Otto Reutter

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Otto Reutter, eigentlich Otto Pfützenreuter, (* 24. April 1870 in Gardelegen; † 3. März 1931 in Düsseldorf) war ein deutscher Sänger, Verfasser von Liedern und Komiker.

Otto Reutter


„Grammophon“-Label der Schallplatte mit einer Aufnahme von Der Überzieher (1917)


Otto Reutter im Film Otto heiratet

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Sohn eines Ulanen, stammte er väterlicherseits aus einer armen katholischen Familie aus dem Eichsfeld, mütterlicherseits aus der Altmark. Reutter besuchte die katholische Volksschule in Gardelegen und absolvierte eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges und auch einige Zeit danach, sang er viele Lieder, in denen das Geschehen und die allgemeine Meinung teilweise eher kritisch als humorvoll dargestellt wurde. So erzählt das Lied Ich möcht' erwachen beim Sonnenschein eher melancholisch, teilweise sogar sehr traurig über die allgemeine Stimmung in der Nachkriegszeit und Reutters Verlust seines Sohnes Otto Reutter jun. (geb. 1897?) in der Schlacht um Verdun.

In den zwanziger Jahren trat Otto Reutter mit jenen Couplets vor allem im Wintergarten auf, die heute noch bekannt sind und die u. a. von Peter Frankenfeld, Robert Kreis und anderen Interpreten vorgetragen und umgesetzt wurden. Insgesamt hat er über 1000 Couplets verfasst, die in diversen Schallplatten-Aufnahmen erhalten sind, die meisten von ihm gesungen, jedoch auch einige von Sängern wie Gustav Schönwald oder Armin Berg vorgetragen. Die Schallplattenaufnahmen von Otto Reutter wurden teilweise von einem Orchester begleitet (Grammophon-Studioorchester unter der Leitung von Bruno Seidler-Winkler, später vom Paul-Godwin-Ensemble unter Leitung Paul Godwins), teilweise hatte er eine Klavierbegleitung.

Otto Reutter betätigte sich auch als Schauspieler. So spielte er 1914 in zwei Kurzfilmen mit, Otto heiratet und Otto als Dienstmann. Möglicherweise war er auch an den Filmen Otto, der Kinostar und der Dackel und Otto hat Pech beteiligt, diese Filme weisen aber außer im Titel nicht auf Otto Reutter als Mitwirkenden hin. Von den vier Filmen existieren keine Exemplare mehr, lediglich drei Standbilder sollen erhalten sein. Er spielte außerdem in verschiedenen Filmen als Statist mit, unter anderem in einem Film über den Hauptmann von Köpenick.

In seinen Couplets sah er nicht nur gesellschaftliche Ereignisse voraus, sie spendeten auch Trost in Zeiten der Entbehrung. Allerdings folgten seine Couplets immer dem jeweiligen Zeitgeschmack und den Tagesereignissen. Man lachte mit der Menge des Volkes über den Erbfeind, über den Reichstag, über das Wunderpferd Hans, über die Gewerkschaft, über die Frau. Reutter forderte in einem Couplet der 1920er Jahre sogar einen neuen starken Führer, damit es vorwärts gehen sollte – wenngleich er sich sicher dabei nicht einen Adolf Hitler vorstellte. Seine Couplets zeigen somit den damaligen Zeitgeist recht eindrucksvoll. Auch sein heute noch wohl bekanntestes Couplet, Der Überzieher, stammt aus dieser Zeit. (Seh ich weg – von dem Fleck / Ist der Überzieher weg!)

Otto Reutter 1930


[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

  • Aber der Mann
  • Aber jlücklich macht det nicht
  • Aber keiner fängt an
  • Ach, machen ´se das nochmal
  • Ach wie fein (wird's in 100 Jahren sein) (um 1900)
  • Das Hirschfeldlied (1908)
  • Der Kriegsgewinnler (1919)
  • Alles wegn de Leut (1926)
  • Berlin ist ja so groß
  • Bevor de sterbst
  • Das ist so einfach und man denkt nicht dran (1925)
  • Der Blusenkauf
  • Der gewissenhafte Maurer (1920)
  • Der Überzieher (1925)
  • Die Liebesgabenkiste
  • Die ganze Geschicht', die lohnt sich nicht
  • Ein Sachse ist immer dabei (1930)
  • Einmal im Jahr
  • Es geht vorwärts
  • Es ist nichts Halbes, es ist nichts Ganzes
  • Es geht mir in jeder Hinsicht immer besser
  • Gräme dich nicht
  • Gründ´n wir´ne GmbH
  • Herr Neureich
  • Ich kann das Tempo nicht vertragen
  • Ick wunder mir über janischt mehr
  • In fünfzig Jahren ist alles vorbei (1920)
  • Ist das nicht komisch
  • Kinder, Kinder, sorgt für Kinder
  • Laß dir bloß die Nase ändern
  • Laßt sie hungern
  • Man sagt
  • Man wird ja so bescheiden
  • Mit der Uhr in der Hand
  • Na, nun tun ´se mal nicht so
  • Nun gerade nicht
  • Nun weißt du Bescheid
  • Nehm se 'n Alten (1926)
  • Mir hab'ne se als jeheilt entlassen (1928)
  • Optimiste
  • Phantasie ist jederzeit schöner als die Wirklichkeit
  • Sei gescheit
  • Sei modern
  • Sei nicht blöd
  • Und dadurch gleicht sich alles wieder aus (1928)
  • Und so kommen wir aus der Freude gar nicht raus (1930)
  • Was ich nicht weiß
  • Widewitt bumbum
  • Wie reizend sind die Frauen
  • Wir fang´n noch mal von vorne an (1925)
  • Zwanzig Jahre später

[Bearbeiten] Literatur

  • Theodor Oppermann (Herausgeber): Otto Reutter – Ein Gedenkbuch über sein Leben und Schaffen. Verlag G. Danner, Mühlhausen (Thüringen) 1931
  • „Wie wird man Humorist?“, Theatergeschichten, Schnurren und Couplets., Hörcollage mit Walter Plathe und Horst Maria Merz (Piano), duo-phon records, 2004, ISBN 3-937127-05-4
  • Helga Bemmann (Hrsg.): Otto Reutter: Habn Sie 'ne Ahnung von Berlin!, Lieder, Couplets, Biografie und Audio-CD, Parthas Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-932529-44-8

[Bearbeiten] Veröffentlichte Tonträger (Auswahl)

  • Otto Reutter – Der König der Kleinkunst – Folge 1 und 2 – 2005 Membran Music Ltd., ISBN 3-86562-236-4

[Bearbeiten] Weblinks

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