Louise Bourgeois

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Louise Bourgeois (* 25. Dezember 1911 in Paris) ist eine zeitgenössische französische Bildhauerin, die sich unter anderem sehr früh mit Installationen auseinandersetzte. Sie lebt und arbeitet seit 1938 in New York.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie und Ausbildung

Aufgewachsen ist Louise Bourgeois in Choisy-le Roi bei Paris, wo ihre Familie eine Galerie für historische Textilien betrieb. Die Familie unterhielt dort auch eine Werkstatt zum Restaurieren der alten Stoffe. Schon als Kind fertigte Bourgeois in der elterlichen Werkstatt Zeichnungen zur Ergänzung fehlender Teile an. In Paris erwarb sie in den Jahren 1936 bis 1938, unter anderem an der École des Beaux-Arts, die für ihre Arbeit als Bildhauerin notwendigen Grundkenntnisse und Fertigkeiten. Da sie ein Mädchen war schenkte man ihr in ihrer Kindheit sehr wenig Beachtung, was sie später wie folgt feststellte:

„Wenn ein Junge geboren wird, dann ist die Familie glücklich. Wenn ein Mädchen geboren wird, dann findet man sich damit ab, man toleriert die Tatsache.“

– Louise Bourgeois[1]

Zu ihrem Vater Jean-Louis hatte Louise ein sehr angespanntes Verhältnis. Er betrog ihre Mutter Joséphine Bourgeois zehn Jahre im eigenen Haus mit dem englischen Kindermädchen Sadie Richard Gordon, welches Louise die englische Sprache beibrachte. Auf Louise nahm der Vater ebenfalls sehr wenig Rücksicht, machte sich über sie lustig und stellte sie am Esstisch bloß. Um sich abzulenken begann sie daher aus Brot ihre ersten Skulpturen zu formen, die ihren Vater darstellten, welche sie dann am Esstisch heimlich zerstörte. Dies drückte sie in einem Interview folgendermaßen aus:

„Mein Vater redete pausenlos. Ich hatte nie Gelegenheit etwas zu sagen. Da habe ich angefangen, aus Brot kleine Sachen zu formen. Wenn jemand immer redet und es sehr weh tut, was die Person sagt, dann kann man sich so ablenken. Man konzentriert sich darauf, etwas mit seinen Fingern zu machen. Diese Figuren waren meine ersten Skulpturen, und sie repräsentieren eine Flucht vor etwas, was ich nicht hören wollte. [...] Es war eine Flucht vor meinem Vater. Ich habe zahlreiche Arbeiten zu dem Thema 'The Destruction of the Father' gemacht. Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das meine Arbeit nährt.“

– Louise Bourgeois[2]

Ihre Schule beschrieb sie als einen Ort der Zuflucht, an dem sie sehr glücklich war und der sie von Zuhause isolierte[3]. In gleicher Weise bot ihre Mutter ihr einen Ort der Zuflucht vor ihrem Vater. Daher beschrieb Bougeois ihre Mutter als die beste Freundin ihrer Kindheit. In ihren Kunstwerken wird sie oft durch eine Spinne symbolisiert, da sie Weberin war. Ekel empfindet Bourgeois bei diesem Vergleich jedoch nicht, sondern sieht die Spinne als wohlgesinnte Behüterin[4]. Als ihre Mutter im Sterben lag kümmerte sich Louise Bourgeois um sie. Nach ihrem Tod unternahm Bourgeois einen Selbstmordversuch.

Diese Erinnerungen und traumatischen Erfahrungen beeinflussten ihr Leben und Werk und führten zu Kunstwerken wie den Rauminstallationen „The Destruction of the Father“ (deutsch: die Vernichtung des Vaters)[5] und „The Reticent Child“ (deutsch: Das verschlossene Kind)[6][7]. Ihre Kunst stellt somit eine Aufarbeitung ihrer Kindheit dar, was sie selbst als Privileg zu sublimieren bezeichnet. Im Jahr 1938 ging sie nach New York, gemeinsam mit ihrem Mann Robert Goldwater, der dort einen Lehrauftrag als Kunsthistoriker annahm. Die beiden haben drei Söhne[8].

[Bearbeiten] Werk

Louise Bourgeois hat sich im Laufe ihres künstlerischen Schaffens mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken auseinandergesetzt. Dabei nimmt sie in einigen Bereichen eine Pionierrolle ein: So ist sie eine der ersten Künstlerinnen, die installativ arbeitete, indem sie ihre Skulpturen als zusammenhängende Teile in einem räumlichen Kontext arrangierte. Ihre Experimentierfreudigkeit führt sie immer wieder zu neuen Verarbeitungsmöglichkeiten und Materialkombinationen. Beispielsweise dienen bei einigen der seit Mitte der neunziger Jahre entstandenen Stofffiguren die verarbeiteten Kleidungsstücke aus Kindheit und Jugend als Fülle sowie als Umhüllung – sie sind Material und Thema, Inhalt und Form.

[Bearbeiten] Ausstellungen

Der internationale Kunstbetrieb wurde erst spät auf Louise Bourgeois aufmerksam, deren Werke zunächst ausschließlich in den Vereinigten Staaten Beachtung fanden, insbesondere in New York. Dort wurden in Einzelausstellungen erstmals ihre Zeichnungen (1945) und die in der Zeit von 1941 bis 1953 geschaffenen Skulpturen (1979) der Öffentlichkeit gezeigt. 1980 folgte die Ausstellung ihrer Skulpturen aus den Jahren 1955 bis 1970. Nachdem das New Yorker Museum of Modern Art Louise Bourgeois 1982 eine Retrospektive gewidmet hatte, folgten weitere US-amerikanische Museen. Ab 1989 waren ihre Werke auch in verschiedenen europäischen Ländern zu sehen.

Die Japan Art Association würdigte Louise Bourgeois' Lebensleistung 1999 mit der Verleihung des Praemium Imperiale, dem bedeutendsten Preis für Zeitgenössische Kunst. Beim Kunstkompass 2005 belegte sie den fünften Platz, 2009 ist sie mit dem dreizehnten Platz die erfolgreichste Frau im Ranking.[9]

Internationales Interesse erweckte Louise Bourgeois mit der Teilnahme an der documenta IX in Kassel (1992) und der Biennale in Venedig (1993). 1994 zeigte die Kestnergesellschaft in Hannover das Werk der amerikanischen Bildhauerin.[7] Im Jahr 1996 widmeten die Deichtorhallen in Hamburg ihrem Werk eine große Retrospektive. Im Frühjahr 1999 fand die Ausstellung Spinnen, Einzelgänger, Paare in der Kunsthalle Bielefeld statt. Gezeigt wurden ihre Werke unter anderem auch auf der Melbourne International Biennial 1999, auf der Documenta 11 (2002), sowie in Ausstellungen in Berlin (Akademie der Künste, 2003), Dublin (Irish Museum of Modern Art, 2003/04), Augsburg (Neue Galerie im Höhmannhaus, 2005), Kunsthalle Bielefeld (2006), Kunsthalle Wien (2006), und Philadelphia Museum of Art.

Die Tate Modern widmete 2007 in London der Künstlerin zeitgleich mit ihrem 95. Geburtstag eine umfangreiche Retrospektive. Vom 5. März bis zum 2. Juni 2008 stellte das Centre Georges Pompidou in Paris einige ihrer Werke aus. Weitere Ausstellungen: Solomon R. Guggenheim Museum (New York) und Museum of Contemporary Art (Los Angeles).

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Louise Bourgeois "Kulturzeit extra": ein Porträt - Artikel bei 3sat.de
  2. Louise Bourgeois "Kulturzeit extra": ein Porträt - Artikel bei 3sat.de
  3. Louise Bourgeois - Video bei Youtube (französisch)
  4. Alles ist möglich in New York "Kulturzeit extra": Louise Bourgeois - ein Porträt - Teil 2 - Artikel bei 3sat.de
  5. www.tate.org - Room Guide - Room 6 (englisch)
  6. artcritical.com (englisch)
  7. a b Die alte Dame als Folterknecht, Die Kestnergesellschaft in Hannover zeigt das Werk der amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois, von Elke von Radziewsky (ZEIT ONLINE; 38/1994)
  8. Kunsthalle Bielefeld: Biografie
  9. http://www.kurier.at/kultur/322613.php

[Bearbeiten] Weblinks, Quelle

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