nach Bad Ems und 1925 bis 1928 von der Mündung bis nach Steeden.

  • Bis zum Ende des 19. Jahrhundert wurden über 300 Burgen, Schlösser, Festungen, Wehrkirchen und ähnliche Bauwerke entlang des Flusses erbaut
  • 1960: Beginn des Kiesabbaus in den breiten Ebenen des Lahntals bei Gießen und bei Marburg.
  • 1964: Vollendung des Ausbaus der Lahn für 300-Tonnen-Schiffe.
  • 1981: Ende des Güterverkehrs. Heute wird die Lahn ausschließlich für die Freizeit-Schifffahrt genutzt.
  • 1984: Am 7. Februar Jahrhunderthochwasser an der Lahn, welches zu Schäden in Millionenhöhe geführt hat; seitdem zentraler Hochwasser-Warndienst und Koordination des Hochwasserschutzes durch das Regierungspräsidium Gießen
  • 1996 Einstellung des Kiesabbaus an der Lahn, Ausweisung weiter Teile des Lahntales im hessischen Abschnitt als Naturschutzgebiet

[Bearbeiten] Schifffahrt

Wassersportler auf der Lahn in Gießen

Die Lahn ist ab einem Punkt zwischen Lahnau und Wetzlar-Dutenhofen bis zur Mündung in den Rhein als Bundeswasserstraße ausgewiesen. In diesem Bereich unterliegt sie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Zuständig ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz. Der Mittel- und Unterlauf der Lahn ist schiffbar und verfügt über eine Vielzahl von Schleusen. Genutzt wird die Wasserstraße nahezu ausschließlich touristisch durch kleinere Motoryachten sowie Paddel- und Ruderboote. Der Fluss ist von der Mündung aufwärts bis Dehrn, Lahn-km 70 (oberhalb von Limburg) mit von Personal bedienten Schleusen auch von größeren Schiffen durchgängig befahrbar. Das Wasser- und Schifffahrtsamt garantiert eine Mindestwassertiefe von 1,60 m im Fahrwasser. Interessant für die Schifffahrt sind allein die Pegel Kalkofen (Normalwasserstand 1,80 m) und Leun. Ab Dehrn aufwärts gibt es manuelle Schleusen und immer wieder Untiefen, die eine Passage von Motorbooten erschweren. Erst in Wetzlar versperren zwei Wehre endgültig die Schifffahrt flussaufwärts.

Die nicht motorisierten Wasserwanderer dürfen die Lahn auf dem gesamten Flusslauf zwischen Roth (bei Marburg) und der Mündung benutzen.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Tourismus

Ausschilderung Lahntal-Radweg

Im Lahntal gibt es neben der Lahn-Ferien-Straße den Lahntal-Radweg. Dieser wird von der Oberen Lahntalbahn zwischen Feudingen und Marburg, der Main-Weser-Bahn zwischen Marburg und Gießen sowie der Lahntalbahn zwischen Gießen und Lahnstein begleitet. Für Wanderer gibt es die Lahnhöhenwege beiderseits der Lahn ab Wetzlar Richtung Oberlahnstein. Im Jahr 2010 soll der neue Lahnwanderweg eingeweiht werden. Die erste Teilstrecke eines Jakobsweges, der Lahn-Camino auf der linken Lahnseite, führt vom Wetzlarer Dom nach Lahnstein über Burg Lahneck zur Hospitalkapelle.

Seit Ende der 1980er Jahre wird die Lahn für den nachhaltigen Tourismus genutzt; die vorhandenen Nutzungen werden von den öffentlichen Tourismusorganisationen koordiniert und ausgebaut. Auf der Ebene der Landkreise haben sich zunächst Fremdenverkehrsverbände gebildet, die sich 2002 zum Lahntal Tourismus Verband e. V. zusammen geschlossen haben.

19 Laufwasserkraftwerke nutzen die Lahn zur Stromerzeugung. Wein wird in Obernhof und Weinähr angebaut, die Weine der Lahn werden unter der Lagenbezeichnung Lahntal als Mittelrheinweine vermarktet.

[Bearbeiten] Fauna und Flora

1999 wurde die Lahn in die biologische Güteklasse II und in die chemische Güteklasse I eingeordnet. Insgesamt gilt sie als naturnah. Die Fischwanderungen wie die des Lachses werden durch die Wehre und Staustufen gehindert; durch den Einbau von Fischtreppen versucht man, die Wiedereinbürgerung ehemals heimischer Fische zu erleichtern. Nach der Einstellung des Kiesabbaus Mitte der 1990er Jahre entwickelt sich seither zwischen Lahnau, Heuchelheim und Wetzlar-Dutenhofen im mittleren Lahntal eines der größten Naturschutzgebiete in Hessen, es wird auch Naturschutzgebiet Lahnaue genannt.

[Bearbeiten] Nebenflüsse der Lahn

Die beiden mit Abstand wichtigsten und von Einzugsgebiet und Abfluss her größten Zuflüsse der Lahn sind die Ohm aus dem Vogelsberg von links und die Dill aus einem Südwestausläufer des Rothaargebirges (Haincher Höhe) von rechts.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Tatsache, dass die Lahn über ihren Nebenfluss Ohm 1 km länger ist als über ihre eigene Quelle, sondern auch, dass das Einzugsgebiet der Ohm (984 km²) deutlich größer ist als das der Lahn vor der Ohm-Mündung (652 km² bzw. gar nur 452 km² vor dem Zufluss der Wetschaft gut 2 km oberhalb). Indes ist die Abflussmenge (MQ) der Oberen Lahn mit 8.827 l/s gegenüber 7.950 l/s größer als die der Ohm.[6]

Nach Verlassen des Quellbereiches im Rothaargebirge kommen bis Gießen alle linken Nebenflüsse ansonsten aus weniger montanen Teilen des Westhessischen Berglandes, nach der Wendung in Richtung Westen bzw. Südwesten bei Gießen kommen alle längeren linken Nebenflüsse aus dem Hochtaunus.

Karte des Taunus und der Lahn von Wetzlar bis zur Mündung.

Die rechten Nebenflüsse außerhalb des Quellbereiches kommen dem gegenüber bis zur Dill-Mündung bei Wetzlar aus dem Gladenbacher Bergland, flussabwärts dann vom (Hohen) Westerwald. Südlich der Lahn bildet der Hohe Taunus eine markante Wasserscheide. Demgegenüber verfügt der Westerwald über keine markante Wasserscheide, so dass die Wasserläufe fast zufallsartig ihre Richtung erhalten.[7]

Da der Höhenschwerpunkt des Westerwaldes unweit der Sieg liegt und vor allem der des Taunus dem Main sehr nah, werden beide Mittelgebirge zu je deutlich mehr als der Hälfte von der Lahn entwässert. Besonders die linken Zuflüsse aus dem Taunus fallen durch eine starke Süd-Nord-Ausrichtung auf. Der Fluss Emsbach verläuft dabei genau über die Idsteiner Senke, die den (Hinter-)Taunus in zwei Teile teilt, während die Aar namensgebend für den (Westlichen und Östlichen) Aartaunus ist.

[Bearbeiten] Die 12 größten Zuflüsse nach Länge

[Bearbeiten] Die 12 größten Zuflüsse nach Einzugsgebiet

[Bearbeiten] Tabelle der wichtigsten Nebenflüsse der Lahn

Liste der Nebenflüsse der Lahn

Die wichtigsten Zuflüsse der Lahn sind
(Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind in die DGKZ-Ziffern nach der 258 - Lahn - Bindestriche eingefügt!):

Name
Lage
Länge
[km]
Einzugsgebiet
[km²]
Abfluss
(MQ) [l/s]
Mündung
auf Lahn-km
Mündungshöhe
[m. ü. NN]
DGKZ
Feudinge (Rüppersbach) links 6,3 21,2 9,8 388 258-112
Ilse rechts 8,4 11,8 10,5 382 258-114
Banfe rechts 11,5 38,9 18,5 326 258-12
Laasphe links 8,3 19,6 19,4 324 258-132
Perf rechts 20,0 113,1 1776,1 24,7 285 258-14
Dautphe links 8,8 41,8 533,4 37,5 245 258-16
Wetschaft links 29,0 196,2 1701,6 56,3 192 258-18
Ohm links 59,7 983,8 7949,8 58,7 188 258-2
Allna rechts 19,1 92,0 665,3 77,1 172 258-32
Zwester Ohm links 20,0 69,5 405,2 84,0 165 258-334
Salzböde rechts 27,6 137,8 1322,4 87,4 164 258-34
Lumda links 30,0 131,5 950,4 93,6 160 258-36
Wieseck links 24,3 119,6 663,5 102,2 155 258-38
Bieber rechts 13,6 34,7 217,1 105,1 151 258-394
Kleebach links 26,9 164,6 815,9 106,2 150 258-396
Wetzbach links 11,7 32,9 261,7 119,6 147 258-3996
Dill rechts 55,0 717,7 9513,9 120,4 147 258-4
Solmsbach links 24,6 112,5 839,5 128,1 141 258-52
Iserbach (Möttbach) links 19,2 31,2 264,8 131,4 139 258-54
Ulmbach rechts 22,9 60,9 740,5 138,2 135 258-56
Kallenbach rechts 14,6 84,7 942,3 141,3 132 258-58
Weil links 46,6 247,9 2317,3 149,4 130 258-6
Kerkerbach rechts 20,7 70,2 564,0 176,0 112 258-72
Emsbach links 39,1 321,8 1805,2 181,0 110 258-74
Elbbach rechts 40,7 323,7 3996,4 109 258-76
Aar^ links 49,7 312,6 1820 103 258-8
Dörsbach^^ links 32,0 114,0 840 94 258-92
Gelbach (Aubach)^^^ rechts 39,7 221,2 2480 93 258-94
Mühlbach^^^^ links 32,1 171,9 1000 85 258-96
Emsbach rechts 11,5 29,4 75 258-98

^ Der Messwert für den Abfluss (MQ) der Aar bezieht sich auf die Messsstelle Zollhaus - 12,12 km oberhalb der Mündung.
^^ Der Messwert für den Abfluss (MQ) des Dörsbachs bezieht sich auf die Messsstelle Kloster Arnstein - 1,5 km oberhalb der Mündung.
^^^ Der Messwert für den Abfluss (MQ) des Gelbachs bezieht sich auf die Messsstelle Weinähr - 3,5 km oberhalb der Mündung.
^^^^ Der Messwert für den Abfluss (MQ) des Mühlbachs bezieht sich auf die Messsstelle Schulmühle - 9 km oberhalb der Mündung.

[Bearbeiten] Einzugsgebiet der Lahn

Folgende Regionen werden von der Lahn entwässert
(geordnet nach den Großlandschaften Taunus, Rothaargebirge, Westerwald, Gladenbacher Bergland, Westhessisches Bergland und Osthessisches Bergland):

Großlandschaft
Naturraum
*: entwässert nur z.T.
über die Lahn

(ggflls % >70 bzw. <30)
Höchste Erhebung
-(im Einzugsgebiet)
*: auf der Wasserscheide
Höhe
über -NN
Flüsse
im Flusssystem Lahn
Taunus Feldberg-Taunuskamm* Großer Feldberg* 880 Weil, Emsbach
Taunus Wiesbadener Taunuskamm* Hohe Wurzel* 618 Aar, Wörsbach (Emsbach)
Taunus Westlicher Aartaunus / Zorner Hochfläche Meppershainer Kopf* 548 Dörsbach
Taunus Bodenroder Kuppen* Hesselberg* 518 Kleebach, Solmsbach
Taunus Weilburger Hintertaunus NN 432 Iserbach
Taunus (zentraler) Wetzlarer Hintertaunus Köhlerberg 425 Wetzbach
Rothaargebirge Ederkopf-Lahnkopf-Rücken* Kompass 694 Lahn, Ilse, Banfe
Rothaargebirge Wittgensteiner Bergland* (>80%) Ebschloh* 684 Feudinge, Laasphe
Rothaargebirge Sackpfeife* Sackpfeife* 674 Treisbach (Wetschaft)
Dilltal Haincher Höhe* Nordhöll 641 Dill, Dietzhölze (Dill)
Westerwald Oberwesterwald* Beulstein 483 Gelbach, Aubach (Dill)
Westerwald Montabaurer Westerwald* Montabaurer Höhe* 545 Emsbach, rechte Gelbach-Zuflüsse
Westerwald Hoher Westerwald* Fuchskaute* 657 Elbbach, Ulmbach, Rehbach (Dill), Kallenbuach, Kerkerbach,
Gladenbacher Bergland Bottenhorner Hochflächen Angelburg 609 Perf, Salzböde, Allna, Dautphe, Schelde (Dill)
Gladenbacher Bergland Damshäuser Kuppen Rimberg 498 Ohe (Allna)
Gladenbacher Bergland Krofdorf-Königsberger Forst Dünsberg 498 Bieber, Aar (Dill)
Westhessisches Bergland Kellerwald* (<20%) Hohes Lohr* 657 Wohra (Ohm)
Westhessisches Bergland Burgwald* (>80%) Knebelsrod* 443 Wetschaft, Rotes Wasser (Ohm), rechte Wohra (Ohm)-Nebenflüsse
Westhessisches Bergland Gilserberger Höhen* Kalte Hainbuche* 433 linke Wohra (Ohm)-Nebenflüsse
Westhessisches Bergland Lumda-Plateau Mardorfer Kuppe 407 Lumda, Wieseck, Zwester Ohm
Westhessisches Bergland Nördliches Vogelsberg-Vorland* Dachsberg* 388 Klein (Ohm)
Osthessisches Bergland Vogelsberg* (ca. 20%) Sieben Ahorn* 753 Ohm, Felda (Ohm)

[Bearbeiten] Städte und Gemeinden entlang des Flusses

[Bearbeiten] Landkreise entlang des Flusses

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Hans Feldtkeller: Die Lahn (Deutsche Lande - Deutsche Kunst). München/Berlin 1965
  • Albrecht Greule: Gewässernamenschichten im Flußgebiet der Lahn. In: Norbert Nail (Hrsg.), Die Welt der Namen. Sechs namenkundliche Beiträge. Marburg 1998 (Schriften der Universitätsbibliothek Marburg; 87), S. 1-17. ISBN 3-8185-0251-X
  • Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (Hrsg.): Hydrologischer Atlas Rheinland-Pfalz. Main November 2005
  • Michael Losse: Die Lahn Burgen und Schlösser. Imhof Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-070-9.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. WRRL Hessen (Perf-Mündung bei 220,9) und TIM-Online NRW (24,7 km bis Perf-Mündung)
  2. Interaktiver BfN-Kartendienst - Schutzgebiete
  3. Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz - Lahn
  4. Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz - Gewässerfläche laut GeoExplorer
  5. Abschätzung nach unten, Summe aus Lahn/Kalkofen (49,5) + Dörsbach/Kloster Arnstein + Gelbach/Weinähr + Mühlbach/Schulmühle
  6. http://geoextra.hmulv.hessen.de/wrrl_viewer/viewer.htm WRRL Hessen
  7. Hermann-Josef Hucke (Redaktion) (Hrsg.): Großer Westerwaldführer. 3. Auflage. Verlag Westerwald-Verein e.V., Montabaur 1991, ISBN 3-921548-04-7

[Bearbeiten] Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Lahn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Commons Commons: Lahn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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Natur und Geographie:

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