Neoklassizismus (Kunst)
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Neoklassizismus (oder Neuklassizismus) wird in der deutschsprachigen Kunstgeschichte der letzte formal einheitliche Kunst- und Architekturstil des Historismus im frühen 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Kulturraum genannt. Der eklektizistische Stil gilt gleichzeitig als Beginn der Moderne.[1]
In der Kunst sind bei Pablo Picasso, Giorgio De Chirico, Aristide Maillol, Carlo Carrà und Adolf von Hildebrand neoklassizistische Einflüsse zu erkennen.
In der Architektur bilden sich mit dem Neoklassizismus die bautechnischen und formalen Prinzipien der klassischen Moderne heraus, während die Ornamentik der Baustile Jugendstil, Art Nouveau und Liberty zurücktritt. Es werden noch einmal Ideen der griechischen und römischen Antike, des Barock und des Klassizismus, und klassizistische Elemente der Renaissance (Andrea Palladio) aufgenommen, die sich im monumentalen Erscheinungsbild, in Säulenanordnungen, in der räumlichen Disposition (rechtwinklige Grundrisse, Symmetrie) und in der tektonischen Struktur zeigen.
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[Bearbeiten] Begriff
Der Begriff wird in der Kunstgeschichte anderer europäischer Sprachen und Kulturräume anders verwendet als in der deutschen Kunstgeschichte für den deutschen Sprachraum.
Im französischsprachigen europäischen Kulturraum bezeichnet "Néoclassicisme" bildende Kunst und Literatur der Zeit zwischen 1750 und 1830. In etwa den gleichen Zeitraum umfasst im englischsprachigen europäischen Kulturraum der Begriff "Neoclassicism" (alternative Bezeichnungen "Neo-Classicism" und "Neo-classicism") und im spanischsprachigen Kulturraum "Neoclasicismo". Auch im niederländischsprachigen europäischen Kulturraum wird die bildende Kunst dieser Zeit zum Teil als "Neoclassicisme" bezeichnet.
Der unterschiedlichen Gebrauch des Stilbegriffs folgt aus der unterschiedlichen Stilentwicklung im deutschen und im sonstigen europäischen Kulturraum:
Im deutschsprachigen Kulturraum wird die Kunst nach Renaissance bzw. Manierismus als "Barock" bezeichnet. Die anschließende Rückbesinnung auf die antike Kunst nach 1750 hieß dementsprechend Klassizismus.
Im französisch-, englisch- und niederländischsprachigen Kulturraum wurde die bildende Kunst nach der Renaissance als "Classicisme" (französisch, niederländisch) und "Classicism" (englisch) bezeichnet.
[Bearbeiten] Entwicklung in der Architektur
Neoklassizistische Bauten überschreiten ihren maßstäblichen Bezug zum Menschen teils so monumental, dass sie ähnlich der sogenannten Revolutionsarchitektur von Claude-Nicolas Ledoux und Étienne-Louis Boullée psychologisch erhebend oder erdrückend wirken.
Französische wie auch skandinavische Bauten vereinfachten und reduzierten das Dekorum des Neoklassizismus tendenziell soweit, dass sie der klassischen Moderne ähneln (Krematorium in Stockholm, Palais de Tokyo in Paris).
In Deutschland und Österreich prägte sich der Neoklassizismus als klassische Moderne beziehungsweise internationaler Stil aus, bevor Expressionismus und Neue Sachlichkeit folgten. Im Nationalsozialismus verkam Neoklassizismus anschließend zur Herrschaftsarchitektur.
In Italien verhinderte die faschistische Variante der klassischen Moderne bis in die 1930er Jahre ein Wiederaufleben des Neoklassizismus. In den Vereinigten Staaten kann Neoklassizismus als nobilitierende architektonische Würdeformel gewertet werden. Wie in Frankreich wurde er seit den 1920er Jahren bis in die 1940er von Bauten im Stil des Art Deco begleitet.
Für den sowjetischen Einflussbereich blieb der Neoklassizismus bis weit in die 1950er Jahre verbindlich und fand seine Ausgestaltung als sogenannter sozialistischer Neoklassizismus, im Volksmund Zuckerbäckerstil.
[Bearbeiten] Neoklassizistische Bauten
Im Deutschen Kaiserreich: In Düsseldorf die Mannesmann-Verwaltung; in Köln die Festhalle der Werkbundausstellung 1914; in Serkowitz, heute Stadtteil von Radebeul, das Landhaus Weintraubenstraße 5 von Oskar Menzel, 1912/1913 und in Herne das Rathaus von Architekt Prof. Wilhelm Kreis (Düsseldorf), 1912.
Im nationalsozialistischen Neoklassizismus: In München der Ehrentempel für die Gefallenen der Bewegung und das Haus der Kunst; in Berlin die Neue Reichskanzlei und das Olympiastadion; in Weimar das Gauforum.
In Griechenland: Alle Bauten des deutsch-griechischen Architekten Ernst Ziller.
In Britannien: Tate Gallery of British Art in London.
In den USA: 30th Street Station in Philadelphia, Pennsylvania; Lincoln Memorial in Washington D.C.; National Gallery of Art in Washington (D.C.).
In Nordischen Ländern: Das finnische Parlament, Eduskuntatalo, in Helsinki; in Stockholm die Stadtbücherei und das Krematorium.
In Frankreich: In Paris das Palais de Chaillot 1937 und das Palais de Tokyo 1937.
In Luxemburg: In Luxemburg (Stadt) ArcelorMittal und Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat.
Im italienischen Faschismus: In Rom das Hauptgebäude der Universität La Sapienza, das Foro Italico, die Esposizione Universale di Roma.
Im Sozialistischen Neoklassizismus: In St. Petersburg das Haus der Sowjets; in Kiew der Palast des Zentralkomitees der kommunistischen Partei; in Moskau das Hauptgebäude der Lomonossow-Universität; in Bukarest der Parlamentspalast; in Warschau der Kulturpalast; in Dresden die Bebauung am Altmarkt; in Magdeburg zahlreiche zentrale Innenstadtbauten; in Leipzig die Ringbebauung mit Opernhaus; in Berlin die Karl-Marx-Allee; in Rostock die Lange Straße.
[Bearbeiten] Literatur
- Birk Engmann: Bauen für die Ewigkeit: Monumentalarchitektur des zwanzigsten Jahrhunderts und Städtebau in Leipzig in den fünfziger Jahren. Sax- Verlag. Beucha. 2006. ISBN 3-934544-81-9
- Svend Eriksen, Early Neoclassicism in France 1974.
- David Irwin, 1966. English Neoclassical Art: Studies in Inspiration and Taste
- Tyrannei des Schönen. Architektur der Stalin-Zeit. Hrsg. von Peter Noever. Wien, MAK. 1994. ISBN 3-7913-1340-1
- Hugh Honour, 1968. Neo-classicism (Reprinted 1977)
- Herbert Nicolaus; Alexander Obeth: Die Stalinallee: Geschichte einer deutschen Straße. Verlag für Bauwesen. Berlin. 1997. ISBN 3-345-00605-7
- Fritz Novotny, 1971. Painting and Sculpture in Europe, 1780-1880, 2nd edition. (reprinted 1980)
- Walter Friedlaender, 1952. David to Delacroix, (Originally published in German; reprinted 1980)
- Frank-Bertolt Raith: Der heroische Stil: Studien zur Architektur am Ende der Weimarer Republik. Verlag für Bauwesen. Berlin. 1997. ISBN 3-345-00606-5
- Robert Rosenblum, 1967. Transformations in Late Eighteenth Century Art
[Bearbeiten] Weblinks
- Neoclassicism in the "History of Art" (englisch)
- Neoclassicism Style Guide. British Galleries. Victoria and Albert Museum.(englisch)
- Neo-classical drawings in the Flemish Art Collection (englisch)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Gerhard Krause, Siegfried M Schwertner, Gerhard Müller u.a.; Gerhard Krause, Siegfried M Schwertner, Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie: Studienausgabe Teil II. Walter de Gruyter, 1990, S. S. 237,5.

