Moche

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Dieser Artikel handelt von der Mochica-Kultur. Für die gleichnamige Sprache in derselben Region siehe Muchik.
Das Verbreitungsgebiet der Mochica-Kultur
Mochica-Keramik

Die Moche-Kultur (auch Mochica genannt), benannt nach dem Fluss Moche, entwickelte sich vom 1. Jahrhundert bis zum 8. Jahrhundert an der Nordküste Perus (Südamerika). Sie hatte wie ihre Nachfolger, die Chimú, ihr Zentrum in der Gegend der modernen Stadt Trujillo.

In der hochentwickelten Moche-Kultur konnten die Bauern, dank eines Terrassierungs- und Bewässerungssystems, das das Wasser aus dem Hochland der Anden in der wüstenartigen Region des Rio Moche verteilte und einer besonders ausgeklügelten Ackerbautechnik zwei bis drei Ernten pro Jahr zu erwirtschaften. Neben Mais, der die Grundlage der Ernährung bildete, konnte noch eine Vielfalt an Kulturpflanzen nachgewiesen werden, wie Bohnen, Erdnüsse, Chili, Avocados, Kartoffeln, Kürbisse, Baumwolle und Getreide. Ein Teil des Maises wurde auch zur Herstellung von Chicha, einem alkoholhaltigen Bier verwendet. Außerdem widmeten sich die Mochica der Züchtung von Enten, Meerschweinchen und einer besonders an das Küstenklima angepassten Lamaspezies. So gesicherten überschüssige Waren eine stabile Wirtschaft. Auch der Handel war für die Moche von existenzieller Bedeutung, sie pflegten ein komplexes Netzwerk kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen in unterschiedlichste Himmelsrichtungen.

Entlang der bewässerten Täler bildeten sich unabhängige Städte mit eigenen Königen und Priesterschaften.

Ebenso wird bei Ausgrabungen deutlich, dass die Moche viele Rituale, welche Blut beinhalteten, abhielten. Nach Untersuchungen vieler Skelette konnte man feststellen, dass jene bei Opferritualen den Göttern geopfert wurden, um fruchtbaren Regen, welcher ja in der Wüstenregion äußerst selten war, zu erbitten. Funde belegen, dass in der Kultur der Mochica eine Frau die Position der Hohepriesterin bekleidete, die etwa auf einer Darstellung dem Herrscher das Blut der Opfer in einem Kelch darbietet. Wer die Opfer waren, wird von Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. So nehmen Christopher Donnan und Izumi Shinada an, dass es sich um Verlierer ritueller Kämpfe unter Mitgliedern der lokalen Eliten handelte. John Verrano und Richard Sutter andererseits gehen davon aus, dass die Opfer Krieger waren, die in Auseinandersetzungen mit anderen Mochica-Siedlungen oder angrenzenden Völkern gefangen wurden.

Eine Theorie zum Untergang der Mochica besagt, dass eine starre Ideologie zum Ende dieser Kultur beigetragen haben könnte: die Mochica investierten offensichtlich sehr viel Energie in ihre Rituale. So opferte man meist die jungen und produktiven Mitglieder der Gemeinschaft. Produktivität aber ist eine Voraussetzung für das Weiterbestehen einer Kultur. Durch das Opfern der eigenen Jugend beraubten sich die Mochica vermutlich selbst der Grundlage für eine mögliche Zukunft.

Das Handwerk war hoch entwickelt. So verfügten die Mochica über eine ausgeprägte Technologie der Metallverarbeitung. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Die Mochica beherrschten auch die Technik der Legierung von Kupfer und stellten so Tumbago her. Sie waren bereits in der Lage Kupferoberflächen zu vergolden, ein Verfahren, welches in Europa erst im späten 18. Jahrhundert möglich wurde, dank der Entdeckung der Elektrolyse.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Keramik

Ebenso hochentwickelt war die Keramik, ein großer Prozentsatz der gesamten Fundstücke dieser Kultur sind Tongefäße und sie sind so lebensnah, das sie als „keramisches Bilderbuch“ bezeichnet wurden. Berühmt sind die Steigbügelgefäße, bekannt geworden durch die realistischen lebendigen Darstellungen, insbesondere von typische Porträts, Tiere, Pflanzen, Dämonen, allerlei Tätigkeiten, Krieg, Sexualleben, Rituale und Mythologie. Unklar ist, ob es sich bei den vielfältigen erotischen Darstellungen und überdimensionale Geschlechtsteile um spontane, lebensbejahende Äußerungen handelt oder ob auch dieser Komplex wie viele andere in den religiös-rituellen Bereich gehört. Auch die Häufigkeit der Darstellung des sowohl homo- als auch heterosexuellen Analverkehrs wirft zahlreiche Fragen auf[1]

Speziell in der Massenproduktion von Keramikgefäßen fanden immer wieder Modeln Verwendung, die die Herstellung von großen Mengen gleichartiger Gefäße ermöglichten. Als Modeln wurden zweiteilige Formen aus Keramik verwendet, in die der frische Ton eingedrückt wurde. War dieser ein wenig getrocknet, ließen sich die jeweiligen Gefäßhälften problemlos aus den Formen entfernen und aneinander setzen. Auch wenn die Nähte anschließend meist verschmiert wurden, lassen sie sich bei manchen Gefäßen noch erkennen.

[Bearbeiten] Señor de Sipán

Bei Huaca Rajada wurde im Februar 1987 eine ungestörte Grabanlage gefunden und ausgegraben. Der Leiter der Ausgrabungen der Königsgräber von Sipán war der peruanische Archäologe Walter Alva Alva, dem damaligen Direktor des Brüning Museums von Lambayeque. Alva kam damals den Grabplünderern zuvor. [2] Es handelt sich um das Grab eines heute als Señor de Sipán (Herr von Sipán) bezeichneten Fürsten sowie um Gräber seines Hofstaates aus dem 3. Jahrhundert. Der Herrscher befand sich im Grab in Begleitung seiner Konkubinen und weiterer Angehöriger seines Volkes, von denen zum Zeitpunkt seines Todes einige geopfert worden waren. In der rechten Hand hielt er ein goldenes Zepter, die Grabdarstellung zeigt zu seinen Füßen besiegte und unterworfene Gegner. Kopf und Ohrschmuck dienten als sichtbare Zeichen der Regentschaft.

Im 7. Jahrhundert brechen die Funde plötzlich ab. Es wird vermutet, dass ein oder mehrere besonders starke El Niño-Ereignisse über 30 Jahre hinweg zu starken Regenfällen und zur Zerstörung der Bewässerungsinfrastruktur geführt hatten. Anschließend folgte eine ebenfalls rund dreißigjährige Dürre, die schließlich dazu führte, dass die Moche ihre großen Städte aufgaben und kleinere Siedlungen im Hinterland bildeten. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass es in dieser Zeit zu einem Bürgerkrieg um die verbliebenen Nahrungs- und Wasserresourcen kam, wobei die sozialen Unruhen und die andauernde Hungersnot schließlich zum Untergang der Mochicakultur führte.

Hinsichtlich der verfügbaren Technologien kann die Mochica-Kultur mit der Kupferzeit und der Bronzezeit in Europa und dem Orient verglichen werden.

Die Mochica bauten die beiden Adobepyramiden Huaca del Sol und Huaca de la Luna, die größten Bauten, die jemals im alten Südamerika errichtet wurden.

Die Mochica hatten noch keine eigene Schrift, hinterließen aber mit ihren piktographischen Darstellungen ein lebendiges Bild ihrer Lebenswelt.

2002 fand die Inauguration des Museo Tumbas Reales de Sipán (Museum der Königsgräber von Sipán) statt. Es ist as einer Moche-Pyramide nachgebildet und dessen jetzige Direktor ist Walter Alva Alva. In ihm werden die Schätze der Moche-Kultur, über 400 goldene, silberne und juwelenbesetzte Schmuckstücke und das neue Mausoleum des "Herrn von Sipán" ein dokumentiert.


[Bearbeiten] Señora de Cao

Die Señora de Cao war eine Herrscherin der Moche-Kultur, ihre gut erhaltene Mumie wurde 2005 in der Cao-Pyramide, einer eigens für die Herrscherin errichteten Grabstätte gefunden. Die Archäologen um Regulo Franco Jordan und seinen Kollegen Juan Vilela Puelles bargen mit Unterstützung eines Schamanen eine weibliche Mumie - sie ist für die Geschichtsschreibung Altamerikas bisher einmalig: Eine etwa 28-jährige Frau, die inneren Organe, Finger- und Fußnägel, die langen schwarzen Haare sind in einem bemerkenswert guten Zustand; auch dass die mit Schlangen und Spinnen tätowierte Frau schwanger gewesen war, konnte nachgewiesen werden, bisher nicht jedoch woran sie gestorben ist. Ihre Grabbeigaben, eine Maske aus Gold, die ihr Gesicht bedeckte, der kostbare Schmuck, Keramiken, zwei zeremonielle Keulen und 28 Speerschleudern, sind eindeutige Insignien, mit denen bei den Moche ein Herrscher auf die Reise ins Jenseits geschickt wurde. Dazu passen auch die Skelette mehrerer Wachen, ebenso wie die Überreste eines strangulierten Mädchens, die Franco neben dem Grab entdeckte. Der Fund gilt deshalb als so sensationell, weil er zum ersten Mal eine Frau mit extrem großer religiöser und oder politischer Macht aus der Prä-Inkakultur belegt.

Der Ausgrabungskomplex Huaca El Brujo, eine 2 km² große Ruinenanlage etwa 60 km nördlich von Trujillo, stellte sich als zentraler Kultplatz der Moche im Chicama-Tal heraus, seit Mitte 2007 ist die Señora de Cao in einem Museum direkt an der Ausgrabungsstätte zu sehen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • A. R. Williams: Das Geheimnis der tätowierten Mumie. Wer war die Frau, die Archäologen jüngst in einem Moche-Grab in Peru fanden?, in: National Geographic Deutschland August 2006, S. 122-135
  • El Dorado: Das Gold der Fürstengräber / Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz / Museum für Völkerkunde. - Buchhandelsausg. Berlin, Reimer 1994, 243 Seiten.
  • Das Fürstengrab von Sipán: Entdeckung und Restaurierung / Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 1989, 31 Seiten.
  • Gold aus dem alten Peru: die Königsgräber von Sipán / Katalog der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 2001. - 296 Seiten.
  • Mona Suhrbier, Gerda Kroeber-Wolf: Augenblicke. Keramik der Moche und Shipibo, Peru. Erschien zur Ausstellung im Museum der Weltkulturen Frankfurt am Main (Galerie 37), Juni 2005, 110 Seiten.
  • Christian F. Feest, Peter Kann: Das Altertum der Neuen Welt. Voreuropäische Kulturen Amerikas. Berlin 1992.


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gerard van Bussel: Erotische Kunst des alten Peru, Ausstellungskatalog des Museums für Völkerkunde Wien, Wien 1996, insbes. S. 86
  2. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2001/01/16/a0119

[Bearbeiten] Weblinks

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