Null
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Null ist die einzige reelle Zahl, die weder positiv noch negativ ist. Bezüglich der Addition ist sie das neutrale Element. Weil die Zahl Null die Mächtigkeit der leeren Menge ist, wird sie je nach Definition auch zu den natürlichen Zahlen gezählt. Als ganze Zahl ist null Nachfolger von minus eins und Vorgänger von eins. Null ist gerade.
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[Bearbeiten] Die Geschichte der Null
Die Ziffer »0« ermöglichte die Bildung des Dezimalsystems, also des Stellenwertsystems mit der Basis 10, und damit auch die Entwicklung der modernen Mathematik. Das Begreifen des Wesens der Null als Zahl, also als Gegenstand von Rechenoperationen, entwickelte sich wohl erst nach der Erfindung der Null als Ziffer.
[Bearbeiten] Alte Welt
[Bearbeiten] Babylonier
Die erste Darstellung des Wertes Null findet man um 700 v. Chr. bei den Babyloniern auf der Insel Kish in Form von drei Haken, die als Leerzeichen verwendet wurden.[1] Der Wert Null wurde bei nicht-astronomischen Anwendungen soweit bekannt nur in der Mitte einer Zahl benutzt, nicht aber am Ende.[2]. Die Babylonier verwendeten die Null nicht als Teil eines positionalen Zahlsystems – das bei ihnen auf der Basis 60 beruhte – sondern als Unterscheidungszeichen von Zahlen.
[Bearbeiten] Indien und Buddhismus
- → Hauptartikel: Indische Ziffern
Die Anfänge des Dezimalsystems entwickelten sich im 3. Jahrhundert v. Chr. in Indien. Allerdings wurden je nach anzuzeigender Zehnerpotenz unterschiedliche Ziffernsymbole verwendet. Die Ziffer für die »eins« von »einhundert« war also eine andere als für die »eins« von »eintausend«. Im 5. Jahrhundert nach Chr. kam man dann – ebenfalls in Indien – auf die Idee, das System so zu vereinfachen, dass man für jede dezimale Stelle dieselbe Menge von 9 Ziffern (die heute als 1 bis 9 geschrieben werden) verwenden konnte: Dazu war es notwendig, für fehlende Werte auf einer bestimmten Zehnerpotenz ein neues Symbol zu verwenden, eine zehnte Ziffer. Als Bezeichnung für die Null benutzte man verschiedene Begriffe, so z. B. bindu (Sanskrit, m., Punkt) für die graphische Darstellung. Sehr beliebt war das Wortnumeral für Himmel bzw. Äther als Symbol für den leeren Raum (die Sanskritbegriffe kha, gagana, ambara, abhra, akāśa usw.). Dazu zählt auch das Wort śūnya (Sanskrit, n., शून्य, die Leere, das Nichts, das Fehlen), ein Begriff, der auch in der buddhistischen Madhyamaka-Philosophie als śūnyatā (Sanskrit, f., शून्यता, die Leerheit, die illusorische Natur der Phänomene) des Nāgārjuna in der Lehre von der Leerheit (śūnyatāvāda) vorkommt.[3] Auf Hindi wird noch heute die Null mit shunya bezeichnet.
Die früheste Verwendung der Null bei den Indern ist umstritten. Āryabhaṭa benutzte um 500 nach Chr. ein positionales Zahlsystem ohne Null. Allerdings verwendete er für die Position im Ziffernsystem das Wort »kha«, das später auch für Null gebraucht wurde[4]. Allgemein wird als erster gesicherter Beweis der Null als Zahl in Indien (schon früher in Südostasien) eine Steintafel aus dem Ort Gwalior 500 km südlich von Neu-Delhi mit den Daten 27. Dezember 786, 10. Januar 787 und 17. Januar 787 angesehen, die von einer Gartenanlage handelt, dessen Länge 270 (hastas) beträgt und 50 Blumengirlanden erhielt[5].
Die Inder beschäftigten sich mit der Null auch in Rechengesetzen. Dabei erkannten sie, dass eine Zahl minus sich selbst null ergibt. Somit erlangte die Null den gleichen Status wie die anderen Zahlen (Paradigmenwechsel). Solche Paradigmenwechsel vollziehen sich langsam. Erst 600 n. Chr. beschäftigten sie sich damit, was passiert wenn man null zu einer Zahl addiert und erkannten 5 Jahrhunderte später, dass bei der Addition bzw. Subtraktion mit null die Menge, ob positiv oder negativ, gleich bleibt. Bei der Subtraktion von null wechselt das Vorzeichen hingegen. Das Brahmasphuṭasiddhānta (628) von Brahmagupta ist, wenn man vom Zahlensystem der Mayas absieht, der früheste bekannte Text, in dem die Null als vollwertige Zahl behandelt wird.
Die früheste, schriftlich nachweisbare Verwendung der Null findet sich in der Inschrift K. 151 aus Sambor Prei Kuk Kambodscha vom Anfang des 7. Jahrhunderts und berichtet von der Errichtung einer Götterstatue am 14. April 598: das hier benutzte Jahr der Śaka-Ära ist 520, wobei die Null mit dem Begriff kha (Luftraum) wiedergegeben ist[6]. Die nachweislich erste Verwendung der Ziffer “Null” stammt ebenfalls aus Kambodscha, und zwar in der Inschrift K. 127, wo in Ziffern das Śakajahr »605« genannt wird, das unserem Jahr 683/84 entspricht[7]. Eine ganze Reihe von Inschriften, deren Datum die Ziffer »Null« enthält und die aus etwa der gleichen Zeit stammen, wurden in Sumatra gefunden. So berichtet die Inschrift von Kĕdukan Bukit (nahe Palembang), dass der König von Śrīwijaya an der 11. hellen Tithi des Śakajahres 605 oder 604, das dem 13. April 683 oder 23. April 682 entspricht, einen Feldzug (siddhayātrā) begann und an der 7. hellen Tithi des Monats Jyaiṣṭha des Śakajahres 605 oder 604, d. h. dem 9. Mai 683 oder 19. Mai 682 mit einer später siegreichen Armee von 20.000 Mann eine Flussmündung verließ[8]. Die Inschrift von Talang Tuwo mit Datum 2. helle Tithi des Monats Vaiśākha des Śakajahres 606 (23. März 684) ist buddhistischen Inhalts und teilt mit, dass König (ḍatu) Jayanāśa einen Garten namens Śrīkṣetra anlegen ließ[9].
In den ursprünglichen indischen Systemen war die Reihenfolge der Potenzen umgedreht, die Einer wurden zuerst genannt, dann die Zehner etc. Die Null erhöhte damit den Wert der folgenden Ziffer.
[Bearbeiten] China
In China wurden zum Rechnen seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Zählstäbe (chin. 籌 / 筹, chóu) im Zusammenhang mit einem dezimalen Stellenwertsystem verwendet. Für die Ziffer Null wurde freier Platz gelassen.[10] Obwohl die chinesischen Mathematiker dadurch kein Symbol für die Null hatten, verstanden sie deren Konzept und das der negativen Zahlen. So schreibt das Jiuzhang Suanshu (chin. 九章算術 / 九章算术, Jiǔzhāng Suànshù, engl.: The Nine Chapters on the Mathematical Art), das bis spätestens auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht, zur Lösung eines linearen Gleichungssystems mit unterschiedlichen Zählstabmengen für positive und negative Zahlen in einer Matrixdarstellung:[11]
「正負術曰: 同名相除,異名相益,正無入負之,負無入正之。其異名相除,同名相益,正無入正之,負無入負之」
„Vorzeichenregeln: [Zum Subtrahieren, Zählstabmengen für] gleiche Vorzeichen subtrahieren, unterschiedliche Vorzeichen addieren, Positive ohne Extra werden zu Negativen, Negative ohne Extra werden zu Positiven. [Zum Addieren, Zählstabmengen für] unterschiedliche Vorzeichen subtrahieren, gleiche Vorzeichen addieren, Positive ohne Extra werden zu Positiven, Negative ohne Extra werden zu Negativen.“
– Kapitel 8, Jiuzhang Suanshu
„Ohne Extra“ hier [d.h. in Bezug auf das zu lösende Problem] bzw. sinngemäß auch „ohne Eintrag“ [d.h. in Bezug auf die Matrixdarstellung] (無入) steht dabei für die Null.
Das Symbol 〇 für die Null wurde 1247 vom Mathematiker Qin Jiushao in seinem Werk Shushu Jiuzhang (數書九章 / 数书九章, Shùshū Jiǔzhāng, engl.: Mathematical Treatise in Nine Sections) eingeführt.[10]
[Bearbeiten] Griechen
Bei den Griechen findet man bis zur alexandrinischen Zeit keine Spuren der Null. Im Zeitalter des Homer gruppierten sie Zahlsymbole von links nach rechts, doch hatten sie noch immer kein Stellenwertsystem. Unter Alexander entdeckten sie die Null im babylonischen Reich und bemerkten ihre Vorteile. So fand man in einem astronomischen Papyrus aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. das Symbol »O« für null. Von jeher versuchten die Menschen, eine Erklärung für die Verwendung dieses Symbols zu finden. Wahrscheinlich stammt dieses »O« vom griechischen Omikron, dem ersten Buchstaben des Wortes »nichts« (oudén). Im Homerschen System fand sich öfters, dass der erste Buchstabe des Zahlwortes als Zahlsymbol verwendet wurde. Andere (Otto Neugebauer) verwerfen diese Theorie in der Meinung, die Griechen hätten »O« bereits für die Zahl 70 verwendet, das Symbol sei also willkürlich gewählt.
Diophant wählte ein M mit einem Kreis darüber, da »mo« die ersten Buchstaben des Wortes Monade (Einheit) waren. Man wählte für die Null immer ein Zeichen mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Balken darüber und deutete somit an, dass die Null nicht den Status einer Zahl hatte. Bei Griechen fand man nur in astronomischen Texten, wie zum Beispiel von Ptolemaios, das Symbol »O«. Die Griechen rechneten meist mit dem Abakus, bei dem keine Spalte, die für Null stand, notwendig war. War in einer Spalte jedoch kein Stein, so trat die Null als Platzhalter in Erscheinung und verlieh den anderen Zahlen dadurch den richtigen Wert. Die Steine auf dem Rechenbrett oder auch im Sand waren mehr oder weniger rund und wurden in der Schrift als volle Punkte dargestellt ●. Eine Art zu zeigen, dass nicht einmal ein einziger Rechenstein vorhanden ist, wäre ○. Dieses Zeichen würde sich auch durch den Abdruck erklären lassen, der zurückbleibt, wenn man einen Stein entfernt. Was bleibt ist das Nichts. Eine weitere Erklärung für ○ ist die Natur, weil sehr häufig runde Hohlräume, runde Samen etc. vorkommen. Durch die Schreibtechniken der Menschen verwandelte sich ○ mit den Jahrhunderten in 0, da es einfacher war, zwei geschwungene Striche zu ziehen, als einen durchgehenden Kreis. Wie sich die Null in der östlichen Welt entwickelte, ist ungewiss. Unter Alexander dem Großen führten Handelsstraßen von Alexandria bis nach Indien. Auf diesen Routen wurde nach Vermutung einiger Wissenschaftler die mathematischen Kenntnisse der »babylonischen Null« von den Griechen selbst nach Indien überliefert.[12]
Verwendet wurde dieses Symbol für null überwiegend in astronomischen Schriften der Griechen. Ptolemäus verwendet in seinem Almagest das babylonische sexagesimale Zahlensystem einschließlich des Symbols für null, das er auch am Ende von Zahlen benutzt, das aber wie bei den Babyloniern nicht im Sinne eines positionalen Zahlsystems, sondern als Marker benutzt wird. Trotz der Verwendung bei Ptolemäus wurde die Null nur von wenigen Astronomen benutzt.
[Bearbeiten] Europa ab dem Mittelalter
Während das christliche Abendland unter dem Zerfall des römischen Reiches litt, breitete sich der Islam schnell in Richtung Westen aus – bis nach Algerien, welches nun zum Arabischen Reich gehörte. Kurz darauf eroberten die Araber ein Gebiet, das von Spanien bis nach Nordindien reichte. So konnte sich auch »Das Buch über das Rechnen mit indischen Ziffern« (»al-Kitāb al-mukhtaṣar fī ḥisāb al-jabr wa-l-muqābala«, um 825) von al-Chwarizmi, einem persischen Mathematiker, über ein großes Gebiet ausbreiten. Weitere Rechenbücher wie die von Ibn Ezra im 12. Jahrhundert trugen zu Verbreitung des indischen Zahlsystems bei.
Leonardo Fibonacci, ein bedeutender Mathematiker des Mittelalters, der in Algier als Sohn eines italienischen Handelsvertreters mit den arabisch-indischen Zahlen inklusive der Null vertraut war, führte diese 1202 mit seinem Werk »Liber abaci«, worin er Beispiele aus der Handelswelt bearbeitete, in Italien ein. Er räumt der Null aber nicht den gleichen Stellenwert wie den übrigen Zahlen ein – in seinem Buch nennt er sie Zeichen statt Zahl. Die Verwendung der Null im praktischen Rechnen setzte sich aber erst viel später (im 17. Jahrhundert) durch. Noch Cardano im 16. Jahrhundert kam ohne sie aus[13].
In den folgenden Jahrhunderten gewann die Null in vielen Bereichen an Bedeutung. Die Null wurde zum Ausgangspunkt für viele Skalen, z. B. bei Temperatur oder Meeresspiegel, und so wuchsen die Begriffe »positiv« und »negativ« im Denken der Menschen.
Fälschlicherweise wird auch immer wieder behauptet, dass es Papst Silvester II. (mit bürgerlichem Namen Gerbert von Aurillac) gewesen sei, der die arabisch-indischen Zahlen nach Europa gebracht hätte.
[Bearbeiten] Neue Welt
[Bearbeiten] Olmeken und Maya
→ Hauptartikel: Maya-Ziffern
Die Olmeken entwickelten als erstes Volk in Mesoamerika eine erste Form eines Kalenders. Das früheste in diesem Kalender gehaltene Datum, das bislang entdeckt wurde, lautet 7.16.6.16.18 und entspricht einem Tag im September 32 vor Christus. Dieser Kalender wurde von den Maya aufgenommen und weiterentwickelt. Er benötigt die Null als Platzhalter im Zwanzigersystem (Stellenwertsystem zur Basis 20). Das Symbol eines Schneckenhauses stellt die Ziffer Null dar. Das älteste bisher gefundene Datum als Lange Zählung zeigt einen Tag im Jahr 36 vor Chr.
[Bearbeiten] Inka
Auch dem Volk der Inka kann man eine Handhabung mit der Null nachweisen. Dort, wo sie Waren und Tierherden mit Hilfe ihrer Knoten – den Quipus – vermerkten, diente ein Band ohne Knoten als Nullmenge.
[Bearbeiten] Symbole und Schreibweisen
[Bearbeiten] Die indische Ziffer 0
Sofern Verwechslungsgefahr mit dem großen lateinischen Buchstaben O besteht, wird die Ziffer 0 mit einem Schrägstrich gekennzeichnet:
oder
oder 0̷.
In der Mathematik steht das Symbol »0« häufig auch allgemein für Nullelemente von Strukturen, auch wenn diese nicht mit der Zahl Null identisch sind.
[Bearbeiten] Andere Zahlschriften
[Bearbeiten] Chinesische Null
[Bearbeiten] Die Null im Stellenwertsystem
Eine einzeln stehende Null bezeichnet den Wert Nichts. Wenn die Ziffer 0 jedoch an eine Ziffernfolge angehängt wird, multipliziert sich deren Wert mit der Basis des Stellenwertsystems.
Führende Nullen werden üblicherweise weggelassen bzw. bei einer formatierten Ausgabe durch Leerzeichen ersetzt.
Bei Dezimalzahlen werden Nullen nach dem Komma üblicherweise weggelassen, wenn ihnen keine andere Ziffer mehr folgt. Bei einer formatierten Ausgabe werden sie entsprechend dem Ausgabeformat geschrieben. Eine Ausnahme bilden die Angaben von Messwerten. Hier wird die Null oft zusätzlich geschrieben, um die Genauigkeit der Messung zu veranschaulichen.
Beispiel: Eine Länge wird mit 1,200 m gemessen. Die zwei zusätzlichen Nullen zeigen hier, dass die Messung auf drei Stellen hinter dem Komma genau war.
Typenangaben erfolgen oft mit führender Null, z.B. 001.
[Bearbeiten] Mathematische Eigenschaften
Die Zahl Null weist einige besondere Eigenschaften auf, die bei der Untersuchung von Rechenregeln hervortreten.
[Bearbeiten] Addition
Die Null symbolisiert im mathematischen Sinne das neutrale Element der Addition in einem kommutativen Monoid, das heißt: Für jedes Element a des Monoids gilt
- a + 0 = a = 0 + a.
Die Null im mathematischen Sinne (als neutrales Element eines Monoids) ist stets eindeutig.
[Bearbeiten] Subtraktion
Die Null entsteht als Resultat einer Differenz, bei der der Subtrahend gleich dem Minuenden ist
- a − a = 0.
Ferner ist
- a − 0 = a
und
- 0 − a = ( − a).
[Bearbeiten] Multiplikation
Durch Einführung der Rechenoperation der Multiplikation, mathematisch formal in der Definition eines Ringes, erhält man folgende Regel:
- a · 0 = 0 = 0 · a
Man sagt auch, die Null ist ein absorbierendes Element der Multiplikation.
[Bearbeiten] Division
Das Ergebnis der Division von null durch eine von null verschiedene Zahl ist stets null. Das Ergebnis null tritt nur auf, wenn der Dividend null ist.
Jede mögliche Definition der Division einer Zahl durch null verstößt gegen das Permanenzprinzip. Deshalb ist es in aller Regel zweckmäßig, solche Division undefiniert zu lassen.
Für natürliche Zahlen kann die Division als wiederholte Subtraktion angesehen werden:
- Um die Frage »Wie oft muss man 4 von 12 abziehen, um 0 zu erhalten?« zu beantworten, also 12 : 4 zu bestimmen, kann man so rechnen:
- 12 − 4 = 8
- 8 − 4 = 4
- 4 − 4 = 0
- Die Anzahl der Subtraktionen ist 3.
- Also ist 12 : 4 = 3.
Bei 12 : 0 lautet die Frage: »Wie oft muss man 0 von 12 abziehen um 0 zu erhalten?« Antwort: Keine Anzahl von Operationen bringt das gewünschte Ergebnis.
Anmerkung: Bei 0 : 0 lautet die Frage: »Wie oft muss man 0 von 0 abziehen um 0 zu erhalten?« Antwort: Jede beliebige (also keine eindeutige) Anzahl von Operationen bringt das gewünschte Ergebnis.
Für beliebige Zahlenmengen ist die Division als Umkehrung der Multiplikation definiert. Bei der Division von b durch a sucht man eine Zahl x, welche die Gleichung
erfüllt. Diese Zahl x – sofern sie eindeutig bestimmt ist – schreibt man als Quotienten x = b / a.
Im besonderen Fall, dass a gleich 0 ist, gibt es kein eindeutiges Ergebnis: Wir suchen eine Lösung der Gleichung
.
- Im Fall b ungleich 0 ist die Gleichung unlösbar, weil es keine Zahl x gibt, für die
ungleich 0 ist. - Im Fall b gleich 0 wird die Frage, welche Zahl x die Gleichung erfüllt, trivial: Jede Zahl x erfüllt die Gleichung
.
Also gibt es in beiden Fällen kein eindeutiges Ergebnis bei der Division durch null.
Beim Rechnen mit reellen (oder komplexen) Zahlen ist es also nicht möglich, durch null zu dividieren, da diese Operation kein eindeutiges Ergebnis hätte: Die Multiplikation mit 0 ist nicht umkehrbar. Dies gilt allgemein für jeden Ring.
[Bearbeiten] Historische Irrtümer
Für Leonhard Euler war die Division von 1/0 = ∞ (unendlich). Entsprechend nahm er an, dass es verschieden große unendliche Zahlen gab, denn z. B. 2/0 würde (so Euler) eine zweimal größere unendliche Zahl als 1/0 ergeben.[14]
Auch bei den Indern blieb das Problem der Division durch null ungelöst. Brahmagupta kam zu keinem Ergebnis und Bhaskara im 12. Jahrhundert wie Euler auf das Ergebnis unendlich.
[Bearbeiten] Division durch null auf Computern
Für ganze Zahlen (integer und andere Datentypen) ist im Computer eine Division durch 0 nicht definiert. Der Versuch eines Programms, eine ganze Zahl durch 0 zu teilen, erzeugt in der Regel einen Laufzeitfehler, der unbehandelt meist zum Abbruch des Programms führt.
Für Gleitkommazahlen (float und andere Datentypen) ist aber durch den Gleitkommastandard IEEE 754 unter anderem eine Division durch 0 definiert. Dieser Standard definiert zwei Gleitkommazahlen namens +Inf und −Inf (infinity = unendlich) und unterscheidet zwei Zahlen mit dem Wert 0: +0 und −0. Beide repräsentieren die Zahl 0, beim Testen auf Gleichheit werden diese beiden Zahlen als gleich betrachtet. Für das Rechnen mit +0, −0, +Inf und −Inf legt der Standard naheliegende und natürliche Regeln fest, wann immer es möglich ist. So ist zum Beispiel folgendes festgelegt (Inf hier als das ∞-Zeichen dargestellt):
- +∞ + +∞ = +∞ und −∞ + −∞ = −∞.
- Für x > +0 gilt:
- x / +0 = +∞,
- x / −0 = −∞,
- Für x < −0 gilt:
- x / +0 = −∞,
- x / −0 = +∞.
Es gibt aber auch kompliziertere Spezialfälle, die sich nicht so einfach regeln lassen, z. B.
- +∞ − +∞,
- +∞ + −∞.
Ebenso die Divisionen
- 0/0,
- ∞/∞
in allen Vorzeichenkombinationen. Die Operationen geben eine Unzahl zurück, auch NaN genannt (NaN steht dabei für not a number). Dies ist jedoch nicht in allen Programmiersprachen gleich implementiert.
[Bearbeiten] Erweiterung der reellen Zahlen
Es ist, ähnlich zum Vorgehen bei Gleitkommazahlen, möglich, die reellen Zahlen um zwei Symbole ∞ und -∞ zu erweitern, so dass einige Rechenregeln auch für die beiden Unendlich-Symbole gelten. Zum Beispiel ist dann a / 0 = ∞ für positive a, b / 0 = -∞ für negative b, jedoch ist 0 · ∞ nicht a, sondern undefiniert, genauso wie auch 0 / 0 und ∞ / ∞ undefiniert bleibt.
Man beachte, dass diese erweiterte Menge keine algebraische Struktur mehr ist, weil einige Summen und Produkte undefiniert sind. Die üblichen Rechenregeln sind jedoch gültig, falls alle auftretenden Teilausdrücke definiert sind.
Diese Herangehensweise entspricht der Verwendung bei der Berechnung von Grenzwerten in der reellen Analysis. Siehe hierzu auch die Regel von L’Hospital.
[Bearbeiten] Potenzrechnung
Per Definition gilt a0 = 1, auch für a = 0. Gelegentlich wird 00 auch undefiniert gelassen. Siehe Potenz. Für b > 0 ist 0b = 0. Für b < 0 ist 0b nicht definiert.
[Bearbeiten] Nullteiler
In Restklassenringen (aber nicht nur dort) existieren so genannte Nullteiler, zum Beispiel gilt im Restklassenring modulo 6 die Gleichung 2 · 3 = 0. Daraus folgt jedoch nicht, dass 0 / 2 = 3 ist, denn auch 2 · 0 = 0, man kann also diesen Quotienten nicht eindeutig (und damit sinnvoll) definieren. Man kann also auch nicht durch einen Nullteiler dividieren.
[Bearbeiten] Bedeutung in der Informatik
- In vielen Programmiersprachen hat das erste Element eines ordinalen Datentypen die Ordnungszahl 0.
- In einigen Datenbanken oder Programmiersprachen existiert zusätzlich der spezielle Wert NULL, der von der Ziffer 0 und der Zahl Null zu unterscheiden ist. Er hat die Bedeutung leer, unbestimmt, »ohne Wert« (siehe dazu Nullwert). In der deutschen Sprache kann er bei englischer Aussprache von der Null unterschieden werden: »Null« (0) gegenüber »Nall« (NULL).
- Bei Unix-Systemen gibt es eine Gerätedatei /dev/null.
[Bearbeiten] Alltäglicher Sprachgebrauch
- Die Formulierung »null Uhr« bedeutet Mitternacht (nicht zu verwechseln mit der Stunde Null).
- Es wird unterschieden zwischen »24:00 Uhr« und »0:00 Uhr«. Dabei kommt es darauf an, ob der Tag endet (24:00 Uhr) oder ob der Tag beginnt (0:00 Uhr). So ist z. B. Montag 24:00 Uhr das gleiche wie Dienstag 0:00 Uhr.
- Das Wort »null« kommt auch in zahlreichen Redensarten vor (zum Beispiel jemanden auf null bringen, etwas bei null anfangen, jemand sei fachlich gesehen eine Null).
- Ebenso wird der Beginn unserer Zeitrechnung häufig als Jahr null bezeichnet, obwohl es dieses nicht gab.
[Bearbeiten] Herkunft
Die heutige deutsche Bezeichnung stammt vom lateinischen Wort nullus (=Keiner) bzw. altitalienisch nulla figura (=Nichts).
[Bearbeiten] Literatur
- Robert Kaplan: Die Geschichte der Null. Gebundene Ausgabe: Campus Verlag, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-593-36427-1. Taschenbuchausgabe: Piper Verlag, 2003, ISBN 3-492-23918-8 (englisches Original 1991).
- Charles Seife: Zwilling der Unendlichkeit. Eine Biographie der Zahl Null. München 2002. ISBN 3-442-15054-X.
- Georges Ifrah: Universalgeschichte der Zahlen, Frankfurt, Campus Verlag 1986. ISBN 3-593-34192-1.
- Mukherjee: Discovery of Zero and its impact on indian mathematics, Calcutta 1991
- George Joseph: The Crest of the Peacock – the non european roots of mathematics, London 1991
[Bearbeiten] Weblinks
- A history of Zero im MacTutor History of Mathematics archive (englisch)
- www.wissenschaft.de: Der afrikanische Graupapagei kennt trotz seines nur walnussgroßen Gehirns die Bedeutung der »Null«
- Ein Plädoyer dafür, das Zählen – besonders in der Informatik und Mathematik – mit der »Null« zu beginnen
- Umfangreiche Ausarbeitung zur Notwendigkeit der 0 für die moderne Mathematik
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Es wurden aber in anderen Fällen, wie auf einer Tontafel von 400 v. Chr., zwei Keile verwendet. Wiederum in anderen Fällen wurde kein spezielles Zeichen Null verwendet, sondern nur eine Leerstelle. Manchmal wurde aber auch diese weggelassen und der Unterschied beispielsweise zwischen 606 und 66 ergab sich aus dem Zusammenhang. Diese optionale Verwendung der Leerstelle konnte entsprechend aber auch zu Missverständnissen führen. Siehe MacTutor Webseite. Nach George Ifrah Universalgeschichte der Zahlen (Zweitausendeins, S. 417) ist vor Beginn der Seleukidenzeit (311 v. Chr.) in Babylonien keine Verwendung der Null belegt.
- ↑ In der babylonischen Astronomie wurde sie aber sowohl am Anfang (bei Zahlen mit Brüchen) als auch am Ende verwendet, wie Otto Neugebauer schon 1935 zeigte, Ifrah loc. cit. S. 423
- ↑ Die Logik der Lehre von der Leere: Die Shunyata des Nagarjuna: Nagarjuna formuliert die Madhyamika-Lehre.
- ↑ MacTutor Webseite
- ↑ Epigraphia Indica, Vol. I, Calcutta 1892, S. 159-162
- ↑ K.-H. Golzio, Chronologie der Inschriften Kambojas, Wiesbaden 2006, S. 1
- ↑ Golzio, Chronologie, S. 23
- ↑ George Cœdès,«Les inscriptions malaises de Çrīvijaya», BEFEO XXX,1930, S. 29-80, auf S. 33-37
- ↑ Cœdès 1930, S. 38-44
- ↑ a b Shen Kangshen, John N. Crossley, Anthony W.-C. Lun: The Nine Chapters on the Mathematical Art. Companion & Commentary. Oxford University Press, 1999, ISBN 0198539363, S. 12–13 (http://books.google.de/books?id=eiTJHRGTG6YC&pg=PA12).
- ↑ Shen Kangshen, John N. Crossley, Anthony W.-C. Lun: The Nine Chapters on the Mathematical Art. Companion & Commentary. Oxford University Press, 1999, ISBN 0198539363, S. 404 (http://books.google.de/books?id=eiTJHRGTG6YC&pg=PA404).
- ↑ Ergebnisse der babylonischen Astronomie gelangten vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert nach Chr. vor allem über den Hafen Bharukaccha in Nordwestindien ins Land und damit auch Kenntnisse über das babylonische Sexagesimalsystem, das dann möglicherweise in Indien an die Basis 10 angepasst wurde. Neugebauer A history of ancient mathematical astronomy, 1975, Ifrah loc. cit. S.508.
- ↑ MacTutor Webseite, loc. cit.
- ↑ Euler »Vollständige Anleitung zur Algebra«, St. Petersburg 1802, Bd. 1, S. 49