Polenaktion
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Unter Polenaktion versteht man die Ausweisung von etwa 17.000 jüdischen polnischen Staatsbürgern aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich Ende Oktober 1938. Die Ausweisung erfolgte gewaltsam und kam für die Betroffenen völlig überraschend. Die Aktion fand nur wenige Tage vor den Pogromen am 9. November 1938 („Reichskristallnacht“) statt und ist bisher kaum im geschichtlichen Bewusstsein Deutschlands verankert.
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[Bearbeiten] Geschichte
Im September 1938 verabschiedete die polnische Regierung ein Dekret, in dem alle Polen im Ausland aufgefordert worden waren, in kurzer Zeit ihre polnische Staatsangehörigkeit zu bestätigen. Viele der polnischen Juden im Deutschen Reich taten dies nicht und ihnen sollte damit zum 1. November die Staatsbürgerschaft entzogen werden. Reinhard Heydrich, damals Chef des Reichssicherheitshauptamtes, nutzte diese Situation aus. Er ließ am 26. Oktober 1938 17.000 polnische Juden verhaften und in Eisenbahnwaggons an die deutsch-polnische Grenze schaffen. Dort wurden sie von den polnischen Grenzern mit Waffengewalt ferngehalten, da sich die polnische Regierung angeblich mit der Integration weiterer Juden in das Staatsgebilde überfordert sah. Zusätzlich behauptete sie, dass sich unter den Vertriebenen auch politisch gefährliche oder zumindest unerwünschte Personen befinden könnten. So wurden diese Menschen unter unhygenischen Bedingungen zunächst an der Grenze in Baracken untergebracht, in der Hoffnung, dass die deutsche Regierung ihre Entscheidung revidieren würde. Es kam zu Krankheiten und Todesfällen, woraufhin die Öffentlichkeit im Ausland gegen das Vorgehen der polnischen und deutschen Regierungen protestierte.
Gemäß Berichten von Heinrich Himmler wurden auf diese Weise etwa 17'000 Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit auf polnisches Gebiet getrieben, von denen einige Tausend zwischen die Absperrungen der deutschen und der polnischen Armee gerieten.
Nach Protesten des polnischen Außenministeriums wurde die Polenaktion eingestellt. Diejenigen Juden, welche nicht über die polnische Grenze getrieben werden konnten, wurden von den deutschen Behörden zurück ins Landesinnere gebracht, die meisten davon in Konzentrationslager.
Der spätere Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki war von dieser Maßnahme betroffen. Eine weitere Schlüsselfigur für die deutsche Judenpolitik befand sich ebenfalls bei den Deportierten: Zindel (Sendel) Grynszpan. In Paris hörte der 17-jährige Herschel Grynszpan, vom Martyrium seines Vaters, eines Schneidermeisters aus Hannover. Um auf die Situation der Juden aufmerksam zu machen, erschoss er den 3. Sekretär der deutschen Botschaft, den 29-jährigen Ernst Eduard vom Rath. Joseph Goebbels nutzte diese Situation. Obwohl von Rath eigentlich einen nicht allzu wichtigen Posten in der Botschaft bekleidete, hetzte der Propagandaminister am 9. November 1938 während der Rede im Bürgerbräu-Keller auf und löste damit die Novemberpogrome 1938 aus.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Jerzy Tomaszewski: Auftakt zur Vernichtung, Die Vertreibung der polnischen Juden aus Deutschland 1938, Osnabrück 2002, ISBN 3-929759-63-2
- Thomas Urban: Der Verlust – Die Vertreibung der Deutschen und Polen im 20. Jahrhundert, München, 2004
- Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, C. Bertelsmannverlag GmbH, München 1984, ISBN 3-81120624-9
- Léon Noél: Der deutsche Angriff auf Polen, Berlin 1948.

