Schloss Belvedere

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Schloss Belvedere in Wien, weitere Schlösser gleichen Namens siehe Belvedere.
Oberes Belvedere
Lucas von Hildebrandt legt Prinz Eugen den Belvedere-Plan vor, Franz Wacik, 1913
Unteres Belvedere: Südansicht
Ansicht von Wien, vom Belvedere aus gesehen. Gemälde von Canaletto, 1758

Das Schloss Belvedere in Wien ist eine von Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1745) für Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) erbaute Schlossanlage im Bezirk Landstraße. Das ‚Obere‘ und ‚Untere Belvedere‘ bilden mit der verbindenden Gartenanlage ein barockes Ensemble. Die beiden Schlossbauten beherbergen heute die Sammlungen des Belvedere (Österreichische Galerie Belvedere) und Räumlichkeiten für Wechselausstellungen. Am 15. Mai 1955 wurde im Oberen Belvedere der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Unteres Belvedere

Die ursprüngliche Planung sah ein Gartenpalais vor. Prinz Eugen von Savoyen gab 1714 dem Architekten Johann Lucas von Hildebrandt den Auftrag. Steinmetzaufträge erhielten die Meister Hans Georg Haresleben und Elias Hügel aus Kaisersteinbruch.

Das heute sogenannte Untere Belvedere wurde bereits 1716 fertiggestellt. Nur ganz wenige Räume waren als Wohnräume geplant, den größten Platz nahmen die Orangerie und der Prunkstall ein.[1]

Der Marmorsaal ist das Zentrum des Unteren Belvederes. Das Original des Mehlmarktbrunnens aus Bleiguss von Georg Raphael Donner ist hier zu sehen. (Der Brunnen auf dem heutigen Neuen Markt, Donnerbrunnen genannt, besteht aus Bronzeabgüssen). Das Deckengemälde von Martino Altomonte zeigt Prinz Eugen als jugendlichen Helden und als Apoll umringt von Musen. Im Westen schließt das Paradeschlafzimmer und im Osten das Tafelzimmer an. Das Deckengemälde des Paradeschlafzimmers ist ebenfalls von Altomonte (Abend und Morgen) mit Scheinarchitektur von Marcantonio Chiarini und Gaetano Fanti. In einem westlichen Raum sind Groteskmalereien von Jonas Drentwett zu sehen.

Eine gelungene Symbiose von historischer Bausubstanz und internationalen Standards entsprechender moderner Ausstellungsarchitektur nahm 2007 mit der Adaptierung der Orangerie und dem Umbau des Unteren Belvedere Gestalt an wo seither laufend Sonderausstellungen stattfinden.

[Bearbeiten] Garten

Oberes Belvedere, vom Garten aus gesehen

Der Garten ist der älteste Teil der Anlage, er wurde schon knapp nach dem Grundstückskauf um 1700 vom Le Nôtre-Schüler Dominique Girard angelegt. Zu dieser Zeit wurden erste Terrassierungen vorgenommen. Da das Obere Belvedere um einige Meter höher liegt als das Untere, ist das Thema der Skulpturen sinnigerweise der Aufstieg aus der Unterwelt in den Olymp. Zwischen den beiden Bereichen wurde eine Freitreppe gebaut. Seit 1780 ist die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich.

Nach den UNESCO-Weltkulturerbeauflagen wird über Jahre mit Millionen von Euro die Gartenanlage sukzessive restauriert. Dazu wird die große Fontäne ebenfalls restauriert.

[Bearbeiten] Oberes Belvedere

Oberes Belvedere: Stich um 1753
Das Haupttor zum Oberen Belvedere mit Löwen die das Wappen des Prinzen von Savoyen tragen
Atlanten in der Sala Terrana
Deckengemälde im Marmorsaal

Das Obere Belvedere war ursprünglich nur als kleines Gebäude konzipiert, welches den Garten optisch abschließen sollte. Später wurde es dann aber zur Sommerresidenz von Prinz Eugen. Der Prinz lebte aber nach wie vor im Unteren Belvedere, während das Obere Belvedere eher der Repräsentation galt.

Die einzige Erbin des Prinzen ließ das gesamte Inventar und die Bibliothek versteigern, sodass heute nichts mehr an die ursprüngliche Ausstattung erinnert.

Als es später an die Habsburger fiel, war es zeitweise eine Art zweiter Familiensitz. Zuletzt residierte hier Erzherzog Franz Ferdinand, der 1914 ermordete Thronfolger, mit seinem Stab.

Das obere Schloss wurde in Kommunikation mit der umgebenden Natur 1721–1723 gebaut, ursprünglich gab es auch viel mehr offene Säle und Galerien. Vor der Eingangsseite befindet sich ein Teich, in dem sich das Schloss spiegelt. Das Gebäude löst sich in mehrere Blöcke auf („Pavillonsystem“), dadurch erhält die Silhouette einen sehr bewegten Eindruck. Jeder dieser Blöcke ist mit einer eigenen Dachkonstruktion versehen, wodurch mancher Beobachter schon an „Türkenzelte“ erinnert wurde.

Die Sala terrena im unteren Bereich war ursprünglich offen, sie wurde aber nach dem Einsturz eines Atlanten komplett umgebaut und ist somit in der ursprünglichen Form nicht mehr erhalten. Hier bewahrte der Prinz seine legendäre Bibliothek auf, die sich heute im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek befindet. Auch seine Kunstsammlung war hier untergebracht.


Auch hier ist der Marmorsaal das Zentrum des Baus. Er ist mit einem Deckengemälde von Carlo Innocenzo Carlone ausgeschmückt, welches neuerdings auch seinem Quadraturisten Marcantonio Chiarini zugeschrieben wird. Rundherum befanden sich Wohnräume, in denen die Sammlung Jahrhundertwende und Wiener Secession gezeigt wird. In der Kapelle finden sich ebenfalls Fresken von Carlone, das Altarbild stammt von Francesco Solimena.

In der östlichen Schmalseite des Hofes befand sich eine Menagerie.

Bei den verwendeten Steinen handelt es sich um Sankt Margarethener Stein, Eggenburger Stein (heute als Zogelsdorfer Stein bezeichnet), harten Kaiserstein aus Kaisersteinbruch, Mannersdorfer Stein, Jura-Oolith aus Savonniéres (Lothringen), Adneter Kalkstein, Lienbacher Stein und auch Kunstmarmor. In der Sala terrena bestehen die Atlanten aus Zogelsdorfer Stein, die Sockel aus Kaiserstein. Das prunkvolle Stiegenhaus aus Zogelsdorfer Stein weist eine reiche Dekoration von Laub- und Bandelwerk kombiniert mit Kartuschen und Emblemen auf. Die Stufen sind aus Kaiserstein mit intensiven blauen Einschlüssen, die Bodenplatten beim Mittelabsatz sind aus Mannersdorfer Stein und die Putten aus Jura-Oolith. Diese sind mit (Theodor) Friedl bezeichnet, ein Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Der Prunksaal (Marmorsaal) wird von Adneter Marmor, Lienbacher Stein und auch von Kunstmarmor beherrscht. Hofsteinmetzmeister Elias Hügel leitete in Kaisersteinbruch diesen Auftrag, zum Gebäude kamen noch die Steinmetzarbeiten für die Brunnenanlagen mit der Kaskade im Garten hinzu. In Kameradschaft arbeiteten die Meister der Bruderschaft Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Joseph Winkler und Franz Trumler.

Eugens letzte Tage und der Löwe im Belvedere, Franz Wacik, 1913

[Bearbeiten] Prinz Eugens letzte Tage und der Löwe im Belvedere

Hugo von Hofmannsthal schrieb: … der König von Frankreich, den er so oft besiegt hatte, verehrte ihm einen afrikanischen Löwen … endlich kamen drei Tage, wo der Löwe seinen Herrn nicht mehr sah, er verweigerte alles Fressen und lief unruhig im Käfig auf und nieder … gegen drei Uhr morgens stieß er ein solches Gebrüll aus, daß der Tierwärter hinauslief in die Menagerie um nachzusehen. Da sah er Lichter in allen Zimmern des Schlosses, zugleich hörte er in der Kapelle das Sterbeglöcklein und so wußte er, daß sein Herr, der große Prinz Eugen, zu eben dieser Stunde gestorben war. [2]

[Bearbeiten] Bedeutung

Das Schloss Belvedere ist auf Grund seiner historischen Bedeutung und als Schauplatz der Unterzeichnung des Staatsvertrages von 1955 von besonderer Symbolik für Österreich. Das Obere Belvedere ist auf der Rückseite der 10-Schilling-Banknote von 1950 zu sehen, sowie eine Ansicht durch das geöffnete Haupttor auf der österreichischen 20-Eurocent-Münze.

[Bearbeiten] Filmdrehort

Das Schloss und die Gärten werden manchmal als Filmkulisse verwendet, wie in Prinzessin Olympia mit Sophia Loren.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Der Prunkstall dient seit dem Umbau als Ausstellungsraum
  2. Prinz Eugen der edle Ritter, sein Leben in Bildern. Erzählt von Hugo von Hofmannsthal und Franz Wacik. Verlag Seidel und Sohn in Wien, 1913

[Bearbeiten] Literatur

Sphinx im Garten vom Belvedere
  • Maria Auböck, Ingrid Gregor: Das Belvedere. Der Garten des Prinzen Eugen in Wien. Holzhausen (2004). ISBN 3854930704
  • Hans Aurenhammer, Gertrude Aurenhammer: Das Belvedere in Wien. Bauwerk, Menschen, Geschichte. ISBN 3703102225
  • Helmuth Furch: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, Nr. 54, S. 21–33, Juni 1999, Steinkundliche Begehung mit Andreas Rohatsch, TU Wien, Ingenieurgeologie, Belvedere, usw., Nr. 59, Dezember 2000, Kaiserstein in Wiener Bauten, 300 Beispiele.
  • Salomon Kleiner: Residences Memorables De l’incomparable Heros de nôtre Siecle ou Representation exacte des Edifices et Jardins de Son Altesse Serenissime Monseigneur Le Prince EUGENE FRANCOIS Duc de Savoye et de Piemont … Schloss Belvedere und die dazugehörigen Gärten (1731–1740); Augsburger Verlag Jeremias Wolff Erben, Stadtbibliothek Mainz (Sign. 731 f 1 (R))
  • Heiko Laß, Maja Schmidt: Belvedere und Dornburg. Imhof, Petersberg (1999). ISBN 3932526457
  • Helmut Nemec: Belvedere. Schloss und Park des Prinzen Eugen. ISBN 3210248710
  • Ulrike Seeger, Gerbert Frodl: Das Sommerpalais des Prinzen Eugen Belvedere. Brandstätter, Wien (2007). ISBN 3902510978
  • Ulrike Seeger: Stadtpalast und Belvedere des Prinz Eugen. Entstehung, Gestalt, Funktion und Bedeutung. Böhlau, Wien (2004). ISBN 3205771907
  • Peter Stephan: Prinz Eugens 'Wunderwürdiges Kriegs- und Siegslager'. Das Obere Belvedere in seiner ursprünglichen Gestalt, in: http://www2.kunstgeschichte.uni-freiburg.de/Online-Publikationen/Stephan_Belvedere/ (ca. 80 S. u. 163 Abb.) (Freiburg 2000)
  • Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild Aufgrund von Quellenwerken dargestellt Hofburg zu Wien über Augarten, Belvedere, Prater ...Gödöllő, Ischl ...bis über Miramar sind alle kaiserlichen Schlösser erklärt dagelegt. k.k. Hof-Buchdruckerei, Wien (1880). ISBN 0003221717
  • Prinz Eugen und sein Belvedere. Österreichische Galerie, Wien (1963). ASIN B0000BHVFQ

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Belvedere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.191532516.380894166667Koordinaten: 48° 11′ 30″ N, 16° 22′ 51″ O

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