Mittelsteinzeit

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Steinzeit

Als Mesolithikum (griech. mesos = in der Mitte, mittlere; lithos = Stein; deutsch Mittelsteinzeit) wird in Mitteleuropa die Epoche der nacheiszeitlichen Jäger und Sammler im Anschluss an die Altsteinzeit bis zum Beginn der Jungsteinzeit und der damit einhergehenden produzierenden Wirtschaftsweise bezeichnet. Das Mesolithikum ist die Zeit der letzten Wildbeuter in Mittel- und Nordeuropa. Verbreitet ist es von den Britischen Inseln im Westen bis Nordrussland im Osten. Es beginnt mit dem Übergang vom Pleistozän zum Holozän nach dem Ende der Würmeiszeit bzw. Weichseleiszeit etwa um 9.600 v. Chr. (am Ende der Jüngeren Dryas) und endet mit den ersten bäuerlichen Kulturen zwischen 5.800 v. Chr. (südliches Mitteleuropa) bzw. 4.300 v. Chr. (Ostseeraum).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Gliederung

Das Mesolithikum wurde als Begriff 1874 von Otto Martin Torell eingeführt. Im romanischen Sprachraum und in Südeuropa wird dieser Zeitabschnitt bis heute Epipaläolithikum genannt. Das Mesolithikum lässt sich - vor allem über Unterschiede der Geräteeinsätze, sogenannter Mikrolithen - in Frühmesolithikum (9.600 – 7.000/ 6.500 v. Chr.) und Spätmesolithikum (ca. 7.000/ 6.500 – 5.500/ 4.500 v. Chr.) unterteilen.

Für das Frühmesolithikum sind vor allem Dreiecksmikrolithen kennzeichnend, für das Spätmesolithikum dagegen Trapezmikrolithen und gedrückte Makroklingen. Diese Formen sind regional unterschiedlich ausgeprägt: Für Süddeutschland ist vor allem die Jägerhaushöhle und weitere Fundstellen um Beuron von Bedeutung, hier wurde auch der Begriff Beuronien für das Frühmesolithikum geprägt.[1][2]

In Norddeutschland erfolgt die Unterteilung in die Duvensee-Gruppe und Oldesloer Gruppe, in Dänemark in die Maglemose-Kultur, Kongemose-Kultur und Ertebølle-Kultur.[3]

Im nördlichen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen entspricht älteres und jüngeres Mesolithikum der Halterner Stufe und Boberger Stufe, sowie der Hülstener Gruppe (jüngeres Mesolithikum im westlichen Nordrhein-Westfalen).[4]

Auf den britischen Inseln fehlen Trapeze, hier finden sich auch im Spätmesolithikum großformatige Industrien, wie das Larnian (nach Larne in Nordirland, ab ca. 6.000 v. Chr.) sowie das Obanian (nach Oban, Grafschaft Argyll im westlichen Schottland, ab ca. 4.000 v. Chr.).[5][6][7]

Das Ende der Mittelsteinzeit ist mit den ersten bäuerlichen Kulturen verbunden: Diese traten zwischen 5.800–5.500 v. Chr. im südlichen Mitteleuropa auf (La-Hoguette-Gruppe, Alföld-Linearkeramik, Körös-Kultur, Linienbandkeramik), aber erst um 4.500/4.300 v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa (Trichterbecherkultur).

[Bearbeiten] Bestattungen

Mesolithische Bestattungen sind eher selten, aus dem späten Mesolithikum sind aber, besonders aus Dänemark und Südschweden, einige Friedhöfe bekannt (Skateholm, Vedbaek-Bogebakken). Auf den Inseln Hoëdic und Île Téviec am Golf von Morbihan wurden Steinplatten als Grabeinfassungen verwendet.[8] Gräberfelder mit Einzelbestattungen gibt es in gestreckter Rückenlage, aber auch aufrecht sitzend (zum Beispiel Olenij Ostrow, Karelien).[9] In der Blätterhöhle bei Hagen wurden frühmesolithische Menschenreste entdeckt, die mit Höhlenfunden aus Belgien und Frankreich vergleichbar sind.[10]

Ein besonderes Merkmal des Spätmesolithikums sind Kopfbestattungen, wie in der Großen Ofnet-Höhle bei Nördlingen, im Hohlenstein-Stadel im Lonetal und die Höhlenruine „Hexenküche“ auf dem Kaufertsberg bei Lierheim (Landkreis Donau-Ries).[11]

[Bearbeiten] Materielle Kultur

Mikrolith

Kennzeichnend für diese Epoche sind winzige Waffenprojektile aus Feuerstein und anderen Rohmaterialien, die sogenannten Mikrolithen. Man unterscheidet Mikrolithen aus speziellen, sehr kleinen Klingen (Mikroklingen) und geometrische Mikrolithen, die durch das gezielte Zerbrechen und anschließende Retuschieren größerer Klingen hergestellt wurden. In Nordeuropa wurden geschäftete Feuerstein-Beile, sogenannte Kern- und Scheibenbeile, zur Holzbearbeitung verwendet.

Außerdem gibt es wegen Einlagerung der Funde in Torf aus vielen archäologischen Fundstellen eine hervorragende organische Erhaltung, zum Beispiel Fischnetze aus Bast (Fundstelle Friesack), Reusen, Birkenrindengefäße und Angelhaken aus Feuerstein. Einbäume und Paddel sind mehrfach belegt.[12] Aus Friesack sowie aus Niordrussland sind Bogenfunde aus verschiedenen Nadelhölzern belegt. Bei den sogenannten "Wächterbogen" aus Nordrussland handelt es sich um fest installierte Bogenfallen.[13][14]

An Kunstwerken gibt es Felsbilder sowie Kleinkunst in Form von reich verzierte Knochen- und Geweihgeräten. Menschenfiguren und Elchzepter aus Geweih gibt es aus dem Gräberfeld der Fundstelle Olenij Ostrow (Karelien).

[Bearbeiten] Siedlungsweise

Nachdem bereits im Gravettien (zum Beispiel in Dolní Věstonice und Pavlov) Lagerplätze langfristig bewohnt waren, nahm die Sesshaftigkeit in der Mittelsteinzeit allgemein zu. Das verminderte Schweifgebiet der Jäger und Sammler lässt sich unter anderem an der Herkunft von Feuerstein-Rohmaterial belegen. Die Menschengruppen der Mittelsteinzeit nutzten mehrere Siedlungsplätze saisonal über Jahre hinweg. Ursache war insbesondere die bessere Verfügbarkeit von Sammelgut (Früchte etc.), verbesserte Techniken zum Kleintierfang und die Entwicklung der Fischerei. Die Jagd findet verstärkt auf einzelne Beutetiere statt, da die großen Herden der ausgehenden Altsteinzeit wie Rentiere oder Wildpferde verschwunden sind. Das Beutespektrum der Mittleren Steinzeit besteht vorwiegend aus waldbewohnenden Tieren, wie Rothirsch, Wildschwein und Reh. Daneben ist auch Jagd auf Vögel und Kleintiere nachgewiesen.

[Bearbeiten] Umwelt

Das Mesolithikum war vom Zurückweichen des Eises der letzten Eiszeit in Nordeuropa und der damit verbundenen schnellen Erwärmung des Klimas während des Präboreal geprägt. In den Gebieten, die vorher von eiszeitlichen Tundren bestimmt waren, entwickelten sich erst lichte, dann aber immer dichtere Wälder. Auf dem Kiefern-Birkenmischwald des Boreals folgte mit der Einwanderung wärmeliebender Arten Hasel und schließlich der Eichenmischwald des Atlantikums. Die Besiedlungsgrenze verschob sich nach Norden.

[Bearbeiten] Literatur

  • Arora, S. K. (1976): Die mittlere Steinzeit im westlichen Deutschland und in den Nachbargebieten. Rheinische Ausgrabungen 17. Köln & Bonn, 1-68.
  • Judith M. Grünberg: Mesolithische Bestattungen in Europa, ein Beitrag zur vergleichenden Gräberkunde. Diss. Münster 1994. Internationale Archäologie. Bd 40. Leidorf, Rahden 2000, ISBN 3-89646-312-8
  • Bonsall, C. (1990, Hrsg.): The Mesolithic in Europe. Kolloquium Edinburgh 1985. Edinburgh.
  • Gehlen, B.; Heinen, M. & Tillmann, A. (2001, Hrsg.): Zeit-Räume. Gedenkschrift für Wolfgang Taute. Archäologische Berichte 14. Köln & Bonn.
  • Lehmann, T. (1991), Göttinger Typentafeln zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas: Mesolithikum. Göttingen (Arbeitsgruppe Typentafeln).

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Taute, W. (1971): Untersuchungen zum Mesolithikum und zum Spätpaläolithikum im südlichen Mitteleuropa. Band 1: Chronologie Süddeutschlands. Habilitationsschrift Tübingen.
  2. Taute, W. (Hrsg., 1980): Das Mesolithikum in Süddeutschland. Teil 2: Naturwissenschaftliche Untersuchungen. Tübinger Monographien zur Urgeschichte 5/2 (1978). Tübingen.
  3. K. Bokelmann, Duvensee, Wohnplatz 9. Ein präborealzeitlicher Lagerplatz in Schleswig-Holstein. Offa 48, 1991, 75-114.
  4. Walther Adrian: Beiträge zur Steinzeitforschung in Ostwestfalen. Teil II. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld um Umgegend über die Jahre 1954 und 1955. Bielefeld 1956. 121 S.
  5. Bonsall, C., Macklin, M.G., Anderson, D.E. & Payton, R.W. (2002), Climate change and the adoption of agriculture in north-west Europe. European Journal of Archaeology, 5(1): S. 7–21.
  6. Clive Bonsall, Rethinking the 'Obanian Problem': Direct evidence for the exploitation of coastal resources in the mesolithic of western Scotland. In: Graham Ritchie (ed.), The archaeology of Argyll. Edinburgh (University Press), S. 25–37.
  7. Bonsall, C. & Sutherland, D.G. (1992), The Oban caves. In M.J.C. Walker, J.M. Gray & J.J. Lowe (eds), The South-West Scottish Highlands: Field Guide, pp. 115–121. Cambridge: Quaternary Research Association.
  8. Péquart, M.; Péquart, S.-J.; Boule, M. & Vallois, H. (1937): Téviec, station-nécropole mésolithique du Morbihan. Archives de l'Institute Paléontologie Humaine, Mémoire 18. Paris.
  9. Mat. I. Issleddovania p. Arch. SSSR 47, 1956
  10. Jörg Orschiedt, Jan F. Kegler, Birgit Gehlen, Werner Schön und Flora Gröning: Die Blätterhöhle in Hagen (Westfalen). Vorbericht der ersten archäologischen Untersuchungen, in: Archäologisches Korrespondenzblatt 38/ 2008, H 1.
  11. Jörg Orschiedt: Ergebnisse einer neuen Untersuchung der spätmesolithischen Kopfbestattungen aus Süddeutschland. In: Conard, N. J. & Kind, C.-J. (Hrsg.): Aktuelle Forschungen zum Mesolithikum – Current Mesolithic Research. Urgeschichtliche Materialhefte 12. Tübingen, 1998. S. 147-160.
  12. Gramsch, B.: Friesack - Letzte Jäger und Sammler in Brandenburg. Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz 47 (2000), 51-96.
  13. Burov, G. 1980, Der Bogen bei den mesolithischen Stämmen Nordosteuropas. - Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 14/ 15, 373-88.
  14. Leif Steguweit, Bogenfallen - Aus der Trickkiste der Steinzeit. Traditionell Bogenschiessen 21, 2001. S. 21-24.

[Bearbeiten] Weblinks

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