Lynchjustiz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Mit Lynchjustiz wird die eigenmächtige, illegale Exekution tatsächlicher oder vermeintlicher Verbrecher oder unliebsamer Personen ohne richterliches Verfahren bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Etymologie

Die Herkunft des Begriffs Lynchjustiz ist nicht eindeutig geklärt. Je nach Quelle werden unterschiedliche Personen als Namensgeber genannt. Darunter:

  • Charles Lynch, ein als willkürlich bekannter Oberst und Richter, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sowohl englandtreue Loyalisten als auch vermeintlich kriminelle ohne ordentliches Gerichtsverfahren bestrafen ließ (meist durch Auspeitschen).
  • John Lynch, der Ende des 16. Jahrhunderts von den Bewohnern North Carolinas mit unumschränkter richterlicher und exekutiver Gewalt ausgestattet wurde.
  • William Lynch (1742–1820) aus Virginia. Er organisierte eine Bürgerwehr in Pittsylvania County, um eine berüchtigte Räuberbande zu fangen und zu bestrafen.
  • James Lynch, Bürgermeister der irischen Stadt Galway, der 1493 in einem Mordprozess gegen seinen Sohn als Ankläger und Richter und nach dessen Verurteilung auch als Henker auftrat.[1]

[Bearbeiten] Lynchen als Instrument der Einschüchterung

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg wurde „Lynching“ immer mehr zu einem Terrorinstrument gegen Schwarze, oft praktiziert von Mitgliedern des Ku-Klux-Klans.

Als Lynchen bezeichnet man seither die Bestrafung (insbesondere mit dem Tod) ohne richterliches Urteil durch eine (unter Umständen von einem Agitator aufgebrachte) Volksmenge (Mob).

Siehe auch: Emmett Till, Strange Fruit

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • James Allen (Hrsg.): Without Sanctuary. Lynching Photography in America. Twin Palms Publications, 2000, ISBN 0-944092-69-1 (mit Online-Begleitmaterial)
  • Philip Dray: At the Hands of Persons Unknown. The Lynching of Black America. Random House, New York 2002, ISBN 0-375-50324-2 oder ISBN 0-375-75445-8
  • Jacqueline Goldsby: A Spectacular Secret: Lynching in American Life and Literature. Chicago 2006, ISBN 978-0-226-30137-2
  • Judith Ketelsen: Das unaussprechliche Verbrechen. Die Kriminalisierung der Opfer im Diskurs um Lynching und Vergewaltigung in den Südstaaten der USA nach dem Bürgerkrieg. Lit, Münster 2000, ISBN 3-8258-4498-6
  • Sascha W. Krause: The anatomy of resistance. The rhetoric of anti-lynching in American literature and culture, 1892–1936. Dissertation, Universität Regensburg 2006 (Volltext)
  • Ida B. Wells-Barnett: Mob Rule in New Orleans. Robert Charles and His Fight to Death, the Story of His Life, Burning Human Beings Alive, Other Lynching Statistics. 1900 (E-Text)
  • Ida B. Wells-Barnett: The Red Record. Tabulated Statistics and Alleged Causes of Lynching in the United States. 1895 (E-Text)
  • Ida B. Wells-Barnett: Southern Horrors. Lynch Law in All Its Phases (E-Text)

[Bearbeiten] Quellen

  1. Patrick Bauser: Der Westen Irlands. In: FH-Zeitung, 2005.

[Bearbeiten] Weblinks

http://www.withoutsanctuary.org/main.html

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen