Sechskaiserjahr

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Als Sechskaiserjahr wird das Jahr 238 n. Chr. bezeichnet. Die Ereignisse von 238 gelten als eine der schwersten Regierungskrisen der römischen Geschichte und offenbarten die strukturelle Schwäche des Kaisertums, die erst in der Spätantike überwunden werden konnte.

In diesem Jahr waren nach- und miteinander sechs Männer vom Senat als römischer Kaiser anerkannt. Diese sechs Männer waren

Gordian III. regierte anschließend immerhin sechs Jahre lang.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Kaiser des Sechskaiserjahres

Denar des Maximinus Thrax

[Bearbeiten] Maximinus Thrax

Gaius Iulius Verus Maximinus Thrax war römischer Kaiser von 235 bis 238. Er gilt als der erste der so genannten Soldatenkaiser. Im März 235 war er von den Rheinlegionen zum Kaiser ausgerufen worden. Obwohl er militärisch durchaus erfolgreich war und sein Bild in den Quellen offenbar stark negativ verzerrt wird, scheint es ihm nie gelungen zu sein, allgemeine Akzeptanz zu erreichen. Insbesondere im Osten des Reiches und bei einem Teil der Senatoren war der Kaiser anscheinend wenig beliebt.

Nach Unruhen in der Provinz Africa wurde der dortige Prokonsul (Statthalter), Gordianus, Anfang 238 in Karthago zum Kaiser ausgerufen. Anders, als die ältere Forschung annahm, war dies, wie Frank Kolb schon 1977 zeigen konnte, keine langfristig geplante Aktion senatorischer Verschwörer gegen Maximinus; die Erhebung war vielmehr die spontane Folge der Eskalation einer lokalen Krisensituation. Gordians Anhänger töteten aber in Rom den Stadt- und den Prätorianerpräfekten und konnten so den Senat zur Anerkennung des Usurpators bewegen. Maximinus wurde gleichzeitig zum Staatsfeind (hostis) erklärt. Etwa die Hälfte der Provinzstatthalter, vor allem im Westen des Reiches, blieb dem Kaiser allerdings treu. Auch die Prätorianer stellten sich gegen den Senat und Gordian, zogen sich aber nach blutigen Straßenkämpfen vorerst in ihre Kaserne zurück.

[Bearbeiten] Gordian I.

Gordianus bzw. Gordian I. war nur vom 19. März bis 9. April 238 (die genaue Chronologie ist umstritten) mit seinem Sohn Gordian II. als Mitregenten römischer Kaiser. Gordian war bereits 80 Jahre alt, als er – angeblich gegen seinen Willen – zum Kaiser ausgerufen wurde.

Capellianus, der Statthalter von Numidien und Kommandeur der legio III Augusta, verhielt sich jedoch Maximinus Thrax gegenüber loyal und besiegte Gordian II. mit Leichtigkeit. Als Gordian I. vom Tod seines Sohnes erfuhr, beging er noch am selben Tag Selbstmord.

[Bearbeiten] Gordian II.

Gordian II. war Mitregent seines Vaters Gordian I. Seine kurze Amtszeit entspricht der seines Vaters. Er starb im Kampf mit Capellianus, dem Maximinus gegenüber loyalen Statthalter von Numidien. Gordian unterlag laut Aussage der Quellen vor allem deshalb, da er als Kunstliebhaber angeblich keinerlei militärische Erfahrung besaß. Ob dies stimmt, ist kaum zu entscheiden.

Pupienus

[Bearbeiten] Pupienus

Die Nachricht vom Tod der Gordiane und dem Heranrücken des Maximinus, der sich von Norden auf Italien zubewegte, ließ in Rom Panik ausbrechen. Man hatte allen Grund, die Rache des Kaisers zu fürchten. Der Senat, der sich offenbar auch in höchster Not nicht auf einen einzigen Kandidaten einigen konnte, ernannte nun Pupienus und Balbinus zu völlig gleichberechtigten Kaisern, die den Widerstand gegen Maximinus organisieren sollten. Maximinus zog derweil weiter gen Italien und wurde bei der Belagerung von Aquileia Ende April überraschend von seinen eigenen Truppen ermordet. Damit gab es vorläufig zwei Kaiser (Augusti) sowie einen Caesar, nämlich den jungen Enkel Gordians I. (siehe unten).

Marcus Clodius Pupienus Maximus war vom April 238 bis zu seinem Tod einer von zwei gemeinsam regierenden römischen Kaisern, deren kurze Regierungszeit offenbar von gegenseitigem Misstrauen geprägt war. Pupienus hatte die Leitung des Kampfes gegen die Truppen des Kaisers Maximinus übernommen. Die Begeisterung der Römer für den siegreichen Pupienus war dann vielleicht ein Anlass für dessen Bruch mit seinem Mitkaiser Balbinus. Nach einigen Wochen drang die unzufriedene Prätorianergarde in den kaiserlichen Palast ein und brachte die beiden Kaiser grausam um.

[Bearbeiten] Balbinus

Decimus Caelius Calvinus Balbinus war bis zu seinem Tod am 29. Juli 238 einer von zwei gemeinsam regierenden römischen Kaisern. Balbinus übernahm offenbar die Leitung der zivilen Staatsgeschäfte, während Pupienus sich zunächst mit der Organisation des Widerstands gegen Maximinus Thrax befasst hatte.

Die germanische Leibwache des Pupienus verärgerte die Prätorianer, die sich ohnehin ins Abseits gedrängt und um ihre Rolle als Kaisermacher betrogen fühlten; schließlich ermordeten sie die beiden Augusti. Nach einer angeblich nur 99 Tage dauernden Regentschaft der beiden „Senatskaiser“ hatte sich erneut gezeigt, dass der Senat sich im Kampf um die Macht im Reich nicht gegen das Militär behaupten konnte.

Gordian III.

[Bearbeiten] Gordian III.

Marcus Antonius Gordianus war von 238 bis 244 römischer Kaiser.

Als Enkel Gordians I. und Neffe Gordians II. wurde er nach deren Tod zunächst zum Caesar und princeps iuventutis ernannt und nach der Ermordung von Balbinus und Pupienus bereits als kaum 14-Jähriger von den Prätorianern zum alleinigen Kaiser (Augustus) ausgerufen. Damit endeten die Wirren des Sechskaiserjahres.

Es gelang ihm bzw. seinen Beratern, die Grenzen des römischen Reichs vorläufig zu sichern, einen Aufstand in Africa niederzuschlagen und die Goten und Sarmaten zu schlagen. 243 begann er schließlich einen Feldzug gegen die persischen Sassaniden, den offenbar bereits die Senatskaiser Balbinus und Pupienus geplant hatten. Als sein Prätorianerpräfekt Timesitheus, das heimliche Haupt der Regierung und Gordians Schwiegervater, unterwegs starb, ernannte der Kaiser Marcus Julius Philippus, genannt Philippus Arabs, zu dessen Nachfolger. Dieser war möglicherweise 244 für Gordians Tod (der sich im Raum des heutigen Bagdad ereignete) im Krieg gegen die Sassaniden verantwortlich; möglich ist aber auch, dass Gordian in der Schlacht von Mesiche fiel. Philippus wurde jedenfalls im Anschluss neuer Kaiser.

[Bearbeiten] Sechskaiserjahr 193?

Das zweite Vierkaiserjahr 193, in dem Pertinax, Didius Julianus, Pescennius Niger und Septimius Severus zur Kaiserwürde erhoben wurden, wird manchmal als Fünfkaiserjahr oder gar als Sechskaiserjahr bezeichnet. Die Bezeichnung als Fünfkaiserjahr findet ihre Begründung darin, dass Clodius Albinus, der 193 ebenfalls von seinen Truppen als Imperator akklamiert worden war, mitunter zu den Kaisern des Jahres 193 gezählt wird, obwohl er sich erst später zum Augustus ausrufen ließ. Da außerdem Pertinax’ Schwiegervater Titus Flavius Sulpicianus, der Stadtpräfekt von Rom, mit Didius Julianus mitbot, als die Kaiserwürde versteigert wurde, findet man in der angelsächsischen Literatur gelegentlich auch den irreführenden Begriff Year of the Six Emperors für das Jahr 193, obwohl Sulpicianus zweifellos nie Kaiser war.

[Bearbeiten] Quellen

Quellen zum Sechskaiserjahr 238 sind unter anderem

Der wichtigste Bericht stammt dabei von Herodian. Alle diese Quellen sind aber auf ihre Art höchst problematisch, sodass es schwer fällt, eine zuverlässige Rekonstruktion der Ereignisse zu liefern.

[Bearbeiten] Literatur

  • Henning Börm: Die Herrschaft des Kaisers Maximinus Thrax und das Sechskaiserjahr 238. Der Beginn der „Reichskrise“?. In: Gymnasium. Band 115, 2008, S. 69 ff.
  • Frank Kolb: Der Aufstand der Provinz Africa Proconsularis im Jahr 238 n. Chr. Die wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe. In: Historia. Band 26, 1977, S. 440 ff.

[Bearbeiten] Siehe auch

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