Leopold II. (Belgien)

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Leopold II.

Leopold II. (* 9. April 1835 in Brüssel; † 17. Dezember 1909 auf Schloss Laeken, Brüssel; eigentlich Leopold Ludwig Philipp Maria Viktor, franz. Léopold Louis Philippe Marie Victor, ndl. Leopold Lodewijk Filips Maria Victor) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha war bis 1865 Herzog von Brabant[1] und Prinz von Belgien und folgte seinem Vater Leopold I. auf den Thron. Von 1865 bis 1909 war er König der Belgier.

Leopold II. galt als hervorragender Diplomat und Geschäftsmann. Während seiner Regentschaft ereigneten sich vielfach Gräueltaten im Kongo, wo er den Freistaat Belgisch-Kongo gründete, dessen persönlicher Eigentümer er von 1885 bis 1908 war. Zu dieser Zeit wurde aus dem Kongo vor allem Elfenbein und Kautschuk exportiert. Die einheimische Bevölkerung wurde dabei schwer misshandelt und ausgebeutet. Wie viele Menschen bei diesen sogenannten Kongogräueln ums Leben kamen, ist umstritten. Adam Hochschild, der sich mit der Kolonialzeit in Belgisch-Kongo intensiv auseinandergesetzt hat, schätzt die Zahl auf zehn Millionen Einwohner. 1908 wurde das riesige Territorium Eigentum des belgischen Staates und im Zuge dessen in Belgisch-Kongo umbenannt.

Goldmünze Leopold II

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Familienhintergrund

Leopolds Vater war Leopold von Sachsen-Coburg, Sohn eines wenig einflussreichen deutschen Fürsten. Er hatte in erster Ehe Charlotte Augusta, die Tochter des britischen Prince of Wales, dem späteren Georg IV. und Caroline von Braunschweig geheiratet. Mit dieser Heirat bestand für ihn die Aussicht, dass er eines Tages Prinzgemahl der britischen Königin sein würde. Charlotte Augusta verstarb jedoch an den Folgen einer Totgeburt. 1831 wurde dem jungen Prinzen der verwaiste Thron Belgiens angeboten. Das kleine Belgien zählte nicht zu den einflussreichen Monarchien Europas. Es war außerdem durch die starken Konflikte zwischen Flamen und Wallonen großen innenpolitischen Spannungen ausgesetzt. Leopold I. heiratete in zweiter Ehe Louise, eine Tochter des französischen Königs Louis-Philipp. Das Ehepaar hatte drei Kinder. Louise verstarb, als der spätere Leopold II. 12 Jahre alt war.

[Bearbeiten] Kronprinz

Am 22. August 1853 heiratete der Kronprinz Leopold Marie Henriette Anne von Habsburg-Lothringen (* 1836 † 1902), Erzherzogin von Österreich, die Tochter von Erzherzog Joseph von Österreich (1776–1847), einem Sohn des Kaisers Leopold II. (1747–1792).

Leopold und Marie Henriette

Der Gesundheitszustand des Kronprinzen galt als prekär – angeblich war seine Lunge schwach, und ein Bein war lahm. Dieser Gesundheitszustand war Anlass, dass er sich zwischen 1853 und seiner Thronbesteigung mehrfach auf weite Seereisen begab. 1854 bis 1855 besuchte er Ägypten und den Mittleren Osten. Nach Ägypten kehrte er 1860 und 1862 zurück. In den Jahren 1864 bis 1865 bereiste er Indien und China. [2]

Bereits als Kronprinz verfolgte Leopold die Idee, das im europäischen Machtgefüge unbedeutende Belgien durch den Erwerb von Kolonien zu Reichtum und Macht gelangen zu lassen. Die Niederlande, deren Kolonie auf Java dem Land zu Einfluss und Wohlstand verholfen hatte, waren ihm ein Beleg dafür. [3] Sein Vater, Leopold I., hatte zeitweise ähnliche Ideen verfolgt. Nach dem Fehlschlag einer Koloniegründung in Südamerika hatte dieser sich jedoch von solchen Ideen weitgehend distanziert.

[Bearbeiten] Thronbesteigung 1865

1865 starb Leopold I. Den Beginn der Regierungszeit Leopold II. prägten parlamentarische Auseinandersetzungen über Wahlrechts- und Bildungsfragen. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871 legte Leopold großen Wert auf die militärische Verteidigung als Voraussetzung für die Neutralität Belgiens. Die allgemeine Wehrpflicht, die er als notwendig dafür sah, konnte er allerdings erst auf seinem Totenbett am 14. Dezember 1909 durchsetzen.

Als konstitutioneller Monarch hatte Leopold II. grundsätzlich wenig Macht, seine Politik durchzusetzen. Dazu zählte auch seine Idee, Belgien zu einer Kolonialmacht zu entwickeln. Weder die belgische Regierung noch seine Untertanen waren am Aufbau von Kolonien interessiert, deren Entwicklung kostenintensiv und nicht notwendigerweise erfolgreich zu werden drohte. Die Weltregionen, in denen dies erfolgversprechend möglich war, waren schon weitgehend unter den bestehenden Kolonialmächten aufgeteilt. Leopold II. gehörte jedoch zu den wohlhabendsten Männern Europas. Er hatte beträchtliches Privatvermögen von seinen Eltern ererbt und dieses erfolgreich durch Spekulationen in Anteilen des Suezkanals vermehrt. [4] Dies gab ihm den Spielraum, als Privatmann umzusetzen, was ihm als Monarch unmöglich war.

[Bearbeiten] Afrika – der „unbesetzte“ Kontinent

Zu den wenigen unterentwickelten Regionen der Erde, die noch nicht unter dem Einfluss der großen Kolonialmächte wie Großbritannien, Frankreich und Portugal standen, zählte das Landesinnere von Afrika. Alle afrikanischen Kolonien dieser Länder lagen jedoch an der Küste, wie der unter französischem Einfluss stehende Senegal sowie Gabun, das zu den portugiesischen Kolonien zählende Angola und Mosambik und die Region der heutigen Republik Südafrika, das zum Einflussgebiet des Britischen Weltreichs zählte. Dazu kamen an der afrikanischen Westküste eine Reihe von Handelsstandorten.

Vergleichsweise gut erschlossen war das an das Mittelmeer angrenzende Nordafrika. Algerien stand unter französischem Einfluss. Besonders weit ins Landesinnere erstreckte sich der Einfluss des türkischen Sultanats. Von Algerien erstreckte sich dieses bis über das heutige Ägypten und reichte entlang des Nils fast bis zum Viktoriasee.

Bis weit in das 19. Jahrhundert war das Landesinnere Afrikas südlich der Sahara unerforscht: An der West- und Ostküste Afrikas gab es nur wenige natürliche Häfen. Die großen Flüsse Afrikas wie Niger und Sambesi mündeten an der Küste in einem undurchdringlichen Sumpfgebiet, das von Mangrovenwäldern und Sandbänken durchzogen war. Der Kongo erlaubte wegen seiner Wasserfälle im Mündungsgebiet kein Vordringen. Malaria und Sumpffieber verhinderten, dass Europäer weit ins Landesinnere vorstießen. Der Sklavenhandel, der über mehrere Jahrhunderte ein Engagement in Afrika profitabel machte, begrenzte sich für Europäer auf die Küstenstädte. Arabische und afrikanische Sklavenhändler lieferten dort ihre menschliche Ware ab, bis der transatlantische Sklavenhandel in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zum Erliegen kam.

Die Erforschung des Landesinneren von Afrika südlich der Sahara begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Neben Richard Francis Burton, John Speke, Samuel Baker waren es vor allem David Livingstone und Henry Morton Stanley, die bewiesen, dass das südliche Landesinnere von Afrika für Weiße erschließbar war, und dass dieses Land über attraktive Rohstoffe verfüge. David Livingstone hatte für mehr als drei Jahrzehnte Süd- und Zentralafrika bereist und damit indirekt bewiesen, dass mit Hilfe neu entwickelter Medikamente wie Chinin es auch einem Europäer möglich sei, die Krankheitserreger Afrikas zu überleben. Der Journalist Henry Morton Stanley hatte seine erste, vom New York Herald finanzierte Expeditionsreise nach Afrika eigentlich nur angetreten, um den verschollen geglaubten David Livingstone zu finden. Nach dessen Tod sah er sich in dessen Nachfolge: Das Landesinnere von Afrika, in dem Sklavenhandel nach wie vor existierte, wollte er für das Christentum öffnen. [5] 1874 brach Stanley zu einer zweiten Expedition auf, die ihn diesmal 11.000 Kilometer weit von der ostafrikanischen bis zur Atlantikküste führte. Er reiste dabei unter anderem entlang des Kongo und bewies, dass man über diesen Fluss weit ins Landesinnere vorstoßen konnte. Seine Reisenotizen wurden wieder im New York Herald und in Europa im Daily Telegraph veröffentlicht.

[Bearbeiten] 1876–1885: Landnahme entlang des Kongos

Siehe dazu auch Geschichte der Demokratischen Republik Kongo

Leopold II. verfolgte alle Entdeckungsreisen im afrikanischen Kontinent aufmerksam. Die Nachrichten der ersten Entdecker bewiesen, dass das Landesinnere südlich der Sahara nicht wüst und leer war, was man lange Zeit nicht ausgeschlossen hatte. Verney Cameron, einer der ersten Entdeckungsreisenden in dieser Region, berichtete von den unermesslichen Schätzen des Kongobeckens. [6] Aus heutiger Sicht realisierte Leopold II. vermutlich früher als andere, dass mit der Entwicklung der Dampfschifffahrt und mit Chinin als Medikament, um den tödlichen Krankheiten Afrikas zu begegnen, eine Kolonialisierung Afrikas in den Bereich des Möglichen rückte. Nachdem seine Überlegungen, im asiatischen Raum eine belgische Kolonie zu begründen, sich bereits im Planansatz als nicht realisierbar erwiesen hatten, begann er, sich auf eine Koloniegründung in Afrika zu konzentrieren. Als eine der ersten Maßnahmen finanzierte er eine internationale geographische Konferenz, die im September 1876 in Brüssel stattfand. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete er die Entwicklung Afrikas als einen Kreuzzug, der des 19. Jahrhunderts als Zeitalter des Fortschritts würdig sei, und betonte, dass seine und Belgiens Interesse daran rein philanthropischer Natur seien. Auf der Konferenz diskutierten Forschungsreisende und Geographen, auf welche Weise man Zentralafrika die Zivilisation zugänglich machen könne. Dazu schlug man vor, von Loanda bis Sansibar eine Kette von Stützpunkten zu errichten. Die Versammelten einigten sich auch auf die Gründung der „Association internationale africaine“, die als internationale Organisation die Entwicklung Afrikas koordinieren sollte. [7]

Heutige Karte der Demokratischen Republik Kongo

Leopolds Initiative stieß in Europa und Nordamerika auf ein positives Echo. Die Motive, die Leopold II. jedoch eigentlich verfolgte, zeigen sich in einem Brief, den er am 17. November 1877 an den belgischen Botschafter in London richtete. Darin bezeichnet er Henry Morgan Stanley als den Mann, durch den Belgien zu einer afrikanischen Kolonie entlang des Kongo gelangen könnte: [8]

Ich bin ganz sicher, dass mich die Briten stoppen werden, wenn ich Stanley offen damit beauftragen würde, in meinem Namen Besitz von einem Teil Afrikas zu nehmen. Wenn ich sie um Rat fragen würde, würden sie mich nicht weniger davon abhalten. Würde ich dagegen Stanley mit weiteren Expeditionen beauftragen, würde das keinen verletzen. Und uns würde dies Stützpunkte geben, die wir später in Besitz nehmen könnten …

Die Briten waren jedoch an einer weiteren Kolonialisierung Afrikas weitaus weniger interessiert, als Leopold II. vermutete. Um die britische Kolonie an der Südspitze Afrikas zu schützen, drangen britische Truppen während der nächsten Monate nach Norden vor. Dies führte zum Zulukrieg, den die Briten zwar langfristig gewannen, in dem aber so verheerende Niederlagen wie die der Schlacht von Isandlwana ihnen aber auch die Kosten einer solchen Kolonialisierungspolitik demonstrierten.

1878 gründete Leopold II. das „Comité d'Études du Haut Congo (CEHC)“ – das Komitee zur Untersuchung des Oberlaufs des Kongo. Er beauftragte Stanley, die Untersuchungen durchzuführen. Während die offizielle Mission wissenschaftlicher oder philanthropischer Natur war, beauftragte er Stanley insgeheim, Land zu erwerben und Elfenbein mitzubringen. 1879 wurde das Komitee umbenannt in die „Association Internationale du Congo – Internationale Vereinigung des Kongos“.

Stanley gründete einige Siedlungen, darunter Leopoldville (heute Kinshasa), und begann mit dem Bau einer Piste von der Mündung des Kongo entlang der Kongofälle, 200 km lang, bis Stanley Pool (heute Pool Malebo). Ab dort ist der Kongo schiffbar. Bei diesem Projekt kamen viele der zwangsweise rekrutierten Einheimischen um. Er schloss außerdem mit etwa 450 Stammesfürsten Verträge ab, in denen diese ihr Land Leopold II. überschrieben. Dabei wurde vielen Häuptlingen weisgemacht, Leopold II. beherrsche sogar die Sonne. Mit einem Trick mit einem Brennglas wurde dies demonstriert. Stanleys rücksichtsloses Vorgehen wurde in England stark kritisiert und brachte ihm den afrikanischen Spitznamen Bula Matari ("der die Steine bricht") ein.

1884/85 fand in Berlin die Kongokonferenz statt, organisiert von Otto von Bismarck. Leopold II. nahm nicht persönlich teil. Doch durch geschicktes Taktieren gelang es ihm, dass die 14 europäischen Staaten und die USA bestätigten, dass der „Etat indépendant du Congo“ ins Privateigentum von Leopold überging. Der Staat war mit rund 2,34 Mio. Quadratkilometern über siebzig Mal so groß wie das Königreich Belgien.

[Bearbeiten] 1885–1908: Der Kongo-Freistaat

König Leopold II.

Der Kongo gehörte nun Leopold II. Er heuerte Söldner an und beutete das Land aus.

1888 erließ er drei Dekrete. Das erste verbot Waffenhandel, das zweite legte die Bedingungen für die Beschäftigung einheimischer Arbeiter fest, und das dritte bildete die Basis für die Schaffung der Force Publique, einer Art Armee. Er überzeugte das Belgische Parlament, ihm 10 Millionen Franken für seine Projekte im Kongo vorzuschießen. Es wurde mit dem Bau einer Eisenbahn von der Flussmündung bis Stanley Pool begonnen, die 1898 fertiggestellt wurde.

Zunächst wurde Elfenbein nach Europa geliefert. Bald kam Kautschuk hinzu, denn 1844 hatte Charles Goodyear ein Patent für die Vulkanisierung von Gummi erhalten, und so konnten Reifen hergestellt werden – der Bedarf an diesem Rohstoff war seitdem stetig gewachsen. 44 Jahre, nachdem sich Goodyear die Vulkanisierung des Kautschuks hatte patentieren lassen, erfand John Boyd Dunlop den Luftreifen. Er war angesichts der damaligen gepflasterten Straßen und der Schlaglöcher auf den Landstraßen ein Erfolg, der die Nachfrage nach Kautschuk nochmals deutlich steigerte. Die Truppen des Königs überfielen Dörfer, und die Bewohner erhielten den Auftrag, eine bestimmte Menge Kautschuk zu sammeln, sonst würde das ganze Dorf niedergebrannt. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen. Als Beweis für den Verbrauch von Gewehrkugeln mussten die Truppen für jede verbrauchte Kugel die Hand des Opfers vorlegen. Die Hände wurden deshalb auch Lebenden abgehackt, um die verbrauchten Kugeln zu erklären. Eine andere Deutung der Praxis, die Hände abzuhacken, ist, laut der Fachzeitschrift 'Message', dass Druck auf die Zulieferer ausgeübt wurde: Wer nicht genug Kautschuk liefert, dem wird eine Hand abgehackt.

Die Methoden, mit denen belgische Handelsgesellschaften und das Militär im Kongo vorgingen, sind unter anderem in Joseph Conrads Buch Herz der Finsternis (veröffentlicht 1899) geschildert. Conrad (1857–1924) hatte 1890 als Kapitän eines Flussschiffes angeheuert. Er wurde jedoch schon bald nach seiner Ankunft krank – und was er mit ansehen musste, ließ ihn sobald wie möglich nach England zurückkehren. Unter anderem sah er, wie die Soldaten Körbe voller verwesender Hände zum Zählen zu ihren Stützpunkten schafften. Er sah auch, wie an einem Stützpunkt die Köpfe von Hingerichteten auf Pfählen ausgestellt waren.

1891 führte der kanadische Entdecker und britische Militärkommandant William Stairs im Auftrag Leopold II. eine Expedition an, die Belgien die Kontrolle über die Kupfergebiete von Katanga sicherte.

[Bearbeiten] Verbrechen und Verlust des Kongos

König Leopold II., letzte Aufnahme

Es gibt unterschiedliche Berechnungen, wie viele Menschenleben unter Leopolds Herrschaft geopfert wurden. Zwischen 1880 und 1920 wurde die Bevölkerung des Kongos um mindestens die Hälfte reduziert. Adam Hochschild [9] spricht von 10 Millionen Toten, was auf einer Schätzung von Jan Vansina [10] [11] beruht. Eine große Zahl von Menschen wurde grausam misshandelt, gequält und brutal verstümmelt. Viele konnten in der Folge sich selbst und ihre Familien nicht mehr ernähren und starben an Unterernährung.

1890 wurde auf der 33. Sitzung der Brüsseler Konferenz beschlossen, dass dem Sklavenhandel in Afrika ein Ende gemacht werden solle. Ab 1904 zeigten die Kampagnen einiger Missionare und Zeitungsmacher, die die Verbrechen an der Bevölkerung öffentlich anprangerten, Erfolge. Große Zeitungen berichteten regelmäßig, die Kirchen verurteilten die Behandlung der Bevölkerung. Initiiert wurde die Kampagne von Edmund Dene Morel, er hatte für eine Reederei gearbeitet, die im Auftrag Leopolds Waren von und nach dem Kongo brachte. Er wurde aufmerksam, weil die Schiffe aus dem Kongo vollbeladen waren mit Elfenbein und Kautschuk, auf dem Rückweg aber nur Waffen und Munition transportierten. Das schien ihm ein seltsamer Warenaustausch. Er gab einen regelmäßigen Rundbrief heraus mit Berichten aus dem Kongo, die er von Missionaren und Reisenden erhielt.

1908 verurteilten die Regierungen Großbritanniens und der USA das Herrschaftssystem Leopolds. Auf Druck des Parlaments stimmte er einem Gesetz zu, das aus dem Kongo eine Kolonie machte, „Belgisch-Kongo“, und diesen Unabhängigen Kongostaat an Belgien überschrieb. Leopold II. wurde in der Folge dieser Ereignisse zu einer der meistgehassten Personen Europas. Seine sterblichen Überreste wurden beim Trauerzug von der belgischen Bevölkerung ausgebuht.

Die Internetseite des belgischen Königshauses schreibt: „Aufgrund der durch die Europäer in Afrika begangenen Exzesse wird der Ruf von Leopold sowie der seines überseeischen Werkes in Frage gestellt“.

Nachtrag: Das 1967 auf Befehl des damaligen Präsidenten Mobutu Sese Seko demontierte sechs Meter hohe Reiterstandbild Leopolds in Kinshasa wurde im Februar 2005 von der Regierung des Kongo wieder aufgestellt, wurde aber bereits wenige Stunden später wieder demontiert.

[Bearbeiten] Weitere Außenpolitik

Während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 sprach er sich für die Neutralität seines Landes aus, und es gelang ihm, Belgien aus den kriegerischen Handlungen herauszuhalten.

[Bearbeiten] Aktivitäten in Belgien

Leopold setzte das Geld aus dem Kongo für Bauten ein. Er baute seine Residenz, das Laekener Schloss, um und legte im Schlosspark große Gewächshäuser an.

Grabstätte König Leopolds II.

Er ließ die Avenue Louise bauen, den Jubelpark mit Triumphbogen (zum 50. Geburtstag Belgiens 1881), die Avenue de Tervuren, die zum ebenfalls von ihm gebauten Afrikamuseum im etwa 10 km entfernt gelegenen Tervuren führt, sowie Bauten in Spa in den Ardennen, die Gileppe-Talsperre und anderes mehr. Bis heute sind in Belgien, trotz seiner Verbrechen im Kongo, Statuen von Leopold II. zu finden. Diese wurden allerdings erst nach seinem Tode errichtet.

1900 wandelte er diesen Besitz in eine königliche Schenkung um und übergab ihn dem Staat, der nun für den Erhalt aufkommen musste. In den Schenkungsbedingungen ist unter anderem festgelegt, dass das Volk nur während zweier Wochen im Jahr Zugang zu den königlichen Gewächshäusern hat, die es finanziert. Im Jahr 1908 vermachte Leopold sein verbliebenes Vermögen der Niederfüllbacher Stiftung, über die er aber selbst verfügen konnte. Allerdings schon gut ein Jahr nach seinem Tod, Anfang 1911, überließen die Stiftungsverwalter die Wertpapiere gegen eine Abfindung dem belgischen Staat.

Leopold starb am 17. Dezember 1909 als ein von den übrigen europäischen weitgehend isolierter Monarch. Auf den Thron folgte ihm sein Neffe Albert I. nach. Leopold II. wurde in der Krypta der Liebfrauenkirche zu Laken, Brüssel, beigesetzt.

[Bearbeiten] Leopold II. in der Wahrnehmung seiner Zeitgenossen

„Majestät Schachtelteufel“, Zeitgenössische Karikatur Leopolds II.

Viele prominente Schriftsteller beteiligten sich an der internationalen Verurteilung der Ausbeutung des Unabhängigen Kongostaates durch Leopold II. Die bekanntesten sind Sir Arthur Conan Doyle, Booker T. Washington sowie

In neuerer Zeit hinzugekommen:

  • Adam Hochschild: King Leopold's Ghost beschreibt die Geschichte und Brutalität der Regentschaft Leopold II. in Belgisch-Kongo.

Der US-amerikanische Dichter N.Vachel Lindsay schrieb 1914 (in "The Congo" I, 37-40 - worin er aber nicht seine Meinung wiedergibt, sondern die Position der Betroffenen einnimmt):

Listen to the yell of Leopold's ghost
Burning in Hell for his hand-maimed host
Hear how the demons chuckle and yell
Cutting his hands off, down in Hell.

In freier Übersetzung:

Leopolds Seel' in der Höll' hört ihr schrei'n,
zollt für verstümmelte Hände den Opfern sie Pein.
Horcht, wie die Teufel laut schrei'n vor Behagen,
wenn s' in der Höll' die Händ' ihm nun abschlagen.

[Bearbeiten] Nachkommen

Dieser Verbindung entstammen vier Kinder:

  1. Erzherzog Rudolf von Österreich (aus der Ehe stammt die Tochter Elisabeth)
  2. Elemér Edmund Graf Lónyay von Nagy-Lónya und Vásáros-Namény, diese Ehe blieb kinderlos.

Leopold zeugte außerdem zwei nichteheliche Söhne – Lucien Philippe Marie Antoine (1906–1984) und Philippe Henri Marie François (1907–1914) – deren Mutter, seine Mätresse Blanche Zélia Joséphine Delacroix (1883–1948, auch bekannt unter dem Namen Caroline Lacroix), er fünf Tage vor seinem Tod am 12. Dezember 1909 heiratete. Die Hochzeitszeremonie, die nach belgischem Recht nicht legitim war, fand im Palmenpavillon von Schloss Laeken statt.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Quelle: http://www.monarchie.be/de/monarchy/history/brabant.html
  2. Peckenham, S. 13
  3. Pakenham, S. 13
  4. Pakenham, S. 14
  5. Pakenham, S. 25
  6. Pakenham, S. 20
  7. Pakenham, S. 20 – 23
  8. Pakenham, S. 38
  9. Adam Hochschild: Schatten über dem Kongo. Stuttgart. Klett-Cotta. 6. Auflage 2001. Seite 331
  10. Vangroenweghe, Daniel: Du sang sur les lianes. Brüssel 1986
  11. http://en.wikipedia.org/wiki/Jan_Vansina

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Zeitgenössische Berichte und Romane, die Exzesse im Kongo thematisieren

[Bearbeiten] Aktuelle Literatur

  • Adam Hochschild: Schatten über dem Kongo. Klett-Cotta, 2000 (Originaltitel King Leopold's Ghost 1998), ISBN 3-608-91973-2.
  • Ruth Weiss, Hans Mayer, Antony Martin: Afrika den Europäern. 1985, ISBN 3-872-94249-2.
  • Italiaander, Rolf: König Leopolds Kongo, München 1964.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Leopold II. (Belgien) – Bilder, Videos und Audiodateien


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