Lippborg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lippborg
Gemeinde Lippetal
Koordinaten: 51° 39′ 48″ N, 8° 2′ 37″ O
Höhe: 69 m
Fläche: 52,06 km²
Einwohner: 2989 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 59510
Vorwahl: 02527

Lippborg ist ein Ortsteil der Gemeinde Lippetal im Kreis Soest. Der Ort hat 2.989 Einwohner (Stand: 30. Juni 2016).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortskern von Lippborg, Luftaufnahme 2014

Lippborg wird im Westen mit dem Lütke-Uentruper und im Norden mit dem Dalmer Wald durch Waldgebiete eingerahmt. Im Süden begrenzt die Lippe die Lippborger Gemarkung. Naturräumlich und historisch ist Lippborg ein Teil des Münsterlandes. Die Quabbe durchzieht den Ortskern und mündet östlich der Clemens-August-Brücke der B475 in die Lippe.

Zu Lippborg gehören die Bauerschaften Lütke Uentrup, Osker, Ebecke, Frölich, Polmer, Assen und Brönike (von West nach Ost).

Je nach Berechnungsansatz liegt der Mittelpunkt Westfalens nahe der Grenze Beckum-Lippborg am Dalmerweg (Havixbrockweg) oder in Scheidingen [1]. Die Berechnung mittels Schwerpunktansatz liefert folgendes Ergebnis: Auf der Kartengrundlage der Geographischen Kommission liegt der Punkt auf der Beckumer Seite. Mit den Kartengrundlagen des Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalens und Straßen.NRW liegt der Mittelpunkt Westfalens auf Lippborger Seite. Im Schwerpunktansatz werden die tatsächlichen Flächengewichte berechnet. Der vereinfachte Ansatz aus der nördlichsten, südlichsten, westlichsten und östlichsten Begrenzung ergibt hingegen einen Punkt nördlich von Scheidingen.

Lippborg ist mit dem Lippeabfluss der niedrigste Punkt in Südwestfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Cornelius-und-Cyprianus-Kirche
Lippeschleuse Uentrop in der Gemarkung Lippborg bei Haus Uentrop (Hamm)

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Lippborg im Jahre 1189. Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen von Münster verschreibt dem Benediktinerkloster in Liesborn, den Zehnten in Lippborg. Allerdings gibt es im nördlichen Havixbrockwaldgebiet ein ausgedehntes "Germanenlager", welches auf die Zeit 9. bis 11. Jahrhundert datiert wird [2]. Die Bedeutung des Ortsnamens Lippborg verweist in der Schriftweise über Jahrhunderte sehr konstant auf eine Burg an der Lippe. Allerdings ist von dieser ursprünglichen Burg nichts Weiteres bekannt.

Die Römer benutzten die Lippe um ihre Güter mithilfe kleinerer Schiffe in West-Ost-Richtung zu transportieren und legten Militärlager an. Zwischen den bereits bekannten Lagern Bergkamen-Oberaden und Delbrück-Anreppen vermutet man ein weiteres Römerlager in der Nähe von Lippborg oder in Kesseler.

In Süd-Nord-Richtung spielte die Fernstraße "Friesenstraße" Soest-Beckum-Warendorf-Iburg-Osnabrück[3] eine wichtige Rolle, die auch heute noch über die B475 besteht. Die damalige Furt lag in der Nähe des uralten Hofes Hunsel in Richtung Kesseler und damit auf der Luftlinie Soest-Beckum. Eine Verschiebung zum heutigen Ortskern Lippborg scheint durch die regelmäßigen Dorfgründungen zur Sicherung der Münsterländer Lippegrenze mit ähnlichen Distanzen (Bockum, Hövel, Heessen, Dolberg, Uentrop (damals nördl. der Lippe?), Lippborg) erfolgt zu sein. Ebenfalls wird die Mündung der Quabbe als rechter Lippenzufluss relevant gewesen sein. Der Ludgerusbrunnen an der Dolberger Straße wird ebenfalls dem Münsteraner Bistumsgründer Liudger/Ludger zugeschrieben.

Die Wasserburg Haus Assen wurde im 14. Jahrhundert vom Urhof Hunsel aus gegründet, was auf eine Verlagerung der wichtigen Süd-Nord-Verbindung über den Böckenberg zum heutigen Ortskern hinweist. Das Wasserschloss im Stil der Lipperenaissance wurde im Jahre 1564 durch den Baumeister Laurenz von Brachum für die Familie von Ketteler errichtet. Es war seit 1653 im Besitz der Grafen von Galen. 1997 schenkte Christoph Bernhard Graf von Galen (1907–2002) das Haus Assen der Kongregation Diener Jesu und Mariens, die darin ein Internat für Jungen und ein Kolleg betreibt.

Die Kirche St. Cornelius und Cyprianus wurde am 19. September 1859 geweiht. Der Turm wurde 1875 errichtet. Die jetzige Ludgeruskapelle wurde 1857 an der Dolberger Straße gebaut.

1885 wohnten 581 Einwohner in Lippborg. Am 1. April 1930 wurde die Gemeinde Lütke Uentrup eingegliedert.[4] Im Jahr 1939 wohnten 2.152 Einwohner in Lippborg.

Am 1. Juli 1969 wurde Lippborg im Zuge der kommunalen Neuordnung vom Landkreis Beckum in die neugegründete Gemeinde Lippetal des Landkreises Soest (ab dem 1. September 1969 Kreis Soest) eingemeindet.[5] Durch die Friedlandsiedlung wuchs die Bevölkerung in den Jahren von 1971 bis 1973 durch kinderreiche Spätaussiedler aus den deutschen Ostgebieten merklich an, was zu einem Ausbau der Infrastruktur (Schule, Landstraße nach Hamm) führte.

Am 17. Juni 2006 wurde die neue Lippebrücke eröffnet, die die alte von 1946 ersetzte. Nach der Renaturierung der Lippe hat sich eine hohe Vogeldichte eingestellt, die zunehmend Naturfreunde und Besucher anzieht. Durch die neue Fußgängerbrücke flussaufwärts zwischen dem Lippborger Gewerbegebiet und Hultrop ist ein Rundgang entlang beider Seiten der Auen außerhalb der jährlichen Überschwemmungen möglich geworden.

Am 1. Januar 2012 endet die über 800-jährige Geschichte der katholischen Gemeinde St. Cornelius und Cyprian Lippborg. Die Kirche wird als Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Ida mit Sitz in Herzfeld weiterbetrieben. Damit hat sich neben dem politisch-administrativen Gewicht der öffentlichen Verwaltung der Gemeinde Lippetal mit Sitz in Hovestadt auch das kirchliche Gewicht in das östliche Lippetal mit Herzfeld-Hovestadt verschoben. Die Gemeinschaftsschule Lippetal befindet sich bereits ebenfalls in Herzfeld.

Das vorletzte Baugebiet ist der "Roggenkamp" nördlich der Friedlandsiedlung. Das Baugebiet „Beckkamp“ östlich der Friedlandsiedlung und westlich des Ilmers ist die bislang letzte erfolgte Erweiterung (2017).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lippborg ist mit einer Eisenbahnstrecke der AG Ruhr-Lippe-Eisenbahnen mit Hamm verbunden, die heute allerdings nur noch als Museumseisenbahn Hamm betrieben wird. Diese wurde im Jahr 1904, damals als Durchgangsstrecke von Hamm nach Soest, eröffnet.

Die B475 verbindet Lippborg einerseits mit Soest und anderseits mit Beckum. Neben dieser sog. "Neuen Beckumer Straße", Mühlenweg, nordwestlichen Straße führt die "Alte Beckumer Straße" (K25) nordöstlich nach Beckum. Hamm ist über die Landstraße L822 über Uentrop erreichbar. In östlicher Richtung wird Herzfeld erreicht. Die BAB A2 durchläuft die Lippborger Gemarkung im Westen und hat eine Autobahnausfahrt, die allerdings Hamm-Uentrop benannt wurde (ca. 8 km zum Ortskern). Der Autohof heißt „Lippetal“. Östlich der Autobahnauffahrt gibt es einen Pendlerparkplatz.

Durch Lippborg verlief der Radwanderweg „Römerroute“, der im April 2013 durch den neuen Weg „Römer-Lippe-Route“ abgelöst wurde. Aus Richtung Beckum ist der Dalmerweg ein beliebter Radweg nach Lippborg und damit zur Lippbrücke.

Über öffentliche Nahverkehrsmittel (ÖPVN) ist Lippborg vorwiegend über Soest (R36 + RFB T31(Anruf erforderlich), 535), teils auch aus Hamm und Beckum erreichbar. Schülerbusverkehr findet innerhalb der Bauerschaften und nach Herzfeld statt.

Der ICE Bahnhof Hamm(Westf.) der Linie 10 Köln-Berlin liegt 18 km westlich. Der Bahnhof Soest der Mitte-Deutschland-Verbindung Düsseldorf-Soest-Kassel=Wilhelmshöhe-Leipzig-Dresden liegt 14 km südlich von Lippborg. Mit dem Fahrrad ist der nächstgelegene Bahnhof Borgeln mit Halt der Eurobahnen zwischen Hamm(Westf.)-Welver-Borgeln-Soest erreichbar.

Im Gegensatz zu den anderen Ortsteilen Lippetals wie Herzfeld, Hovestadt und Oestinghausen (stündliche Verbindung, auch an Wochenenden), gibt es seit 2015 an Samstagen und Sonntagen keine öffentliche Verkehrsverbindungen mehr. Die öffentliche Verkehrsverbindung für die 18 km zwischen Lippborg und dem ICE-Bahnhof Hamm(Westf.) benötigt werktäglich eine Fahrzeit zwischen 0:53 h und 1:15 h und zudem i.d.R. eine telefonische Anmeldung 60 min vor Abfahrt. Der Pendlerparkplatz an der A 2 (8 km vom Ortskern Lippborg) ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen.

Schulen, Kindergärten und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Kindergärten in Lippborg: Kita Spatzenhausen und den St.-Marien-Kindergarten. Wie dieser, wird auch die Ludgerus-Grundschule durch die katholische Kirche betrieben.

Das wichtigste Sportorgan Lippborgs ist der VfJ Lippborg 1946 e. V. Der VfJ bietet zur Auswahl Fußball, Tischtennis, Tennis, und Basketball. In der Bauerschaft Ebbecke befindet sich ein 18-Loch-Golfplatz des Golfclub Stahlberg[6].

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lippborger Kirmes (am letzten Wochenende im August und dem folgenden Dienstag) und der seit 1983 bestehende Rosensonntagsumzug sind die wichtigsten Veranstaltungen, wobei jährlich zu jedem dieser Ereignisse über 20.000 Menschen in den Ort kommen. Am ersten Wochenende im Juli findet in Lippborg von samstags bis montags das Schützenfest statt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lippborg haben sich 24 Vereine und verschiedene Gemeinschaften, wie z.B. Siedlervereinigungen, unter dem Dachverein Zweckverband Lippborg e.V. organisiert:

Persönlichkeiten, die mit dem Ort Lippborg verbunden sind[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lippborg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographische Kommission für Westfalen, Zum Mittelpunkt Westfalens abgerufen am 5. September 2015
  2. Ulrich Lehmann 2009 Archäologie in Westfalen-Lippe 2009, Frühmittelalter: Ein Frühmittelalterlicher Zierbeschlag aus dem "Germanenlager" im Havixbrock
  3. H.-C. Poeschel, Spieker 17, Geographische Kommission für Westfalen, 1968
  4. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 258.
  5. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 91.
  6. Golfclub Stahlberg