Mathias Döpfner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Mathias Oliver Christian Döpfner (* 15. Januar 1963 in Bonn) ist Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer AG.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Döpfner und seine Ehefrau Ulrike (geborene Weiß, Tochter von Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Ulrich Weiß) leben in Potsdam.

Der Germanist, Theater- und promovierte Musikwissenschaftler begann seine Karriere 1982 als Musikkritiker des Feuilletons der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nachdem er als FAZ-Korrespondent in Brüssel und als Geschäftsführer einer Tochterfirma der Konzertagentur Winderstein gearbeitet hatte, wechselte Döpfner 1992 zu Gruner + Jahr - zunächst als Mitarbeiter von Vorstandsmitglied Axel Ganz in Paris, später als Assistent des Vorstandschefs Gerd Schulte-Hillen.

Im April 1994 wurde Döpfner Chefredakteur der Berliner Wochenzeitung Wochenpost. 1996 übernahm er den Chefredakteursposten des Hamburger Boulevardblatts Hamburger Morgenpost. Im März 1998 wechselte er als Chefredakteur zur Tageszeitung Die Welt der Axel Springer AG. Unter seiner Führung wurde das Blatt inhaltlich und vor allem optisch grundlegend überarbeitet. Am 26. Februar 2008 gab Axel Springer bekannt, dass die WELT-Gruppe erstmals einen Gewinn erwirtschaftet habe. [1]

[Bearbeiten] Axel Springer AG

Seit Juli 2000 ist Döpfner Mitglied des Vorstands der Axel Springer AG, seit Oktober 2000 zusätzlich Vorstand Zeitungen, seit 1. Januar 2002 Vorstandsvorsitzender und Vorstand Zeitungen. Zuvor hatte mit Claus Larass ein aussichtsreicher Mitbewerber um diesen Posten das Unternehmen verlassen. Seit Jahresbeginn 2008 heißt sein Vorstandsbereich „WELT-GRUPPE, Regionalzeitungen und Internationales“. Er übernahm die Führung der Axel Springer AG in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Nachdem das Unternehmen im Boom-Jahr 2000 mit 98 Mio. Euro weniger Gewinn gemacht hatte als im Vorjahr, musste es für das Wirtschaftsjahr 2001 erstmals seit seinem Bestehen einen Verlust von 198 Mio. Euro verkraften. Ursachen des negativen Ergebnisses waren vor allem die hohen Aufwendung für Restrukturierungsmaßnahmen.

Döpfner überraschte seine Kritiker durch einen harten und erfolgreichen Synergiekurs. Bis zum Frühjahr 2006 reduzierte Döpfner die Zahl der Mitarbeiter um ein Drittel – von 14 000 auf knapp 9000. Gleichzeitig veräußerte Springer verlustbringende Tochterfirmen. Umstritten war die von ihm angeordnete Zusammenlegung der Redaktionen von „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Mittlerweile wird das Kooperationsmodell von Verlagen wie WAZ, Gruner+Jahr und Madsack in ganz Deutschland kopiert.

Mit diesen Maßnahmen führte er den Verlag ab 2001 wieder in die Gewinnzone und steigerte in den Folgejahren kontinuierlich die Profitabilität des Unternehmens. Das Management wurde verjüngt und wichtige Posten mit Vertrauten Döpfners aus seiner Generation besetzt. Im Springer-Vorstand ist Lothar Lanz zuständig für Finanzen und Dienstleistungen, Andreas Wiele für die BILD-Gruppe und Zeitschriften, Rudolf Knepper für Technik und Logistik.

2002 verlangte Döpfner die Einlösung einer Verkaufsoption von Springer-Anteilen an dem Leo-Kirch-Unternehmen ProSieben/Sat1. Die hierfür fälligen 770 000 000 Euro konnte der Münchner Filmhändler jedoch nicht aufbringen – der Anfang vom Ende des Medienimperiums KirchMedia, das im April 2002 in Insolvenz ging. Der Springer-Partner Leo Kirch hielt damals 40 % am Springer-Verlag.

Unter Döpfners Ägide wurde im August 2005 die – letztlich an einer Untersagung des Bundeskartellamts gescheiterte – Übernahme des TV-Sender-Konglomerats ProSiebenSat.1 eingefädelt.

Mathias Döpfner wurde von den Lesern der Sprachzeitung „Deutsche Sprachwelt“ zum „Sprachwahrer des Jahres 2004“ gewählt. Döpfner hatte Anfang August 2004 durchgesetzt, dass die Springer-Presse im Oktober 2004 auf die traditionelle Orthographie umgestellt wurde. Der Springer-Konzern vollzog inzwischen eine erneute Kehrtwende zur neuen Rechtschreibung.

Döpfner gilt als enger Vertrauter der Großaktionärin des Springer-Konzerns und Witwe des Konzerngründers Axel Springer, Friede Springer, die zugleich Patin eines seiner Kinder ist. Im Juli 2006 kaufte er ihr für 52 360 000 Euro einen 2 %-Anteil an der Springer AG ab. Dabei erhielt Döpfner die 680 000 Aktien zum Vorzugspreis von 77 Euro das Stück, knapp 27 % weniger als der damalige Aktienwert an der Börse (104,50 Euro)[2], Ende Juli verkündete der Konzern das gestiegene EBITA.[3]

Im Juni 2007 erwarb die Axel Springer AG die Mehrheit an dem Postdienstleister PIN Group AG, an dem das Unternehmen gemeinsam mit den anderen Gründungsgesellschaftern Holtzbrinck, WAZ und Rosalia seit 2004 beteiligt war. Durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns - der inzwischen am 18. Dezember 2008 von dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg für rechtswidrig erklärt wurde - [4] entfiel der entscheidende Wettbewerbsvorteil der privaten Postdienstleister. Die Beteiligung an der PIN Group AG wurde zur Fehlinvestition. Im Dezember 2007 schrieb die Axel Springer AG die Beteiligung ab und zog sich aus dem Postgeschäft zurück.

Für das Unternehmen zog Döpfner die Lehre: „Wachstum der Zukunft liegt in der Digitalisierung und im Ausland“. Aktuell werden etwa 15% des Umsatzes Online erzielt, 25% des Umsatzes kommen aus dem Ausland. Im Geschäftsjahr 2008 wurde mit dem fünften operativen Rekordergebnis in Folge eine EBITDA-Rendite von 17,8% erzielt.[5]

[Bearbeiten] Aufsichtsratsmandate

Seit Juli 2006 ist Döpfner Mitglied im Aufsichtsrat des US-Medienkonzerns Time Warner. Seit 2008 ist er auch Mitglied im Aufsichtsrat von RHJI. Weiterhin ist Döpfner Mitglied im Aufsichtsrat der dpa.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Werke

  • Mathias O. C. Döpfner, Thomas Garms: Neue Deutsche Welle. Kunst oder Mode? Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1984, ISBN 3-548-36505-1 (Ullstein-Buch, 36505; Populäre Kultur)
  • Mathias O. C. Döpfner, Thomas Garms: Erotik in der Musik. Frankfurt/Main; Berlin: Ullstein, 1986, 208 S., ISBN 3-548-36517-5 (Ullstein-Buch, 36517; Populäre Kultur)
  • Mathias O. C. Döpfner: Musikkritik in Deutschland nach 1945. Inhaltliche und formale Tendenzen; eine kritische Analyse. Zugleich: Dissertation, Universität Frankfurt (Main), 1990. Frankfurt am Main; Bern; New York; Paris: Lang, 1991, 334 S., ISBN 3-631-43158-9 (Europäische Hochschulschriften, Reihe 36, Musikwissenschaft Band 59)
  • Brüssel. Das Insider-Lexikon. München: Beck, 1993, 156 S., ISBN 3-406-37397-6 (Beck'sche Reihe; 1007)
  • Axel Springer. Neue Blicke auf den Verleger; eine Edition aktueller Autorenbeiträge und eigener Texte [Hrsg.: Mathias Döpfner]. [Hamburg]: Springer, 2005, 256 S., ISBN 3-9809879-9-X

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. WELT-Gruppe schreibt erstmals schwarze Zahlen. In: WELT ONLINE.
  2. FTD: Springer schenkt Döpfner Aktien, 23. Juli 2006, S. 1
  3. Pressemitteilung
  4. Richter stoppen Post-Mindestlohn: "[1]
  5. Geschäftsbericht der Axel Springer AG
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen